Rich Dad Poor Dad: Ein Klappentextmärchen


Warum bleiben die Reichen reich und die Armen arm? Weil die Reichen ihren Kindern beibringen, wie sie mit Geld umgehen müssen, und die anderen nicht!

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So beginnt der Klappentext des Buches „Rich Dad Poor Dad: Was die Reichen ihren Kindern über Geld beibringen“. Die Handlung ist schnell erklärt: Als Kind lernt der Autor Robert T. Kiyosaki beim reichen Vater eines Freundes alles über Geld und wie es vermehrt werden kann. In diesem Buch vergleicht er seinen echten Vater – den „Poor Dad“ – mit seinem zweiten „Vater“ – dem „Rich Dad“.

Der Klappentext lautet weiter:

Nachdem er [Robert T. Kiyosaki] die Ratschläge des Ersteren [Rich Dad] beherzigt hatte, konnte er sich mit 47 Jahren zur Ruhe setzen. Er hatte gelernt, Geld für sich arbeiten zu lassen, statt andersherum. In Rich Dad Poor Dad teilt er sein Wissen und zeigt, wie jeder erfolgreich sein kann.

Ohne das Buch gelesen zu haben (es gibt übrigens das Hörbuch auf Spotify!) lässt sich etwas über den Klappentext sagen. Er stellt nämlich eine interessante Behauptung auf: Jede*r kann erfolgreich sein. Ob sich der Erfolg einstellt oder nicht liegt alleine am eigenen Charakter.

Was im ersten Moment als simple Werbung für das Buch verstanden werden kann, ist doch etwas mehr. Denn dieser Blick auf Erfolg und Nichterfolg –  „wer sich bemüht, kann es zu etwas bringen“ und umgekehrt „wer arm ist, hat sich nicht angestrengt“ – ist in dieser Gesellschaft weit verbreitet.

Nehmen wir den Text einfach mal ernst. Wie hat es denn der Autor des Buches geschafft nicht mehr arbeiten zu müssen? Wie ist er denn reich geworden? Er lässt das Geld für sich arbeiten und nicht umgekehrt. Anstatt also Tag für Tag, Monat für Monat einen kargen Lohn zu verdienen, plädiert er dafür, das Geld arbeiten zu lassen.

Aber was bedeutet nun diese bekannte Redewendung? Das Geld einfach über Nacht in einen Raum sperren und sich in der Früh über die Vermehrung des Geldhaufens freuen? So ist’s natürlich nicht gemeint.

Ums investieren, ums Geld anlegen geht es. Also darum, eigenes Geld in Immobilien, andere Unternehmen usw usf anzulegen. Danach dann einen Teil des Gewinns einstreichen und beim Erfolg anderer mit profitieren.

Kann da wirklich jede*r erfolgreich sein? Wenn alle erfolgreich und reich werden, wer arbeitet dann für den Profit eines Unternehmens? Wenn alle Immobilien besitzen, wer bezahlt denn dann Miete und vermehrt den Reichtum von Vermieter*innen?

Die Behauptung dies wäre eine Gesellschaft in der alle erfolgreich und reich werden können ist, das kann auch mal offen gesagt werden, erstunken und erlogen. Da mag das Buch noch so gute Tipps enthalten, wie man im Geschäftsleben erfolgreich die Konkurrenz aussticht oder sich Steuern erspart. Klar ist: Besser sein als die Konkurrenz, das ist der Schlüssel zum Gewinn. Und das bedeutet dann eben bedauerlicherweise, dass eben nicht jede*r gewinnt.

Dieses und ähnliche „So wirst du reich“ Bücher erreichen eines dafür ganz bestimmt: Anstatt dass Menschen sich vernünftig erklären warum in dieser Gesellschaft so viele zu nur so wenig kommen, suchen sie den Fehler in sich selbst oder den fehlenden Willen anderer zum Erfolg. 

3 Antworten to “Rich Dad Poor Dad: Ein Klappentextmärchen”

  1. […] Zusammenfassung österreichischer politischer Unkultur « Rich Dad Poor Dad: Ein Klappentextmärchen […]

  2. […] mehr in der Klappentext Kritik und in meiner Blogpostreihe zu diesem Buch […]

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