Archiv für August, 2011

Was uns die Salzburger Politik erspart hat…

Posted in antikapitalismus, politik with tags , , , , , , on August 20, 2011 by stefon

… sind nicht hohe Mieten oder das Sinken der Reallöhne. Was sie uns aber dankenswerter erspart hat, ist das Vorhalten der kapitalistischen Normalität. Denn anstatt des eingeladenen Jean Zieglers, wurde dann doch Joachim Gauck eingeladen eine Rede zur Eröffnung der Festpiele zu halten.

… Und dann gibt es Salzburg! Und diese Festspiele! Hier gibt es Menschen, die Fantasie, Energie und Geld aufbringen, um ins Bewusstsein zu bringen, was uns auf die Spur des Überlebens zurückruft. Wir haben verschiedene Namen für diesen Vorgang, wenn Menschen das Grau ihrer Niederungen verlassen, sich neue Sichtweisen zumuten, neue Haltungen zu eigen machen, neu daran glauben, wichtig und wertvoll zu sein. …
Ausschnitt Joachim Gaucks Rede

Während dies die emanzipatorische, aufklärerische Seite der Festspiele hervorhebt, sieht das Jean Ziegler in seiner (nicht gehaltenenen) Festspielrede etwas anders

… Was ist mein Traum? Die Musik, das Theater, die Poesie – kurz: die Kunst – transportieren die Menschen jenseits ihrer selbst. Die Kunst hat Waffen, welche der analytische Verstand nicht besitzt: Sie wühlt den Zuhörer, Zuschauer in seinem Innersten auf, durchdringt auch die dickste Betondecke des Egoismus, der Entfremdung und der Entfernung. Sie trifft den Menschen in seinem Innersten, bewegt in ihm ungeahnte Emotionen.

Und plötzlich bricht die Defensiv-Mauer seiner Selbstgerechtigkeit zusammen. Der neoliberale Profitwahn zerfällt in Staub und Asche. Ins Bewusstsein dringt die Realität, dringen die sterbenden Kinder. Wunder könnten in Salzburg geschehen: Das Erwachen der Herren der Welt. Der Aufstand des Gewissens! Aber keine Angst, dieses Wunder wird in Salzburg nicht geschehen! Ich erwache. Mein Traum könnte wirklichkeitsfremder nicht sein! Kapital ist immer und überall und zu allen Zeiten stärker als Kunst. „Unsterbliche gigantische Personen“ nennt Noam Chomsky die Konzerne. …

Warum dieser Traum nicht zustande kommt, fasst er kurz zusammen

… Es ist gleichgültig, welcher Mensch an der Spitze des Konzerns steht. Es geht nicht um seine Emotionen, sein Wissen, seine Gefühle. Es geht um die strukturelle Gewalt des Kapitals. Produziert er dieses nicht, wird er aus der Vorstands-Etage verjagt. Gegen das eherne Gesetz der Kapitalakkumulation sind selbst Beethoven und Hofmannsthal machtlos. …

Als Hoffnung, als Mittel der Veränderung der Gesellschaft zu einer gerechteren, solidarischeren sieht er folgendes

Die Hoffnung liegt im Kampf der Völker der südlichen Hemisphäre, von Ägypten und Syrien bis Bolivien, und im geduldigen, mühsamen Aufbau der Radikal-Opposition in den westlichen Herrschaftsländern. Kurz: in der aktiven, unermüdlichen, solidarischen, demokratischen Organisation der revolutionären Gegengewalt.

Danke an Frau Burgstaller und der SPÖ Salzburg für das Ausladen Jean Ziegler, wer würde sich denn auch die einzigartige Atmosphäre der Festspiele von einem ewigen Nörgler wie Jean Ziegler vermiesen lassen wollen.

Die (nicht gehaltene) Rede Zieglers gibts auch auf youtube zum Nachhören

Feuer in die Herzen

Posted in aktivismus, antikapitalismus, politik with tags , , , , , , , on August 11, 2011 by stefon

Wir haben nicht weniger vor, als die herrschende Weltordnung zu stürzen. Erst dann haben alle Menschen, unabhängig davon wo sie leben, welche Hautfarbe sie haben und welches Geschlecht, die Chance auf ein menschenwürdiges Leben. Wir leben im Land der TäterInnen, historisch und gegenwärtig, Radikale, ökologische linke Opposition bedeutet, diese Verantwortung zu übernehmen.

Unser politischer Ansatzpunkt ist hier. Internationalistische Solidarität heißt nicht Mystifikation und Projektion eigenen Versagens auf Befreiungsbewegungen im Trikont, sondern Unterstützung ihrer Kämpfe, indem wir die Zerstörungsmaschine, die Kapitalismus genannt wird und die sich auch gegen uns richtet, behindern, wo immer wir können, und sie zerstören. Wir brauchen Konfliktbereitschaft, Verbindlichkeit und Solidarität in stabilen Oppositionsstrukturen.

Wir brauchen Leidenschaft und Kritik, wir brauchen Feuer in die Herzen in einem eiskalten Land – für eine soziale Revolution.

So liest sich der letzte Absatz von „Feuer in die Herzen – Gegen die Entwertung des Menschen“. Ein Buch von Jutta Ditfurth aus dem Jahr 1997.

Trotz des Alters lohnt es sich das Buch zu lesen, analysiert Dithfurt dort doch Themen wie Gentechnik, Atomkraft, Esoterik und Ökofaschismus. Die handelnden Person und Organisationen mögen dabei nicht mehr aktuell sein, die grundlegenden Fragestellungen und Gefahren sind jedoch die gleichen geblieben.

ÖVP-Bauernbund lädt Sarrazin nach Graz ein

Posted in politik, rassismus with tags , , , , , , , , , , on August 8, 2011 by stefon

Als gäbe es nicht genug VertreterInnen rassistischer Theorien in Österreich: Thilo Sarrazin wird vom ÖVP-Bauernbund nach Graz eingeladen (Sarrazins Buchpräsentation, Sarrazin Zitate).

So zeigt sich wieder was von der „Mitte“ der Gesellschaft zu halten ist. Nämlich das Anbiedern an rechtes Denken. Was sich von der FPÖ unterscheidet ist nicht der Inhalt, sondern maximal der Ton.

Wobei natürlich: Auch die FPÖ ist „Mitte der Gesellschaft“. Stellt sie doch den dritten Nationalratspräsidenten Martin Graf. Dieser nimmt unseren allseits beliebten Parlamentarier Königshofer unter Schutz und will nichts von einem sicheren Ausschluss aus der FPÖ wissen (mehr über Königshofers Aktivitäten).

Achja, als Gustoschmankerl ganz am Schluss: Mann mit Anti-Scheuch-Shirt auf Kirchtag verhaftet