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„Das Ende des Kapitalismus?! Horvat und Misik im Gespräch“ oder auch: „Keynesianismus vs. die Poesie“

Posted in kapitalismus kritik, politik, termin with tags , , , , , , , , , on November 15, 2016 by stefon

In der ARGE Salzburg fand im Rahmen des Open Mind Festivals 2016 die Montagsrunde der Robert Jungk Bibliothek Salzburg zum Thema „Das Ende des Kapitalismus?!“ statt. Eingeladen wurden Robert Misik (ein linker österreichischers Journalist) und Srećko Horvat (ein linker kroatischer Autor und Philosoph). Gemeinsam durften sie ihre Thesen und Gedanken zum bevorstehenden oder eben nicht immanenten Ende des Kapitalismus präsentieren.

An dieser Stelle sollen Argumente folgen, warum diese Veranstaltung nicht nur „Keynesianismus vs. die Poesie“ sondern auch „bla vs. blubb“ heissen hätte können.

Mit dem Wachstum ins Paradies oder: Wer kein Wachstum hat, muss zu blöd dafür sein

Robert Misik präsentierte Thesen aus seinem neuesten Buch mit dem Titel Kaputtalismus.

Robert Misiks „Kaputtalismus“ ist der Warnruf eines der innovativsten deutschsprachigen Intellektuellen. Die Botschaft: Wir müssen den europäischen Kapitalismus schnellstens stabilisieren, bevor er den nächsten Zusammenbruch heraufbeschwört, der katastrophale Auswirkungen auf Europa und die ganze Welt hätte.“ Yanis Varoufakis

Eine der Thesen Misiks lautet konkret, dass der Kapitalismus nicht mehr „funktioniert“. Er macht das daran fest, dass die „kleinen Leute“ nicht mehr am Wohlstand der in dieser Gesellschaft produziert wird, partizipieren. Dabei sieht er vollkommen davon ab, dass die Vermögensverteilung im Kapitalismus nie anders ausgesehen hat als jetzt (der allergrößte Teil des Reichtums ist in der Hand ganz ganz weniger, die allermeisten verfügen in dieser Gesellschaft über keinen Reichtum). Weiters stellt er sich auch gar nicht die Frage, ob der Zweck des Kapitalismus überhaupt die Wohlstandsvermehrung der breiten Masse ist. Schon gar nicht stellt er sich und den Zuhörer*innen die Frage, wie es zu genau dieser Reichtumsverteilung kommt.

Nein, das einzige, was er darüber zu vermelden weiß ist, dass diese Verteilung wohl ungerecht ist. Dass sie nicht sein soll. Die Ungerechtigkeit macht er auch einer konkreten Politik fest: Der Austeritätspolitik. Unbestritten ist: Beim Sparen am sozialen, beim Absenken von Löhnen usw. leiden gerade diejenigen, die ihre Arbeitskraft an Unternehmen verkaufen müssen: Lohnabhängige. Für Misik stellt sich die Lösung des Problems dann auch einfach da: Die Austeritätspolitik gehört abgeschafft. Es gehört investiert! Kurz: Es muss wieder eine keynesianische Wirtschaftspolitik her, die nicht in der Krise spart sondern investiert. Anders gesagt: Er wünscht sich das gleiche, wie jede*r neoliberale Wirtschaftspolitiker*in: Mehr Wirtschafswachstum. Weiterlesen

Tip: Regelmässige Diskussionsabende im Infoladen Salzburg

Posted in aktivismus, politik with tags , , , , , on November 11, 2016 by stefon

Wer gerne gemeinsam mit anderen Menschen nachdenkt und diskutiert, der*die sei der regelmässige (jeden dritten Dienstag im Monat um 19 Uhr) Diskoabend im Infoladen Salzburg wärmstens ans Herz gelegt. Organisiert werden diese Termine von der Basisgruppe Gesellschaftskritik Salzburg oder kurz geskrit. Schon am 15.11 wird über das Thema Kapitalismus und die Armen verschwinden? gesprochen.

Was ist nun dieser ominöse Diskoabend? Wir lesen gemeinsam nicht nur die beliebtesten Text der 70er und 80er Jahre, sondern auch aktuelle politische Thesen, Analysen oder auch ganz einfach Zeitungsartikel. Wir diskutieren gemeinsam und solidarisch und versuchen so die Welt ein Stück weit besser zu verstehen und so veränderbar zu machen. Kurz: Im Vordergrund steht diesmal weniger Party und Musik, sondern Grübeln und Diskutieren.

Auf ein gutes neues Diskussionsjahr 2016…

Posted in aktivismus, politik with tags , , , , , , , on Januar 5, 2016 by stefon

Wer von politischen Diskussionen im Jahr 2015 nicht satt geworden ist und auch 2016 Interesse hat mit anderen Menschen solidarisch über die herrschende Gesellschaft und ihre Auswirkungen zu plaudern, der sollte die Ohren spitzen: Denn schon im Jänner gibts zwei Möglichkeiten dafür. Die Basisgruppe Gesellschaftskritik Salzburg [geskrit] veranstaltete letztes Jahr monatliche Diskussionsveranstaltungen („Diskoabende“) und führt diese auch im neuen Jahr fort.

Die nächsten zwei Termine finden am Samstag den 16. Jänner um 17 Uhr im Sub Salzburg und am Dienstag den 19. Jänner um 19 Uhr im Infoladen Salzburg statt.

Sonne und Theorie, Sommer und Diskussion: Ende August antinationales Sommercamp

Posted in aktivismus, antikapitalismus, politik, termin with tags , , , , , on August 1, 2015 by stefon

Dieses Jahr gibt es Ende August (ja, das ist dann bald!) wieder ein antinationales Sommercamp im Süden veranstaltet von den Gruppen gegen Kapital und Nation. Genauer: Vom Freitag, August 28, 2015  – Mittwoch, September 2, 2015.

Eine Woche lang Sonne und Theorie, Sommer und Diskussion, Baden und Argumenten. Täglich werden dort zweimal zu entspannten Uhrzeiten drei bis vier parallele Workshops angeboten, die, wie „im echten Leben“, in Konkurrenz stehen zu Schwimmen, Schlafen, Spaziergängen, Kickern, und Lagerfeuerromantik (letzteres sehr umstritten). Es wird über vierzig Workshops geben.

Wer Interesse hat, sollte sich flott anmelden! Ein Zeltplatz kostet zwischen 9 und 13 Euro (je nach finanziellen Möglichkeiten) und inkludiert lecker veganes Essen. Das Camp findet im Süden Deutschlands (südwestlich von München,Bayern/BaWü) statt. Details gibts aus Sicherheitsgründen erst nach der Anmeldung.

Aus Salzburg werden Menschen mitfahren, wer Interesse hat, sich diesen anzuschliessen, meldet sich bei der E-Mailadresse geskrit@riseup.net der Basisgruppe Gesellschaftskritik Salzburg [geskrit].

Tauschringe: Eine sinnvolle Alternative zum menschenfeindlichen Geld?

Posted in antikapitalismus, soziales, termin with tags , , , , on Oktober 2, 2014 by stefon

Im Sub fand heute zum zweiten Mal der sogenannte Disko Abend (=Diskussionsabend) statt. Dieses Mal drehte sich alles um die Frage: „Sind Tauschringe eine sinnvolle Alternative zum Geldsystem“.

Hier will ich kurz meine Conclusion der Veranstaltung darlegen und vielleicht finden sich Menschen die einerseits Einwände gegen meine Argumente oder auch ganz einfach Ergänzungen zum Thema haben. Weiterlesen

Bildung im Kapitalismus? Scheise! Was tun?

Posted in aktivismus, antikapitalismus, politik with tags , , , , on August 27, 2013 by stefon

In einer Diskussion um den Text der Basisgruppe Gesellschaftskritik [geskrit] Salzburg mit dem Titel „Bildung im Kapitalismus“ hat sich folgende simple Frage ergeben: Was tun? Oder anders formuliert: Was für praktische Handlungsweisen ergeben sich aus der Analyse, dass emanzipatorische Bildung (sprich: ein Bildungssystem in dem es um die Vermittlung von Wissen und nicht um Selektion und Konkurrenz geht) im Kapitalismus nicht möglich ist.

Eine einfache (verbreitete bzw. KapitalismuskritikerInnen oft vorgeworfene) Antwort wäre diese: „Na dann schaffen wir den Kapitalimus eben ab!“. Die (nicht unbedingt unberechtigte) Antwort ist: Wie soll das denn konkret aussehen?

Wer sich wirklich an den herrschenden Zuständen stört und im Kapitalismus den Grund für viele (natürlich alle) Probleme sieht, der sollte eben genau daran hinarbeiten ihn loszuwerden. Was ich jedoch wichtig finde: Die Trennung zwischen privaten Zurechtkommen im hier und jetzt und dem politischen Aktivismus.

Ob (jetzt mal konkret bezogen auf das Bildungssystem) ein mensch sich ganz aus Schule und Uni rausnimmt und versuchst subsistent über die Runden zu kommen, ob eineR sich dafür entscheidet von Mindestsicherung zu leben oder ob einE andereR die Uni abschliesst: Das alles sind keine Aktionen die den Kapitalismus stören. Sie sind ein persönliches Zurechtkommen in diesem System und für mich gleichwertig und legitim.

Zurück zum politischen Aktivismus: An erster Stelle sollte Pragmatismus und Realismus stehen. Es ist wohl nicht falsch anzunehmen, dass im Kampf für die Abschaffung des Kapitalismus es wenige MitstreiterInnen gibt. Daher: „Kapitalismus kapputtmachen“ steht in nächster Zeit nicht am Plan.  Dafür braucht es nämlich, wenn nicht eine Mehrheit der Bevölkerung, so doch eine große Anzahl von Menschen. Die Folge aus diesem Schluss: Es muss darum gehen Menschen von den Gründen ihrer Sorgen, Belastungen, Nöte und Schäden  zu überzeugen. Zu zeigen dass es nicht an AusländerInnen, den bösen Amis, dem Finanzkapital oder den faulen Studis liegt, dass Mieten hoch sind, Nahrung teurer wird und Arbeitsplätze knapp.

Solange eine vernünftigte antikapitalistische Kritik nicht verbreitet ist, sollte die Agitation (sprich: das Überzeugen der Menschen von den Argumenten) im Vordergrund stehen. Egal ob durch Arbeit in studentischen Gremien, im Gespräch mit ArbeitskollegInnen oder durch Organisieren von Workshops in der alternativen Szene.

Wer also sagt: „Den Kapitalismus angreifen, das geht doch nicht“ liegt falsch. Es gibt genug zu tun, tu was!

Eine Polemik: Als mein Fernseher kapput wurde, habe ich…

Posted in aktivismus, politik with tags , , on Dezember 31, 2012 by stefon

Eine kurze Geschichte:

Letztens setzte ich mich auf die Couch, nahm die Fernbedienung in die Hand und wollte fernsehen. Doch was geschah: Nichts. Der Fernseher blieb ausgeschaltet. Ich bin natürlich sofort in den nächsten Elektronikladen gelaufen und habe mir eine Sicherung für den Sicherungskasten gekauft. Daheim angekommen wechselte ich die alte mit der neuen Sicherung und setzte mich zufrieden auf die Couch. Ein Griff nach der Fernbedienung, ein Druck auf die Taste und: Nichts. Klar dass ich mir das nicht gefallen lasse. Ich bin also schnurrstracks in den nächsten Elektronikladen und habe mir eine neue Fernbedienung gekauft. Doch siehe da: Auch mit dieser hat das Einschalten des Fernsehers nicht geklappt. Zu guter letzt habe ich die Batterien ausgetauscht und, Überraschung, der Fernseher lief.

Wer sich bei dieser „Geschichte“ auf den Kopf schlägt und meint: „Kurz mal schauen was denn nun die Ursache des Problems sein könnte und dementsprechend handeln wäre doch sinnvoller“ hat wohl recht. Sicher wäre eine Analyse der Situation (z.B. nachzusehen ob sich der Fernseher auch ohne Fernbedienung aktivieren lässt, testen ob die Batterien der Fernbedienung in einem anderen Gerät funktionieren, …) sinnvoller gewesen. Aber die Person in der Geschichte folgt dem Prinzip „Probieren statt studieren“.

Was bei dieser Geschichte so klar und logisch erscheint – vor dem Handeln die Situation kurz zu analysieren – erscheint in politischen Gruppen oder bei politischen Aktionen nicht so selbstverständlich zu sein. Da wird oft gesagt: „besser handeln statt nur reden“, „diskutieren verändert ja sowieso nichts“ und ähnliches.

Weil ich die Diskussion über die Sinnhaftigkeit der Parole „handeln statt diskutieren“ oft führen dürfte, will ich hier festhalten: Auch die Analyse, der Versuch die Jetzt-Situation zu erfassen, ist politisches Handeln. Es kostet Nerven, es kostet Zeit. Es strengt an. Aber es gibt auch Ergebnisse, es hilft weiter. Und das wichtigste: Es erlaubt es ein Ziel zu finden und anhand dieses politischen Ziels einen Weg (eine Form) zu finden, die am besten zu diesem Ziel führt.

Ohne Analyse, ohne Diskussion, ohne einem Verständnis der Jetzt-Situation ist die Veränderung durch Aktionen und politischen Handlungen nicht abzuschätzen, also wenig sinnvoll.

Wer dazu einen Widerspruch hat, ich freue mich über Kommentare und Diskussion.