Archive for the aktivismus Category

Gedanken zur JBZ Montagsrunde „Aufbruch zur Demokratie“

Posted in aktivismus, antikapitalismus, kapitalismus kritik, politik, review with tags , , , on April 24, 2017 by stefon

In regelmäßigen Abständen finden in der Robert Jungk Bibliothek für Zukunftsfragen Diskussionsrunden mit unterschiedlichsten Themen statt. Diesen Montag (24. April 2017) wurde Tamara Ehs zum Thema Aufbruch zur Demokratie – Konkrete Utopien einer demokratischen Gesellschaft eingeladen. Ich möchte kurz die These der Vortragenenden skizzieren und aufzeigen was mensch daran kritisieren könnte.

Konstatiert wurde eine Politikverdrossenheit. Es wurde hingewiesen auf sinkende Wahlbeteiligungen, auf das geringe Vertrauen der Bevölkerung in Politiker*innen usw usf. Festgehalten wurde auch: Die Politikverdrossenheit kommt nicht von irgendwoher – die soziale Situation vieler hat sich seit Jahren verschlechtert und die Zukunft sieht nicht rosiger aus.

Montagsrunde #95

Montagsrunde #95

Daraufhin wurden Formen direkter Demokratie beschrieben. Da ging es um Bürger*innenpartizipation bei Budgets, um Bürger*innenversammlungen zur Entscheidung über gesellschaftspolitische Fragen (wie Abtreibung oder Homosexuellenehe) oder auch um mögliche Formen der Partizipation bei Verfassungsfragen.

Ziel all dieser neuen Formen der Partizipation: Bürger*innen sollen sich wieder wahrgenommen fühlen, sollen ihre Meinung artikulieren können – kurz: Das Gefühl der Ohnmächtigkeit überwinden. Sich wieder als Teil dieser Gesellschaft empfinden.

Dabei ist es ja so: Die sozialen Notlagen der Leute, werden durch diese Art der Partizipation gar nicht behoben. Ob nun mit den 15% des Budgets, über die Bürger*innen entscheiden dürfen, Radwege gebaut oder bessere Straßenbeleuchtung gekauft wird – das ändert nichts an der Armut der Menschen. Ein Staat mag auch mal die Entscheidung über gesellschaftspolitische Themen aus der Hand geben, aber die Entscheidung ob ein Handelsabkommen abgesegnet wird oder wie die konkrete Außenpolitik aussehen soll, diese Themen gibt er nicht aus der Hand. Die Erkenntnis, als Lohnabhängiger in dieser Gesellschaft ohnmächtig zu sein, ein reines Anhängsel anderer Interessen zu sein, das sollte nichts negatives sein. Ganz im Gegenteil: Der Ausgangspunkt sich zu fragen, warum das so ist.

Die vorgeschlagenen Utopien von Partizipation sollen aber etwas ganz anderes bewirken: Menschen, die in diesem System unzufrieden sind befrieden. Warum? Damit nicht Le Pen, Hofer oder Trump an die Macht kommen. Sie sollen also ihre sozialen Nöte weiterhin ertragen mit dem Bewusstsein: Ein paar Sachen kann ich immerhin entscheiden.

Wäre es da nicht besser gemeinsam zu klären, warum Mieten hoch sind? Warum die Löhne immer niedrig sind? Warum Lohnarbeit stressig ist und nie gemütlicher wird? Kurz: Gemeinsam zu diskutieren und zu versuchen die Gründe für all die Missstände zu erkennen – und diese Missstände zu beheben.

Riseup.net kompromittiert? User aufgepasst!

Posted in aktivismus, politik with tags , , , , , on November 24, 2016 by stefon

Schlechte Nachrichten für riseup.net Benutzer*Innen. Bitte durchlesen und überlegen wie ihr damit umgehen wollt!

Kurz gesagt: Es besteht die Möglichkeit, dass die riseup.net Infrastruktur von staatlicher Seite aus kompromittiert und übernommen wurde. Potentiell ist also das Nutzen von riseup.net Diensten wie Mail, we.riseup.net, vpn, … unsicher und könnte überwacht werden. Nochmal zur Sicherheit: Es besteht die Möglichkeit.

Hier nun die längere Erklärung, welche Indizien es dafür gibt. In der USA. gibt es die Möglichkeit des Staates, Unternehmen/Privatpersonen/Vereine/… zur Herausgabe von Informationen/Zugangsdaten/… zu zwingen. So ein Verfahren wird ein Subpoena genannt.

[…] Mit einer Subpoena wird eine Person unter Androhung einer Erzwingungsstrafe aufgefordert, bestimmte Auskünfte oder Beweismittel zu einem Sachverhalt in bestimmter Weise beizubringen. Die Subpoena dient damit als ein Zwangsmittel, mit dem Beteiligte und Dritte zur Auskunft in oder gelegentlich vor einem Prozess verpflichtet werden können. […]
(wikipedia)

Nun wäre das schon schlimm genug. Jedoch kann so ein Subpoena auch geheim sein. Was bedeutet das? Die staatliche Institution zwingt nicht nur zur Herausgabe von Daten, sondern verbietet auch das publik machen der Herausgabe. Anders formuliert: Wenn riseup.net beispielsweise von solch einem Subpoena betroffen ist, ist es ihnen verboten dies öffentlich zuzugeben. Solche Subpoena werden auch genutzt, beispielsweise gegen den Krypto Messenger Signal.

Wenn nun also nicht öffentlich zugegeben werden darf, dass Behörden Zugang zur (beispielsweise) Serverinfrastruktur besitzen, wie kann mensch sich dann gegen solch einen Zugriff wehren bzw. die eigenen Nutzer*Innen trotzdem darüber informieren? Dabei wird ein Trick genutzt: Anstatt zu versuchen nach einem Subpoena den behördlichen Zugriff offen zulegen – was ja rechtlich verboten ist – wird in regelmäßigen Abständen kommuniziert, dass es keinen behördlichen Zugriff gibt. Warum ist uns das nun eine Hilfe? Weiterlesen

Tip: Regelmässige Diskussionsabende im Infoladen Salzburg

Posted in aktivismus, politik with tags , , , , , on November 11, 2016 by stefon

Wer gerne gemeinsam mit anderen Menschen nachdenkt und diskutiert, der*die sei der regelmässige (jeden dritten Dienstag im Monat um 19 Uhr) Diskoabend im Infoladen Salzburg wärmstens ans Herz gelegt. Organisiert werden diese Termine von der Basisgruppe Gesellschaftskritik Salzburg oder kurz geskrit. Schon am 15.11 wird über das Thema Kapitalismus und die Armen verschwinden? gesprochen.

Was ist nun dieser ominöse Diskoabend? Wir lesen gemeinsam nicht nur die beliebtesten Text der 70er und 80er Jahre, sondern auch aktuelle politische Thesen, Analysen oder auch ganz einfach Zeitungsartikel. Wir diskutieren gemeinsam und solidarisch und versuchen so die Welt ein Stück weit besser zu verstehen und so veränderbar zu machen. Kurz: Im Vordergrund steht diesmal weniger Party und Musik, sondern Grübeln und Diskutieren.

Tip: Engelsgeflüster gegen Esoterik?

Posted in aktivismus, politik with tags , , on Oktober 12, 2016 by stefon

Esoterik. Jede*r kennt das Phänomen von Homöopathie, Dalai Lama Kult bis hin zu Reinkarnation und Antroposophie. Die meisten von Euch werden diese Sichtweisen über das Funktionieren der Welt abstrus oder seltsam finden. Doch warum sind für viele Menschen diese Gedanken nicht abseitig? Warum ist Esoterik in der Mitte der Gesellschaft zu finden? Diese und weitere Fragen will eine neue Radiosendung auf der Radiofabrik klären.

In der Sendung „Engelsgeflüster“ unterhalten sich die Moderatoren Stefan und Sebastian kritisch über Phänomene der Esoterik. Allerdings sehen wir Esoterik nicht nur als kurioses Randphänomen der Gesellschaft, sondern wir fragen uns: Wieso sind esoterische Praktiken und Denkweisen so erfolgreich in gerade dieser Gesellschaft der Gegenwart, die doch eigentlich als besonders rational und wissenschaftlich gilt?

Um das zu verstehen muss man auch einen kritischen Blick auf die Gesellschaft, die esoterische Phänomene hervorbringt werfen. Welche Funktion erfüllt die Esoterik in der Gesellschaft in der wir leben?

Die Sendungen könnt ihr auf der Website des Cultural Broadcast Archives nachhören (Stream mit Musik, Download ohne). Die Radiosendung läuft live jeden ersten Dienstag um 20 Uhr auf der Radiofabrik (entweder via Livestream oder auf 107,5 & 97.3 MHz). Es existiert auch ein Blog auf dem auf die Sendungen verlinkt und zusätzliche Infos veröffentlicht werden.

Auf ein gutes neues Diskussionsjahr 2016…

Posted in aktivismus, politik with tags , , , , , , , on Januar 5, 2016 by stefon

Wer von politischen Diskussionen im Jahr 2015 nicht satt geworden ist und auch 2016 Interesse hat mit anderen Menschen solidarisch über die herrschende Gesellschaft und ihre Auswirkungen zu plaudern, der sollte die Ohren spitzen: Denn schon im Jänner gibts zwei Möglichkeiten dafür. Die Basisgruppe Gesellschaftskritik Salzburg [geskrit] veranstaltete letztes Jahr monatliche Diskussionsveranstaltungen („Diskoabende“) und führt diese auch im neuen Jahr fort.

Die nächsten zwei Termine finden am Samstag den 16. Jänner um 17 Uhr im Sub Salzburg und am Dienstag den 19. Jänner um 19 Uhr im Infoladen Salzburg statt.

Sonne und Theorie, Sommer und Diskussion: Ende August antinationales Sommercamp

Posted in aktivismus, antikapitalismus, politik, termin with tags , , , , , on August 1, 2015 by stefon

Dieses Jahr gibt es Ende August (ja, das ist dann bald!) wieder ein antinationales Sommercamp im Süden veranstaltet von den Gruppen gegen Kapital und Nation. Genauer: Vom Freitag, August 28, 2015  – Mittwoch, September 2, 2015.

Eine Woche lang Sonne und Theorie, Sommer und Diskussion, Baden und Argumenten. Täglich werden dort zweimal zu entspannten Uhrzeiten drei bis vier parallele Workshops angeboten, die, wie „im echten Leben“, in Konkurrenz stehen zu Schwimmen, Schlafen, Spaziergängen, Kickern, und Lagerfeuerromantik (letzteres sehr umstritten). Es wird über vierzig Workshops geben.

Wer Interesse hat, sollte sich flott anmelden! Ein Zeltplatz kostet zwischen 9 und 13 Euro (je nach finanziellen Möglichkeiten) und inkludiert lecker veganes Essen. Das Camp findet im Süden Deutschlands (südwestlich von München,Bayern/BaWü) statt. Details gibts aus Sicherheitsgründen erst nach der Anmeldung.

Aus Salzburg werden Menschen mitfahren, wer Interesse hat, sich diesen anzuschliessen, meldet sich bei der E-Mailadresse geskrit@riseup.net der Basisgruppe Gesellschaftskritik Salzburg [geskrit].

Keine Hommage an die höheren Werte

Posted in aktivismus, antikapitalismus, politik with tags , , , , , , on Januar 5, 2014 by stefon

Ehrlichkeit, Rücksichtnahme, Bescheidenheit und manch andere Werte sollten in dieser Gesellschaft vorherrschen. Egal ob im Zwischenmenschlichen in Familie oder auch am Arbeitsplatz. Doch oft scheinen diese Werte nichts zu gelten. Es wird gelogen, Rücksichten werden nicht genommen und Gier ist überall zu finden. So ist es auch kein Wunder dass vieles in dieser Gesellschaft falsch läuft. Die Mieten steigen, die Arbeitslosigkeit nicht sinkt, die PolitikerInnen nicht das Einhalten was sie versprechen. Also ist geboten diesen hohen Werten zum Durchbruch zu verhelfen. Jeder kleine Schritt, jede ehrliche, rücksichtsvolle Handlung im alltäglichen Leben trägt ein kleines Stückchen dazu bei, die Gesellschaft ein wenig besser zu machen….

So argumentierten manche/viele.  Ich möchte hier ein paar Argumente dazu liefern, warum es nicht der Mangel an hohen Werten ist, der in dieser Gesellschaft zu so viel schädlichen führt. Ganz im Gegenteil ist es der unbedingte Willen diese höheren Werte im Alltag durchzusetzen, die diese Gesellschaft und ihre unangenehmen Seiten aufrecht erhält.

Zuvor jedoch eine kurze Klarstellung: Ich plädiere nicht für Unehrlichkeit zwischen FreundInnen, nicht für rücksichtsloses Verhalten in der Familie. Ich plädiere (und das ist nun ein kurzer Vorgriff) für einen differenzierten Umgang mit diesen hohen Werten und der Einsicht in deren mangelnde Effektivität im politischen.

Wer für die oben genannten höheren Werte eintritt, will sie im ganzen Leben umgesetzt haben. Und das beinhaltet natürlich auch das Arbeitsleben (welches ja doch einen guten Teil des Lebens einnimmt). Auch dort soll durch ein moralisch einwandfreies Verhalten Harmonie und Freundschaft vorherrschen. Denn klar ist vielen: Konkurrenz, die Unehrlichkeit gegenüber KundInnen und das schlecht behandeln von Lohnabhängigen ist keine Ausnahme. Doch diese negativen Verhaltensweisen sind nicht auf moralisch verkommene Subjekte zurückzuführen, sie entstehen nicht aus „bösen Willen“, sondern schlicht, einfach und schlimm genug aus der Art und Weise wie die Ökonomie, die Art und Weise wie hier gewirtschaftet wird, organisiert ist. Das möchte in an zwei kurzen Beispielen erläutern. Weiterlesen

Itzling, sicher und sauber? (2013 Edition)

Posted in aktivismus, politik, rassismus, soziales with tags , , , , , , , , , on November 17, 2013 by stefon

Um Sicherheit und Sauberkeit in Salzburg geht es bei der Veranstaltungsreihe von Bürgermeister-Stellvertreter Harry Preuner (ÖVP) gemeinsam mit der Polizei. Über die nächsten Monate hinweg finden diese sogenannten „Bürgergespräche“ in Salzburger Stadtteilen  statt (der nächste Termin: Am 27. 11. im Stiegl in Maxglan/Riedenburg). Dieser Bericht soll als Dokumentation des „Bürgergesprächs“ in Itzling dienen und Menschen motivieren, auch die folgenden Termine zu besuchen.

ÖVP Preuner für Bettelverbot

ÖVP Preuner für Bettelverbot

Pünktlich um 19 Uhr wurde im Kirchenwirt in Itzling gestartet. Anwesend waren dabei neben dem oben erwähnten Preuner die Gemeinderätin Claudia Schmidt (ÖVP), Stadtpolizeikommandant Manfred Lindenthaler, Christine Fuchs vom Magistrat Salzburg und zwei uniformierte Polizisten. Weiters natürlich das Publikum, ca. 35 eher ältere Personen beiderlei Geschlechts. Der Großteil der ungefähr 2 1/2 Stunden dauernden Veranstaltung drehte sich dabei um falsch positionierte Zebrastreifen, gefährliche Kreuzungen und allerlei anderen (in den Augen der BürgerIn) verkehrstechnischen Unsinn.

Während die zum Teil des sehr langen und etwas verwirrten Redebeiträge erheiternd wirkten, so ist doch mancher Ärger der anwesenden BürgerInnen nachvollziehbar. Wer sein oder ihr schwer erarbeitetes Geld in eine Wohnung oder ein Haus investiert und  Jahre später durch neu erbautes Gewerbe oder  der „rollenden Landstraße“ der ÖBB von Lärm belästigt wird, ärgert sich zurecht. Was jedoch zu kritisieren ist, ist das Politikverständnis dieser Menschen. Anstatt sich klar zu machen, dass es in dieser Gesellschaft nicht um die Bedürfnisse der Leute (in diesem Fall: angenehmes Wohnen), sondern um den Erfolg der heimischen Wirtschaft geht, werden Rechte eingefordert. Kurz gesagt: Es wird auf AnrainerInnen-Rechte gepocht. Als ob es in dieser Gesellschaft darum ginge. Anstatt also gegen die Politik diese Bedürfnisse durchzusetzen, wird an die Politik appelliert … und wird zumeist enttäuscht.

Doch neben diesen Diskussionen gab es natürlich noch ein anderes Thema: Die „Notdürftigen“, die „Bettlerbanden“ und „die Zigeuner“. Während der eine aus Angst um sein Eigentum BettlerInnen fotografieren und die Bilder an die Polizei schicken will, empören sich einige Menschen aus dem Publikum über das Fehlen eines allgemeinen Bettelverbots in Salzburg. Zwei Wortmeldungen, die natürlich unwidersprochen von Politik, Exekutive und Anwesenden vorgetragen wurden, verdeutlichen die antiziganistische Stimmung.

Eine Frau macht sich Sorgen um den Schwarzpark. Konkreter: Ob denn etwa die „Zigeuner“ wieder dort übernachten werden im Frühling. Nachdem die Exekutive und die Politik dies nicht mit Sicherheit ausschließen kann (das vorherige Mal wurden die Menschen von der Polizei aus dem Park vertrieben) meint die Frau „Dann werde ich halt eben wieder öfters dort spazieren gehen“. Die klare Aussage dabei ist natürlich: „Und wenn ich Zigeuner sehe, werde ich sofort die Polizei rufen“. Was sich weiter zeigt: Die Frau kann gar nicht gestört sein von den Menschen im Schwarzpark. Wäre sie das nämlich, müsste sie nicht extra dort Spaziergänge machen. Allein die mögliche Existenz der dort Campierenden scheint ihr ein Gräuel zu sein.

Ein anderer Herr erzählt von seiner letzten Rumänienreise und kündigt eine „erhellende Geschichte an“ . Der rumänische Busfahrer mit dem er unterwegs war, erzählte von den „Zigeunerbaronen“ die in Rumänien Schlösser bauen. Diese Schlösser würden finanziert durch ihm untergebene „Bettlerbanden“ in Österreich. Wer sich die meisten Türmchen leisten kann, hat auch die meisten „Bettlerbanden“ unter seiner Kontrolle. Nach der Geschichte  kann sich wiederum eine andere Frau am Tisch ein „Sehr interessant, sehr interessant“ nicht verkneifen. Widerspruch: Keiner.

Dabei zeigt gerade eine aktuelle Studie (nicht nur in Salzburg, sondern auch in Graz) was von sogenannten „organisierten Bettlerbanden“ zu halten ist.

Der Vorwurf der kriminellen Organisation, wonach es eben keine individuelle oder familialeStrategie wäre, sich und die eigene Familie / Nachbarschaft mit dem Mittel der Notreise indie Lage zu versetzen, das Elend in der Herkunftsregion zumindest ansatzweise zu lindern(von Armutsbewältigung kann in diesem Zusammenhang sicherlich nicht geredet werden!)geht vor dem Hintergrund der vorliegenden Organisationsmuster einfach ins Leere. Zumeisthandelt es sich bei den diversen Reisearrangements um individuelle Notlösungen, die imKontext von Nachbarschaftshilfe etwas erleichtert werden, oder um familiäre Netzwerke, dieden organisatorischen Hintergrund der Notreisen bilden.

Die auch strafrechtlich relevante Feststellung, wonach organisierte Bettelreisen letztlich eineForm von Menschenhandel darstellen würden, denen eine mafia-ähnliche Organisations-struktur zugrunde liegt, konnte ebenfalls in keinem einzigen Fall verifiziert werden.

Die Behauptung, wonach hinter den BettlerInnen im innerstädtischen Raum mehrereGeldeintreiber sitzen und darauf warten, bis genügend Geld in der Bettelschale angehäuftwäre, so dass sich eine systematische Abschöpfung bei BettlerInnen lohnen könnte, istebenfalls empirisch nicht nachweisbar. Die Ergebnisse dieser Erhebung belegen stattdessen,dass Notreisen zum Betteln und/oder Gelegenheitsarbeit eine zeitraubende und höchstanstrengende Form des Zuverdiensts darstellen, die zudem mit dem großen Risiko belastetsind, dass am Ende des Tages kaum genügend Geld lukriert werden konnte, um sich ein gutesEssen, geschweige denn eine adäquate Unterkunft leisten zu können.
Details als PDF: Notreisende und Bettel- MigrantInnen in Salzburg

Warum sich Lohnabhängige nicht nur nicht als GegnerInnen von BettlerInnen sehen sollten, sondern als Verbündete, lässt sich auf dem Blog der Proletin lesen.

Was man da als Bettelnde vor sich hat, sind nicht GegnerInnen, die einem schaden, sondern die proletarischen Brüder und Schwestern, über die das Kapital das Urteil, das jederzeit über einen selber gefällt werden kann, schon gefällt hat: dass man für seinen Zweck, die Vermehrung von Geld, nichts taugt. Man hetzt, wenn man gegen Bettelnde hetzt, in Wahrheit gegen seinesgleichen. Und übermorgen steht man vielleicht selber an der Ecke oder geht Pfandflaschen sammeln. Wenn das mal kein Grund ist, gemeinsam gegen die kapitalistische Armut anzustinken …

Bildung im Kapitalismus? Scheise! Was tun?

Posted in aktivismus, antikapitalismus, politik with tags , , , , on August 27, 2013 by stefon

In einer Diskussion um den Text der Basisgruppe Gesellschaftskritik [geskrit] Salzburg mit dem Titel „Bildung im Kapitalismus“ hat sich folgende simple Frage ergeben: Was tun? Oder anders formuliert: Was für praktische Handlungsweisen ergeben sich aus der Analyse, dass emanzipatorische Bildung (sprich: ein Bildungssystem in dem es um die Vermittlung von Wissen und nicht um Selektion und Konkurrenz geht) im Kapitalismus nicht möglich ist.

Eine einfache (verbreitete bzw. KapitalismuskritikerInnen oft vorgeworfene) Antwort wäre diese: „Na dann schaffen wir den Kapitalimus eben ab!“. Die (nicht unbedingt unberechtigte) Antwort ist: Wie soll das denn konkret aussehen?

Wer sich wirklich an den herrschenden Zuständen stört und im Kapitalismus den Grund für viele (natürlich alle) Probleme sieht, der sollte eben genau daran hinarbeiten ihn loszuwerden. Was ich jedoch wichtig finde: Die Trennung zwischen privaten Zurechtkommen im hier und jetzt und dem politischen Aktivismus.

Ob (jetzt mal konkret bezogen auf das Bildungssystem) ein mensch sich ganz aus Schule und Uni rausnimmt und versuchst subsistent über die Runden zu kommen, ob eineR sich dafür entscheidet von Mindestsicherung zu leben oder ob einE andereR die Uni abschliesst: Das alles sind keine Aktionen die den Kapitalismus stören. Sie sind ein persönliches Zurechtkommen in diesem System und für mich gleichwertig und legitim.

Zurück zum politischen Aktivismus: An erster Stelle sollte Pragmatismus und Realismus stehen. Es ist wohl nicht falsch anzunehmen, dass im Kampf für die Abschaffung des Kapitalismus es wenige MitstreiterInnen gibt. Daher: „Kapitalismus kapputtmachen“ steht in nächster Zeit nicht am Plan.  Dafür braucht es nämlich, wenn nicht eine Mehrheit der Bevölkerung, so doch eine große Anzahl von Menschen. Die Folge aus diesem Schluss: Es muss darum gehen Menschen von den Gründen ihrer Sorgen, Belastungen, Nöte und Schäden  zu überzeugen. Zu zeigen dass es nicht an AusländerInnen, den bösen Amis, dem Finanzkapital oder den faulen Studis liegt, dass Mieten hoch sind, Nahrung teurer wird und Arbeitsplätze knapp.

Solange eine vernünftigte antikapitalistische Kritik nicht verbreitet ist, sollte die Agitation (sprich: das Überzeugen der Menschen von den Argumenten) im Vordergrund stehen. Egal ob durch Arbeit in studentischen Gremien, im Gespräch mit ArbeitskollegInnen oder durch Organisieren von Workshops in der alternativen Szene.

Wer also sagt: „Den Kapitalismus angreifen, das geht doch nicht“ liegt falsch. Es gibt genug zu tun, tu was!

Eine Polemik: Als mein Fernseher kapput wurde, habe ich…

Posted in aktivismus, politik with tags , , on Dezember 31, 2012 by stefon

Eine kurze Geschichte:

Letztens setzte ich mich auf die Couch, nahm die Fernbedienung in die Hand und wollte fernsehen. Doch was geschah: Nichts. Der Fernseher blieb ausgeschaltet. Ich bin natürlich sofort in den nächsten Elektronikladen gelaufen und habe mir eine Sicherung für den Sicherungskasten gekauft. Daheim angekommen wechselte ich die alte mit der neuen Sicherung und setzte mich zufrieden auf die Couch. Ein Griff nach der Fernbedienung, ein Druck auf die Taste und: Nichts. Klar dass ich mir das nicht gefallen lasse. Ich bin also schnurrstracks in den nächsten Elektronikladen und habe mir eine neue Fernbedienung gekauft. Doch siehe da: Auch mit dieser hat das Einschalten des Fernsehers nicht geklappt. Zu guter letzt habe ich die Batterien ausgetauscht und, Überraschung, der Fernseher lief.

Wer sich bei dieser „Geschichte“ auf den Kopf schlägt und meint: „Kurz mal schauen was denn nun die Ursache des Problems sein könnte und dementsprechend handeln wäre doch sinnvoller“ hat wohl recht. Sicher wäre eine Analyse der Situation (z.B. nachzusehen ob sich der Fernseher auch ohne Fernbedienung aktivieren lässt, testen ob die Batterien der Fernbedienung in einem anderen Gerät funktionieren, …) sinnvoller gewesen. Aber die Person in der Geschichte folgt dem Prinzip „Probieren statt studieren“.

Was bei dieser Geschichte so klar und logisch erscheint – vor dem Handeln die Situation kurz zu analysieren – erscheint in politischen Gruppen oder bei politischen Aktionen nicht so selbstverständlich zu sein. Da wird oft gesagt: „besser handeln statt nur reden“, „diskutieren verändert ja sowieso nichts“ und ähnliches.

Weil ich die Diskussion über die Sinnhaftigkeit der Parole „handeln statt diskutieren“ oft führen dürfte, will ich hier festhalten: Auch die Analyse, der Versuch die Jetzt-Situation zu erfassen, ist politisches Handeln. Es kostet Nerven, es kostet Zeit. Es strengt an. Aber es gibt auch Ergebnisse, es hilft weiter. Und das wichtigste: Es erlaubt es ein Ziel zu finden und anhand dieses politischen Ziels einen Weg (eine Form) zu finden, die am besten zu diesem Ziel führt.

Ohne Analyse, ohne Diskussion, ohne einem Verständnis der Jetzt-Situation ist die Veränderung durch Aktionen und politischen Handlungen nicht abzuschätzen, also wenig sinnvoll.

Wer dazu einen Widerspruch hat, ich freue mich über Kommentare und Diskussion.