Archiv für kapitalismuskritik

Warum Gewerkschaften notwendig sind und warum ich für eine Gesellschaft ohne sie kämpfe

Posted in antikapitalismus, kapitalismus kritik, politik, soziales with tags , , , , , , on Januar 31, 2015 by stefon

Der ÖGB will eine gerechte Arbeitswelt mit guten Arbeitsbedingungen und fairen Einkommen[…] Der ÖGB will, dass in einem sozialen Staat und in einem gemeinsamen Europa der Mensch im Vordergrund steht.

So klingt ein Teil der Forderungen des Österreichisches Gewerkschaftsbunds. Wer im Arbeitsleben steht, noch viel mehr aktive GewerkschafterInnen und BetriebsrätInnen wissen genau: diese „gerechte“ Arbeitswelt mit „guten“ Arbeitsbedingungen und „fairen“ Einkommen stellt sich nicht von selbst her. Ganz im Gegenteil sammeln Menschen die in Gewerkschaften und Betriebsrat aktiv sind, ständig Erfahrungen damit, wie die Interessen der ArbeitnehmerInnen geschädigt werden.

Sei es der geringe Lohn, der „trotz“ Gewinnsteigerungen des Unternehmens nicht höher wird, sei es der Arbeitsplatzverlust aufgrund Rationalisierungen. Seien es die schlechten Arbeitsbedingungen, welche die Gesundheit der ArbeiterInnen beeinträchtigen oder gar Gesetzesbrüche der Unternehmen. All diese Vorgänge passieren ständig und immerzu. Als Einzelperson ist diesen Schädigungen nicht viel entgegenzusetzen – daher gibt es die Gewerkschaften und deswegen haben sie sich gegründet. Um gemeinsam Druck ausüben und eigene Interessen durchsetzen zu können.

Diese Gründe legen den Gedanken nahe: Gewerkschaften sind eine feine Sache. Dabei könnte die Notwendigkeit von Gewerkschaften stutzig machen. Was für eine Gesellschaft ist dies, in der diejenigen, welche die Dienstleistungen und Güter herstellen, welche die Menschen brauchen, nicht diejenigen sind, die davon profitieren? Die Existenz von Gewerkschaften beweist, dass ohne den Zusammenschluss der Lohnabhängigen, ohne deren Drohung die Arbeit niederzulegen (Streik und ähnliches), die Lohnabhängigen noch schlechter dastehen würden. Warum ist das jedoch so, dass gerade diejenigen die Reichtum schaffen, nicht reich werden? Weiterlesen

(Anti–)Kapitalismus(-Kritik): Antikapitalismus (3/5)

Posted in aktivismus, antikapitalismus, politik with tags , , on April 11, 2011 by stefon

Dieses Posting stellt den dritten von fünf Teilen einer von mir geschriebenen Einführung rund um das Thema (Anti–)Kapitalismus(-Kritik) dar. Über Feedback freue ich mich natürlich sehr… (Vorherige Teile: Motivation, Kapitalismuskritik. Die nächsten Teile der Reihe: Kapitalismus ist Querschnittsmaterie, Weiterführend)

Warum sich nicht nur auf die Kritik von multinationalen Konzernen beschränken? Natürlich, der Konkurrenzdruck und das Streben nach Profit ist auch kleineren Firmen und Unternehmen zu  Eigen. Jedoch sind diese durch Staat und dem eigenen Finanzkapital in deren Verhalten eingeschränkt und verhalten sich dadurch nicht in diesem grossen Masse schädigend.

Wer sich auch gefragt hat, wann nun dieser Karl Marx von mir gennant wird, wird nun fündig.Marx zielt in seinen Büchern auf die wissenschaftliche Analyse des kapitalistischen Systems und kommt dadurch zu mehreren Schlüssen, die für eine wissenschaftliche und fundierte Kapitalismuskritik (in diesem Falle dann auch Antikapitalismus) notwendig sind.

Was ist Marxs Kritik an kapitalistischen Vorgehensweisen. Für ihn existiert der implizite und unbedingte Widerspruch der Klassen im kapitalistischen System. Weiterlesen

(Anti–)Kapitalismus(-Kritik): Motivation (1/5)

Posted in antikapitalismus, kapitalismus kritik, politik with tags , , on April 6, 2011 by stefon

Dieses Posting stellt den ersten von fünf Teilen einer von mir geschriebenen Einführung rund um das Thema (Anti–)Kapitalismus(-Kritik) dar. Über Feedback freue ich mich natürlich sehr… (Die nächsten Teile der Reihe: Kapitalismuskritik, Antikapitalismus, Kapitalismus ist Querschnittsmaterie, Weiterführend)

Motivation:

Vor einer Auseinandersetzung mit dem Thema Kapitalismus, stellt sich die Frage warum dies überhaupt notwendig sein sollte. Ist es wirklich notwendig natürliche bestehende Ordnungen zu hinterfragen? Ist es notwendig Systeme zu analysieren denen wir tagtäglich ausgesetzt sind, sind wir dadurch nicht automatisch ExpertInnen auf diesem Gebiet?

Für ein selbstbestimmtes, bewusstes Leben ist es notwendig eigenes Verhalten und Denken zu reflektieren und Einflüsse auf dieses zu erkennen. Gesellschaftliche Verhältnisse und Systeme beeinflussen das Denken und Handeln von Individueen. Dabei spielt es keine Rolle ob mensch sich dessen Einfluss bewusst ist.

Ein bewusstes Beeinflussen ist das steuerliche System. Es lenkt und beeinflusst individuelles Verhalten. Indem es Autos mit höheren Abgasen stärker besteuert als andere, beeinflusst es das Kaufverhalten von Menschen.Eine oft unbewusste Beeinflussung ist die Heteronormativität. Dieses ist das klassische binäre Geschlechterdenken in unserer Gesellschaft. Wenn eine Menschen von Kindesbeinen auf die Normalität von heterosexuellen Beziehungen gezeigt und gelehrt wird, so führt das zu einer Beeinflussung über das Denken von Sexualität und geschlechtlichen Rollenbildern.

Oft wird bei diesem Thema auf den freien Willen des Menschen verwiesen. Natürlich kann sich mensch gegen diese Einflüsse wehren. Mensch kann statt dem billigeren abgasarmen das teurere Fahrzeug wählen (auch wenn das natürlich nicht sinnvoll sein mag). Mensch kann sich von traditionellen Geschlechterrollen widersetzen und den eigenen Weg gehen.Um jedoch ersteres tun zu können, ist es notwendig finanziell gut gestellt zu sein, ist mensch das nicht, fällt diese Entscheidungsmöglichkeit weg. Um zweiteres realisieren zu können, braucht mensch oft einen starken Willen, viel Mut und oft ist die Konsequenz Diskriminierung oder sogar Gewalt gegen die eigene Person.

Alle diese Punkte zeigen die Notwendigkeit auf, gesellschaftliche System und Funktionsweisen zu hinterfragen und zu analysieren. In diesem Beitrag geht es konkret um unser wirtschaftliches System. Den Kapitalismus. Dieser ist besonders interessant, durchzieht er ja unser ganzes Leben.Kapitalistische Mechanismen kommen in unserer Freizeit (was können wir uns leisten?), unserem Berufsleben (wie sehr kann ich mich verwirklichen?) und auch in unserem zwischenmenschlichen Beziehungen (kann ich mir Kinder leisten? Wer arbeitet, wer bleibt zu Hause?) zum tragen.

All dies zeigt, dass die Frage, ob dieses kapitalistische System positives Verhalten der Menschen untereinander und der Natur gegebenüber belohnt, von Wichtigkeit ist.

DerStandard: Die Kluft zwischen Realität und Ideologie

Posted in antikapitalismus, medien, politik, soziales with tags , , , , , , on März 31, 2011 by stefon

Eric Frey, Kolumnist bei derStandard, fällt alle paar Tage durch äusserst neoliberal argumentierte und der Realität wenig entsprechende Kommentare auf. Doch heute hat er sich auf der Kommentarseite des derStandards selbst übertroffen.

Der Titel seines Kommentares: UN-Bericht über Entwicklung – Die große Kluft schrumpft

Die Meldung kommt alle Jahre wieder und scheint all jene zu bestätigen, die die Globalisierung als Katastrophe für die Armen der Welt sehen: Ein Uno-Bericht bestätigt, dass die Schere zwischen armen und reichen Ländern weiter auseinandergeht.

Zuerst wird das offensichtliche, dass sich nicht leugnen lässt bestätigt. Es geht weiter mit

Diese Rechnung stimmt, wenn jedes Land – egal, ob groß oder klein – als Einheit genommen wird. Sie ist aber irreführend, wenn es um die Ungleichheit zwischen den Menschen geht. Die beiden bevölkerungsreichsten Länder, China und Indien, wachsen nämlich viel schneller als die Industriestaaten; jedes Jahr entkommen dort Millionen der Armut und steigen in die Mittelschicht auf. Dadurch schrumpft insgesamt die Einkommenskluft auf der Erde.

Hier verfällt Eric Frey dem üblichen Irrtum, Wachstum von Staaten mit materieller Besserstellung von Menschen in diesem Staat zu verwechseln. Das Wachstum wird mittels BIP (Brutto Inlands Produkt) angegeben. WIE dieser Reichtum in diesem Land verteilt ist, darüber sagt das BIP gar nichts aus. Und die Reichtumsverteilung sieht in jedem Land schlecht aus (Bsp. Österreich: Die Top 10% der Bevölkerung besitzen einen Grossteil des Reichtums).

Dennoch hat der Uno-Bericht seine Berechtigung. Er zeigt, dass die ärmsten Länder, vor allem in Afrika, seit 1970 stark zurückgefallen sind – nicht wegen der Globalisierung, sondern weil sie anders als Asien und Lateinamerika von der globalisierten Wirtschaft links liegen gelassen wurden. Allerdings ist auch dieses Bild nicht vollständig. Denn der jüngste Anstieg der Rohstoffpreise stärkt das Wachstum in vielen afrikanischen Staaten.

Eric Frey geht also davon aus, dass die erhöhten Resourcenpreise für die Menschen in vielen afrikanischen Staaten verbesserte Lebensbedingungen bringen würden. Dabei sieht die Sache ganz anders aus: Durch steigende Lebensmittelpreise wird es für viele Menschen zunehmend schwierig sich das tägliche Überleben zu sichern. (siehe: Weltbank warnt: Nahrungsmittelpreise explodieren). Weiters scheint Eric Frey davon auszugehen, dass ResourcenproduzentInnen aus Afrika auf gleicher Augenhöhe zu denen der wirtschaftlich dominanten Staaten stehen. Was zusätzlich an der Realität vorbei geht.

Damit sich dieser Boom in einer nachhaltigen Entwicklung niederschlägt, müssten die betroffenen Länder allerdings viel härter gegen Korruption und Misswirtschaft vorgehen. Das ist die wichtigste Botschaft des Uno-Berichtes – und eine, die sich besonders schwer umsetzen lässt.

Da können wir ja beruhigt aufatmen. Die verhungenden Menschen, die repressiven Regimes, … sind alles keine Folgen von der Schuldenlast der sogenannten Entwicklungsländern, der Unterstützung von repressiven Regimes durch die EU, ausbeuterische Geschäftspraktikanten grosser Konzerne, grundlegender Übel unseres derzeitigen Wirschaftssystems, …
Nein, es ist die Unfähigkeit der AfrikanerInnen. Beruhigend, wir können uns mit guten Gewissen zurücklehnen und weiter konsumieren, produzieren und alle 5 Jahre ein Kreuzchen abgeben.

Konsum – Wir gehen wählen jeden Tag

Posted in antikapitalismus, kapitalismus kritik, politik with tags , , , , , , , , on August 11, 2010 by stefon

Das Therma Konsum und dessen Rolle im kapitalistischen System verfolgt mich nun seit längerem. Da dieses Thema sehr groß ist, versuche ich einzelne Aspekte nach und nach anzugehen.

Heute möchte ich über diese Annahme sprechen: Durch meinen täglichen Konsum, wähle ich zwischen Produkte. Konsum ist also etwas demokratisches.

Um diese Annahme genauer anzusehen, müssen wir uns zuerst mit dem Begriff der Wahl auseinandersetzen. Eine Wahl besitzt also eine besondere Eigenschaft

  • Jede Stimme ist gleich viel wert

Wahlen sind oft geheim, müssen es aber nicht sein. Es kann auch demokratische Abstimmungen geben die nicht geheim sind. Dieser Aspekt wird hier also nicht vernachlässigt.

In einer Abstimmung besitzt normalerweise JEDE Person GENAU eine Stimme. Beim Konsum ist das gerade nicht gegeben. Menschen haben unterschiedliche finanzielle Mittel. Also besitzen die einen mehr und die anderen wesentlich weniger Stimmen beim Konsum. Würde das Prinzip des Konsum auf eine Parlamentswahl angewendet werden, so würde dies also bedeuten dass reichere Menschen mehr Stimmen haben als andere. Also ganz und gar nicht demokratisch.

Mit diesem simplen Argument zeigt sich: Der Konsum ist also nicht demokratisch!

(Zum Thema „Wohlstands- und Überflussgesellschaft‘ – ‚Konsumterror – Konsumentenmacht‘:Konsum im Kapitalismus“ gibts einen empfehlenswerten Podcast)

Bettelverbot vor oder für Banken?

Posted in soziales with tags , , , , , , , , on April 2, 2010 by stefon

Heute früh wurde mir mal wieder ein österreichisches Schmankerl geboten. Ich stand auf dem Vorplatz des Salzburger Bahnhofes. Kurz bevor eine Gruppe von (vermutlich) RumänInnen an mir vorbeigingen, drehte einer davon um und wandte sich an mich. In der Hand ein laminiertes Blatt Papier. Ich wusste schon um was es ging und griff in meine Geldtasche um einen Euro hervorzuziehen.

Bevor ich jedoch dazukam, stürmte aus der BAWAG Bankfiliale, die sich direkt hinter mir befand ein Mann. Das erste was er von sich gab „Es gibt ein Bettelverbot vor Banken!“.  Ich gebe zu, davon hatte ich in dem Moment das erste mal gehört. Also war das einzige was ich von mir gab „Nagut, dann gehen wir halt 5 Meter weg.“

Diese Aussage hat den (vermutlich) Bankangestellten doch etwas irritiert. „Hilfsbereit“ informierte er mich über die Existenz von rumänischen Bettelbanden. Auf meine Antwort, dass ich das wüsste und dass diese Menschen sicher auch keine grosse Freude daran hätten betteln zu müssen, kam mein allerliebster Spruch zurück: „Sie Gutmensch“. Mit einer wütenden Handbewegung meinerseits endete das „Gespräch“ mit dem Bankangestellten, der sich wieder in seine Filiale zurückzog.

Ein paar Überlegungen zu diesem Vorfall.
Natürlich gibt es Probleme mit Bettelbanden. Die Frage ist wer von den Bettelnden das Geld bekommt, wofür es verwendet wird und so weiter. Es lässt sich auch trefflich darüber debattieren ob es Sinn macht Kleingeld herzugeben.

Aber am meisten macht mich die Reaktion des Bankangestellten wütend. Ein „fleissiger tüchtiger“ Mann der in einer respektierten Firma arbeitet und nach sozial schwächeren tritt. Mussten wir nicht gerade eine Bankenkrise durchstehen, in deren Milliarden Euro für die Rettung der Banken ausgegeben werden mussten? Sich als Bankangestellter in so einer Situation als moralisch hochwertiger zu sehen ist schon eine Leistung…

Und daher habe ich dazu jetzt zwei Fragen an euch!

  • Wisst ihr ob es ein Gesetz gibt, welches Betteln vor Banken verbietet?
  • Und wäre es nicht längst an der Zeit ein Bettelverbot für Banken zu beschliessen?

Würde mich sehr über Meinungen und Anregungen freuen…

Bankenkrise, das neue Brettspiel

Posted in antikapitalismus, kapitalismus kritik with tags , , , , on April 8, 2008 by stefon

Quelle: Netzpolitik.org