Archiv für occupy salzburg

Nazis die bei Occupy Salzburg mitarbeiten? Warum denn nicht?

Posted in aktivismus, politik, rassismus with tags , , , , , on Oktober 25, 2011 by stefon

Über Occupy Salzburg habe ich auf meinem Blog bereits berichtet (Demo Ankündigung, Versuch zu klären was Occupy Salzburg sein könnte).

Dieses Mal geht es jedoch darum, warum es mir nicht möglich ist an Occupy Salzburg in der derzeitigen Form mitzuarbeiten. Voraus möchte ich schicken: In diesem Blogposting geht es nicht um die Inhalte des Zeitgeist Movements. Sich mit diesen auseinanderszusetzen macht sicher Sinn (wie bei jeder Bewegung). In diesem Blogposting geht es um Positionen von Menschen die jedoch beim Zeitgeist Movement Salzburg aktiv sind.

Die Gründung einer neuer politische Gruppe/Bewegung/Plattform ist immer eine schwierige Sache. Besondes wenn sie sich aus einer Gruppe von Menschen mit unterschiedlichen Positionen, politischen Erfahrungen, etc ist. Während so einer Gründung/Etablierung finden natürlich Diskussionen zu vielerlei Dingen statt.

Heftig diskutiert wird und wurde in Occupy Salzburg die Frage: Wer darf mitmachen? Gemeint ist: Gibt es Menschen die von der Organisationgruppe ausgeschlossen werden dürfen? Ist jede inhaltliche Stellungnahme auf der Facebook Gruppe Occupy Salzburg bzw. auf Demos erwünscht und erlaubt?

Klar sollte eigentlich sein: Mit Nazis wird nicht zusammengearbeitet. Auch sollte die Frage „Dürfen sich FPÖlerInnen im Organisationteam engagieren bzw. ihre Inhalte auf Demos verbreiten?“ einfach zu beantworten sein. Schwierig wird es natürlich bei sehr religiösen Menschen, Menschen aus anderen Parteien, …

Welche Inhalte in Occupy Salzburg Platz haben dürfen und welche nicht, ist nicht leicht zu beantworten. So eine Grenze zu ziehen ist immer eine Sache der Diskussion und des Kompromisses. Jedoch gibt es bei Occupy Salzburg Menschen (namentlich Jakob O. und Tom S.) die sich nicht entscheiden können ob es so eine Grenze geben soll. bzw. ob zum Beispiel nicht auch Nazis das recht haben sollten mitzuarbeiten. Dies möchte ich mit ein paar Zitaten (aus einer längeren Facebook Diskussion) belegen

wenn mir ein totaler skinhead-neonazi mit hakenkreuz-tattoos hilft, schilder für eine demo zu basteln, auf denen sprüche stehen die zur 99%-bewegung passen, dann finde ich das super. weil erstens hat er damit dann etwas hilfreiches für die bewegung getan, zweitens hat diese arbeit vielleicht sein denken positiv beeinflusst, und drittens hat er in dieser zeit wenigstens keine ausländer verprügelt. (tom s.)

fände schade wenn man sich auf eine grenze einigen muss um andere auszugrenzen 😦 (Jakob O.)

wieso? wieso darf sich ein FPÖ/NPD-ler nicht an der organisation beteiligen, solange er auch dabei sein VERHALTEN von rechtsradikalen dingen sauber hält? (tom S.)

Noch klarer wird es, wenn ich folgende Frage stelle

ok also anders: wenn ne person mit nem tshirt in der gruppe oben ist auf dem steht „juden vergasen“. die person aber sonst brav mitarbeitet und diskutiert, dann passt das für dich und die person wird nicht rausgeschmissen?

„Antworten“ die ich darauf bekam (von Jakob O.)

Ich grenze keine MENSCHEN AUS ! ich grenze deren ideologien aus.. ist das verständlich ?

guter punkt …anders gefragt was ist den wenn der Moslem ein tshirt hat wo drauf steht.. es gibt nur einengott und das ist Allah.. !?

Nein guter punkt heist das das eine sehr schwierge frage ist 🙂 ( oder findest du die kann man beim doofen NAZI ja einfach regel und beim Fantaischen Moslem .. na ja da kann mans ja einfach mal übersehen !? )

so habe ich das aber nicht gesagt… eigentlich habe ich garnichts gesagt… ich habe sogar dir eine gegen frage gestellt … die du nicht beantwortest hast..

nö… “ kein will ich nicht sagen “ sonder ich wollte dir anhand eines beispiels eben aufzeigen.. das verschiede leute verschiede grenzen haben.. und es sehr schwer ist sich auf welche zu einigen… oder siehst du das anders… !?

(und so weiter und sofort)

Es zeigt sich: Es gibt keine klare Abgrenzung von rechten Denken – noch nicht mal von Menschen mit nationalsozialistischer Gesinnung. Ging es nach diesen zwei Personen, dürften in der Occupy Salzburg Gruppe Nazis mitarbeiten. Selbst wenn diese „Juden vergasen“ T-Shirts tragen bzw. diese Position auch verbal vertreten würden, wäre nicht klar ob das reichen würde, sie aus der Gruppe zu entfernen.

Mit solchen Personen ist eine Zusammenarbeit schlicht unmöglich. Und eine Gruppe wie Zeitgeist Movement Salzburg, sollte sich die Frage gefallen lassen, wie es sein kann dass solche Menschen dort aktiv sind. Tom S. ist beispielsweise nicht nur ein „kleiner“ Zeitgeist Movement Aktivist in Salzburg sondern im ganzen deutschsprachigen Raum aktiv.

Anmerkung: Wer sich selbst ein Bild über die Diskussion machen und sichergehen will dass ich keine Zitate aus dem Kontext gerissen habe, kann sich entweder die Diskussion direkt auf Facebook durchlesen oder die von mir durch Screenshots dokumentierte Diskussion runterladen.

Occupy Salzburg: Wer, was und wohin denn überhaupt?

Posted in aktivismus, antikapitalismus, politik with tags , , , , on Oktober 23, 2011 by stefon

Vorbemerkung: Ich schreibe diese Zeilen als ein politisch aktiver Mensch in Salzburg, welcher nicht in der Organisationsgruppe von Occupy Salzburg ist. Dies sind also meine privaten Meinungen und Einschätzungen.

Durch die Protestbewegungen in Spanien und zeitlich folgend die Occupy Wallstreet Bewegung in den USA hat sich auch in Österreich, auch in Salzburg etwas getan. Am 15. Oktober 2011, dem internationalen Aktionstag, trafen sich 200-300 Menschen zu Kundgebung und Demonstration in Salzburg.

Für Salzburg eine recht beeindruckende Anzahl von Menschen, sicher keine 99%, aber doch Menschen die wohl vorher nie auf einer Demo oder Kundgebung waren. (Die „klassisch“ linke Szene in Salzburg war nicht anwesend, das soll aber kein Vorwurf sein). Das „Bauchgefühl“ dass etwas nicht „stimmt“ scheint doch bei einigen Menschen vorhanden zu sein. Soweit dass sie es sogar „wagen“ auf eine öffentliche Kundgebung zu gehen.

Auch wenn dies noch keinen Systemwechsel ausmacht, keine Revolution, so ist das doch ein Moment der zu nutzen ist. Die Frage stellt sich nur: Wer nutzt sie? Parteien welche populistisch auf WählerInnenstimmenfang gehen? Und dabei nehme ich keine Partei aus…

Oder rechte/linke Graswurzelbewegungen mit mehr oder minder parteinahen Verhältnissen. Occupy Salzburg als Gruppe und Plattform wäre die Möglichkeit das Bauchgefühl der Menschen zu addresieren, ohne sie auf Parteien verweisen zu müssen.

Doch wer soll in so einer Plattform Platz finden, mitarbeiten dürfen und was soll diese Plattform erreichen?

Occupy Salzburg ist eine inhaltlich nicht homogene Gruppe (gehen wir gegen Banken vor? gegen korrupte PolitikerInnen? gegen den Neoliberalismus? oder doch dem Geld und Privateigentum?). Es sind Menschen die bereits politisch in Organisationen aktiv sind und welche die „neu“ sind. Eine Mischung die das Zusammenarbeiten zwar nicht leicht, aber sicher spannend macht.

Aber Occuppy Salzburg muss keinen inhaltlichen Konsens finden. Ich würde sogar soweit gehen und sagen: Das wird auch nicht funktionieren. Für was dann Occuppy Salzburg?

Es wäre die Möglichkeit einer Plattform in der Einzelpersonen und Organisationen gemeinsam Aktionen im öffentlichen Raum planen. Und die dadurch erreichte Öffentlichkeit nutzt um politische Diskussionen zu fördern. Und in dieser Diskussionen können sich dann die verschiedenen inhaltlichen Positionen zeigen – im solidarischen Austausch von Argumenten.

Sollte es sich jedoch herausstellen, dass Occupy Salzburg inhaltlich einen Konsens finden will, dann wird sie wohl daran zerbrechen oder eben eine Organisation mit klarer inhaltlicher Ausrichtung sein, die sich mit gemeinsamen Aktionen anderer Organisationen/Personen schwer tun wird.

Also: Gemeinsam Aktionen planen und umsetzen. Aufmerksamkeit erregen und diese für politische Aufklärung nutzen.

Nebenbemerkung: Natürlich darf auch keine inhaltliche Beliebigkeit herrschen. Sexismus, Rassismus, Antisemitismus, … darf in keiner Bewegung Platz haben!