Leider keine (künstliche) Intelligenz auf orf.at

Posted in medien with tags , , , , , , on Juni 15, 2018 by stefon

Der Hype um künstliche Intelligenzen scheint so groß zu sein, dass jegliche andere Intelligenz dabei über den Haufen geworfen wird. Forscher erschaffen psychopathische Künstliche Intelligenz, titelt orf.at am 12.6.2018. Auf science.orf.at lautet die Überschrift des detailierten Artikels „Norman“, der erste künstliche Psychopath.

Laut orf.at scheint es Forscher*innen also geglückt zu sein, eine künstliche Intelligenz (K.I.) zu erschaffen, welche psychopathische Züge aufweist. Da stellt sich doch die Frage, was ist mit psychopathisch eigentlich gemeint? Der Einfachheit halber hier die Definition von Wikipedia:

Psychopathie bezeichnet eine schwere Persönlichkeitsstörung, die bei den Betroffenen mit dem weitgehenden oder völligen Fehlen von Empathie, sozialer Verantwortung und Gewissen einhergeht. […]
(Wikipedia: Psychopathie)

Eine psychopathische K.I. sollte also manipulativ sein, Bedürfnissen anderer ignorant gegenüberstehen. Antisozial und irgendwie „böse“ eben.

K.I. Normal

K.I. Norman

Doch wie verhält sich diese böseste aller K.I.’s nun? Was haben die Forscher*innen erreicht?

[Die Forscher legten] „Norman“ […] eine Reihe von Tintenklecks-Bildern vor, ähnlich wie beim psychodiagnostischen Rorschachtest. Die Ergebnisse waren durchaus furchteinflößend: Während ein normal trainierter Algorithmus auf einem Bild „Menschen, die eng beieinanderstehen“ sah, antwortete „Norman“: „Ein Mann, der aus dem Fenster springt.“

Furchteinflössend, beängstigend? Eine K.I., welche nur Böses sieht? Wie haben dies die Forscher*innen erreicht? Weiterlesen

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Harald Welzer wäre gerne eine Spitzmaus…

Posted in medien, politik with tags , , , , , , on Juni 9, 2018 by stefon

Bei der Lektüre des Artikels Fortschritt statt Lebendigkeit (National Geographic Mai 2018, Seite 16) von Harald Welzer möchte man fast nach einem Lineal greifen. Wie groß, fragt man sich unbewusst, ist denn das Hirn des Autors. Der von Beruf wegens kulturpessimistische Autor erzählt uns nämlich folgendes:

Da habe ich gelernt, dass die Jäger und Sammler, die früheste Lebensform des Homo Sapiens, ein größeres Hirn hatten […].

Außerdem ist bei all dem Rackern [Anm. des Autors: Arbeit am Feld anstatt Jagen und Sammeln] das Gehirn kleiner geworden. ich nehme an: Die Jäger und Sammler haben sich das eine Weile angeguckt und sind dann kopfschüttelnd ihrer Wege gegangen.

Kopfschüttelnd des Weges würde man auch gehen, würde man so einen Artikel in irgend einem Blog finden. Er findet sich jedoch in einem – man möchte im ersten Moment glauben – seriösen Magazin: Der deutschen Ausgabe der National Geographic.

Prozessoren werden kleiner und kleiner – können sie dadurch immer weniger? Nein, sie werden im allgemeinen effizienter. Aber vielleicht ist das bei Gehirnen ja anders?

Die relative Größe des Gehirns in einem Tier wird häufig als Maß für dessen Intelligenz betrachtet. So haben Menschen mit 1,3 bis 1,5 Kilogramm deutlich kleinere und leichtere Gehirne als Pottwale (8,5 Kilogramm) und Elefanten (5 Kilogramm), doch bezogen auf die Körpermasse liegen sie auf den ersten Blick weit vorn im Tierreich: Das Denkorgan macht rund zwei Prozent ihres Gewichts aus.
Wieso aber ist dann die Spitzmaus mit einem relativen Gehirngewicht von vier Prozent bisher nicht durch bedeutende intellektuelle Leistungen aufgefallen? (Süddeutsche Zeitung – Wie Intelligenz und Größe zusammenhängen)

Jetzt mag man so eine Flapsigkeit in einem humoristisch gemeinten Text verzeihen. Doch Harald Welzer meint es ernst: Er findet, der Mensch entwickelt sich seit der Sesshaftigkeit in die falsche Richtung. Weiterlesen

Der Kapitalismus: Der schafft sich doch eh von selber ab, oder etwa nicht?

Posted in antikapitalismus, politik with tags , , on Januar 19, 2018 by stefon

Manchmal kommt mir diese Aussage in Diskussionen unter „Der Kapitalismus, der schafft sich früher oder später eh von selbst ab“. Die Gründe dafür, sind da auch mal ganz unterschiedlich: Einmal soll es an der Umweltschädlichkeit dieser Wirtschaftsweise liegen, ein anderes mal liegt an der ihm zugeschriebenen Tendenz, Reichtum in immer weniger Hände zu konzentrieren.

Oft dreht sich die Diskussion danach um die Frage, ob diese Gründe denn nun wirklich zu einem Ende dieser Wirtschaftsweise – genannt Marktwirtschaft – führt. Ob nun die Staaten nicht genug Eigeninteresse haben um bessere Umweltgesetze einzuführen oder ob denn nicht doch der Sozialstaat es schafft, die revolutionären Massen besänftigen und den 10 reichen Menschen in der Gesellschaft es weiter erlaubt, Kapitalismus zu machen.

Sinnvoller wäre es dabei jedoch, einen Schritt zurückzutreten und sich zu fragen: Warum sich diese Frage stellen? Wieso sollte mein Sorgenobjekt diese Wirtschaftsweise sein? Macht es Sinn, sich Gedanken darüber zu machen, welche Tendenzen, Situationen, Zustände eintreten müssen, damit diese Wirtschaftsweise auf dem Misthaufen der Geschichte landet?

Zu klären wäre doch vielmehr, was die Gründe sind, warum und ob der Kapitalismus an den viel beklagten unangenehmen Dingen (Armut, Umweltzerstörung, …) verantwortlich ist. Wenn darüber eine Einigung herrscht: Dann kann ja an der Abschaffung dieses Wirtschaftssystems aktiv herangegangen werden.

Sich jedoch die Frage zu stellen, ob sich der Kapitalismus – quasi von selbst – irgendwie dann doch selbst abschafft, das ist eine müßige Frage.

Stress in der Schwangerschaft: Ein Vergehen der Schwangeren gegen das eigene Kind?

Posted in antikapitalismus, feminismus, frauen, medien, politik, soziales with tags , , , , , , , on Mai 29, 2017 by stefon

Was Schwangere nicht tun dürfen, ist bekannt. Rauchen, trinken und sich ja nicht falsch bewegen. Was sie tun sollen auch: Gesund essen, am besten klassische Musik dem ungeborenen Kind vorspielen, usw.. Nun ist auch wissenschaftlich belegt: Schwangere sollen sich keinem nachhaltigen Stress aussetzen bzw. diesen Stress möglichst gut bewältigen.

Bei Frauen, die in der Schwangerschaft über längere Zeit gestresst sind, steigt im Fruchtwasser die Konzentration von Stresshormonen. Das kann sich laut einer neuen Studie Schweizer Forscher negativ auf die Ungeborenen auswirken.

So wird in einem science.orf.at Artikel mit dem Titel Wie werdende Mütter ihren Stress weitergeben berichtet. Es wurde festgestellt:

«Dauert die mütterliche Belastung länger an, ist der Kortisol-Spiegel im Fruchtwasser erhöht», so Studienmitarbeiterin und Psychologin Pearl La Marca-Ghaemmaghami.

Wenn während einer Schwangerschaft also Beziehungsprobleme auftreten, falls Geldmangel oder Zukunftsangst herrscht, so kann sich das negativ aufs Kind auswirken. Was folgt nun aus dieser Beobachtung, was ist der Schluss der Studienautor*innen?

Schwangeren Frauen, die sich längeren Stresssituationen ausgesetzt sehen, raten die Psychologinnen, „sich von einer psychologischen Fachperson unterstützen zu lassen, um die Belastungen besser zu bewältigen“.

Stressbewältigung, also den Umgang mit Stress erlernen, das ist der Schlüssel. Den Autor*innen der Studie ist schnuppe, warum eine gestresste Schwangere nicht aus der Wohnung auszieht, wenn es Beziehungsprobleme gibt. Es ist auch egal warum Stress aufkommt, wenn an die finanzielle Lage nach der Geburt gedacht wird. Die Gründe für Stress sind ihnen egal. Klar ist ihnen eines: Der Umgang damit ist wichtig. Nicht an der Behebung der Gründe muss gearbeitet werden, die Belastungen müssen (individuell! auf sich selbst gestellt!) von den Schwangeren besser bewältigt werden.

Damit befinden sich die Psycholog*innen in einem Boot mit den Vertreter*innen der Resilienz und Salutogenese Theorie. Anhänger*innen dieser Theorie sehen die Gründe für die psychischen und physischen Leiden der Menschen ganz im Umgang der Menschen mit widrigen Umständen (schlechte Umwelt, finanzielle Lage, körperliche Gebrechen) und nicht an den widrigen Umständen selbst. Denn diese Umstände müssen – laut ihnen – akzeptiert werden.

Seit ein paar Jahren gibt es in einigen Studienfächern, in denen das Thema Gesundheit eine Rolle spielt, ein neues Paradigma. Die Stichworte dabei sind Aktivierung von Ressourcen, Empowerment und Resilienz. Die Idee ist, den Fokus nicht mehr auf Beschränkungen und Krankheiten, sondern auf Möglichkeiten und Fähigkeiten sowie die damit verbundenen Widerstandskräfte von Menschen aller Altersstufen zu legen.
[…]
Es ist bedauerlich, wenn Leute sich geistig zustimmend in Verhältnissen einrichten, in denen sie als Material für fremde Zwecke der Geldverwertung verwendet werden.
Empfehlenswerter Artikel der Gruppen gegen Kapital und Nation (Bessere Gesundheit durch Selbstbetrug: Salutogenese) der sich mit dem Thema auseinandersetzt und auch auf Gründe von Stress eingeht.

Genau diese Haltung wird im verlinkten orf.at Artikel ersichtlich: Der Fokus liegt nicht auf der Kritik der Verhältnisse, die Menschen schaden, sondern darauf, Menschen klar zu machen: Kommt mit den Verhältnissen klar, an ihnen ist nicht zu rütteln. Wer damit nicht zu Rande kommt, ist selbst schuld.

Veranstaltungstipp: Gesundheit im Kapitalismus

Posted in antikapitalismus, kapitalismus kritik, politik, soziales with tags , , , , , , , on Mai 18, 2017 by stefon

Am Dienstag den 6. Juni um 19 Uhr findet im Unipark Nonntal eine Buchpräsentation und Diskussion zum Thema „Gesundheit im Kapitalismus“ statt.

Mit einer Kritik am Gesundheitswesen macht man sich leicht Freunde. Kaum eine gesellschaftliche Einrichtung wird so mit Kritik bedacht wie der Medizinbetrieb: dass es allzu vielen Vertretern mehr ums Geld als um ‚ihre‘ Patienten geht, dass es ihnen an Können fehlt, dass Kassenbeiträge zu hoch sind und an Versorgungsleistungen gespart wird… Und als Gipfel der Kritik wird gefordert: Gesundheit darf keine Ware sein! […]
Diese kritische Hochachtung vor Auftrag und Leistung des medizinischen Dienstes an der Gesundheit, ist die Sache des Buches, das im Vortrag vorgestellt werden soll, nicht. Es klagt nicht ein Mehr und Besser an heilsamen Dienstleistungen ein, sondern erklärt und kritisiert.

Trotz Digitalisierung mehr Arbeitsbelastung?

Posted in antikapitalismus, politik with tags , , , , , , , , on Mai 7, 2017 by stefon

Digitalisierung: Ein Megatrend der auf uns zukommt, unaufhaltsam und alles verändernd. Nun stellt sich für alle die Frage: Wie damit umgehen? Im privaten wie – natürlich – auch im beruflichen. So oder so ähnlich lesen sich Texte und Berichte wenn es um das Thema Digitalisierung geht. Auch ein heise online Artikel mit dem Titel DGB-Umfrage: Digitalisierung sorgt für mehr Arbeitsbelastung und Kontrolle nimmt sich dem Thema „Herausforderung Digitalisierung“ an. Gleich zu Anfang wird auch klar gemacht, was die Digitalisierung eigentlich leisten und sein sollte.

Eigentlich soll die Digitalisierung für mehr Flexibilität sorgen und Arbeitnehmer auch entlasten. In der Realität bedeutet sie aber für Beschäftigte mehr Belastung, mehr Hetze und mehr Multitasking. Das geht aus einer repräsentativen Umfrage hervor.

Warum sollte die Digitalisierung eigentlich so etwas wie mehr Flexibilität und Entlastung für Arbeitnehmer*innen leisten? Auf seinen Gedanken kommt mensch nur, wenn dieser Prozess als Teil des natürlichen Fortschritts der Gesellschaft gesehen wird. Technischer Fortschritt: Das soll ein Prozess sein, der das Leben für Menschen angenehmer und lebenswerter macht. Wer diese technischen Fortschritte entwickelt und wer sie zu welchen Zwecken einsetzt, diese Frage wird nicht gestellt. Dabei stellt sich gerade bei der Beantwortung dieser Frage heraus, dass es falsch ist sich darüber zu wundern, dass Digitalisierung gar nicht zu einem schöneren Arbeiten führt.

Wo findet denn die Entwicklung von technologischen Fortschritt statt? Einerseits in staatlichen Institutionen namens Universität, Fachhochschule usw usf. Der Staat investiert hier nicht nur Geld für Ausbildung von Arbeitskräften, sondern nimmt auch eine Menge von Ressourcen in die Hand um Grundlagen- und andere Forschung zu unterstützen. Ziel dabei ist die Stärkung der nationalen Wirtschaft in der internationalen Konkurrenz. Das sehen nicht nur einzelne Parteien so, das ist durchgesetzter Konsens jeder Partei. Staatliche Forschung macht nur Sinn im Kontext von Standortkonkurrenz. Weiterlesen

Gedanken zur JBZ Montagsrunde „Aufbruch zur Demokratie“

Posted in aktivismus, antikapitalismus, kapitalismus kritik, politik, review with tags , , , on April 24, 2017 by stefon

In regelmäßigen Abständen finden in der Robert Jungk Bibliothek für Zukunftsfragen Diskussionsrunden mit unterschiedlichsten Themen statt. Diesen Montag (24. April 2017) wurde Tamara Ehs zum Thema Aufbruch zur Demokratie – Konkrete Utopien einer demokratischen Gesellschaft eingeladen. Ich möchte kurz die These der Vortragenenden skizzieren und aufzeigen was mensch daran kritisieren könnte.

Konstatiert wurde eine Politikverdrossenheit. Es wurde hingewiesen auf sinkende Wahlbeteiligungen, auf das geringe Vertrauen der Bevölkerung in Politiker*innen usw usf. Festgehalten wurde auch: Die Politikverdrossenheit kommt nicht von irgendwoher – die soziale Situation vieler hat sich seit Jahren verschlechtert und die Zukunft sieht nicht rosiger aus.

Montagsrunde #95

Montagsrunde #95

Daraufhin wurden Formen direkter Demokratie beschrieben. Da ging es um Bürger*innenpartizipation bei Budgets, um Bürger*innenversammlungen zur Entscheidung über gesellschaftspolitische Fragen (wie Abtreibung oder Homosexuellenehe) oder auch um mögliche Formen der Partizipation bei Verfassungsfragen.

Ziel all dieser neuen Formen der Partizipation: Bürger*innen sollen sich wieder wahrgenommen fühlen, sollen ihre Meinung artikulieren können – kurz: Das Gefühl der Ohnmächtigkeit überwinden. Sich wieder als Teil dieser Gesellschaft empfinden.

Dabei ist es ja so: Die sozialen Notlagen der Leute, werden durch diese Art der Partizipation gar nicht behoben. Ob nun mit den 15% des Budgets, über die Bürger*innen entscheiden dürfen, Radwege gebaut oder bessere Straßenbeleuchtung gekauft wird – das ändert nichts an der Armut der Menschen. Ein Staat mag auch mal die Entscheidung über gesellschaftspolitische Themen aus der Hand geben, aber die Entscheidung ob ein Handelsabkommen abgesegnet wird oder wie die konkrete Außenpolitik aussehen soll, diese Themen gibt er nicht aus der Hand. Die Erkenntnis, als Lohnabhängiger in dieser Gesellschaft ohnmächtig zu sein, ein reines Anhängsel anderer Interessen zu sein, das sollte nichts negatives sein. Ganz im Gegenteil: Der Ausgangspunkt sich zu fragen, warum das so ist.

Die vorgeschlagenen Utopien von Partizipation sollen aber etwas ganz anderes bewirken: Menschen, die in diesem System unzufrieden sind befrieden. Warum? Damit nicht Le Pen, Hofer oder Trump an die Macht kommen. Sie sollen also ihre sozialen Nöte weiterhin ertragen mit dem Bewusstsein: Ein paar Sachen kann ich immerhin entscheiden.

Wäre es da nicht besser gemeinsam zu klären, warum Mieten hoch sind? Warum die Löhne immer niedrig sind? Warum Lohnarbeit stressig ist und nie gemütlicher wird? Kurz: Gemeinsam zu diskutieren und zu versuchen die Gründe für all die Missstände zu erkennen – und diese Missstände zu beheben.