Tauschringe: Eine sinnvolle Alternative zum menschenfeindlichen Geld?


Im Sub fand heute zum zweiten Mal der sogenannte Disko Abend (=Diskussionsabend) statt. Dieses Mal drehte sich alles um die Frage: „Sind Tauschringe eine sinnvolle Alternative zum Geldsystem“.

Hier will ich kurz meine Conclusion der Veranstaltung darlegen und vielleicht finden sich Menschen die einerseits Einwände gegen meine Argumente oder auch ganz einfach Ergänzungen zum Thema haben.

Als Start der Diskussion ist es keine schlechte Idee zu definieren was denn nun so ein Tauschkreis sein sollte, also eine Defition muss her:

In einem Tauschkreis oder Tauschring (auch Tauschzirkel, Zeittauschbörse, Nachbarschaftshilfeverein, LETS, Talentemarkt, Tauschnetz) werden vorrangig Dienstleistungen, gelegentlich auch Waren, ohne Einsatz gesetzlicher Zahlungsmittel zwischen den Teilnehmern getauscht.
[wikipedia]

Anders gesagt: Um Nachbarschaftshilfe oder Freundschaftsdienste (ich helfe dir mal und wenn ich irgendwann mal Hilfe brauche, dann hilfst du mir) geht es dabei nicht. Wichtig bei der Definition ist dabei auch der Satz „ohne Einsatz gesetzlicher Zahlungsmittel“. Geld (egal ob Dollar, Euro, …) darf bei dem Tausch keine Rolle spielen.

Wie sieht so etwas nun im konkreten aus? Als Beispiel wurde in der Diskussion die Plattform tauschkreise.at (Talente-Tauschkreis Salzburg) betrachtet. Ein paar Sätze aus ihrer Homepage

Die offizielle Währung im “Talente-Tauschkreis Salzburg” ist die „Talentestunde“. Waren oder Dienstleistungen werden gegen ein Zeitguthaben getauscht. Eine “Zeitwährung” bleibt immer gleich viel wert. Eine Stunde, die ich heute erbringe, wird in ein paar Jahren noch immer genau eine Stunde ( = 60 Minuten ) sein.

Immer aber steht beim Tauschen der Mensch im Mittelpunkt. Mit seinen Talenten, Begabungen und Fähigkeiten gilt es wirkliche Werte zu schöpfen.

Es werden also nicht billig Dienstleistungen und Waren getauscht. Die Waren und Dienstleistungen werden verglichen mit der für sie notwendig zu investierenden Zeit. Kurzes Beispiel: Eine Stunden Rasenmähen ist also gleich viel wert wie eine Stunde Babysitten. Drei Stunden PC reparieren hat den gleichen Wert wie drei Stunden Englisch beibringen. Wichtig dabei ist aber Wer eine Stunde für eine andere Person arbeitet, bekommt diese Stunde gutgeschrieben. Die Person welche die Arbeitsleistung bekommen hat, bekommt eine Stunde als „Schulden“ geschrieben. Der Tausch muss also nicht sofort erfolgen und auch nicht zwischen den gleichen Personen. Wichtig ist bei den Tauschringen nur, dass eine Person die eigenen „Schulden“ mit eigener Arbeitsleistung auch ausgleicht.

Was ist da also nun der Unterschied zum bestehenden Geldsystem? Zuerst auffällige Ähnlichkeiten: Ein Tauschmittel existiert da wie dort. Während es im Geldsystem Euroscheine sind die Mensch hergibt um an Waren und Dienstleistungen zu kommen, sind es im Tauschring „Schuldscheine“. Einen großen Unterschied gibt es jedoch: Lohnarbeit, anders gesagt: Unternehmen welche Angestellte für sich arbeiten lassen, gibt es bei Tauschringen nicht.

Wer sich vom fehlende der Lohnarbeit in Tauschringen begeistern lässt (Voraussetzung: Mensch ist sich der hässlichen Auswirkungen und Eigenschaften der Lohnarbeit bewusst), der oder die unterschlägt dabei die unangenehmen Eigenschaften die schon im Tausch selbst enthalten sind.

Kurz warum in einer Wirtschaft die auf Tausch basiert die Deckung der Bedürfnisse der Menschen nicht im Vordergrund steht: Wer tauschen muss um am Waren und Dienstleistungen ranzukommen, für den sind die Bedürfnisse anderer Menschen eben NICHT der Zweck der Produktion. Die Bedürfnisse der anderen Menschen sind das Mittel um selber an Waren/Dienstleistungen ranzukommen. Anders und kürzer formuliert: Die Menschen haben gegensätzliche Interessen im Tausch: Ich will möglichst viel für meinen Aufwand bekommen, die andere Seite siehts nur leider genauso.

Weiter: Es wird privat ohne Planung produziert. Waren/Dienstleistungen werden auf den „Markt“ geworfen und erst hier zeigt sich, ob ich konkurrenzfähig bin. Kann ich einen Tisch für den Aufwand von 4 Stunden tauschen, eine andere Person einen Tisch für 2 Stunden hertauscht, gehe ich leer (bzw. mit leeren Magen) aus.

Anstatt also gemeinsam herauszufinden was gebraucht wird, gemeinsam diese Dinge zu produzieren und auch gemeinsam zu konsumieren, wird privat und gegeneinander produziert. Dass dabei eine Menge an Absurditäten und Interessenswidersprüchlichkeiten herauskommt, sollte eineN nicht wundern.

Nur eine dieser Absurditäten: Ich schneide Haare in einem Tauschring. Ich verwende dafür eine Schere, brauche 1 Stunde und diese wird mir gutgeschrieben. Gibt es nun einen technologischen Fortschritt (anders gesagt: ich bekomme Zugriff auf eine Haarschneidemaschine) brauche ich plötzlich nur mehr 30 Minuten – bekomme also nur mehr 30 Minuten gutgeschrieben. Ich senke also den Wert meiner Arbeitskraft. Der Einwand: Dafür kann ich ja dann mehr Menschen Haare schneiden ist nur bedingt treffend, denn die Anzahl der Menschen die einen Friseurtermin brauchen, steigt nicht mit dem technologischen Fortschritt.

Nochmal zum Schluss: Wer Fehler oder Widersprüche im Text findet – bitte kommentiert und diskutiert mit mir direkt im Kommentarteil unten! Übrigens: Der nächste Diskoabend im Sub findet am 22. Oktober um 19 Uhr im Sub statt.

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5 Antworten to “Tauschringe: Eine sinnvolle Alternative zum menschenfeindlichen Geld?”

  1. Der Text „Bye bye Zinskritik…Über die Grenzen der Tauschkreise und den Unsinn der Freiwirtschaft“ passt da ganz gut, muss ihn noch fertig lesen… http://www.streifzuege.org/2005/bye-bye-zinskritik

  2. Rainald Says:

    Ergänzend hatte ich noch zwei Einfälle:
    1. Wäre es gut, wenn du die Notwendigkeit eines allgemeinen Äquivalents, auch für Tauschringe, aufzeigst. Denn nur mit dessen Einrichtung, hier durch einen Akt der Warenbesitzer, ist es möglich, dass der Tausch den Umkreis des unmittelbaren Produktenaustauschs („Barter“) verlässt.
    2. Kann man an den verschiedenen konkret-nützlichen Tätigkeiten, die die Mitglieder dieses Tauschrings verrichten, noch zeigen, dass diese gar nicht miteinander kommensurabel sind. Es braucht deshalb eine gemeinsame Einheit, mit der diese einfach unterschiedlichen und von der spezifischen Weise ihrer Verrichtung her gar nicht vergleichbaren, miteinander gleichgesetzt und quantitativ verglichen werden können.

    „Ich senke also den Wert meiner Arbeitskraft.“
    Weiter oben hattest du ja gerade hingeschrieben, dass keine Lohnarbeit, kein An- und Verkauf der Arbeitskraft, stattfindet, diese also auch nicht wertbestimmt ist. Wertbestimmt ist in dem Sinne des Tauschrings auch beim Haare schneiden nur das Arbeitsprodukt, auch wenn Konsumtion und Produktion da in eins fallen mögen, sich die Arbeit nicht in einem äußeren handgreiflichen Produkt niederschlägt, das für den Händewechsel als Ware geeignet ist.

    • Zu (1): Du meinst es wäre gut aufzuzeigen, dass die Tauschringe zwar kein Geld verwenden, aber dann doch wieder so ein allgemeines Äquivalent brauchen, damit es nicht bei dem direkten Tausch Waare gegen Ware bleibt?

      Zu (2): Kannst du die Kritik nochmal anders formulieren? Mir ist nicht ganz klar was du meinst / auf was du hinaus willst.

  3. Blaubart Says:

    Noch zu ergänzen: eine Zeitwährung wird in Tauschkreisen oft als gerechter als jetztige Währungen genannt. Ob aber die Gleichung „1 Stunde Minenarbeit erzeugt gleich viel Wert wie 1 Stunde Gassi gehen“ wirklich gerechter ist, wage ich zu bezweifeln.

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