Archiv für September, 2011

Theorien alternativen Wirtschaftens

Posted in antikapitalismus, kapitalismus kritik, politik with tags , , , , , , on September 26, 2011 by stefon

heisst ein Buch des theorie.org Verlages geschrieben von Gisela Nötz.

Die Einführung liefert eine überschaubare und zugleich fundierte Darstellung exemplarischer Theorien alternativen Wirtschaftens und ihrer Umsetzung in die Praxis. Vorgestellt werden zunächst theoretische Modelle und ihre Protagonisten, von den Frühsozialisten, über die Zeit der beginnenden und fortschreitende Industrialisierung bis heute. Um eine Verständigungsbasis herzustellen, nimmt die Autorin Begriffsserklärungen vor und erklärt Betriebe und Betriebsformen, die Ansätze eines solchen Wirtschaftens verfolgen. Es folgen aktuelle Beispiele aus der Genossenschaftsbewegung, aus der Alternativbewegung der 1970er Jahre, der Kommunebewegung, der Ökonomie des Gemeinwesens, der Tauschökonomie und Umsonstökonomie und der Kommunalen Gemeinschaftsgärten.

Am Ende steht die Frage, wie es angesichts des Siegeszugs der Globalisierung der warentauschenden Gesellschaft und der weltweiten Krise gelingen kann, Theorien für eine andere herrschaftsfreie Welt in weitere Kreise zu tragen. Auch wenn utopisches Denken heute nicht gerade hoch im Kurs steht.

Wer einen Überblick über mögliches wirtschaftliches Handeln im JETZT sucht, ist bei dem Buch gut aufgehoben. Durch konsequentes Angaben von Quellen wird das Weiterlesen einfach gemacht. Obwohl nicht nur die Vorteile der jeweiligen alternativen Wirtschaftsweisen aufgezeigt werden, bleibt die Kritik derselbigen meist recht kurz.

Wer sich eine Analyse über den Sinn bzw. der Effektivität von alternativen Wirtschaftens Gedanken machen will, wird in dem Buch ein paar Ansätze dafür finden, wird aber nicht ganz glücklich damit werden.

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Die Finanzkrise und die Gier der kleinen Leute

Posted in aktivismus, antikapitalismus, politik with tags , , , , , , , on September 21, 2011 by stefon

… so lautete der Titel einer Diskussionsveranstaltung der Industriellenvereinigung Salzburg, stattgefunden am 20.9.2011.

Diskussionsveranstaltung und Buchpräsentation mit MMag. Michael Hörl

Die Finanzkrise und die Gier der kleinen Leute [Taschenbuch]

Aus Neugierde über die Menschen die solch eine Veranstaltung besuchen und den Inhalt bzw. dem Ton der Diskussion, beschloss der Autor dieses Textes dort aufzutauchen. Der Hinweis auf „geschlossene Veranstaltung“ auf deren Terminkalender liess nichts gutes erwarten. Bewaffnet mit einem der wenigen vorhandenen Hemden machte er sich trotzdem auf dem Weg zum Umspannwerk Salzburg-Aigen.

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Ein Mensch, eine Belastung für den Staatssäckel

Posted in antikapitalismus, politik, rassismus, soziales with tags , , , on September 12, 2011 by stefon

 Eine überwiegende Belastung für den Staatssäckel.

Das ist ein Teil der Begründung für einen negativen Asylbescheid in Österreich.

Der Beschwerdeführer scheint sich gerade in der jüngeren Zeit vor lauter Integrationsversuchen zu überschlagen. So konnte die SPÖ ihn jüngst als neuen ‚Genossen‘ (Anm.: auch im Original unter Anführungszeichen und kursiv) – so das freudige Schreiben der Partei – begrüßen. Ob diese Freude allerdings nicht eine kleine Trübung in Bälde erfahren wird – weil sich der Gambier zur Bezahlung des Mitgliedbeitrags per Einziehungsauftrag entschieden, aber kein Geld habe – bleibt abzuwarten.

[Quelle: derStandard.at : Was „unterm Strich“ vom Gambier blieb]

Die Institution, welche regelmässig über Tod und Leben von Menschen, also deren Asylbescheid entscheidet, zieht das Leben jener Menschen in den Dreck und macht sich darüber lustig. Wie üblich der Hinweis: Das ist EIN Fall von vielen vielen mehr die unentdeckt bleiben, da weniger spektakulär.

Bleiben wir jedoch bei dem Argument Eine überwiegende Belastung für den Staatssäckel. DIe ökonomische Verwertbarkeit eines Menschen entscheidet hier ganz klar über seine sichere oder unsichere Zukunft. Bevor jetzt aber über diese krasse Ungerechtigkeit gewettert wird. Bevor aufgrund dieser Aussage der Richter verteufelt wird: Ja, natürlich ist es unmenschlich. Aber das Argument der ökonomischen Verwertbarkeit ist Normalität in unserer Gesellschaft.

Es entscheidet darüber

  • was ich studieren darf
  • wo ich wohnen darf
  • ob ich arbeiten gehen muss und wenn ja, wie sehr ich dort erpressbar bin
  • wie alt ich werde
  • wie gesund ich bin
  • welchen Status ich in der Gesellschaft habe

Wenn unsere Gesellschaft also auf ökonomische Verwertbarkeit von Menschen, auf Profit aufgebaut ist, warum sollte der Staat dann gerade AsylwerberInnen anders behandeln? Warum gerade diese Menschen aus der Logik herausnehmen die unser tägliches Leben bestimmt?

Darum macht es Sinn sich mit dem Funktionieren unserer Wirtschaft, ihrer Grundlagen und Regeln auseinanderzusetzen. Wer Lust darauf hat, kann meine (kurze, hoffentlich motivierende) Einleitung zu dem Thema online lesen.

Was ist Gesellschaftskritik?

Posted in antikapitalismus, kapitalismus kritik, politik with tags , , , , , , on September 9, 2011 by stefon

Was aber ist, worauf zielt und wie operiert Gesellschaftskritik? Mit Axel Honneth lassen sich Sinn und Zweck der Gesellschaftskritik in Abgrenzung zur demokratischen Öffentlichkeitsarbeit des »normalisierten Intellektuellen« bestimmen.

Wahrend dieser gewissermaßen das Normalgeschäft kritischer Begleitung und Bewertung politischer Willensbildungsprozesse betreibt, stellt Gesellschaftskritik das Normale selbst, die gesellschaftlich produzierten Formen von Normalität, in Frage. Dem Gesellschaftskritiker geht es nicht um »einzelne Vorkommnisse, […] partikulare Fehlentscheidungen oder relative Ungerechtigkeiten«, sondern ums Ganze, Prinzipielle, Absolute.

Es geht ihm um »eine Form der Kritik, die hinter die Prämissen der öffentlich akzeptierten Problem beschreibungen zurückfragt und deren Konstruiertheit selber zu durchschauen versucht«. Es geht also um die Kritik gesellschaftlicher Selbstbeschreibungen, Selbsrverständnisse, Selbsrverständlichkeiten, um eine Kritik, die »Normalitäten« erschüttert, »Notwendigkeiten« an-zweifelt und »Wahrheiten« zersetzt.

[Quelle: Soziologie Kapitalismus Kritik (Klaus Dörre, Stephan Lessenich, Hartmut Rosa, stw Verlag)]

Gut zu dieser Definition von Gesellschaftskritik passt die Selbstbeschreibung der neuen Basisgruppe Gesellschaftskritik Salzburg

Über die herrschenden Zustände zu jammern, ist das eine; sie sich zu erklären, das andere. Wir haben uns zu zweitem entschieden, denn wir sind der Meinung: Nur wer die Verhältnisse verstanden hat, weiß, wie sie zu ändern sind. Das heißt, wir leisten als Basisgruppe Gesellschaftskritik zuallererst theoretische Arbeit.

Des Weiteren versuchen wir, unsere Erkenntnisse unters ,,Volk“ zu bringen. Dazu veranstalten wir Diskussionsabende und Workshops zu verschiedenen Themen.

Oktober, November und Dezember finden jeweils einmal im Monat eine Diskussionsveranstaltung statt.

Abschieben, Verdrängen, Einsparen

Posted in politik, rassismus with tags , , , , , , on September 2, 2011 by stefon

So kann mensch den Umgang der österreichischen Politik mit dem Thema Migration zusammenfassen.

Abschieben!“ ist das erste, was Menschen die nach Österreich fliehen hören. Abschieben wenns geht sofort. Und wenn nicht sofort, dann zumindest einsperren bis die Abschiebung möglich ist.

Konkret werden zehn und mehr Asylsuchende täglich kurz nach ihrer Ankunft – kaum ist ihr Zulassungsverfahren zu Ende – im Lager selbst vor einen Bundesasylamtsreferenten geladen. Der entscheidet nur aufgrund der Anhörung allein, also ohne weitere Erkundungen, über den Asylantrag – überwiegend negativ.
[DerStandard: Unter Lebensgefahr geflohen, eilig vors Asylgericht gestellt]

Der Umstand, dass MigrantInnen die Reise nach Österreich auch unter Lebensgefahr unternehmen, scheint kein Thema zu sein. Über Gründe von Migration wird nicht diskutiert.

Zu siebzigst lassen sie sich in den Laderaum von Kastenwagen pferchen, ohne Essen und Wasser; auf tagelangen Fahrten gibt es keine Pinkelpausen. Oder sie pressen sich in sargähnliche Vertiefungen unter die Bodenplatten eines Reisebusses, mit nichts außer Wasser in einem verschweißten Plastiksack, den sie, wenn sie Durst bekommen, aufbeißen müssen.

„Die meisten Asylsuchenden, die es bis nach Österreich schaffen, werden unter schlimmen Bedingungen geschleppt. Man muss davon ausgehen, dass eine Flucht ins reiche Europa auf dem Landweg mangels Alternativen so abläuft“, sagt Ruth Schöffl, Sprecherin des UN-Flüchtlingshochkommissariats UNHCR in Österreich.

Verdrängen wir die Not der Flüchtenden“ ist der Ruf der Politik an die Bevölkerung. Ignorieren wir die Gründe der Migration und unterlassen wir eine Diskussion über mögliche Verantwortung der westlichen Staaten.

Passend dazu wird eingespart

Durch die Einsparungen Österreichs bei der Entwicklungszusammenarbeit (EZA) ist das Land im internationalen Vergleich zurückgefallen. … Österreich entfernt sich somit weiter von dem gemeinsamen Ziel der UNO-Staaten, rund 0,7 Prozent des BIP für EZA auszugeben.
[derStandard: Österreich fällt bei Entwicklungshilfe international zurück]

Und dabei fällt davon nur 21% unter „richtige“ Entwicklungshilfe. Der Grossteil der „Entwicklungshilfe“ fällt auf Entschuldung, Betreuung von AsylwerberInnen, …

Von Entwicklungshilfe kann mensch halten was er/sie will. (Am besten eine kritische bis ablehnende Haltung). Aber klar ist auch: Verschärfte Asylpolitik und gleichzeitiges Kürzen in der Entwicklungszusammenarbeit zeigt was dem Staat Österreich (und jeden anderen auch) NICHT am Herzen liegt: Das Leben der Menschen und deren Bedürfnisse.