Occupy Salzburg: Wer, was und wohin denn überhaupt?


Vorbemerkung: Ich schreibe diese Zeilen als ein politisch aktiver Mensch in Salzburg, welcher nicht in der Organisationsgruppe von Occupy Salzburg ist. Dies sind also meine privaten Meinungen und Einschätzungen.

Durch die Protestbewegungen in Spanien und zeitlich folgend die Occupy Wallstreet Bewegung in den USA hat sich auch in Österreich, auch in Salzburg etwas getan. Am 15. Oktober 2011, dem internationalen Aktionstag, trafen sich 200-300 Menschen zu Kundgebung und Demonstration in Salzburg.

Für Salzburg eine recht beeindruckende Anzahl von Menschen, sicher keine 99%, aber doch Menschen die wohl vorher nie auf einer Demo oder Kundgebung waren. (Die „klassisch“ linke Szene in Salzburg war nicht anwesend, das soll aber kein Vorwurf sein). Das „Bauchgefühl“ dass etwas nicht „stimmt“ scheint doch bei einigen Menschen vorhanden zu sein. Soweit dass sie es sogar „wagen“ auf eine öffentliche Kundgebung zu gehen.

Auch wenn dies noch keinen Systemwechsel ausmacht, keine Revolution, so ist das doch ein Moment der zu nutzen ist. Die Frage stellt sich nur: Wer nutzt sie? Parteien welche populistisch auf WählerInnenstimmenfang gehen? Und dabei nehme ich keine Partei aus…

Oder rechte/linke Graswurzelbewegungen mit mehr oder minder parteinahen Verhältnissen. Occupy Salzburg als Gruppe und Plattform wäre die Möglichkeit das Bauchgefühl der Menschen zu addresieren, ohne sie auf Parteien verweisen zu müssen.

Doch wer soll in so einer Plattform Platz finden, mitarbeiten dürfen und was soll diese Plattform erreichen?

Occupy Salzburg ist eine inhaltlich nicht homogene Gruppe (gehen wir gegen Banken vor? gegen korrupte PolitikerInnen? gegen den Neoliberalismus? oder doch dem Geld und Privateigentum?). Es sind Menschen die bereits politisch in Organisationen aktiv sind und welche die „neu“ sind. Eine Mischung die das Zusammenarbeiten zwar nicht leicht, aber sicher spannend macht.

Aber Occuppy Salzburg muss keinen inhaltlichen Konsens finden. Ich würde sogar soweit gehen und sagen: Das wird auch nicht funktionieren. Für was dann Occuppy Salzburg?

Es wäre die Möglichkeit einer Plattform in der Einzelpersonen und Organisationen gemeinsam Aktionen im öffentlichen Raum planen. Und die dadurch erreichte Öffentlichkeit nutzt um politische Diskussionen zu fördern. Und in dieser Diskussionen können sich dann die verschiedenen inhaltlichen Positionen zeigen – im solidarischen Austausch von Argumenten.

Sollte es sich jedoch herausstellen, dass Occupy Salzburg inhaltlich einen Konsens finden will, dann wird sie wohl daran zerbrechen oder eben eine Organisation mit klarer inhaltlicher Ausrichtung sein, die sich mit gemeinsamen Aktionen anderer Organisationen/Personen schwer tun wird.

Also: Gemeinsam Aktionen planen und umsetzen. Aufmerksamkeit erregen und diese für politische Aufklärung nutzen.

Nebenbemerkung: Natürlich darf auch keine inhaltliche Beliebigkeit herrschen. Sexismus, Rassismus, Antisemitismus, … darf in keiner Bewegung Platz haben!

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3 Antworten to “Occupy Salzburg: Wer, was und wohin denn überhaupt?”

  1. Ich nutz mal die Gelegenheit mich hier zu äußern, weil sonst gibt’s Online-Diskussionen zu dem Thema ja leider nur auf Facebook und das ist nicht so mein Ding. Ich finde es gut, dass es eine Protestbewegung gibt und ich finde es auch gut, dass mal andere Leute protestieren. Allerdings weiss ich nicht so ganz, was ich davon halten soll.

    Ich denke schon, dass es gewisse gemeinsame Ziele geben soll, und auch eine Diskussion darüber, allerdings ist das nicht eh schon irgendwie vorgegeben, weil der Protest ja ein Teil der Proteste ist die ihren Ursprung in der Wallstreet-Bewegung hat?

    Da ich bisher nur die Online-Diskussionen kenne und mich auch da nicht beteiligt hab weiss ich nicht, was offline jetzt diskutiert worden ist…

    Ich bin nicht Teil der „klassischen linken Szene“ in Salzburg, die einzige „Organisation“ die sich mit Protesten beschäftigt (hat) mit der ich mich beschäftigt hab und das ehrlich gesagt auch nur per Internet (aber auch Livestream) war die Uni Brennt Bewegung… Ein Problem davon war, dass zwar alle ihre Art des Protests und ihre inhaltliche Ausrichtung durchsetzen wollten (die Vorstellungen der Beteiligten haben ja gereicht von: „ich will konkret in alle LVs die ich brauch um möglichst bald mit meinem Studium fertig zu sein und Karriere zu machen“ über den generellen Wunsch zur Diskussion über die Verhältnisse an den Unis und die Studienbedingungen bis zu gesellschaftspolitischen Diskursen die teilweise gar nichts mehr mit der Uni zu tun gehabt haben)….

    Irgendwie hab ich das Gefühl das das Ergebnis von Uni Brennt für Viele leider nur die Enttäuschung war, dass ihr konkretes Ziel nicht ermöglicht worden ist und Diskussionen dass natürlich die anderen, die die nach eigener Vorstellung nach falsche Einstellung zu der Bewegung gehabt haben schuld daran sind, dass es die Bewegung nicht mehr gibt (oder zumindest nicht viel davon übrig geblieben ist, anscheinend gibt es in Wien ja noch Reste davon)…

    Für die Occupy Salzburg Bewegung würde ich mir (als Zuschauerin, ja ich weiss das sollte es bei derartigen Protesten nicht geben, nur passive Zuschauer) dass es einerseits gewisse (realistische 😉 ) gemeinsame Ziele gibt, andrerseits (in einem gewissen Rahmen!) alle ihre Aktionsformen und Ideen umsetzen können und dass es viele interessante Diskussionen (online und offline) gibt. Weil für mich war Uni Brennt durchaus ein Erfolg, weil es eben Diskussionen mit Leuten mit total unterschiedlichen Hintergründen gegeben hat… was auch ein Grund ist, warum ich nicht in der „klassischen linken Szene“ in Salzburg bin, weil irgendwie kommt mir die viel zu einseitig vor (nein, ich bin nicht rechts und ich will auch nicht mit Rechten zusammenarbeiten!)… aber vielleicht sollte ich mir auch mehr Offline anschauen und nicht immer nur per Internet 😉

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