Archiv für November, 2011

5 Dezember in Salzburg, Seminar: Finanzkapital und Finanzkrise

Posted in antikapitalismus, politik with tags , , , , , , , , , on November 29, 2011 by stefon

WannSamstag, 3. Dezember · 11:00 – 18:00
WoSub Salzburg – Müllner Hauptstraße 11b, 5020 Salzburg

Die 2007 ausgebrochene Finanzkrise ist immer noch nicht überwunden. Begonnen hat sie damit, dass bestimmte Arten von Wertpapieren („asset backed securities“ und „collateralized debt obligations“) keine Käufer mehr fanden und darüber ihren Wert verloren. Zwischen Frühjahr 2007 und Frühjahr 2008 ist die Industrieproduktion in Europa um 20 % gesunken. Die vom Konkurs bedrohten Banken konnten nur mit staatlichen Zuschüssen und Garantien vor dem Zusammenbruch bewahrt werden. Ergebnis dieser staatlichen Rettungsmaßnahmen ist ein Banksystem, dessen Stabilität immer noch zweifelhaft ist, und eine Staatsverschuldung, die dazu führt, dass viele Staaten auf den Finanzmärkten keinen Kredit mehr bekommen oder dies ernsthaft befürchten müssen. Dass der Lebensstandard der Lohnabhängigen weltweit im Zuge der Krisenbewältigung gesenkt wird, ist dem wirtschaftlichen Sachverstand selbstverständlich.

Folgende Punkte sollen diskutiert werden:

Welche Bedeutung hat der Kredit für die sogenannte “Realwirtschaft”?
Woher bekommen die Banken eigentlich das Geld, das sie verleihen?
Was ist eigentlich ein Wertpapier und wie erhält es seinen Wert?
Was bedeutet es, dass das Finanzwesen “systemrelevant” ist?
Ist die Versorgung dieser Realwirtschaft mit Liquidität tatsächlich die eigentliche Aufgabe des Bankwesens und der spekulative Finanzüberbau ein Vergehen an diesem Auftrag?

Wen das Thema interessiert, sich damit näher auseinandersetzen will und keine Lust hat auf populistische Antworten: Auftauchen!

Mehr Infos auf der Website der Basisgruppe Gesellschaftskritik

Fekters faires Angebot

Posted in antikapitalismus, kapitalismus kritik, politik with tags , , , , , , , , , on November 26, 2011 by stefon

In einem derStandard Interview vom 25.11.2011 wird Bundesministerin für Finanzen Maria Fekter zum Thema Schuldenbremse interviewt. Dabei geht es natürlich auch um die Frage: Wo genau soll denn jetzt gespart werden? Für JunglehrerInnen hat Fekter dabei ein besonders faires Angebot

20 Prozent mehr Gage bei 30 Prozent mehr Arbeit ist ein faires Angebot, das neu anzustellenden Lehrern zumutbar ist.

Sprich: Für mehr Arbeit, weniger Geld bekommen. Es zeigt sich: Wenn widerstreitende Interessen (der Wunsch nach hohen Lohn und der Wunsch nach geringen Ausgaben) streiten, dann gibt es keine objektive Fairness. Es gibt nur Machtverhältnisse. Und Fekter ist sich sicher: Dieses „faire“ Angebot werde ich durchsetzen.

Die Krise nutzen um das Interesse der Lohnabhängigen nach Wohlstand zu schädigen? Nicht nur in den bösen bösen U.S.A. Natürlich auch in Österreich. Dies kann auch gut am Beispiel des Lohnabschlusses der MetallerInnen gesehen werden.

Mit einem durchschnittlichen Plus von 4,2 Prozent liegt der Abschluss jedenfalls erheblich über der Inflationsrate der vergangenen zwölf Monate von 2,8 Prozent, die als Basis für die Kollektivverhandlungen herangezogen wurde. Auch die zuletzt hohe Inflationsrate von 3,6 Prozent wurde damit abgedeckt. [derStandard]

Also alles fein und in Butter? Immerhin bekommen die MetallerInnen jetzt mehr Lohn als sie durch die Inflation verlieren. Quasi: Reallohnsteigerung. Wäre da nicht das schöne Wort „Mini-Warenkorb“. Während die Inflation mittels eines Warenkorbs berechnet wird, in dem allerelei Elektronikgeräte, Autos und Co betrachtet werden, besteht der Mini-Warenkorb aus Gütern des Alltags.

Laut IHS und Wifo wird die Inflationsrate in Österreich heuer auf 3,2 Prozent beziehungsweise 3,0 Prozent steigen. Helmenstein gibt aber zu bedenken, dass die Inflation laut dem sogenannten „Mini-Warenkorb“, also bei den Gütern des täglichen und wöchentlichen Bedarfs, schon jetzt mit 5,6 Prozent deutlich höher liegt. [diePresse]

Zurück zum Interview: Spannendes Zitat von Fekter zur Notwendigkeit der Schuldenbremse

Wer die Schuldenbremse nicht will, riskiert höhere Zinsen für unsere Schulden – und schickt das Steuergeld in die falsche Richtung, nämlich zu den Banken.

Unabhängig davon, ob dieser Sachverhalt zutrifft – Fekter bedient in bester Manier das TINA Prinzip. Sprich: Anstatt über den Sinn einer Wirtschaftsweise zu sprechen, welche den Sachzwang zu sparen erfordert, wird dieser Sachzwang als alternativlos dargestellt: There is no alternativ – TINA.

Natürlich will Fekter auch nicht wie wild sparen. Bei Pensionen, Bildung- und Sozialausgaben: Ja. Bei Firmenförderungen? Wohl eher nicht.

 Um das Konjunkturpflänzchen nicht vertrocknen zu lassen, werden wir bei Investitionsförderungen vorsichtiger sein als bei irgendeinem Körberlgeld

Um auch ja nichts auszulassen, wird die Mär des Mittelstandes bedient. Auf die Frage des derStandards ob denn nicht eine Vermögenssteuer den Sparzwang etwas mildern würde, erwidert Fekter

 Ich sage Ihnen, was ich für ungerecht halte: wenn einem, der 1000 Euro verdient, im Geldbörsel dank Transferleistungen genauso viel bleibt wie jemandem, der 2800 Euro verdient.

2/3 des Vermögens in Österreich gehört 10%. Anstatt diesen Sachverhalt zu thematisieren, weckt Fekter die Neiddebatte unter Lohnabhängigen. Dass Fekter im Interview auch noch das Kapital als scheues Reh das jederzeit flüchten könnte und die Banken auch von jeder Schuld freiwäscht sollte dabei nicht mehr wundern.

Warum wir eine neue Wirtschaftsethik brauchen…

Posted in politik with tags , , , , , , on November 14, 2011 by stefon

„Warum wir eine neue Wirtschaftsethik brauchen“, so lautet der Titel einer Veranstaltung des katholischen Bildungswerk Salzburg. Genauer geht es darum

Wirtschaftsethik fragt danach, ob die aktuellen Wirtschaftsprozesse gut sind, wie sie sind, oder was daran anders werden soll. An Diskussionen über Wirtschaftsethik beteiligen sich nur wenige Bürgerinnen und Bürger. Das ist schlecht für die demokratiepolitische Notwendigkeit, gerade auch Fragen des Wirtschaftens durch lebendige – eben auch zivilgesellschaftliche – Verständigungsprozesse zu begleiten, zu entscheiden und damit auch zu legitimieren. Dabei geht es um Fragen wie: Unter welchen Arbeits- und Einkommensbedingungen wird was produziert bzw. an Dienstleistungen bereit gestellt? Wie finanzieren sich Wirtschaftskreisläufe und welchen Einfluss hat das auf die Vermögens- und Einkommensverteilung? Welche Leistungen werden vorausgesetzt, aber nicht anerkannt? Welchen ,,Erklärungswert“ haben die herrschenden ökonomischen Theorien?

Spannend ist jedoch die Auswahl der GesprächspartnerInnen für die Diskussion. Einerseits Mag. Irene Schulte, Geschäftsführerin der Industriellenvereinigung Salzburg. Andererseits MMag. Michael Hörl, Wirtschaftspublizist.

Während bei Irene Schulte klar ist, welche Position vertreten werden, ist das bei einem Wirtschaftspublizisten nicht ganz so sicher. Jedoch: Michael Hörl steht der Industriellenvereinigung nahe und sieht die Verantwortung für die Finanzkrise bei den „Kleinen“. (Siehe auch mein Beitrag über eine Veranstaltung mit ihm und der Industriellenvereinigung Salzburg: Die Gier der kleinen Leute).

Das katholische Bildungswerk stellt sich also die Frage, warum sich wenige BürgerInnen an der Diskussion über Wirtschaftsethik beteiligen. Und lädt zugleich zwei massive VertreterInnen der Wirtschaft ein. Anstatt also sich GesprächpartnerInnen in der politischen Szene Salzburg zu holen und kontrovers zu diskutieren, wird wieder Propaganda über das Gute des UnternehmerInnentums verbreitet. Gut gemacht katholisches Bildungswerk!

Was es heißt im Kapitalismus “brauchbar” oder “überflüssig” zu sein

Posted in aktivismus, antikapitalismus, politik, soziales with tags , , , , , on November 5, 2011 by stefon

Wann: Mittwoch, 9. November · 19:00 – 22:00
Wo: SUB – Salzburg – Müllnerhauptstraße 11b

Immer wieder hört und liest man von „überflüssiger Bevölkerung“. Sarrazin hat von „Überflüssigen“ geschrieben, und auch in Bezug auf die „Dritte Welt“ spricht so manche_r davon, dass es zu viele Menschen gäbe und man diese nicht „brauchen“ könne. Aber was heißt das denn: Man „braucht“ einen? Wofür denn? Und wer bestimmt denn, wie viele Menschen es braucht? Wer ist das „man“, das eine_n braucht oder nicht braucht?

Im Zuge des Diskussionsabends klären wir gemeinsam, was es heißt, im Kapitalismus „brauchbar“ zu sein. Es wird sich dabei zeigen, dass es keine gemütliche Sache ist, „brauchbar“ zu sein – und dass es noch viel ungemütlicher ist, „überflüssig“ zu sein.

http://www.junge-linke.org/de/was-es-heist-im-kapitalismus-brauchbar-oder-uberflussig-zu-sein
http://geskrit.wordpress.com/2011/09/04/termine-herbst-2011/