Eine Polemik: Als mein Fernseher kapput wurde, habe ich…


Eine kurze Geschichte:

Letztens setzte ich mich auf die Couch, nahm die Fernbedienung in die Hand und wollte fernsehen. Doch was geschah: Nichts. Der Fernseher blieb ausgeschaltet. Ich bin natürlich sofort in den nächsten Elektronikladen gelaufen und habe mir eine Sicherung für den Sicherungskasten gekauft. Daheim angekommen wechselte ich die alte mit der neuen Sicherung und setzte mich zufrieden auf die Couch. Ein Griff nach der Fernbedienung, ein Druck auf die Taste und: Nichts. Klar dass ich mir das nicht gefallen lasse. Ich bin also schnurrstracks in den nächsten Elektronikladen und habe mir eine neue Fernbedienung gekauft. Doch siehe da: Auch mit dieser hat das Einschalten des Fernsehers nicht geklappt. Zu guter letzt habe ich die Batterien ausgetauscht und, Überraschung, der Fernseher lief.

Wer sich bei dieser „Geschichte“ auf den Kopf schlägt und meint: „Kurz mal schauen was denn nun die Ursache des Problems sein könnte und dementsprechend handeln wäre doch sinnvoller“ hat wohl recht. Sicher wäre eine Analyse der Situation (z.B. nachzusehen ob sich der Fernseher auch ohne Fernbedienung aktivieren lässt, testen ob die Batterien der Fernbedienung in einem anderen Gerät funktionieren, …) sinnvoller gewesen. Aber die Person in der Geschichte folgt dem Prinzip „Probieren statt studieren“.

Was bei dieser Geschichte so klar und logisch erscheint – vor dem Handeln die Situation kurz zu analysieren – erscheint in politischen Gruppen oder bei politischen Aktionen nicht so selbstverständlich zu sein. Da wird oft gesagt: „besser handeln statt nur reden“, „diskutieren verändert ja sowieso nichts“ und ähnliches.

Weil ich die Diskussion über die Sinnhaftigkeit der Parole „handeln statt diskutieren“ oft führen dürfte, will ich hier festhalten: Auch die Analyse, der Versuch die Jetzt-Situation zu erfassen, ist politisches Handeln. Es kostet Nerven, es kostet Zeit. Es strengt an. Aber es gibt auch Ergebnisse, es hilft weiter. Und das wichtigste: Es erlaubt es ein Ziel zu finden und anhand dieses politischen Ziels einen Weg (eine Form) zu finden, die am besten zu diesem Ziel führt.

Ohne Analyse, ohne Diskussion, ohne einem Verständnis der Jetzt-Situation ist die Veränderung durch Aktionen und politischen Handlungen nicht abzuschätzen, also wenig sinnvoll.

Wer dazu einen Widerspruch hat, ich freue mich über Kommentare und Diskussion.

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12 Antworten to “Eine Polemik: Als mein Fernseher kapput wurde, habe ich…”

  1. Jaja, man kann seine Probleme auch lösen, ohne gleich das (Strom)system ändern zu wollen. Und wenn man aufsteht, muss man deshalb auch nicht gleich auf die Strasse gehen, man kann ein konkretes Problem auch einfach dadurch lösen indem man es direkt angeht also in dem Fall direkt zum Fernseher gehen und den manuell einschalten, da gibt’s nämlich üblicherweise einen Knopf dafür ;-p

    • Rosa, ich glaube du interpretierst Sachen in den Blogeintrag die da gar nicht angesprochen werden und um die es in dem Text gar nicht geht.

      Es geht in dem kurzen Text gar nicht darum WAS gemacht werden soll in einer konkreten Situation. Also nicht um: „Fernbedienung neu kaufen ist besser/schlechter als Stromsystem zu ändern“.

      Das einzige Argument was hier gebracht werden soll ist: Vorher diskutieren/analysieren bevor gehandelt wird, hat seinen Sinn.
      Wenn du zu diesem Punkt ne Kritik oder nen Widerspruch hast, diskutiere ich den gerne.

  2. soll dir ein bussi vom chilli schicken

  3. Ich bin mal davon ausgeganen, dass der Beitrag nicht zufällig nach der Debatte bez. Bettler-Hilfe steht.

    Wenn man die Ursache-Wirkungs Analyse aus diesem Beitrag auf die Bettler-Hilfe Diskussion übeträgt dann war das Sammeln von Kleidung ja eigentlich genau die logische Schlussfolgerung 😉

    Es gibt Menschen, die zuwenig zum Anziehen haben und die von anderen Hilfangeboten nicht erreicht worden sind also ist es logisch denen Gewand zu schenken genauso wie es logisch ist, dass wenn die Batterien in der Fernbedienung leer sind einfach frische reinzutun.

    Allerdings glaub ich das der Vergleich etwas hinkt.

    Gleichzeitig ist es aber passend, weil man natürlich auch Kritik am System üben kann (wieso brauch ich bei Ferneshern heute unbedingt eine Fernbedienung, wenn ich nur das Programm umschalten will etc., Wieso kann ich statt der Fernbeienung nicht was anderes zum umschalten nehmen (Bluetoothfähiges Smartphone zum Beispiel).

    Aber die „Systemkritik“ (Der Kapitalismus versucht möglichst viel Profit zu machen und je mehr man kaufen muss umso mehr kann er davon machen) bringt mir in der Situation wenn die Batterie leer ist auch nicht wirklich was….

    • Aber die “Systemkritik” (Der Kapitalismus versucht möglichst viel Profit zu machen und je mehr man kaufen muss umso mehr kann er davon machen) bringt mir in der Situation wenn die Batterie leer ist auch nicht wirklich was….

      Das gegebene Beispiel hat NICHTS mit Ökonomie zu tun. Da ist die Batterie nicht „das System“ und der Fernseher nicht „die Medien“.

      Der EINZIGE Punkt der hier gebracht wird: Vorher schaun worans liegt dass was nicht geht, dann danach streben was zu ändern, wenn einem das stört.

      • Ok, ich glaub da sind wir uns einig:

        Analysieren, was man selber für das Problem hält, Lösung suchen und wenn machbar: Problem lösen.

        Meine Meinung: Je direkter, desto besser 😉

  4. Darüber zu diskutieren ist sicherlich vorab nicht schlecht, wenn man dabei zu einem Schluss kommt. Aber man muss auch Sachen ausprobieren, wie du zum Beispiel im Zusammenhang mit den Batterien gesagt hast, um zu sehen, ob etwas funktioniert. Natürlich sollte der gesunde Menschenverstand nicht weggelassen werden, um dabei keinen oder nicht noch mehr Schaden anzurichten.
    Aber sein wir uns doch einmal ehrlich, wie viele unzählige Diskussionen führen zu nichts, oder es geht nur darum, wer recht hat? Darum finde ich nur drumherum diskutieren bringt wenig, wenn man nicht handelt.
    Außerdem der Vergleich mit dem Fernseher hinkt wirklich ein bisschen nach, denn wenn er einmal nicht mehr geht, probiere ich einfach Sachen aus, damit ich ihn wieder zum laufen bringe und vergeude nicht unnütze Zeit damit mir zu überlegen wie ich ihn den wieder zum funktionieren bringe und wenn ich das nicht schaffe, muss der Fernseher wohl oder übel von einem Fachmann, der sich damit auskennt, repariert werden.

    • Aber sein wir uns doch einmal ehrlich, wie viele unzählige Diskussionen führen zu nichts, oder es geht nur darum, wer recht hat? D

      Solche Diskussionen zu kritisieren finde ich wichtig.

      Darum finde ich nur drumherum diskutieren bringt wenig, wenn man nicht handelt.

      a, Wo wird hier gesagt dass mensch nicht handeln soll?
      b, Muss gesagt werden: Diskutieren, Wissen ansammeln, versuchen Sachen zu verstehen – das ist sehr viel „handeln“. Merkt mensch auch daran wieviel Zeit und Energie es benötigt.

      Außerdem der Vergleich mit dem Fernseher hinkt wirklich ein bisschen nach, denn wenn er einmal nicht mehr geht, probiere ich einfach Sachen aus, damit ich ihn wieder zum laufen bringe und vergeude nicht unnütze Zeit damit mir zu überlegen wie ich ihn den wieder zum funktionieren bringe und wenn ich das nicht schaffe, muss der Fernseher wohl oder übel von einem Fachmann, der sich damit auskennt, repariert werden.

      Aber das „ausprobieren“, also nachschauen ob die Batterien zb leer sind, ist doch ein Versuch der Analyse des Problems. Falsch fände ich es, im Beispiel zu bleiben, Batterien zu kaufen ohne herausfinden zu versuchen ob es überhaupt an den Batterien liegt.

      Warum ists so schwer zu sagen: Stimmt, Diskussionen sind, solange sie in einer angenehmen Atmosphäre geführt werden und es um die Sache und nicht ums „Recht-haben“ geht, wichtig und notwendig?

      • b, Muss gesagt werden: Diskutieren, Wissen ansammeln, versuchen Sachen zu verstehen – das ist sehr viel “handeln”. Merkt mensch auch daran wieviel Zeit und Energie es benötigt.
        Je nach Situation kann so eine Diskussion durchaus Sinn machen, wenn man verschiedene Aspekte eines Themas kennen lernen will z.B.
        Wenn man sowieso keine Zeit für alles hat, was man machen will oder eventuell auch Leute abschreckt (die man nicht abschrecken will) oder sich bei Diskussionen zu sehr im Kreis dreht ists halt nicht so gut. Aber wenns ums Fernbedienung zum gehen bringen geht besteht die Gefahr natürlich nicht….


        Aber das “ausprobieren”, also nachschauen ob die Batterien zb leer sind, ist doch ein Versuch der Analyse des Problems. Falsch fände ich es, im Beispiel zu bleiben, Batterien zu kaufen ohne herausfinden zu versuchen ob es überhaupt an den Batterien liegt.

        Naja Batterien kann man immer brauchen, abgesehen davon, dass man natürlich Akkus verwenden soll und nicht Wegwerf-Batterien 😉


        Warum ists so schwer zu sagen: Stimmt, Diskussionen sind, solange sie in einer angenehmen Atmosphäre geführt werden und es um die Sache und nicht ums “Recht-haben” geht, wichtig und notwendig?

        Das mit dem „Recht-haben“ ist auch schwierig, weil es in einer Diskussion ja auch darum geht, seinen Standpunkt darzulegen und eventuell auch die eine oder andere Person zu überzeugen. Übertreiben sollte man es halt nicht.

  5. Ich würde auch sagen, das der Vergleich hinkt. Ein passenderer wäre gewesen, „mit der Fernbedienung erst geduldig auf den Tisch zu klopfen, dann fester. Irgendwann die Fernbedienung mit voller Wucht gegen die Wand zu knallen, dann die verwirrte WG-Kollegin bitten, ebenfalls die Fernbedienung gegen die Wand zu werfen, weil einem schon der Arm weh tut, dann das Gehäuse, die Tastatur und die anderen Teilchen aufheben – wieder gegen die Wand knallen… Es muss doch funktionieren – was sollte es denn sonst sein???“ 🙂

    @“Aber sein wir uns doch einmal ehrlich, wie viele unzählige Diskussionen führen zu nichts, oder es geht nur darum, wer recht hat? Darum finde ich nur drumherum diskutieren bringt wenig, wenn man nicht handelt.“

    Da bin ich eben mittlerweile der Meinung, wir verschwenden ne Menge Energie und Zeit indem wir „die Fernbedienungsstückchen gegen die Wand knallen“ und nicht mal mehr merken, dass das Fernbedienungsstückchen sind – damn, nettes Wort 🙂
    Es sind nicht „Diskussionen, die zu nichts führen“ sondern sie verändern unser Handeln. Es geht langsam, es gibt keine Fotos davon und wir werden die veränderten Handlungen vermutlich nicht mal mehr erleben – das macht sie nicht weniger wichtig.

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