Archiv für nationalsozialismus

Alles bewältigt, nichts begriffen! Nationalsozialismus im Unterricht

Posted in politik with tags , , , , , on Februar 27, 2012 by stefon

Dieses Mal gibt es wieder eine Buchempfehlung. Der Titel des Buches „Alles bewältigt, nichts begriffen! Nationalsozialismus im Unterricht“ von Rolf Gutte und Freerk Husken sagt schon recht genau um was es geht.

Der Faschismus war ein Unrechtsregime und Hitler ein Verbrecher; die Demokratie dagegen hat nicht nur nichts mit dem Faschismus gemein, sie ist ein Bollwerk gegen ihn. So etwas lernt man seit über 60 Jahren in deutschen Schulen.

Aber gelernt wird heute auch, dass man immer noch »den Anfängen wehren« muss, dass mit Millionen Arbeitslosen Weimarer Verhältnisse einreißen können und dass deshalb die demokratischen Volksparteien rechtzeitig den rechtsradikalen Wählern eine politische Heimat anbieten müssen.
Das wirft Fragen auf: Ist die Demokratie nun der Hort der Freiheit und allein schon deswegen das antifaschistische System? Oder ist sie auch nur eine Form von bürgerlicher Herrschaft, die rechtsradikales Gedankengut und (neo-)faschistische Gruppierungen als politische Alternative immer wieder selbst hervorbringt? Dann aber wäre es nichts mit dem behaupteten unversöhnlichen Gegensatz zwischen Demokratie und Faschismus und alle deutschen Schulbücher hätten Unrecht.
Rolf Gutte und Freerk Huisken untersuchen ein halbes Jahrhundert antifaschistische Erziehung. Ihr Resümee lautet: „Glaubt den Schulbüchern kein Wort!“

Eine Leseprobe und mehr Infos über das Buch findet sich auf der Website des VSA Verlages.

Am Schluss des Buches, wird auch noch kurz die Faschismus Analyse der DDR beleuchtet. Ein Zitat ist mir dabei besonders im Gedächtnis geblieben.

Wer im Gegensatz zum Kapital steht [Gemeint ist die Klasse der Lohnabhängigen, Anm.], der hat zwar jede Menge Gründe, sich gegen seine Ausbeutung zu wehren, der verfügt auch mit seiner Arbeitskraft über das Mittel, die Quelle des kapitalistischen Reichtums zum Versiegen zu bringen, doch ob sich Teile dieser Klasse zum Kampf gegen das Kapital organisieren, das hängt nicht an ihrer Klassenlage, sondern allein daran, ob sie sich den richtigen Reim auf den Grund ihrer Schädigung im Kapitalismus machen.

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ZeitzeugInnen: Nationalsozialismus erleben…

Posted in politik with tags , , , , , , on Juli 11, 2011 by stefon

Wer sich über den Nationalsozialismus informiert – über dessen Geschichte, Hintergründe, Entstehung, Auswirkungen, … kann sich ein Bild machen über diese Zeit. Fühlbar wird sie dadurch nicht – kann sie auch nicht.

Berichte von ZeitzeugInnen sind ein Zugang, die Gefühle und Erlebnisse der Betroffenen kennenzulernen. Während in den letzten zwei Jahrzehnten ZeitzeugInnen auf Veranstaltungen und in Schulen erlebt werden konnten, wird dieses durch das zunehmende Alter und auch die immer geringere Zahl der Überlebenden unmöglich.

Um die ZeitzeugInnen und deren Erfahrungen jedoch nicht vergessen zu lassen, gibt es die Möglichkeit diese in Buchform zu erhalten. Zwei dieser Bücher (die auch konstenlos/zum Selbstkostenpreis verfügbar sind), die mir sehr gut gefallen, möchte ich dabei vorstellen.

MÄRZ. Literatur und Gedächtnis. März 1938. Ein Lesebuch.
Hg. Judith Goetz, Alexander Emanuely. Wien: Verlag der Theodor Kramer Gesellschaft 2011. 176 Seiten. EURO 12.00. ISBN: 978-3-901602-44-3

MÄRZ ist ein Lesebuch. Den HerausgeberInnen sind bei der Auswahl der Beiträge drei Aspekte ein zentrales Anliegen gewesen: wie AutorInnen, die allein von ihrem literarischen Können allen LeserInnen bekannt sein müssten, aber kaum bekannt sind – AutorInnen des Exils – den März 1938 erlebt, verarbeitet, vermittelt haben und vermitteln; wie mit den überlebenden Menschen, für welche die Machtergreifung der Nazis ein Todesurteil bedeutete, nach 1945 umgegangen wurde; und wie die Erinnerung an das niemals zu Vergessende, an die Wege nach Auschwitz erhalten werden kann.
Ein Lesebuch bietet eine Auswahl, eine Verdichtung von Erzählung, ermöglicht durch verschiedene Perspektiven auf die Barbarei und die Konsequenzen, welche diese mit sich brachte. Eine solche Auswahl kann und soll nicht erklären, fassen, sie kann nur ein erstes, dichtes Bild schaffen, kann nur Anregung sein für weiteres Nachdenken und Lesen…
[Quelle: Österreichische HochschülerInnenschaft]

Ein kostenloses Exemplar gibts beim Bestellservice der ÖH.


Erinnerungen. Lebensgeschichten von Opfern des Nationalsozialismus

Es kommen aber auch vor allem jene Menschen zu Wort, die als Opfer im Mittelpunkt der Arbeit des Nationalfonds stehen. Der zweite Band der Jubiläumspublikation „Erinnerungen. Lebensgeschichten von Opfern des Nationalsozialismus“ ist diesen Menschen gewidmet.

Darin finden sich Lebensgeschichten von AntragstellerInnen des Nationalfonds aus allen Opfergruppen, die über ihr Verfolgungsschicksal berichten und somit einen unschätzbaren Beitrag für das kollektive Gedächtnis Österreichs leisten.
[Quelle: Nationalfonds.org]

Auch dieses Buch kann (zum Selbstkostenpreis) bestellt werden. Per Mail an m.langer@nationalfonds.org oder michaela.niklas@nationalfonds.org. Das Buch ist auch als PDF zum Download verfügbar.

ÖVP Salzburg: Keine glaubwürdige Distanz zur NS Zeit

Posted in politik with tags , , , , , , on März 2, 2011 by stefon

DerStandard.at vom 28.2.2011 (ÖVP-Sekretär würdigt prominenten Altnazi)

… „Ein aufrechter und gerader Mensch“ sei der im November 2010 verstorbene, hoch dekorierte deutsche Kampfflieger Herrmann gewesen, würdigt Huber den NS-Piloten. Huber beschreibt auch dessen Lebensweg nach 1945: Er habe Rechtswissenschaften studiert und danach als Anwalt gearbeitet.
Was Huber nicht geschrieben hatte: Herrmann war überzeugter Nationalsozialist und auch nach 1945 Teil der Naziszene. So hatte er beispielsweise den Holocaust-Leugner David Irving vertreten. …

Dieser Huber ist Büroleiter von Salzburger VP-Stadtvize  Harald Preuner. Natürlich: Solche Menschen wie Huber können sich einschleichen. Ich würde aber behaupten, dass so eine Position eines Menschen zum Nationalsozialismus doch auffallen sollte.

Aber gut: Das ganze ist geschehen. Wie reagiert die ÖVP Salzburg bzw. Harald Preuner

Nachdem der Artikel über die Kameradschaftszirkel hinaus bekannt geworden war und sich auch das Dokumentationsarchiv des Österreichischen Widerstandes (DÖW) für die Causa zu interessieren begann, ist man von Seiten der VP um Schadensbegrenzung bemüht: Huber werde in der nächsten Ausgabe der Kameradschaftspostille „eine entsprechende Klarstellung“ sowie „eine Expertise des DÖW“ veröffentlichen, teilt das Büro von Landesparteiobmann Wilfried Haslauer auf Anfrage des Standard mit.

Sprich: Es gibt keine Konsequenzen. Da äussert sich ein Mitarbeiter der ÖVP mehr als nur ein wenig positiv über einen Nazi und es geschieht NICHTS.

Die Herrmann-Würdigung war freilich nicht der erste einschlägige „Ausflug“ des VP-Sekretärs: 2001 geriet er in die Schlagzeilen als er sich bei einem Vortrag des rechtsextremen, revisionistischen russischen Historikers Viktor Suworow auch körperlich gegen protestierende Uni-Angehörige stellte. Huber trat in Bundesheeruniform auf. Es folgten ein Disziplinar- und ein Strafverfahren.

Es zeigt sich wie immer in Österreich: Die NS Zeit ist nicht aufgearbeitet und selbst mit Sympathien zum NS Regime kann mensch Karriere machen. Schaden tut das offensichtlich nicht.

Auf Bernhard Jenny’s Weblog findet sich zum Thema auch ein spannendes Posting.

 

FPÖ Steiermark Mandatar: Stehe neutral zu Nationalsozialismus

Posted in politik with tags , , , , , , , , on September 29, 2010 by stefon

Über den Parteichef der FPÖ Steiermark und dessen fehlender Distanzierung zur Waffen SS habe ich bereits berichtet. Wenn schon der Parteichef mit solchen Positionen auffällt, kann mensch annehmen dass es mit den anderen Mitgliedern der FPÖ Steiermark nicht anders aussieht. Und so ist es auch:

Hadwiger [Anmerkung: FPÖ Mandatar Steiermark] hatte in der Regionalausgabe der „Kleinen Zeitung“ auf die Frage: „Wie stehen Sie selbst zum Nationalsozialismus?“ geantwortet: „Ich hoffe neutral. Es war nicht wirklich alles schlecht, ich hänge der Ideologie aber nicht nach. Es ist nicht so toll, wenn man für Heimat ist und als Nazi angesprochen wird.“
[derStandard.at : Neuer FPÖ-Mandatar mit NS-Aussagen konfrontiert]

Also „neutral“ zum Nationalsozialismus stehen. Interessante Formulierung. Da reicht es nicht dass besagter Abgeordneter medial zurückrudert.

Der Bezirksobmann der FPÖ Voitsberg und Gemeinderat von Stallhofen relativert später gegenüber der APA: „Das ist missverständlich wiedergegeben. Ich distanziere mich vom Nationalsozialismus, ich will mit dieser Ideologie nichts zu tun haben. Ich wollte lediglich ausdrücken, dass gewisse Begriffe wie Heimat oder kulturelle Äußerungen wie Liedgut, das es vor dieser Zeit gab und von den Nationalsozialisten übernommen wurde, nicht in dieses Eck gestellt werden soll.“

Wer medial von Neutralität gegenüber dem NS Regime spricht und sich erst bei medialer Aufregung zurücknimmt, dem kann getrost Nähe zum NS Gedankengut vorgeworfen werden.

Weiteres interessantes Detail:

Der Elektrotechniker Hadwiger ist Mitglied der Akademischen Fliegerschaft Wieland Staufen Graz (Wahlspruch: „Aufwärts, sonnenwärts – deutsch und treu“) und verwendet als Intro für seine Homepage jene Sequenz aus Franz Liszts symphonischer Dichtung „Les Preludes“ aus der Mitte des 19. Jahrhunderts, die von den Nationalsozialisten am Beginn der „Deutschen Wochenschau“ ab Juni 1941, dem Zeitraum des Angriffs auf die Sowjetunion, verwendet wurde. Für diese Sequenz wurde die Bezeichnung „Russland-Fanfare“ gängig.

Wer von diesen Aussagen und solchen Positionierungen von FPÖ Menschen weiss und diese trotzdem wählt muss klar, dass er/sie dabei rechte/rechtspopulistische/rechtsextreme/nationalsozialistische Menschen in die Politik bringt.

Update (7.10):
Mittlerweile gibts zwei weitere Hinweise auf die Nähe der FPÖ Steiermark zum Nationalsozialismus.

  • Kurzmann widerspricht einem Passanten nicht, der Österreich als einen Judenstaat bezeichnet
  • Ein Loebner Bezirksfunktionär verschenkt an FPÖ Kollegen „Mein Kampf“ von Adolf Hitler

Freund der Waffen SS gewinnt in Steiermark Wahl

Posted in politik with tags , , , , , , , on September 27, 2010 by stefon

Am Wochenende fand die Landtagswahl Steiermark statt.

Die Ergebnisse:
Im vorläufigen Endergebnis sieht es wie folgt aus: SPÖ 38,4 Prozent – VP 37,1 – FP 10,8 – Grüne 5,3 – KPÖ 4,4 – BZÖ 3,0
Damit verlieren ÖVP und SPÖ Stimmen, Grüne stagnieren,  die FPÖ legt massiv zu.
[derStandard.at]

Die FPÖ hat also ihren Stimmenanteil verdoppelt. Natürlich alles andere als ein Grund sich zu freuen, aber auch alles andere als ein Grund sich groß zu wundern. Das Potential für recht(sextreme) Parteien ist nach der Abspaltung des BZÖs nicht einfach verloren gegangen. Diese WählerInnenstimmen gingen einfach wieder an die ÖVP und SPÖ. Nachdem die FPÖ sich nun wieder konsolidiert hat, ist dieser WählerInnenanteil nun auch wieder leichter ersichtlich.

Für mich jedoch erschütternd: Gerhard Kurzmann (Parteichef der FPÖ Steiermark) hat nun die Möglichkeit mitzuregieren. Und Gerhard Kurzmann ist laut eigenen Aussagen Mitglied der Kameradschaft IV (besteht aus ehemaligen Mitgliedern der Waffen-SS, sowie deren Familienangehörigen und FreundInnen ).

Und wo bleibt der Aufschrei: Im Parlament Martin Graf als Mitglied der rechtsextremen Burschenschaft Olympia, in der Steiermark ein Verehrer der Waffen SS als Landeshauptmann der FPÖ und Wahlgewinner.

Nie wieder Ulrichsberg – NS-Verherrlichung stoppen!

Posted in aktivismus, politik with tags , , , , , , , , , , on September 2, 2010 by stefon

Über meine Teilnahme an den Protesten gegen das Ulrichsberg Treffen 2008 habe ich berichtet. Dieses Jahr geht es weiter

Nachdem im letzten Jahr, auch aufgrund langjähriger antifaschistischer Proteste, das Ulrichsbergtreffen erstmals seit 50 Jahren nicht stattfinden konnte, wird im heurigen September leider wieder zu dieser rechts-revisionistischen Veranstaltung der Wehrmacht- und Waffen-SS-Veteranen, Neonazis und Politikprominenz nach Koroska (Kärnten) geladen.

Doch diesmal dürfen die braunen Kameraden ihr Großevent leider nicht mehr auf ihrem geliebten deutschen Berg abhalten – noch immer weigert das Bundesheer sich, die nicht mehr gehfähigen Veteranen, wie viele Jahre zuvor, zur Gedenkfeier am Gipfel zu chauffieren. Und dann kommt noch die Gemeinheit hinzu, dass es nur einer beschränkten TeilnehmerInnenzahl erlaubt ist, der samstäglichen Kranzniederlegung am Berg teilzunehmen.

Es wird im Jahr 2010 also nur eine kleinere Version des Ulrichsbergstreffen geben, klar ist aber, dass sich wieder rechte PolitikerInnen und Neonazis einfinden werden um das NS-Regime zu verharmlosen und geschichtsrevisionistische Propaganda zu verbeiten.

Daher:

Wir werden auch diesmal diese offene NS-Verherrlichende Feier nicht ohne Protest über die Bühne gehen lassen!
Deshalb rufen wir am Sonntag zur antifaschistischen Demonstration auf, am 19. September um 08:30 Uhr am Bhf. Maria Saal // gemeinsame Anreise aus Celovec (Klagenfurt) um 08:04 Uhr (Abfahrt-ÖBB) am Hbf.
Ab 13.00 Uhr wird es am Samstag, den 18. September einen Infopoint in der Klagenfurter Innenstadt geben.
Deutsche Täter sind keine Opfer! // NS-Verherrlichung stoppen! // Nie wieder Ulrichsberg – auch nicht am Zollfeld!
Mehr Infos und Terminübersicht auf www.u-berg.at

Rechte Gesinnung im Parlament

Posted in politik with tags , , , , , , , , , on April 16, 2009 by stefon

Nur damit mensch es nicht vergisst.

Wieder einmal versteht der Dritte Nationalratspräsident Martin Graf die Aufregung nicht. Diesmal geht es um die Einladung eines Mannes ins Parlament, der dem Dokumentationsarchiv des österreichischen Widerstands seit „vielen, vielen Jahren“ bekannt ist, „rechts am Rand des Rechtsextremismus“ sei und offenbar „kaum Berührungsängste zum deutschen Nationalsozialismus“ habe.

Wieder mal hat Martin Graf gezeigt was von ihm zu halten ist.

Marinovic war schon Gastredner bei der rechtsextremen AFP und hat einen Appell unterzeichnet, dass das „biologisch-genetische Erbe des deutschen Volkes“ gefährdet sei durch eine „multikulturelle Gesellschaft“ und „Hintergrundmächte“ , zu denen „Juden und Jüdinnen“ gehören.

Die Reaktionen der ÖVP und SPÖ die Martin Graf in den Posten des dritten Nationalratspräsidenten gehievt haben

Caps Begründung: Das Ganze finde in Eigenverantwortung des Veranstalters statt, und „damit haben wir glücklicherweise nichts zu tun“ , meint Cap. Im Klartext: Im Parlament kann man alles machen, man muss es nur in Eigenverantwortung tun.

Am vehementesten ist die rechte Flügelstürmerin der ÖVP, Maria Fekter, als Verteidigerin von Graf aufgetreten. Die Innenministerin hat die Wahl Grafs zu einem Testfall für die Demokratie gemacht: „Demokratie lebt von Spielregeln und deren Einhaltung. Zu diesen Spielregeln gehört es, dass im Hohen Haus die drei stärksten Fraktionen das Vorschlagsrecht für die Besetzung des Präsidiums haben“ , verteidigte sie die Wahl Grafs in eine der höchsten Staatsfunktionen.

Daran denken wenn mensch andere Demokratien und Länder (auch gerechtfertigt) kritisiert. In unserem Land geht es selbst katastrophal zu.

Zitat Quelle: DerStandard.at – Rechte Gesinnung im Parlament