Archiv für analyse

Eine Polemik: Als mein Fernseher kapput wurde, habe ich…

Posted in aktivismus, politik with tags , , on Dezember 31, 2012 by stefon

Eine kurze Geschichte:

Letztens setzte ich mich auf die Couch, nahm die Fernbedienung in die Hand und wollte fernsehen. Doch was geschah: Nichts. Der Fernseher blieb ausgeschaltet. Ich bin natürlich sofort in den nächsten Elektronikladen gelaufen und habe mir eine Sicherung für den Sicherungskasten gekauft. Daheim angekommen wechselte ich die alte mit der neuen Sicherung und setzte mich zufrieden auf die Couch. Ein Griff nach der Fernbedienung, ein Druck auf die Taste und: Nichts. Klar dass ich mir das nicht gefallen lasse. Ich bin also schnurrstracks in den nächsten Elektronikladen und habe mir eine neue Fernbedienung gekauft. Doch siehe da: Auch mit dieser hat das Einschalten des Fernsehers nicht geklappt. Zu guter letzt habe ich die Batterien ausgetauscht und, Überraschung, der Fernseher lief.

Wer sich bei dieser „Geschichte“ auf den Kopf schlägt und meint: „Kurz mal schauen was denn nun die Ursache des Problems sein könnte und dementsprechend handeln wäre doch sinnvoller“ hat wohl recht. Sicher wäre eine Analyse der Situation (z.B. nachzusehen ob sich der Fernseher auch ohne Fernbedienung aktivieren lässt, testen ob die Batterien der Fernbedienung in einem anderen Gerät funktionieren, …) sinnvoller gewesen. Aber die Person in der Geschichte folgt dem Prinzip „Probieren statt studieren“.

Was bei dieser Geschichte so klar und logisch erscheint – vor dem Handeln die Situation kurz zu analysieren – erscheint in politischen Gruppen oder bei politischen Aktionen nicht so selbstverständlich zu sein. Da wird oft gesagt: „besser handeln statt nur reden“, „diskutieren verändert ja sowieso nichts“ und ähnliches.

Weil ich die Diskussion über die Sinnhaftigkeit der Parole „handeln statt diskutieren“ oft führen dürfte, will ich hier festhalten: Auch die Analyse, der Versuch die Jetzt-Situation zu erfassen, ist politisches Handeln. Es kostet Nerven, es kostet Zeit. Es strengt an. Aber es gibt auch Ergebnisse, es hilft weiter. Und das wichtigste: Es erlaubt es ein Ziel zu finden und anhand dieses politischen Ziels einen Weg (eine Form) zu finden, die am besten zu diesem Ziel führt.

Ohne Analyse, ohne Diskussion, ohne einem Verständnis der Jetzt-Situation ist die Veränderung durch Aktionen und politischen Handlungen nicht abzuschätzen, also wenig sinnvoll.

Wer dazu einen Widerspruch hat, ich freue mich über Kommentare und Diskussion.

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Ratingagenturen: Verschärfen sie die Krise?

Posted in antikapitalismus, kapitalismus kritik, politik with tags , , , , , , , , , on Dezember 15, 2011 by stefon

In dieser Serie an Blogpostings sollen verbreitete Mythen und Argumente gegen Ratingagenturen kurz beleuchtet und erklärt werden. Vorsicht: Es geht nicht darum Ratingagenturen gut zu finden, sondern um den Nachweis dass eine Reform/Abschaffung der Ratingagenturen nicht die Krise lösen kann. (Die zitierten Texte stammen aus dem Text „Downgrade!!! Macht und Ohnmacht der Rating-Agenturen“ von Ingo Stützle. )

[Weiters] würden Rating-Agenturen Krisen verschärfen, wenn in der Krise der Downgrade eines Landes zur Verunsicherung der Finanzmärkte beiträgt.

Zutreffend ist, dass Rating-Agenturen pro-zyklisch wirken. Kommt ein Land in Schwierigkeiten, so verstärken Downgrades den Abwärtstrend. Aber dies ist nicht den Ratingagenturen anzulasten, sondern hat seinen Grund vielmehr im Herdentrieb, der jede Spekulation ausmacht. Die pro-zyklische Wirkung entfaltet sich übrigens in beide Richtungen: nach unten und nach oben. Kritisiert wird sie aber meist nur dann, wenn sich ein Abwärtstrend beschleunigt oder verschärft. Auch hieran erkennt man, dass die Kritik an den Rating-Agenturen oftmals interessengeleitet ist.

Wer mehr über Ratingagenturen, z.b. über deren Geschichte, wissen will: Der Artikel von Ingo Stützle steht als PDF zur Verfügung.

Ratingagenturen: Transparenz muss her?

Posted in antikapitalismus, kapitalismus kritik, politik with tags , , , , , , , , , on Dezember 11, 2011 by stefon

In dieser Serie an Blogpostings sollen verbreitete Mythen und Argumente gegen Ratingagenturen kurz beleuchtet und erklärt werden. Vorsicht: Es geht nicht darum Ratingagenturen gut zu finden, sondern um den Nachweis dass eine Reform/Abschaffung der Ratingagenturen nicht die Krise lösen kann. (Die zitierten Texte stammen aus dem Text „Downgrade!!! Macht und Ohnmacht der Rating-Agenturen“ von Ingo Stützle. )

Anrüchig seien zweitens die intransparenten Methoden, nach denen die Agenturen ihre Urteile fällen.

Der Ruf nach transparenteren Rating-Methoden läuft ins Leere. Zum einen sind komplizierte Methoden nicht gleichbedeutend mit Intransparenz.7 Viele Kriterien sind bekannt. Zum anderen wäre es zwar möglich, Ratings besser zu überprüfen, aber realistischer würden die Ratings damit wohl trotzdem nicht. Denn Krisen oder Zahlungsausfälle können nicht mit Sicherheit vorhergesagt werden. An dieser Aufgabe scheiterten auch der Internationale Währungsfonds (IWF) oder die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD), also staatliche Organisationen, im Vorfeld der Krise 2008ff.. Der «Global Financial Stability Report» des IWF ging 2007 noch explizit davon aus, dass eine «Ansteckung» des Finanzsystems wenig wahrscheinlich sei und prognostizierte eine Stabilisierung der globalen Finanzmärkte.

Wer mehr über Ratingagenturen, z.b. über deren Geschichte, wissen will: Der Artikel von Ingo Stützle steht als PDF zur Verfügung.

Ratingagenturen: Alles nur Gefälligkeitsgutachten?

Posted in antikapitalismus, kapitalismus kritik, politik with tags , , , , , , , , on Dezember 8, 2011 by stefon

In dieser Serie an Blogpostings sollen verbreitete Mythen und Argumente gegen Ratingagenturen kurz beleuchtet und erklärt werden. Vorsicht: Es geht nicht darum Ratingagenturen gut zu finden, sondern um den Nachweis dass eine Reform/Abschaffung der Ratingagenturen nicht die Krise lösen kann. (Die zitierten Texte stammen aus dem Text „Downgrade!!! Macht und Ohnmacht der Rating-Agenturen“ von Ingo Stützle. )

Die Kritik:

[Es] wird kritisiert, dass Rating-Agenturen Gefälligkeitsgutachten erstellen, da seit den 1970er Jahren nicht mehr die Investoren für eine Prüfung bezahlen, d.h. diejenigen die ihr Geld profitabel anlegen wollen, sondern diejenigen, die die Wertpapiere ausgeben, d.h. verkaufen wollen. Ratings würden somit zu bezahlten Gefälligkeiten, Korruption hätte System.

Die Antwort:

Richtig ist, dass ohne die Rating-Agenturen die strukturierten Finanzprodukte, d.h. die mit Immobilienkrediten unterlegten Wertpapiere, die u.a. zur Krise 2008ff. führten, nicht derart zum Kassenschlager geworden wären. Die Banken vertrauten den Ratings, und durch gute Noten, die die Agenturen diesen Wertpapieren gaben, konnten sich die Anleger in Sicherheit wiegen. Dennoch ist die Kritik, die Agenturen würden nur Gefälligkeitsgutachten abliefern, völlig überzogen – schließlich gibt es auch die Investoren, die ihr Kapital rentabel und sicher anlegen wollen. Rating-Agenturen können also keine unglaubwürdigen oder realitätsfernen Gutachten produzieren, sonst machen sie sich unglaubwürdig und damit überflüssig. Hätte die Finanzkrise 2008ff. tatsächlich bewiesen, dass Rating-Agenturen nur Gefälligkeitsgutachten erstellen, so wäre das Vertrauen der Märkte in das Urteil der Agenturen zerbrochen. Dem ist jedoch nicht so.

Für die Staatsanleihen greift die Kritik, die Agenturen würden gegen Bezahlung gefällige Ratings abgeben, überhaupt nicht, da die Staaten nicht für die Ratings bezahlen. Deshalb werden diese Benotungen auch als «unsolicited rating», d.h. unaufgefordert oder unerbetene Ratings bezeichnet. Dazu gehören die Bewertungen von Anleihen aller wichtigen Industrienationen und vor allem die Staatsanleihen der USA, Frankreichs, Deutschlands aber auch Japans. Staatsanleihen stellen eine Art Standbein der Finanzmärkte dar, ein sicherer Hafen in krisenhaften Zeiten.6 Je sicherer eine Staatsanleihe ist, desto relevanter ist sie für eine langfristige Anlageper­pektive.

Staatsanleihen kleinerer Staaten sind demgegenüber für die Finanzmärkte und als Anlageform unbedeutend. Deshalb müssen diese Staaten auch für Ratings bezahlen. Ohne Rating bekommen sie keinen Kredit auf den Finanzmärkten. Die
Kritik, Rating-Agenturen würden Gefälligkeitsgutachten produzieren, zieht bei Staatsanleihen somit überhaupt nicht. Und vor allem bei der Herabstufung der Bonität von Staaten wie Griechenland gerieten die Rating-Agenturen in Verruf.

Wer mehr über Ratingagenturen, z.b. über deren Geschichte, wissen will: Der Artikel von Ingo Stützle steht als PDF zur Verfügung.

Lesetip #1

Posted in kapitalismus kritik, politik with tags , , , , , , on November 28, 2008 by stefon

Es gibt viel zu lesen dort draussen im weiten Web. Lesetips sind ein Empfehlung für einen etwas längeren aber empfehlenswerten Text im Web.

Das Ende des „Goldenen Zeitalters“ des Kapitalismus und der Aufstieg des Neoliberalismus
Die seit  über einem Jahr am  Abgrund taumelnde, globale Finanzbranche hat einen Schritt nach vorne getan und befindet sich nun im freien Fall. Lehman Brothers, AIG, Northern Rock – wer kann noch all die einstmals mächtigen Finanzkonzerne, Versicherer oder Hypothekenbanken aufzählen, die in immer kürzeren Abständen der Finanzkrise zum Opfer fallen?
Angesichts der im atemlosen Tempo voranschreitenden Implosion des in den letzten drei Dekaden errichteten, internationalen Finanzsystems scheint es geboten, die Genese und Entwicklung eben dieser einem Kartenhaus gleich zusammenbrechenden, globalen Architektur der Weltfinanzmärkte nachzuzeichnen.
Neben einem erheblichen historischen Erkenntnisgewinn, den ein solches Unterfangen mit sich bringt, dürften hierbei auch die Ursachen der derzeitigen Weltfinanzkrise erhellt werden. Ist es nur nackte, unkontrollierte „Gier“ einiger Spekulanten, die für die gegenwärtigen ökonomischen Verwerfungen verantwortlich ist? Ist die mit neoliberaler Deregulierung und Liberalisierung einhergehende Expansion der Finanzmärkte schuld an der Misere?
Oder liegen die Ursachen dieser spätkapitalistischen Malaise tiefer – womöglich in der innersten Struktur der kapitalistischen Produktionsweise – verborgen?

Quelle: Telepolis

Mini-Analyse Wahlprogramm: BZÖ

Posted in politik with tags , , , , on September 2, 2008 by stefon

Nach der Minianalyse des FPÖ Wahlprogramms folgt nun das BZÖ.

Um das Wahlprogramm des BZÖ selbst zu lesen, einfach auf bzoe.at surfen.

Die orange Position zum Thema „Freiheit“
Schutz und Wahrung der Freiheit – Maximale Freiheit des Menschen – Der demokratische Rechtsstaat als Garant der Freiheit – So viel Freiheit als möglich, so wenig Staat als nötig – Etablierung einer freisinnigen, solidarischen Gesellschaft – Mehr direkte Demokratie – Schutz von Minderheiten und Verhinderung von Ausgrenzung.

Dieser Position könnte ich mich anschliessen, wäre da nicht der Zusatz „so wenig Staat als nötig“. Einen schwachen Staat der sich schwer gegen Konzerne durchsetzen kann haben wir ja bereits.

Sieht sich mensch allerdings die Realpolitik des BZÖ kann von dieser Position keine Rede sein.
Im von dem BZÖ gelenkten Kärtnten werden beispielsweise Menschen ohne Grund und ohne Verurteilung abgeschoben.

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Mini-Analyse Wahlprogramm: FPÖ

Posted in politik with tags , , , , on August 30, 2008 by stefon

Am 22.8 findet die Nationalratswahl 2008 statt (nein, es ist KEINE BundeskanzlerInnen Wahl).
Jede Wahlumfrage zeigt eine Gruppierung deutlich in Führung:
Diejenigen Menschen die sich noch nicht entschieden haben.

Daher werde ich versuchen bis zur Wahl das Wahlprogramm jeder Partei zu lesen und hier zu dokumentieren was ich gut bzw. schlecht daran finde.

Beginnen möchte ich mit der FPÖ (ich folge der umgekehrten Reihenfolge meines Ergebnisses der Wahlkabine).

Für das Wahlprogramm der FPÖ auf hcstrache.at surfen.

Sozialstaat statt Zuwanderung
Sozialstaat statt Zuwanderung! Zuwanderung kostet weit mehr als sie bringt. Deshalb: Einwanderungsstopp und Verlust der Aufenthaltsgenehmigung für Gastarbeitslose. Wir brauchen unser Steuergeld für Kindergeld, Pensionen und das Gesundheitssystem der Österreicher.

Warum wird nicht die Frage gestellt warum die Menschen auswandern? Kein Mensch verlässt gerne sein Land und seine FreundInnen. Sind diese Menschen weniger wert als wir? Sollen sie deswegen abgeschoben werden und müssen daher leiden?
Natürlich kann Österreich nicht alle Menschen aufnehmen, welche vor Krieg, Hunger, Arbeitslosigkeit, Verfolgung, .. fliehen.
Doch anstatt gegen diese Menschen zu wettern und die Angst vor ihnen zu schüren, ist es notwendig EU weit eine menschengerechte Lösung zu finden. Letzendlich sind wir auch zu einem grossen Teil an den Gründen der Migration schuld (Klimakatastrophe, Verschuldung der „dritten Welt“, Kriege um Ressourcen, …).
Zu dem finanziellen Argument ist auch wichtig hinzuzufügen: Ohne den Immigranten sieht es für Österreich schlecht aus. Ob HC Strache wohl schon einmal eine Bevölkerungsanalyse Österreichs gesehen hat? Wir überaltern und brauchen daher dringend junge Menschen.

Straffällige Ausländer abschieben
Straffällige Ausländer abschieben! Kriminelle sind sofort abzuschieben. Dafür wollen wir ein Staatssekretariat für Rückführung und eine Fremdenpolizei. Wer als Eingebürgerter straffällig wird oder die Inte-gration verweigert, muss die Staatsbürgerschaft wieder verlieren.

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