Archiv für Februar, 2013

Amazon: Ein Skandal? Nein!

Posted in antikapitalismus, kapitalismus kritik with tags , , , , on Februar 17, 2013 by stefon

Ein Bericht über die Arbeitsbedingungen bei Amazon erhitzt derzeit alle Gemüter (Reportage in der ARD Mediathek, Reportage auf youtubeStern.de berichtet, derStandard.at). Was wird in der Reportage enthüllt? Amazon behandelt seine Angestellten in Deutschland dreckig. Genauer: Unklare Vertragsverhältnisse, miese Unterbringungen, weniger Lohn als ausgemacht, ein rechtsradikaler Sicherheitsdienst usw usf.

Festzuhalten ist: Diese Arbeitsbedingungen sind mies. Ja noch mehr: Mieser als die Arbeitsbedingungen die manche anderen Menschen Tag für Tag in Österreich und Deutschland über sich ergehen lassen müssen. Aber klar ist auch: Amazon ist kein Einzelfall. Naheliegend ist der Vergleich mit Zalando. Auch hier gibt es eine Reportage, dieses mal vom ZDF mit dem Titel: Gnadenlos billig (auch auf youtube zu finden).   Auch dort wird berichtet über gesundheitsschädigende Arbeitsbedingungen (8 Stunden arbeiten mit dem Verbot sich zu setzen, unzureichende sanitäre Anlagen), schlechte Bezahlung, aggressiver Sicherheitsdienst usw usf.

Es zeigt sich also, ganz so ein Einzelfall scheint Amazon nicht zu sein. Und es ist davon auszugehen dass ähnliche Bedingungen (in unterschiedlicher Intensität) auch bei den anderen Mitbewerbern herrscht. Warum? Die aufgedeckten „Boshaftigkeiten“ sind eben nicht einfach „Boshaftigkeiten“ sondern Mittel und Wege billig Ware zu produzieren bzw. in dem Falle eben billig Waren verschicken zu können. Will ein Unternehmen in diesem Bereich mithalten, muss es sich an den Preisen der Konkurrenten orientieren. Das sollte der „Skandal“ sein: Die herrschende Wirtschaftsweise (namens Kapitalismus oder Marktwirtschaft) in der es eben nicht um Produktion von Gütern für die Bedürfnisse der Menschen, sondern um den Profit von Unternehmen geht. Und das hat System in dieser Wirtschaft: Kein Unternehmen kann ohne Profit überleben, selbst wenn es die allerbesten Absichten hat.

Wer aber nun Amazon oder Zalando kritisiert ohne der Ursprung dieser unangenehmen Symptome erwähnt, der oder die findet nicht den Grund (kapitalistische Wirtschaftsweise), sondern nur die Symptome skandalös. Diese Art von Kritik verpufft dann auch wirkungslos. (Für eine kurze Einführung über Kapitalismus und dessen Funktionsweise verweise ich ganz uneitel auf meinen früheren Blogeintrag).

Und ganz zum Schluss möchte ich noch auf das Thema „Amazon Boykott“ eingehen. Solche Boykott-Aktionen sind Teil eines Politikverständnisses, welches auf die Konsummacht vertraut. Also darauf, dass sich durch kritischen Konsum, Probleme lösen lassen. Wer sich davon angesprochen fühlt, dem lege ich meinen anderen kurzen Blogeintrag zum Thema: Konsumkritik Verwarnung, ans Herz (als Motivation: Es findet sich dort ein kleines Kätzchen).