Archiv für kritik

Gleichheit ist kein guter Einwand gegen den Kapitalismus!

Posted in antikapitalismus, politik, review with tags , , , , , on Juni 16, 2019 by stefon

Im Rahmen des offenen Lesekreis des Aufbruch Salzburgs zum Thema Kapitalismus vs. Klima wurde der Text Gleichheit ist Grün und Rot (ein Artikel von Andreas Exner in der Zeitschrift Luxemburg) diskutiert.

In diesem Text wird folgende These aufgestellt:

Eine ökologische Wende zum Vorteil aller gibt es nur mit sozialer Gleichheit. Wachstum des Kapitals kann nicht ökologisch kompatibel sein, weil es mit steigendem Ressourcendurchsatz einhergeht.

Im folgenden will ich Exners Argumente für diese These betrachten und kritisieren.

Soziale Gleichheit […] ist der wichtigste Faktor für Gesundheit und Wohlbefinden in den reichen Industrieländern.

Oder anders ausgedrückt: Materielle Ungleichheit schadet Menschen. Aber ist das so? Wenn ich mir zu wenig Nahrung oder nur schlechte Unterkünfte leisten kann, dann wird das sicher negativ für Gesundheit und Wohlbefinden sein. Und das sogar, wenn das alle Menschen in meiner Gesellschaft betrifft, also keine soziale Ungleichheit besteht. Genauso ist anzunehmen, dass wenn ich mehr als genug zu essen, ein schönes Haus am See und sonst auch genug Zeit habe meine Interessen und Hobbys auszuleben, es mich nicht stören wird, wenn andere Menschen vielleicht mehr Autos oder ein Haus mit mehr oder größeren Zimmern besitzen. Soziale Ungleichheit führt also auch nicht automatisch zu negativen Effekten.

Weiterlesen
Werbeanzeigen

Linke und rechte Kritik an der EU – Was ist davon zu halten?

Posted in antikapitalismus, politik, termin with tags , , , , on März 25, 2019 by stefon

Kritik an der EU gibt es zuhauf. Rechte Kritik von FPÖ und Co – Die EU unterdrückt die Nation und das Volk – aber auch linke Kritik – Friedensprojekt EU ist toll, aber der Lobbyismus und der Fokus auf die Wirtschaft ist ein Fehler – hat wohl jede*r schon mal gehört oder gelesen.

In der ersten Aprilwoche wollen sich zwei Veranstaltungen in Salzburg diesen zwei Sorten Kritik widmen.

Der rechte Standpunkt und die EU am Beispiel AfD: Die Wiederherstellung der Volkseinheit braucht staatliche Souveränität

Unipark Salzburg (Erzabt-Klotz-Straße 1 / Raum 1.009 / 1 Stock) am Mittwoch 3. April 2019 um 18 Uhr | Mehr Details

Was ist die EU? Friedensmacht oder ein Europa der Banken und Konzerne

soli.cafe (Schallmooser Hauptstraße 31) am Donnerstag 4. April um 19 Uhr | Mehr Details

An den zwei Terminen wird sich mit der Kritik genauer auseinandergesetzt und darüber diskutiert.

Rich Dad Poor Dad (#3): Mit Ellbogenmentalität gegen die Schubsereien des Lebens

Posted in kapitalismus kritik, review with tags , , , , on Januar 2, 2019 by stefon

Rich Dad Poor Dad: Ein Sohn hat einen reichen und einen armen Vater. Durch diese Erfahrung lernt er warum viel Menschen arm und ein paar wenig reich werden. Doch nicht genug: Er zeigt auf wie jede*r selbst reich werden kann!

mehr in der Klappentext Kritik und in meiner Blogpostreihe zu diesem Buch

Im 1. Kapitel des Buches „Lektion Eins: Die Reichen arbeiten nicht fürs Geld“ erzählt uns Robert wie er zu seinem reichen Vater kommt und über die ersten Lektionen, die er bei ihm erhält.

Zuerst lässt ihn sein reicher Vater für sehr wenig Geld in einem seiner Läden arbeiten. Damit lernt Robert seine erste Lektion: Für wenig Geld arbeiten, das ist hart und nichts Erstrebenswertes. Doch sein reicher Vater will ihm dabei noch mehr beigebracht haben: Schuld an dieser Lage ist nicht er – der Arbeitgeber – sondern Robert selbst. Denn dieser hat sich – wie die allermeisten Menschen – aufgrund seiner Emotionen – Gier und Angst – in ein Hamsterrad namens Lohnarbeit begeben.

Weiterlesen

Linke und rechte Parolen zur „Flüchtlingskrise“ ernst genommen…

Posted in rassismus, soziales with tags , , , on Dezember 21, 2018 by stefon

Im GegenStandpunkt Verlag ist ein lesenswerter Text zu diesem Thema erschienen (hier der Teaser):

In Chemnitz, Köthen und anderswo werden rechte Parolen geschrien, die ihre antirechten Gegner für abscheulich, aber irgendwie auch für unkritisierbar halten. Nicht wenige lehnen die Auseinandersetzung mit ihnen sowieso ab und halten schon den Versuch einer Widerlegung für dämlich. Beides ist verkehrt.

Wenn aufgebrachte Deutsche Die kriegen alles, wir kriegen nichts
anprangern und in der tiefen Überzeugung Wir sind das Volk!
dafür sorgen wollen, dass Deutschland Deutschland bleibt, werden uns trotz eingehender Prüfung ihre Argumente für den Segen einer ausländerfreien Heimat, in der ansonsten die Konkurrenz um Gelderwerb unter der Aufsicht und Regie einer starken öffentlichen Gewalt ungestört ihren gewohnten Gang geht, einfach nicht plausibel.

Nicht besser steht es um die antirechten Parolen, die bzw. deren Vertreter laut, bunt und mehr sind. In ihren Einwänden mit lauter Bekenntnissen zur alternativen weltoffenen Heimatliebe haben wir trotz aller Mühe weder überzeugende Beiträge gegen ihre Antipoden noch für die sorgenvolle Anteilnahme an der demokratischen Kultur des Gemeinwesens entdecken können.

GegenStandpunkt: An die „besorgten Bürger“ und die „Willkommensdemokraten“: Eure Parolen sind verkehrt!

Rich Dad Poor Dad (#2): Mit der Macht der Gedanken reich werden

Posted in antikapitalismus, review with tags , , , , , on Dezember 16, 2018 by stefon

Rich Dad Poor Dad: Ein Sohn hat einen reichen und einen armen Vater. Durch diese Erfahrung lernt er warum viel Menschen arm und ein paar wenig reich werden. Doch nicht genug: Er zeigt auf wie jede*r selbst reich werden kann!

mehr in der Klappentext Kritik

In der Einführung des Buches stellt Robert nochmal die Basis seines Wissens dar: Durch die Besonderheit zweier Väter (einer reich, der andere arm)  kann er sich kompetent zum Thema Geld und Wirtschaft äußern. Wissen, Gedanken und Einstellungen spielen für ihn eine große Rolle. Robert schreibt dazu:

Einer der Gründe, warum die Reichen immer reicher, die Armen immer ärmer werden […] liegt darin, dass der Umgang mit Geld zu Hause und nicht in der Schule unterrichtet wird. […] Was aber können arme Eltern ihren Kindern über Geld beibringen?

Es stimmt, wer nicht weiß wie diese Wirtschaft funktioniert, hat wenig Chancen sich durchzusetzen. Doch in seinem Zitat steckt mehr, nämlich auch das Umgekehrte: Wer sich mit Geld auskennt, der ist auch scheinbar automatisch erfolgreich!

Weiterlesen

Harald Welzer wäre gerne eine Spitzmaus…

Posted in medien, politik with tags , , , , , , on Juni 9, 2018 by stefon

Bei der Lektüre des Artikels Fortschritt statt Lebendigkeit (National Geographic Mai 2018, Seite 16) von Harald Welzer möchte man fast nach einem Lineal greifen. Wie groß, fragt man sich unbewusst, ist denn das Hirn des Autors. Der von Beruf wegens kulturpessimistische Autor erzählt uns nämlich folgendes:

Da habe ich gelernt, dass die Jäger und Sammler, die früheste Lebensform des Homo Sapiens, ein größeres Hirn hatten […].

Außerdem ist bei all dem Rackern [Anm. des Autors: Arbeit am Feld anstatt Jagen und Sammeln] das Gehirn kleiner geworden. ich nehme an: Die Jäger und Sammler haben sich das eine Weile angeguckt und sind dann kopfschüttelnd ihrer Wege gegangen.

Kopfschüttelnd des Weges würde man auch gehen, würde man so einen Artikel in irgend einem Blog finden. Er findet sich jedoch in einem – man möchte im ersten Moment glauben – seriösen Magazin: Der deutschen Ausgabe der National Geographic.

Prozessoren werden kleiner und kleiner – können sie dadurch immer weniger? Nein, sie werden im allgemeinen effizienter. Aber vielleicht ist das bei Gehirnen ja anders?

Die relative Größe des Gehirns in einem Tier wird häufig als Maß für dessen Intelligenz betrachtet. So haben Menschen mit 1,3 bis 1,5 Kilogramm deutlich kleinere und leichtere Gehirne als Pottwale (8,5 Kilogramm) und Elefanten (5 Kilogramm), doch bezogen auf die Körpermasse liegen sie auf den ersten Blick weit vorn im Tierreich: Das Denkorgan macht rund zwei Prozent ihres Gewichts aus.
Wieso aber ist dann die Spitzmaus mit einem relativen Gehirngewicht von vier Prozent bisher nicht durch bedeutende intellektuelle Leistungen aufgefallen? (Süddeutsche Zeitung – Wie Intelligenz und Größe zusammenhängen)

Jetzt mag man so eine Flapsigkeit in einem humoristisch gemeinten Text verzeihen. Doch Harald Welzer meint es ernst: Er findet, der Mensch entwickelt sich seit der Sesshaftigkeit in die falsche Richtung. Weiterlesen

Der Kapitalismus: Der schafft sich doch eh von selber ab, oder etwa nicht?

Posted in antikapitalismus, politik with tags , , on Januar 19, 2018 by stefon

Manchmal kommt mir diese Aussage in Diskussionen unter „Der Kapitalismus, der schafft sich früher oder später eh von selbst ab“. Die Gründe dafür, sind da auch mal ganz unterschiedlich: Einmal soll es an der Umweltschädlichkeit dieser Wirtschaftsweise liegen, ein anderes mal liegt an der ihm zugeschriebenen Tendenz, Reichtum in immer weniger Hände zu konzentrieren.

Oft dreht sich die Diskussion danach um die Frage, ob diese Gründe denn nun wirklich zu einem Ende dieser Wirtschaftsweise – genannt Marktwirtschaft – führt. Ob nun die Staaten nicht genug Eigeninteresse haben um bessere Umweltgesetze einzuführen oder ob denn nicht doch der Sozialstaat es schafft, die revolutionären Massen besänftigen und den 10 reichen Menschen in der Gesellschaft es weiter erlaubt, Kapitalismus zu machen.

Sinnvoller wäre es dabei jedoch, einen Schritt zurückzutreten und sich zu fragen: Warum sich diese Frage stellen? Wieso sollte mein Sorgenobjekt diese Wirtschaftsweise sein? Macht es Sinn, sich Gedanken darüber zu machen, welche Tendenzen, Situationen, Zustände eintreten müssen, damit diese Wirtschaftsweise auf dem Misthaufen der Geschichte landet?

Zu klären wäre doch vielmehr, was die Gründe sind, warum und ob der Kapitalismus an den viel beklagten unangenehmen Dingen (Armut, Umweltzerstörung, …) verantwortlich ist. Wenn darüber eine Einigung herrscht: Dann kann ja an der Abschaffung dieses Wirtschaftssystems aktiv herangegangen werden.

Sich jedoch die Frage zu stellen, ob sich der Kapitalismus – quasi von selbst – irgendwie dann doch selbst abschafft, das ist eine müßige Frage.