Archiv für zynismus

Paulo Coelho’s Weihnachtsgrüsse an die Armen: Seid dankbar für das was ihr habt!

Posted in kapitalismus kritik, politik, soziales with tags , , , , on Dezember 28, 2015 by stefon

Weihnachten ist ja eine Zeit der Besinnung und der moralischen Geschichten. Auch Paulo Coelho, der bekannte brasilianische Schriftsteller, hat für diesen Zweck ein kleines Geschichtche (Seite 40)   geschrieben. Um diese seine Geschichte soll es hier kurz gehen.

Der Inhalt ist schnell erklärt: Engel werden zu Weihnachten auf die Erde geschickt, um zu überprüfen, ob dort alles bereit ist für das Fest. Paulo Coelho beschreibt den Erdenbesuch zweier Engel, eines jüngeren und eines alten erfahrenen Engels. Das Pärchen besucht eine reiche Familie. Diese besitzt zwar eine große Villa und erkennt die Engel, lässt sie jedoch nur im stickigen und heißen Keller übernachten. Der ältere Engel bemerkt einen Riss in der Kellerwand und repariert ihn.

Weiter geht es auf der Reise und als nächstes besuchen die zwei Engel eine kleine Hütte am Land. Dort wird ihnen von einer armen Familie geöffnet. Die Familienmitglieder, die zwar nicht erkennen, dass Engel vor ihnen stehen, versorgen diese trotzdem so gut es geht – dürfen z.B. in ihrem Bett schlafen. Am nächsten Morgen liegt die Kuh, die ihr einziger Besitz und Lebensunterhalt, tot am Feld.

Der Ärger des jüngeren Engels muss raus

»Ich kann nicht begreifen, wie du dich verhalten hast! Der erste Mann hatte alles, was er brauchte, und dennoch hast du ihm geholfen. Und bei diesen armen Leuten, die uns so freundlich aufgenommen haben, hast du nichts unternommen, um ihr Leid zu lindern!«

Wer kann solche Gefühle nicht nachvollziehen? Reicht doch ein kurzer Blick auf diese Welt um zu sehen, dass reich und arm in dieser Welt existieren. Trotz übervollen Supermärkten, müssen Menschen betteln. Trotz Superreichen, gibt es Menschen, welche sich ihre Medikamente nicht leisten können. Warum hat sich der ältere Engel also so verhalten? Weiterlesen

Das große Frieren

Posted in antikapitalismus, soziales with tags , , , , , , , , on Oktober 5, 2011 by stefon

Das Interesse von Firmen, sozial und ökologisch verantwortlich zu wirken, ist keine Neuigkeit mehr. Eine Form dieses sich „verantwortlich zeigen“ in einer äusserst zynischen Art und Weise möchte ich hier dokumentieren.

Die Firma innocent, Produzentin von Smoothies, startet auch dieses Jahr wieder die Aktion „Das große Stricken„.

Wie versprochen, wird „Das Große Stricken“ auch dieses Jahr wieder in Österreich durchgeführt. Das hat einen einfachen Grund: Letztes Jahr waren wir vom österreichischen Engagement hin und weg, denn tausende Menschen haben landauf und landab insgesamt 55.734 Wollmützchen gestrickt und eingeschickt.

Das große Stricken

Das große Stricken

So haben wir alle gemeinsam geholfen, ältere Menschen in Österreich warm durch den Winter zu bringen.

….

Für jeden innocent Smoothie, der mit Mützchen verkauft wird, gehen 30 Cent an die Caritas, die damit in Österreich ältere Menschen warm durch den Winter bringt. Damit tust Du mit jeder angeschlagenen Masche etwas Gutes.

Was hiermit schon implizit gesagt wird: Österreich ist ein Land in dem ältere Menschen frieren müssen. Kritik an diesem Zustand wird aber nicht geübt. Warum das in Österreich, einem der „reichsten“ Ländern der Welt so sein „muss“ wird auch nicht erwähnt. Vielmehr wird mit dem legeren Reden über das große Frieren älterer Menschen in Österreich ein Normalzustand geschaffen. Dem Zustand wird das Skandalöse genommen. Das Frieren ist einfach Teil des alltäglichen Normalzustands. Genauso wie es „eben“ hungernde Menschen in Afrika gibt, frieren „halt“ Menschen in Österreich.

Damit es aber zumindest einige ältere Menschen gibt, die nicht frieren müssen, und sozialen Menschen warm ums Herz werden kann, kann jeder und jede die Caritas mit 30 Cent unterstützen. Bei einem Kauf einer innocent Flasche um 1,80 €. Und vorherigen Stricken einer Wollmütze. Über den Widersinn soviel Aufwand zu treiben, anstatt der Caritas direkt 1 Euro zu spenden, damit auch noch Aufwand und Geld zu sparen, will ich gar nicht mal reden.

Und das schlimmste dabei: Durch die Zusammenarbeit mit der Caritas wird diese Aktion auch legitimiert. Bekommt einen Stempel des „sinnvollen“.

Wer drei Mützchen gestrickt hat und einen Smoothie gekauft hat, sich zurücklehnt und weiss: Ich habe mich gesellschaftlich verantwortlich verhalten – Wer sich so verhält wird nicht an den gesellschaftlichen Verhältnissen rütteln die zu frierenden Menschen führen. Politische Interventionen wird mit solchen Aktionen die Spitze genommen.

Und damit es nicht vergessen wird: Interessant auch, dass „Stricken“ für die Firma innocent wohl eine reine „Frauensache“ zu sein scheint.

Stricken: Natürlich Frauensache

Stricken: Natürlich Frauensache

Salzburger Weihbischof Laun: Tote bei Loverparade Strafe Gottes

Posted in politik with tags , , , , , , , , , on August 6, 2010 by stefon

Auch ohne allerlei Kirchenskandalen wäre ich aus der Kirche ausgetreten. Durch die frauenfeindliche Politik und deren strikten Hierarchie hat sie sich für mich selbst vor langem delegitimiert. Jedoch gibt es noch genug Menschen in Österreich die dem katholischen Verein die Treue halten.

Für die ist es vielleicht von Interesse was der Salzburger Weihbischof Laun zum Thema Loveparade von sich gibt

Bischof Andreas Laun über das Unglück von Duisburg und die Strafe Gottes: Love-Parade ist kein „harmloses Feiern“ – Wenn Gott „straft“, tut er dies mit der Absicht, den Menschen zurückzuholen, Gott straft aus Liebe!

Nun kann man zwar manchmal sogar von katholischen Theologen hören, dass Gott nicht strafe, nur ist das nicht katholisch! Denn in der Bibel steht es anders, nicht nur einmal! Zugleich korrigiert die Bibel auch das verbreitete Missverständnis, als ob Strafe dasselbe wäre wie die Befriedigung eines hässlichen, grausamen Gelüstes auf Rache! Und dies trifft auf Gott natürlich nicht zu! Wahr ist vielmehr: Wenn Gott ,,straft“ tut er dies mit der Absicht, den Menschen zurückzuholen, Gott straft aus Liebe!
[Quelle: kath.net]

Gott hat also voller Liebe die Menschen dort ersticken lassen. Solche Meinungen von sich zu geben ist in der Kirche kein Problem. Da gibt es nur ein zu sagen: kirchenaustritt.at

Mit der Kirchensteuer kann mensch viel viel sinnvollere Projekte sponsern (z.b. Amnesty International)

Die Kunst des stilvollen Verarmens?

Posted in medien, soziales with tags , , , on Oktober 16, 2009 by stefon

Es ist nicht lange her, da habe ich das Buch Die Kunst des stilvollen Verarmens von Alexander von Schönburg gelesen. Auf die Idee mir dieses Buch zuzulegen, kam ich durch eine Empfehlung im DerStandard.

Gleich vorweg: Das Buch ist in keinster Weise zu empfehlen.

Warum? Das Buch geht von einem/einer LeserIn aus dem Mittelstand aus. Es erzählt uns wie stilarm es ist essen zu gehen, dass mit Geld angeben nichts bringt und Glück sowieso nur im sparsamen Leben zu finden ist.

Die Schlüsse die er zieht, die Lebensweisen die er vorstellt treffen ja auch einiges von dem, das ich vertrete. (Ablehnung des Individualverkehrs, Erkennen der eigenen Bedürfnisse, …). Aber der Gründe die er für diese Lebensweisen predigt, finde ich mehr als zynisch.

Mensch wird in Zukunft weniger verdienen. So seine Prognose. Anstatt also für Grundeinkommen, mehr Rechte für ArbeiterInnen oder für neue Formen des Wirtschaftens zu kämpfen, empfiehlt er sich mit dem Verarmen anzufreunden. Dieses Verarmen mit Tricks in eine Steigerung des Glücks zu verwandeln.

Von Menschen die jetzt schon arm sind und deren Verarmen sich nicht darin äussert keine Städereisen mehr machen zu können, spricht er nicht!

Wer aber lesen will, was ein adeliger Spross über seine Kindheit zwischen immensen Reichtum und oberer Mittelschicht zu sagen hat, darf sich das Buch kaufen. Allen anderen ist das Buch nicht zu empfehlen.