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Entsolidarität und Hetze: DerStandard vorne mit dabei…

Posted in medien, politik, soziales with tags , , , , , , , on Mai 10, 2012 by stefon

Über die Kommentare von Hans Rauscher im derStandard habe ich schon öfters gewettert. Heute ist es wieder Zeit. Denn im derStandard ist nach der Griechenland Wahl klar angesagt: Ja nicht zulassen dass sich ÖsterreicherInnen mit GriechInnen solidarisieren.

Gleich 3 mal durfte sich Rauscher in der letzten Woche auf der Seite 1 des derStandards über die Dummheit, der Verschlagenheit und Faulheit der GriechInnen beschweren.

Wenn die traditionellen Parteien ihren Kredit verspielt haben, dann kommen die extremistischen Gruppen. Manchmal von der extremen Linken, , im heutigen Europa eher von der extremen Rechten.
[… ]
Es seien Protestwähler, versichert man uns beschwichtigend, und sie meinten es gar nicht so. Das wird schon stimmen, zumindest für die Mehrzahl der Extrem-Wähler. Man sollte trotzdem meinen, dass sie in der Lage wären, zu erkennen, dass diese Parteien nichts besser, sondern alles schlechter machen würden.

Quelle: derStandard.at : Frustwählen

Ein Klassiker bei Rauscher: Wer sich (in seinen Augen) von der politischen Mitte verabschiedet ist „extrem“. Und „extreme“ Parteien sind alle gleich. Egal ob sie wie die FaschistInnen in Griechenland alle MigrantInnen aus dem Land werfen wollen (im besten Falle) oder ob sie wie die (sogenannte) radikale Linkspartei aus dem EURO austreten wollen. Ganz objektiv: Diese Parteien scheint ausser der Zuweisung „extrem“ nichts zu verbinden. Und doch werden sie gemeinsam genannt und die GriechInnen gescholten, dass sie gewählt wurden. Nicht weil Rauscher der Meinung ist dass der Austritt aus dem EURO schlecht wäre oder er Rassismus für ablehnungswürdig hält. Nein – die Inhalte werden bei ihm nicht besprochen. Es reicht die Zuweisung „extrem“. Und ganz am Schluss ist natürlich auch bei Rauscher klar: Demokratie schön und gut, aber klar ist auch, wenn die Menschen das „Falsche“ wählen, dann haben sie unrecht.

In Griechenland funktionieren die staatlichen Grundstrukturen irgendwie noch, wenn auch die sozialen Leistungen und der (überdimensionierte) Staatsapparat zurückgekürzt werden. Hellas ist aber wohl als Failing State einzuordnen, ein Land auf dem Weg in die Unregierbarkeit und Auflösung der Strukturen.
[…]
Die Griechen haben ihr Land am Wahlsonntag ein Stück weiter auf diesem Weg befördert, indem sie linksradikale und neonazistische Parteien stärkten. Aber Umkehr ist immer möglich. Die kommunistischen Staaten Mittel- und Osteuropas waren vor 20 Jahren praktisch Failed States: politisch und ökonomisch. Heute sind Polen, Tschechien, die Slowakei und Slowenien ziemliche Erfolgsgeschichten.

Quelle: derStandard.at : Failing State

Auch hier wieder: Griechenland hatte scheinbar einen zu großen Staatsapparat. So erklärt sich Rauscher die Welt. Dass es in einer kapitalistischen Weltwirtschaft in der Staaten um Erfolg konkurrieren VerliererInnen geben muss, dass erwähnt er natürlich nicht. Natürlich wird weiter gegen linke Parteien gehetzt: Ob links oder rechts. Ob für Sozialleistungen oder gegen MigrantInnen. Von den Inhalten will Rauscher nicht sprechen.

Wie sehr es ihm um das Wohl von Menschen geht, ist auch schnell ersichtlich. Bezeichnet er doch Polen, Tschechien, usw. als Erfolgsmodelle. Mögen sie auch im Vergleich zu anderen Ländern wirtschaftlich Erfolge feiern, den Menschen in diesen Ländern geht es nicht gut.

Alexis Tsipras macht sich keine Sorgen. Der jugendliche Führer des „Bündnisses der radikalen Linken“ (Syriza), das es bei den Wahlen in Griechenland mit 16,8 Prozent zur zweitstärksten Partei gebracht hat, will die Sparauflagen der EU sofort abschütteln, hat aber keine Angst vor den Folgen.
[…]
Das ist die klassische Mentalität „anderer Leute Geld“. Sie ist nicht nur auf Griechenland beschränkt und nicht unbedingt nur linkspopulistisch – auch die Rechtspopulisten sind gerne bereit, mit dem Geld anderer Leute die eigene Anhängerschaft oder „den kleinen Mann“ oder überhaupt „das Volk“ zu alimentieren.
[…]
Es ist aber genauso richtig, dass ein sehr beträchtlicher Teil der „normalen“ Griechen einen Wohlstand auf Kredit lebte.
[…]
Herrschaften wie Tsipras wollen das seelenruhig so weiter betreiben – mit dem Geld anderer Leute aus der EU. Und die Griechen haben sie gewählt.

Quelle: derStandard.at : Anderer Leute Geld

Auch hier will Rauscher den Menschen wieder in Erinnerung rufen: „Die GriechInnen sind und waren schon immer selbst schuld an ihrer Situation. Habt kein Mitleid, seht sie als Schmarotzer an, die unser Geld verprassen.“ Kleine Details entgehen Rauscher dabei wie immer natürlich. Beispielsweise: Das Geld das Griechenland aus den Rettungstöpfen der EU bekommt, geht sofort wieder zurück nach Mitteleuropa. Nämlich als Schuldenrückzahlung Griechenlands an deutsche, französische, spanische, .. Banken. Im Klartext: Wieder ein Rettungspaket für Banken, diesmal aber geschickter verpackt.

Von „Fehlern“ oder „Ungenauigkeiten“ bei der Recherche kann bei Rauscher nicht die Rede sein. Er und derStandard betreiben ganz klar Hetze und setzen sich ein für eine Entsolidarisierung.

P.S.: Wie zynisch die Welt ist, geht aus dem Artikel mit dem Titel „STANDARD-Chefredakteurin Föderl-Schmid erhält Vorhofer-Preis 2012“. Warum hat sie diesen gekriegt?

Föderl-Schmid setze sich in ihrer journalistischen Tätigkeit „in besonderer und vielfältiger Weise für eine offene demokratische Gesellschaft ein“.
[…]
Föderl-Schmid „ist unbeirrbar in ihrer kritischen Haltung gegenüber Mächtigen“, heißt es in der Jury-Begründung weiter.

Mensch sollte meinen, dass eine  Chefredakteurin etwas mit der Blattlinie zu tun hat, scheint nicht so zu sein…

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DerStandard warnt: Sicherer Arbeitsplatz ist unsicherer Arbeitsplatz

Posted in kapitalismus kritik, medien, politik, soziales with tags , , , , , , , , on März 30, 2012 by stefon

Eric Frey, Redakteur des DerStandards schlägt wieder zu: Im Kommentar Feuerprobe für die Eurozone hetzt er gegen Gewerkschaften in Spanien und Italien. Der Kern seiner Aussage: Je restriktiver die Arbeitsmarktgesetze (sprich: Schutz vor Kündigungen, …) desto schlechter geht’s der Wirtschaft. Im Umkehrschluss: Nachdem nur die Wirtschaft Arbeitsplätze schaffen kann, muss alles getan werden damit es der Wirtschaft besser geht. Sprich: Arbeitsmarkt liberalisieren, also Kündigungsschutz und ähnliches aufheben.

Die Gewerkschaften in beiden Ländern laufen Sturm gegen die geplante Lockerung des Kündigungsschutzes, was angesichts der hohen Arbeitslosigkeit nicht überrascht. Aber dabei ist es gerade die katastrophale Lage am Arbeitsmarkt, die Reformpolitikern wie Mario Monti und Mariano Rajoy gar keine Wahl lässt, als das größte wirtschaftliche Tabu in ihren Gesellschaften frontal anzugreifen. Sosehr es viele nicht glauben wollen: Je besser Menschen mit festem Arbeitsplatz vor Kündigungen geschützt sind, desto geringer ist die Chance, dass andere je einen Job finden.

Natürlich nicht erwähnt wird zb: Je niedriger der Kündigungsschutz, desto niedriger die Löhne. Denn: Wer leichter entlassen werden kann, muss auch schlechtere Arbeitsbedingungen annehmen. Aber ein viel wichtigerer Punkt: Firmen stellen Menschen nur dann ein, wenn sich das für die Firmen lohnt. Nicht aus einer sozialen Ader heraus. Und klar ist: Wenn es der Wirtschaft in Spanien und Italien schlecht geht, also zb die Exporte in andere Länder zurückgehen, dann werden diese Firmen auch keine Menschen einstellen.

Wie so eine Arbeitsmarktreform in Spanien aussieht, zeigt ein Artikel im derStandard in der selben Ausgabe auf

Die Abfindungen für Entlassene werden auf etwas mehr als die Hälfte gesenkt. Künftig macht es keinen Unterschied mehr, ob ein Rausschmiss gerechtfertigt ist oder nicht. Dies stellte bisher ein Richter fest. Außerdem können Massenentlassungen bereits dann durchgeführt werden, wenn der Unternehmer für die nahe Zukunft Verluste befürchtet. Falls ein Betrieb drei Quartale lang rote Zahlen schreibt, können die Löhne einseitig gesenkt, die Arbeitszeit erhöht oder der Mitarbeiter in andere Landesteile versetzt werden. Wer damit nicht einverstanden ist, kann „sich selbst entlassen“, indem er die Abfindung kassiert und geht. Die Probezeit in kleineren Betrieben wird von drei Monaten auf ein Jahr erhöht. Für Menschen unter 30 sieht das Gesetz einen schlecht bezahlten, einjährigen Anlernvertrag vor.

Wer die Bezeichnung solch einer Reform als „Geschenk für die Lohnabhängigen“ (so wie Eric Frey das sieht) als zynisch empfindet, der sollte sich bewusst sein: Der Erfolg einer Firma, das Funktionieren einer nationalen Wirtschaft bewirkt nichts positives für Lohnabhängige. In den allermeisten Fällen (siehe auch Hartz IV in Deutschland), ist eine Verschlechterung der Situation der Lohnabhängigen eine VORAUSSETZUNG für das gute wirtschaftliche Abschneiden in der Konkurrenz.

ARD: Hetze gegen Griechenland auch im öffentlichen Fernsehen

Posted in medien, politik, rassismus, soziales with tags , , , , on Juli 29, 2011 by stefon

Die Hetze gegen Griechenland in den privaten Medien, besonders im Boulevard sind bekannt (GEGENARGUMENTE: Die Hetze der Bild-Zeitung gegen „die Griechen“). Jedoch scheinen verkürzte Lösungen, ausgelassene Informationen und bewusst tendenziöse und verhetzende Beiträge nun auch in den öffentlichen Medienanstalten angekommen zu sein. Als Beispiel sei die Serie „Fakt“ des ARD zu nennen.

In der Sendung vom 18.7.2011 geht es unter anderem um „455 Milliarden für die Euro-Rettung – aus Deutschland“. Dieses (geschnittene) Video zeigt, wieviel Hetze in einem Videobeitrag von gerade mal 3min Platz hat.

Im Beitrag wird ein schlafender Grieche gezeigt, im Hintergrund wird typische griechische Musik gespielt. Vermittelt wird Langsamkeit, Gemütlichkeit. Die Einspielung einer  Auseinandersetzung zwischen DemonstrantInnen und Polizei wird vom Sprecher kommentiert „viel zu viele von den Euros wurden schon verfrühstückt“. In gerade mal 30 Sekunden wird das Bild des faulen und wenig vorausschauenden Griechen gezeichnet (siehe auch die von Merkel widerlegte These von den härter arbeitenden Deutschen).

Als reichte das noch nicht, wird auch an das Nationalgefühl appelliert. „Die Rechnung zahlen andere, besonders wir Deutschen“. So schnell werden aus den verschiedenen Interessen und Lebenswelten von in Deutschland lebender Menschen „wir Deutsche“. Egal ob Arbeitslose, ManagerInnen, Millionenerben, „MittelständlerInnen“, Chefs, LohnarbeiterInnen – sie alle scheinen gleich stark unter den Zahlungen an Griechenland zu leiden. So zumindest will es uns der Videoclip vermitteln.

Der Hinweis auf das „Leben über den Verhältnissen“ darf da natürlich nicht fehlen. Manfred Kolke von der CDU fordert daher auch die Senkung des Lebensstandards von den GriechInnen. Und zwar um 25- 30 Prozent. Der Mann darf ernst genommen werden, schliesslich wird genau das in Deutschland seit Jahren vorgemacht (Vom Niedriglohn zum Niedrigstlohn).

Nicht angesprochen wird:

  • Wohin geht das Geld das Griechenland erhält? Nämlich zu einem grossen Teil an europäische Banken.
  • Wer haftet, wer zahlt? Zu einem grossen Teil die arbeitende Bevölkerung, Verkuste der Banken werden sozialisiert.
  • Warum Griechenland das Geld braucht? Z.b. weil die Konkurrenzfähigkeit Deutschlands in den letzten Jahren aufgrund niedriger/sinkender Löhne massiv gestiegen ist
  • usw usf

Wilde und chaotische GriechInnen

Posted in antikapitalismus, kapitalismus kritik, medien, politik, soziales with tags , , , , , , , , , on Juni 17, 2011 by stefon

Jetzt überweisen wir stolzen Österreicher und Österreicherinnen ihnen schon soviel Geld, und dann das

… wird immer wilder und chaotischer demonstriert und gestreikt. Das verschärft die Pleitesituation natürlich noch.

Ja haben die GriechInnen denn keinen Verstand? Können die nicht diszipliniert und fleissig weiterarbeiten während ihr Reallohn beständig sinkt und die Gewinne der Unternehmen steigen (wie das bei uns und in Deutschland der Fall ist).

Die GriechInnen hätten doch schon lange sehen müssen, dass das komplexe System von Bankkrediten, Ratingagenturen und Staatsanleihen so nicht mehr gut gehen kann. Und weil sich die ArbeiterInnen in Griechenland damit nicht auskennen: Sind sie selbst schuld und sollen zahlen. (Und nicht die französischen, deutschen, … Banken die das Geld Griechenland geliehen haben).

Doch laut unserem Chefökonomen Rau und dessen Einserkastl im derStandard sind wir gar nicht so weit weg vom griechischen Schlendrian

Aber soeben hat der Währungsfonds gemahnt, dass wir etwas mit unserem Pensions- und Gesundheitssystem tun müssen. Wir mokieren uns über die Griechen, leiden jedoch selbst schon am Griechenland-Syndrom.

Und WEHE in Österreich regt sich wer gegen ein höheres Pensionsalter oder wegen weniger Leistungen im Gesundheitssystem auf! Es geht halt nichts über die Umverteilung von Geld von Lohnabhängigen in Richtung Firmen.

Oder geht es doch auch anders?

Der zentrale Grund für die Stoßrichtung des Sparpakets liegt darin, dass dieser Staat schlicht nicht den Zweck verfolgt, seiner Bevölkerung ein gutes Leben zu verschaffen. Daraus wird auch kein Hehl gemacht: Als oberstes Ziel im Staat, da sind sich die Parteien einig, gilt das Wirtschaftswachstum. Bei dieser Art von Wachstum geht es nicht darum, mehr nützliche Sachen zu produzieren, um damit die Bevölkerung zu versorgen.

Von Ungarn und Österreich #bettelei #hetze

Posted in politik, rassismus, soziales with tags , , , , , , , , on April 28, 2011 by stefon

Bei Nachrichten über Ungarn wird meist von der neuen Verfassung und der Medienzensur geschrieben. Weniger oft wird über die Behandlung der Roma in diesem Land berichtet.

Am Rande eines Bürgerkrieges: Roma in Ungarn werden ,,evakuiert“. Weil die Staatsmacht in Ungarn nicht in der Lage oder Willens ist, die Einwohner vor Übergriffen rechtsextremistischer Paramilitärs zu schützen, hat das Rote Kreuz Frauen und Kinder aus der Gefahrenzone evakuiert. Die Regierung spricht von ,,Osterurlaub“. Der Staat bleibt so untätig wie zuvor, versucht lediglich die ,,Kontrahenten“ zu trennen. Inzwischen organisieren sich auch die Roma.
[Quelle: d|rom|a: Staat kapituliert vor Neonazis]

Da fragt sich mensch natürlich: Wie kann es soweit kommen? Eine Minderheit die so drangsaliert, bedroht, verachtet und ausgeschlossen wird. Vielleicht hilft uns da ein Artikel der Salzburger Nachrichten vom 21.April mit dem Titel: Festspielzeit auch für Bettlerbanden.

Auf Streife mit zwei Zivilbeamten in der Salzburger Innenstadt. Taschendiebe, Bettler, Betrüger: drei Festnahmen.

Ohne mit der Wimper zu zucken, werden sofort BettlerInnen, TaschendiebInnen und BetrügerInnen in einen Topf geworfen. So wird der Kriminalisierung von Bettelei Vorschub geleistet.

Es ist Osterfestspielzeit. Für Taschendiebe, Kreditkartenbetrüger und organisierte Bettlerbanden ebenso eine Festspielzeit. Wären da nicht engagierte Kriminalbeamte, die ein besonderes Auge haben.

Auch hier: Die Vermengung von Bettelei und Kriminalität. Und natürlich: Engagierte PolizistInnen die sich für Ordnung und Recht einsetzen. Im besten journalistischen Stil begleitet die SN dabei die Zivilstreife und betrachtet deren Alltag aus einer äusserst „objektiven“ Sicht.

Sie beobachten zwei südländisch wirkende Männer, die offenbar von einem Bandenchef Instruktionen bekommen. Dann lungern die Männer im Park neben der juridischen Fakultät herum. Sie fühlen sich offenbar beobachtet.

Ich will mal nicht so sein und über die Diskussion hinwegsehen, ob es möglich ist mit blossen Auge die StaatsbürgerInnenschaft von Menschen zu erkennen. Die Worte „Bandenchef“ und „lungern“ zeigen jedoch klar welche Position der Journalist vertritt.

Jetzt wird Verstärkung gerufen. Zwei Beamte in Uniform sichern die beiden Zivilbeamten. Alle acht Personen werden überprüft. ,,Die Frau ist ausgeschrieben zum Haftantritt, ebenso ein weiterer Slowake. In der Gruppe ist auch noch ein Ungar, der sich offenbar mit einem gefälschten Ausweis ausgewiesen hat“, erklärt Gauglhofer. Minuten später fährt ein Polizeibus vor, die drei Festgenommenen steigen bereitwillig ein.

Spätestens jetzt wäre doch der Zeitpunkt gekommen, die Betroffenen, die der Kriminalität und des Gesetzesbruches beschuldigten Menschen nach ihrer Warte, ihrer Position zu befrage. Fehlanzeige. Für die Salzburger Nachrichten scheint es so etwas wie Unschuldsvermutung und neutrale Berichterstattung nicht zu geben. Was die Polizei sagt, das gilt eben.

Die junge Eisverkäuferin am Salzachkai verfolgt scheinbar ungerührt das Geschehen. ,,Aber ehrlich gesagt, manchmal habe ich schon Angst, weil solche komischen Leute hier immer mehr werden.“

Schön wäre es wenn die Eisverkäuferin mit „komische Menschen“ die Polizei meint. Die Obrigkeit die sich an der Bettelei stösst und friedliche Menschen kriminalisiert. Aber nein, „komisch“ sind Menschen die am Strassenrand knien und betteln.

Wer jetzt noch nicht genug hat von der Behandlung sozial Benachteiligter Menschen, der wird belohnt. DerStandard.at berichtet:

In einem beliebten Bierlokal im Wiener Alten AKH dürfen sich Gäste nicht aussuchen, wen sie auf ein Getränk einladen

Darf man sich in der ,,Stiegl-Ambulanz“ nicht aussuchen, wem man ein Getränk spendiert? Nein, erklärt Hans-Peter Fasching, Serviceleiter des Lokals: ,,Man kann sicher nicht irgendeinen Sandler einladen.“ Warum? ,,Dazu gebe ich keinen Kommentar ab“, meint Fasching. Nur so viel: ,,Ich bin sicher nicht auf der linken Grün-Seite daheim.“

„Sandler“, „Zigeuner“, … sind Menschen zweiter Klasse. Nicht nur haben sie kein Recht auf die Unschuldsvermutung und objektiver Berichterstattung. Nein, sie dürfen in manchen(?) Lokalen nicht einmal auf ein Bier eingeladen werden.

Wenn Menschen so behandelt werden, in den Medien Hetze betrieben wird und sich kein Widerstand rührt – dann wird Vorarbeit geleistet, für die Vorgänge die heute in Ungarn und vielleicht morgen/übermorgen/heute(?) in Österreich passieren.

Die dekadenten, vielverdienenden Beamten und die armen Unternehmen

Posted in antikapitalismus, kapitalismus kritik, soziales with tags , , , , , , , , , , , , on April 3, 2011 by stefon

Die Lohnkosten in Österrreich sind zu hoch, die Besteuerung der Firmen ist im Vergleich zu gross, die Gewerkschaften blockieren und behindern das Wachstum, … solche und ähnliche Schlagzeilen/Kommentare finden sich zuhauf in Zeitungen oder auch in Kommentaren von PolitikerInnen und UnternehmerInnen. Nicht nur das: Es scheinen auch Tatsachen zu sein, die ein Grossteil der Bevölkerung vertritt.

Da steht Österreich aber in keinem Falle alleine da. Auch in der U.S.A. tobt derzeit ein Kampf um die Rechte von Gewerkschaften und dem Image der notleidenden amerikanischen Firmen. In der amerikanischen Politik-Satire Serie „The Daily Show“ wird das gut illustriert.

In den Medien wird die Gier der Gewerkschaften und die Arroganz von LehrerInnen kritisiert. Zugleich wird dabei auf die Sparmassnahmen und das Budgetdefizit verwiesen um die Lohnkürzungen und Massnahmen gegen Gewerkschaften zu legitimieren.

Im Gegensatz dazu wird von den hohen Steuern auf Unternehmen gesprochen. Angesprochen werden 35% Steuern auf Gewinn. Wie sollte da ein Unternehmen auch gewillt sein in der U.S.A. Arbeitsplätze zu schaffen? Wie verlogen und falsch diese Debatte ist zeigt sofort die nächste Szene: General Electrics mit einem Profit von 14.2 Mrd. im Jahr 2010 zahlt genau 0 Dollar an Steuern. Nicht nur das, die Firma erhielt auch 3.2 Mrd. Dollar an steuerlichen Vergünstigungen. Kein Einzelfall: 2/3 der amerikanischen Firmen zahlen keine Steuern.

Das ist doch nur im „turbokapitalistischen“, im „Raubtierkapitalismus“ der U.S.A. so höre ich? Dem muss ich widersprechen, denn in Österreich gibt es Raiffeisen, verdient massig und zahlt keine Steuern sondern erhält sogar steuerliche Vergünstigungen.

In der U.S.A. läuft eine breitangelegte Kampagne gegen Rechte von ArbeiterInnen und Gewerkschaften. Über die Proteste in Wisconsin habe ich bereits berichtet. Doch auch in Ohio und anderen Bundesstaaten der U.S.A. gibt es massive Angriffe auf Lohnabhängige. Neue Gesetze ermöglichen es Firmen weniger Lohn an unter 20 jährige zu zahlen und 16-17 jährige nach der Schule eine Stunde länger arbeiten zu lassen. Und das ist nur ein Bruchteil der Veränderungen.

Eine Übersicht über die Entwicklung bringt ein Ausschnitt aus Democracy Now

Die Interessenskonflikte liegen nicht zwischen ArbeiterInnen und Beamten, zwischen Festangestellten und LeiharbeiterInnen! Die Kürzungen dürfen nicht auf Kosten der Lohnabhängigen geschehen!

DerStandard again: Biologismus? Wasn das?

Posted in feminismus, medien, politik, sexismus with tags , , , , , , , , , on Dezember 9, 2010 by stefon

Der Biologismus ist eine philosophische und weltanschauliche Position, die menschliche Verhaltensweisen und gesellschaftliche Zusammenhänge vordringlich durch biologische Gesetzmäßigkeiten zu erklären versucht.
[wikipedia]

Kurz gesagt: Verhaltensweisen von Menschen werden zurückgeführt auf biologische Unterschiede. Klassische Biologismen sind rassistische Aussagen über die Hautfarbe von Menschen oder die Zuschreibung von Eigenschaften aufgrund des Geschlechts.

Mensch könnte davon ausgehen, dass in einem „Qualitätsblatt“ wie dem Standard solche Erklärungsmodelle vorsichtig verwendet werden. Wie es um den österreichischen Journalismus steht, zeigt sich jedoch wieder am Beispiel eines Kommentars von Eric Frey im Standard (7/8.12). Anlass ist die Pisa Studie, in der gezeigt wird, dass männliche im Vergleich zu weiblichen Jugendliche höhere Leseschwächen haben.

Es gab Zeiten, da lebten Buben noch in Karl Mays Welten. Sie mögen zwar auch damals schon weniger freudig getratscht haben als gleichaltrige Mädchen, aber das Lesen war keinem Geschlecht vorbehalten. Die Leidenschaft galt dem Fußball, doch wenn es draußen regnete und im ORF nur der Seniorenclub lief, dann griff auch so mancher Sportlertyp zum Buch….
Der Bub kann seiner inneren Stimme folgen, und die sagt ihm, dass Lesen gar nicht cool ist. Die Pisa-Studie und andere Lesetests bestätigen bloß das, was Eltern mit männlichem Nachwuchs ohnehin täglich erleben.

Hier werden gleich mehrere Klischees bedient: Buben die Sport lieben und Mädchen die tratschen. Aber es geht weiter:

Warum Mädchen trotz aller Ablenkungen immer noch Bücher lieben – ist es angeborene Neugier, die Sehnsucht nach Träumen oder die Suche nach Stoff fürs Quatschen mit Freundinnen? -, ist nicht ganz klar.

Angeborene Neugier? Sehnsucht nach Träumen? Stoff fürs Quatschen? Wie klischeehaft kann mensch sein?

Zur Beruhigung der frustrierten Eltern: Nicht alle Buben mit Papierallergie werden asozial oder arbeitslos. Irgendwann holen sie gegenüber den Mädchen auf, schließen ihre Ausbildung ab und sind am Ende die Chefs der sprachaffinen Leserättinnen. Aber was sie bis dahin an ungelesenen Büchern versäumen, würde man ihnen gerne schon jetzt vermitteln.

Und in diesem Absatz werden Arbeitslose mit „asozialen“ verglichen. Und locker flockig über die strukturelle Benachteiligung von Frauen am Arbeitsmarkt gesprochen.

Das Ergebnis der PISA Studie bezogen auf die unterschiedlichen Lesefähigkeiten zwischen den Geschlechtern ist ein Thema über dass sich gut schreiben lässt und über das geschrieben werden sollte. Jedoch nicht in einem von Klischees überladenen Kommentar. Eric Frey hätte sich vielmehr mit den Ursprüngen dieser Unterschiede auseinandersetzen können, die nicht in den biologischen Unterschieden von Mann und Frau liegen, sondern in der Sozialisation (also wie mensch erzogen wird).

Und der letzte Absatz hätte gut dazu verwendet werden können sich zu fragen, warum Frauen trotz besser Fähigkeiten noch immer weniger verdienen.

Nein: Stattdessen wird gesudert, über den Kamm geschoren und allgemein verbreiteter Sexismus verbreitet.