Archiv für April, 2013

Auch der ORF erkennt: Bio- und Fairtrade ist auch keine Lösung?

Posted in antikapitalismus, politik with tags , , , , on April 20, 2013 by stefon

Vor kurzem wurde ich auf orf.at überrascht. Wurde doch glatt ein Artikel verlinkt, der es wagt Kritik an der üblichen Konsumkritik (sprich: es wird zuviel und oder das falsche konsumiert) zu üben. Die Zusammenfassung auf orf.at liest sich folgendermassen

Woher das Essen auf unserem Teller kommt, wissen wir zumeist nicht. Eine nachhaltige Herstellung von Lebensmitteln wird zwar oft gepredigt, aber selten praktiziert.

Wer sie wirklich will, müsse nicht nur die Konsumlogik überwinden, sondern auch politisch aktiv werden, meint die Kulturwissenschaftlerin Gabriele Sorgo in einem ORF.at-Interview. „Bio“ werde von denen, die es sich leisten können, oft nur für die eigene Gesundheit und zur Gewissensberuhigung gekauft.
[Quelle: Warum „bio“ oft egoistisch ist]

Die Vorfreude war groß, die Ernüchterung ebenfalls. Der volle Artikel auf science.orf.at ist ein gutes Beispiel was passiert, wenn mensch vor der eigenen Kritik zurück schreckt. Der erste Teil des Artikels dreht sich um die Beziehung des Menschen zur Nahrung. Dann geht  um die Art und Weise wie Ernährung in unserer Gesellschaft produziert wird.

orf: Sie sagen auch, dass der ungerechte Tausch, der sich aus dieser Produktion ergibt, Ressourcen bei den Benachteiligten zerstört und gleichzeitig die ethischen Fundamente der Konsumenten erschüttert. Können Sie das noch näher ausführen?

Und hier gibt Gabriele Sorgo auch (gar keine so schlechte) Antwort: Individuelles Kaufverhalten ist keine Lösung für dieses Problem.

Bio wird von den meisten als Feigenblatt genützt. Damit lässt sich auch das eigene schlechte Gewissen gut „wegkaufen“. Das ist aber eine sehr egoistische Sache: Ich tröste mein Gewissen und sorge für meine Gesundheit und die meiner Kinder. Zudem sind die Bedingungen der Biobauern auch nicht sonderlich glücklich. Die stehen unter demselben Zugzwang wie die anderen Bauern. Auch dort gibt es Massentierhaltung. Was ich sagen möchte: Kauft Bio, aber glaubt nicht, dass ihr damit die Welt verändert! Dafür müsst ihr auch politisch aktiv werden – aber das kann man nicht alleine. Denn die Grundprinzipien der Nahrungsmittelherstellung werden sich anders nicht ändern.

Doch was sind nun diese „Grundprinzipien“ der Nahrungsmittelherstellung in unserer Gesellschaft. Hier wird deutlich, was ich mit dem zurückschrecken vor der eigenen Kritik meine.

Ich will hier keine Verschwörungstheorien entwickeln. Aber man kann schon sagen, dass es Mächte und Kräfte gibt, die großes Interesse daran haben, dass der Absatz und der Profit steigen. Und aus dieser Logik heraus ist der Weltmarkt entstanden. Was tut der Weltmarkt? Er schaut, dass aus billigsten Zutaten ein möglichst teures Produkt hergestellt wird. An Orten, wo für die Arbeit wenig bezahlt wird. Und was wir momentan erleben, ist, dass die Produktionsstätten ständig verlegt werden, dass die Arbeiter meistens unzufrieden sind, dass die Ressourcen weltweit geplündert werden, um sehr viele Dinge herzustellen, die die meisten Menschen in Wirklichkeit gar nicht brauchen – und die sie auch nicht glücklich machen. Nur das wissen sie nicht.

Sie schreckt davor zurück klar zu sagen: In dieser Gesellschaft werden Waren von Unternehmen produziert, deren Ziel es nicht ist, die Bedürfnisse der Menschen sinnvoll zu befriedigen, sondern deren Zweck und zugleich einzige Möglichkeit zur Existenz (in dieser so organisierten Gesellschaft) die Produktion von Profit ist. Das ist keine Verschwörungstheorie, sondern das ist gelebter Alltag. Jeder Einkauf, jeder Arbeitstag ist gelebtes Zeugnis dieser Funktionsweise in unserer Gesellschaft. Wer arbeiten geht um Lohn zu verdienen, wurde angestellt den Reichtum anderer (der Firma) zu mehren. Waren werden nur verkauft, solange dabei ein Profit verbucht werden kann. Wer Kritik an dieser Art von wirtschaften hat, sollte nicht Verschwörungstheorien sprechen, sondern die Grundlage dieser Wirtschaft, Privateigentum, Tausch und daraus folgend das Geldsystem kritisieren.

Doch soweit wollte diese Wissenschafterin nicht gehen. Daher ist es nur logisch, anstatt des einen „K“ (apitalismus), das andere „K“(onsumismus) zu kritisieren.

Und es ist genau das, was Labels und Marken vermitteln: „Du brauchst nicht nachdenken, kauf dieses Produkt.“ Das bewegt sich trotzdem alles innerhalb dieser Konsumlogik. Was wir aber brauchen, ist eine Kritik am Konsumismus und ein Ende davon.

Also: Anstatt Kapitalismus für das zu kritisieren was er ist, wird der Konsum der Menschen kritisiert. Wer Interesse an einer (in meinen Augen) vernünftige Kritik an Konsumkritik hat, verweise ich auf meine „Konsumkritik Verwarnung’s“ – Seite (kleines Kätzchen inklusive).