Archiv für Dezember, 2011

Allen ein besinnliches und schönes Weihnachten…

Posted in blub with tags , , on Dezember 24, 2011 by stefon

Was musikalisches:

Was lesenswertes:

,,Der Mensch hat zwei Überzeugungen. Eine wenn’s ihm gut geht und eine, wenn’s ihm schlecht geht. Letztere heißt Religion“ (Kurt Tucholsky)
Kritik der Religion

Peter Decker for the win (podcast):

Die gesellschaftliche Institution Familie – Ort des Glücks, des Psychoterrors und des Amoklaufs

Breaking News: Kommunismus schuld am Klimawandel!

Posted in antikapitalismus, medien, politik with tags , , , , , , , on Dezember 21, 2011 by stefon

Viele von uns haben es „irgendwie gespürt“. Es war keine Gewissheit, doch bei jeder Meldung über den Klimawandel war es da. Das Gefühl: Der Kommunismus ist schuld am Klimawandel. Dieser Meinung ist Johann Ruzicka vom DerStandard im Kommentar vom 20.12.2011 mit dem Namen „EU-Emissionshandel: Falsch kalibriert“.

Aus dem Kommunismus weiß man, wie schnell eine Planwirtschaft danebenliegen kann; wie schnell Vorausberechnungen nicht stimmen können; und wie schnell es geht, dass die Notwendigkeiten des Marktes anders sind als die Vorausplanungen.

Das kennt doch jeder und jede: Da hat mensch den Kommunismus (sprich: den Kapitalismus abgeschafft). Es gibt Planwirtschaft und was passiert: Der Markt will es anders haben.

Kommunismus (vom lateinischcommunis ‚gemeinsam‘) bezeichnet politische Lehren und Bewegungen, die zuerst die Gütergemeinschaft zum Ziel haben, im weiteren Sinne die klassenlose Gesellschaft, in der das Privateigentum an Produktionsmitteln aufgehoben ist und die Produktion des gesellschaftlichen Lebens rational und gemeinschaftlich geplant und durchgeführt wird.
[wikipedia]

Da hätte ja ein ganz klitze kleiner Blick auf wikipedia gereicht um zu merken, der Zweck des Kommunismus scheint es nicht gerade zu sein, den Markt zu kontrollieren. Aber seis drum. Es geht ja weiter im Text.

Genau das ist mit dem EU-Emissionshandel für Treibhausgase passiert: Ein angeblich marktwirtschaftliches, in Wahrheit hochplanwirtschaftliches Instrument zeigt sich nicht adäquat für die Wirren des Marktes.

Die EU-Kommission merkt: Hoppla, wird haben einen zu grossen Treibhausgasausstoss. Anstatt diese jedoch mittels Gesetze einzuschränken oder sich die Grundlagen der Wirtschaft genauer anzusehen, geht die EU-Kommission einen anderen Weg. Sie schafft ein Angebot und Nachfragesystem um einen EU weiten Emissionshandel zu ermöglichen.

Kurz gesagt: ANSTATT zu planen und zu ändern, wird das marktwirtschaftliche Instrument von Angebot und Nachfrage genutzt. Da scheint also Johann Ruzicka vom Standard etwas GANZ falsch verstanden zu haben.

Der EU-Emissionshandel (European Union Emission Trading System, EU ETS) ist ein marktwirtschaftliches Instrument der EU-Klimapolitik mit dem Ziel, die Treibhausgasemissionen unter minimalen volkswirtschaftlichen Kosten zu senken. Der Emissionshandel ist eines der Mittel, mit denen die Europäische Union versucht, das im Kyoto-Protokoll festgelegte Klimaschutzziel einer Reduktion der Treibhausgasemissionen bis 2008-2012 um acht Prozent gegenüber dem Stand von 1990 zu erreichen
[wikipedia]

Jetzt könnte mensch schon fast sagen: Da stimmt ja gar nichts in dem Kommentar. Das wäre jedoch eine Unterstellung. Denn:

Planwirtschaft kann sie nicht gut, die EU-Kommission.

Und DA stimme ich zu. Planwirtschaft, das kann sie nicht gut die EU-Kommission.

Anmerkung: Es sagt doch schon etwas über den derStandard aus, wenn solch ein Kommentar prominent auf der letzten Seite zu finden ist. Entweder wird da bewusst Propaganda betrieben oder die Qualität des derStandards ist nicht mehr von der der Krone zu unterscheiden. Meinungen?

Ratingagenturen: Verschärfen sie die Krise?

Posted in antikapitalismus, kapitalismus kritik, politik with tags , , , , , , , , , on Dezember 15, 2011 by stefon

In dieser Serie an Blogpostings sollen verbreitete Mythen und Argumente gegen Ratingagenturen kurz beleuchtet und erklärt werden. Vorsicht: Es geht nicht darum Ratingagenturen gut zu finden, sondern um den Nachweis dass eine Reform/Abschaffung der Ratingagenturen nicht die Krise lösen kann. (Die zitierten Texte stammen aus dem Text „Downgrade!!! Macht und Ohnmacht der Rating-Agenturen“ von Ingo Stützle. )

[Weiters] würden Rating-Agenturen Krisen verschärfen, wenn in der Krise der Downgrade eines Landes zur Verunsicherung der Finanzmärkte beiträgt.

Zutreffend ist, dass Rating-Agenturen pro-zyklisch wirken. Kommt ein Land in Schwierigkeiten, so verstärken Downgrades den Abwärtstrend. Aber dies ist nicht den Ratingagenturen anzulasten, sondern hat seinen Grund vielmehr im Herdentrieb, der jede Spekulation ausmacht. Die pro-zyklische Wirkung entfaltet sich übrigens in beide Richtungen: nach unten und nach oben. Kritisiert wird sie aber meist nur dann, wenn sich ein Abwärtstrend beschleunigt oder verschärft. Auch hieran erkennt man, dass die Kritik an den Rating-Agenturen oftmals interessengeleitet ist.

Wer mehr über Ratingagenturen, z.b. über deren Geschichte, wissen will: Der Artikel von Ingo Stützle steht als PDF zur Verfügung.

Ratingagenturen: Transparenz muss her?

Posted in antikapitalismus, kapitalismus kritik, politik with tags , , , , , , , , , on Dezember 11, 2011 by stefon

In dieser Serie an Blogpostings sollen verbreitete Mythen und Argumente gegen Ratingagenturen kurz beleuchtet und erklärt werden. Vorsicht: Es geht nicht darum Ratingagenturen gut zu finden, sondern um den Nachweis dass eine Reform/Abschaffung der Ratingagenturen nicht die Krise lösen kann. (Die zitierten Texte stammen aus dem Text „Downgrade!!! Macht und Ohnmacht der Rating-Agenturen“ von Ingo Stützle. )

Anrüchig seien zweitens die intransparenten Methoden, nach denen die Agenturen ihre Urteile fällen.

Der Ruf nach transparenteren Rating-Methoden läuft ins Leere. Zum einen sind komplizierte Methoden nicht gleichbedeutend mit Intransparenz.7 Viele Kriterien sind bekannt. Zum anderen wäre es zwar möglich, Ratings besser zu überprüfen, aber realistischer würden die Ratings damit wohl trotzdem nicht. Denn Krisen oder Zahlungsausfälle können nicht mit Sicherheit vorhergesagt werden. An dieser Aufgabe scheiterten auch der Internationale Währungsfonds (IWF) oder die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD), also staatliche Organisationen, im Vorfeld der Krise 2008ff.. Der «Global Financial Stability Report» des IWF ging 2007 noch explizit davon aus, dass eine «Ansteckung» des Finanzsystems wenig wahrscheinlich sei und prognostizierte eine Stabilisierung der globalen Finanzmärkte.

Wer mehr über Ratingagenturen, z.b. über deren Geschichte, wissen will: Der Artikel von Ingo Stützle steht als PDF zur Verfügung.

Ratingagenturen: Alles nur Gefälligkeitsgutachten?

Posted in antikapitalismus, kapitalismus kritik, politik with tags , , , , , , , , on Dezember 8, 2011 by stefon

In dieser Serie an Blogpostings sollen verbreitete Mythen und Argumente gegen Ratingagenturen kurz beleuchtet und erklärt werden. Vorsicht: Es geht nicht darum Ratingagenturen gut zu finden, sondern um den Nachweis dass eine Reform/Abschaffung der Ratingagenturen nicht die Krise lösen kann. (Die zitierten Texte stammen aus dem Text „Downgrade!!! Macht und Ohnmacht der Rating-Agenturen“ von Ingo Stützle. )

Die Kritik:

[Es] wird kritisiert, dass Rating-Agenturen Gefälligkeitsgutachten erstellen, da seit den 1970er Jahren nicht mehr die Investoren für eine Prüfung bezahlen, d.h. diejenigen die ihr Geld profitabel anlegen wollen, sondern diejenigen, die die Wertpapiere ausgeben, d.h. verkaufen wollen. Ratings würden somit zu bezahlten Gefälligkeiten, Korruption hätte System.

Die Antwort:

Richtig ist, dass ohne die Rating-Agenturen die strukturierten Finanzprodukte, d.h. die mit Immobilienkrediten unterlegten Wertpapiere, die u.a. zur Krise 2008ff. führten, nicht derart zum Kassenschlager geworden wären. Die Banken vertrauten den Ratings, und durch gute Noten, die die Agenturen diesen Wertpapieren gaben, konnten sich die Anleger in Sicherheit wiegen. Dennoch ist die Kritik, die Agenturen würden nur Gefälligkeitsgutachten abliefern, völlig überzogen – schließlich gibt es auch die Investoren, die ihr Kapital rentabel und sicher anlegen wollen. Rating-Agenturen können also keine unglaubwürdigen oder realitätsfernen Gutachten produzieren, sonst machen sie sich unglaubwürdig und damit überflüssig. Hätte die Finanzkrise 2008ff. tatsächlich bewiesen, dass Rating-Agenturen nur Gefälligkeitsgutachten erstellen, so wäre das Vertrauen der Märkte in das Urteil der Agenturen zerbrochen. Dem ist jedoch nicht so.

Für die Staatsanleihen greift die Kritik, die Agenturen würden gegen Bezahlung gefällige Ratings abgeben, überhaupt nicht, da die Staaten nicht für die Ratings bezahlen. Deshalb werden diese Benotungen auch als «unsolicited rating», d.h. unaufgefordert oder unerbetene Ratings bezeichnet. Dazu gehören die Bewertungen von Anleihen aller wichtigen Industrienationen und vor allem die Staatsanleihen der USA, Frankreichs, Deutschlands aber auch Japans. Staatsanleihen stellen eine Art Standbein der Finanzmärkte dar, ein sicherer Hafen in krisenhaften Zeiten.6 Je sicherer eine Staatsanleihe ist, desto relevanter ist sie für eine langfristige Anlageper­pektive.

Staatsanleihen kleinerer Staaten sind demgegenüber für die Finanzmärkte und als Anlageform unbedeutend. Deshalb müssen diese Staaten auch für Ratings bezahlen. Ohne Rating bekommen sie keinen Kredit auf den Finanzmärkten. Die
Kritik, Rating-Agenturen würden Gefälligkeitsgutachten produzieren, zieht bei Staatsanleihen somit überhaupt nicht. Und vor allem bei der Herabstufung der Bonität von Staaten wie Griechenland gerieten die Rating-Agenturen in Verruf.

Wer mehr über Ratingagenturen, z.b. über deren Geschichte, wissen will: Der Artikel von Ingo Stützle steht als PDF zur Verfügung.

Vertrauen wir unseren deutschen Eltern…

Posted in medien, politik with tags , , , , , , , on Dezember 6, 2011 by stefon

Eltern haben unser Bestes im Sinn, auch wenn sie gerade streng zu uns sind. Eltern haben unser Vertrauen verdient, auch wenn uns ihre Führungsrolle kränkt. 

Wenn es nach Eric Frey und Hans Rauscher geht, trifft das besonders dann zu, wenn der Vater/die Mutter „Deutschland“ heisst.

Eltern sind mit dem Problem gut vertraut: Wenn Kinder aus eigenem Verschulden in Schwierigkeiten geraten, soll man schimpfen oder helfen? Wohl stehen Eltern bei echten Gefahren ihren Sprösslingen bei, aber meist wollen sie auch, dass diese etwas daraus lernen und sich nicht daran gewöhnen, dass andere ihnen aus der Patsche helfen.

Es ist dieses Dilemma, das den monatelangen Schlingerkurs der deutsche Regierung in der Eurokrise erklärt. Angela Merkel spielt die strenge Mutti, die ihren ungehorsamen Kindern in Südeuropa endlich gutes Benehmen beibringen will. [derStandard.at: Die Zeit der Predigten ist vorbei]

So klingt Eric Frey. Zwei Tage später hat Hans Rauscher im Einserkastl mit dem Titel „Deutschland vertrauen“ folgendes zu sagen

Aber in der jetzigen Regierung, in der politischen Klasse als Ganzes, auch in der öffentlichen Debatte: Vernunft, maßvolle Zurückhaltung, Verantwortungsbewusstsein überwiegt bei weitem. Wer führt, muss sich durchsetzen. Aber Machtmissbrauch und Herrschaftsstreben muss man nicht befürchten. Das Deutschland von heute hat sich Vertrauen erarbeitet. [derStandard.at : Deutschland vertrauen]

Hier wird das Bild vermittelt: Deutschland als Wirtschaftsmotor der EU hat das Gemeinwohl im Sinn. Auch wenn „Nachsitzen“, „etwas sparen“, usw usf etwas unangenehm sein mag, es ist doch nur damit es uns bald wieder besser geht. Tough Love quasi.

Wer so argumentiert, so schreibt und berichtet, der oder die lässt folgendes gleich aussen vor: Die Staaten (egal ob Deutschland, Frankreich oder Griechenland) stehen zueinander in Konkurrenz. Wer mehr exportiert, bekommt mehr Devisen. Wer eine stärkere Wirtschaft hat, der hat mehr zu sagen.

Beispiel gefällig?

In den letzten Tagen wurden Pressemeldungen veröffentlicht, die aufzeigen, dass Deutschland und Frankreich mit den Hilfsgeldern an Griechenland jedoch nicht nur ihre eigenen Banken retteten. Sie nutzten diese Kredite auch als Druckmittel, um groß angelegte Waffengeschäfte einzufädeln. Während Merkel und Sarkozy auf offener Bühne um die „richtige“ Griechenland-Politik stritten und der griechischen Bevölkerung einen Sozialkahlschlag verordneten, arbeiteten sie hinter den Kulissen daran, die Interessen ihrer jeweiligen Rüstungsindustrie zu befriedigen. Laut Pressemeldungen waren die Rüstungsdeals eine der informellen Bedingungen, auf deren Grundlage die EU und der IWF die Kredite an Griechenland gewährten. [Deutschland und Frankreich nutzen Griechenland-Kredite für große Waffengeschäfte]

Oder auch hier

Weltweit liefern deutsche Firmen Spionage-Software – auch an Diktaturen. In Ägypten setzten Sicherheitskräfte des Mubarak-Regimes Spähprogramme „made in Germany“ ein, um Oppositionelle zu überwachen. Kein Einzelfall; das belegen Dokumente, die im Internet auch über WikiLeaks abrufbar sind. Und die Bundesregierung fördert solche Exporte auch mit Kreditgarantien, den sogenannten Hermes-Bürgschaften. [Deutsche Spionage-Software für Diktatoren]

In der Konkurrenz geht es nicht um das „Beste für alle“, sondern schlicht und ergreifend um Machtgewinn bzw. Absicherung!