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Ratingagenturen: Verschärfen sie die Krise?

Posted in antikapitalismus, kapitalismus kritik, politik with tags , , , , , , , , , on Dezember 15, 2011 by stefon

In dieser Serie an Blogpostings sollen verbreitete Mythen und Argumente gegen Ratingagenturen kurz beleuchtet und erklärt werden. Vorsicht: Es geht nicht darum Ratingagenturen gut zu finden, sondern um den Nachweis dass eine Reform/Abschaffung der Ratingagenturen nicht die Krise lösen kann. (Die zitierten Texte stammen aus dem Text „Downgrade!!! Macht und Ohnmacht der Rating-Agenturen“ von Ingo Stützle. )

[Weiters] würden Rating-Agenturen Krisen verschärfen, wenn in der Krise der Downgrade eines Landes zur Verunsicherung der Finanzmärkte beiträgt.

Zutreffend ist, dass Rating-Agenturen pro-zyklisch wirken. Kommt ein Land in Schwierigkeiten, so verstärken Downgrades den Abwärtstrend. Aber dies ist nicht den Ratingagenturen anzulasten, sondern hat seinen Grund vielmehr im Herdentrieb, der jede Spekulation ausmacht. Die pro-zyklische Wirkung entfaltet sich übrigens in beide Richtungen: nach unten und nach oben. Kritisiert wird sie aber meist nur dann, wenn sich ein Abwärtstrend beschleunigt oder verschärft. Auch hieran erkennt man, dass die Kritik an den Rating-Agenturen oftmals interessengeleitet ist.

Wer mehr über Ratingagenturen, z.b. über deren Geschichte, wissen will: Der Artikel von Ingo Stützle steht als PDF zur Verfügung.

Ratingagenturen: Transparenz muss her?

Posted in antikapitalismus, kapitalismus kritik, politik with tags , , , , , , , , , on Dezember 11, 2011 by stefon

In dieser Serie an Blogpostings sollen verbreitete Mythen und Argumente gegen Ratingagenturen kurz beleuchtet und erklärt werden. Vorsicht: Es geht nicht darum Ratingagenturen gut zu finden, sondern um den Nachweis dass eine Reform/Abschaffung der Ratingagenturen nicht die Krise lösen kann. (Die zitierten Texte stammen aus dem Text „Downgrade!!! Macht und Ohnmacht der Rating-Agenturen“ von Ingo Stützle. )

Anrüchig seien zweitens die intransparenten Methoden, nach denen die Agenturen ihre Urteile fällen.

Der Ruf nach transparenteren Rating-Methoden läuft ins Leere. Zum einen sind komplizierte Methoden nicht gleichbedeutend mit Intransparenz.7 Viele Kriterien sind bekannt. Zum anderen wäre es zwar möglich, Ratings besser zu überprüfen, aber realistischer würden die Ratings damit wohl trotzdem nicht. Denn Krisen oder Zahlungsausfälle können nicht mit Sicherheit vorhergesagt werden. An dieser Aufgabe scheiterten auch der Internationale Währungsfonds (IWF) oder die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD), also staatliche Organisationen, im Vorfeld der Krise 2008ff.. Der «Global Financial Stability Report» des IWF ging 2007 noch explizit davon aus, dass eine «Ansteckung» des Finanzsystems wenig wahrscheinlich sei und prognostizierte eine Stabilisierung der globalen Finanzmärkte.

Wer mehr über Ratingagenturen, z.b. über deren Geschichte, wissen will: Der Artikel von Ingo Stützle steht als PDF zur Verfügung.

Ratingagenturen: Alles nur Gefälligkeitsgutachten?

Posted in antikapitalismus, kapitalismus kritik, politik with tags , , , , , , , , on Dezember 8, 2011 by stefon

In dieser Serie an Blogpostings sollen verbreitete Mythen und Argumente gegen Ratingagenturen kurz beleuchtet und erklärt werden. Vorsicht: Es geht nicht darum Ratingagenturen gut zu finden, sondern um den Nachweis dass eine Reform/Abschaffung der Ratingagenturen nicht die Krise lösen kann. (Die zitierten Texte stammen aus dem Text „Downgrade!!! Macht und Ohnmacht der Rating-Agenturen“ von Ingo Stützle. )

Die Kritik:

[Es] wird kritisiert, dass Rating-Agenturen Gefälligkeitsgutachten erstellen, da seit den 1970er Jahren nicht mehr die Investoren für eine Prüfung bezahlen, d.h. diejenigen die ihr Geld profitabel anlegen wollen, sondern diejenigen, die die Wertpapiere ausgeben, d.h. verkaufen wollen. Ratings würden somit zu bezahlten Gefälligkeiten, Korruption hätte System.

Die Antwort:

Richtig ist, dass ohne die Rating-Agenturen die strukturierten Finanzprodukte, d.h. die mit Immobilienkrediten unterlegten Wertpapiere, die u.a. zur Krise 2008ff. führten, nicht derart zum Kassenschlager geworden wären. Die Banken vertrauten den Ratings, und durch gute Noten, die die Agenturen diesen Wertpapieren gaben, konnten sich die Anleger in Sicherheit wiegen. Dennoch ist die Kritik, die Agenturen würden nur Gefälligkeitsgutachten abliefern, völlig überzogen – schließlich gibt es auch die Investoren, die ihr Kapital rentabel und sicher anlegen wollen. Rating-Agenturen können also keine unglaubwürdigen oder realitätsfernen Gutachten produzieren, sonst machen sie sich unglaubwürdig und damit überflüssig. Hätte die Finanzkrise 2008ff. tatsächlich bewiesen, dass Rating-Agenturen nur Gefälligkeitsgutachten erstellen, so wäre das Vertrauen der Märkte in das Urteil der Agenturen zerbrochen. Dem ist jedoch nicht so.

Für die Staatsanleihen greift die Kritik, die Agenturen würden gegen Bezahlung gefällige Ratings abgeben, überhaupt nicht, da die Staaten nicht für die Ratings bezahlen. Deshalb werden diese Benotungen auch als «unsolicited rating», d.h. unaufgefordert oder unerbetene Ratings bezeichnet. Dazu gehören die Bewertungen von Anleihen aller wichtigen Industrienationen und vor allem die Staatsanleihen der USA, Frankreichs, Deutschlands aber auch Japans. Staatsanleihen stellen eine Art Standbein der Finanzmärkte dar, ein sicherer Hafen in krisenhaften Zeiten.6 Je sicherer eine Staatsanleihe ist, desto relevanter ist sie für eine langfristige Anlageper­pektive.

Staatsanleihen kleinerer Staaten sind demgegenüber für die Finanzmärkte und als Anlageform unbedeutend. Deshalb müssen diese Staaten auch für Ratings bezahlen. Ohne Rating bekommen sie keinen Kredit auf den Finanzmärkten. Die
Kritik, Rating-Agenturen würden Gefälligkeitsgutachten produzieren, zieht bei Staatsanleihen somit überhaupt nicht. Und vor allem bei der Herabstufung der Bonität von Staaten wie Griechenland gerieten die Rating-Agenturen in Verruf.

Wer mehr über Ratingagenturen, z.b. über deren Geschichte, wissen will: Der Artikel von Ingo Stützle steht als PDF zur Verfügung.

5 Dezember in Salzburg, Seminar: Finanzkapital und Finanzkrise

Posted in antikapitalismus, politik with tags , , , , , , , , , on November 29, 2011 by stefon

WannSamstag, 3. Dezember · 11:00 – 18:00
WoSub Salzburg – Müllner Hauptstraße 11b, 5020 Salzburg

Die 2007 ausgebrochene Finanzkrise ist immer noch nicht überwunden. Begonnen hat sie damit, dass bestimmte Arten von Wertpapieren („asset backed securities“ und „collateralized debt obligations“) keine Käufer mehr fanden und darüber ihren Wert verloren. Zwischen Frühjahr 2007 und Frühjahr 2008 ist die Industrieproduktion in Europa um 20 % gesunken. Die vom Konkurs bedrohten Banken konnten nur mit staatlichen Zuschüssen und Garantien vor dem Zusammenbruch bewahrt werden. Ergebnis dieser staatlichen Rettungsmaßnahmen ist ein Banksystem, dessen Stabilität immer noch zweifelhaft ist, und eine Staatsverschuldung, die dazu führt, dass viele Staaten auf den Finanzmärkten keinen Kredit mehr bekommen oder dies ernsthaft befürchten müssen. Dass der Lebensstandard der Lohnabhängigen weltweit im Zuge der Krisenbewältigung gesenkt wird, ist dem wirtschaftlichen Sachverstand selbstverständlich.

Folgende Punkte sollen diskutiert werden:

Welche Bedeutung hat der Kredit für die sogenannte “Realwirtschaft”?
Woher bekommen die Banken eigentlich das Geld, das sie verleihen?
Was ist eigentlich ein Wertpapier und wie erhält es seinen Wert?
Was bedeutet es, dass das Finanzwesen “systemrelevant” ist?
Ist die Versorgung dieser Realwirtschaft mit Liquidität tatsächlich die eigentliche Aufgabe des Bankwesens und der spekulative Finanzüberbau ein Vergehen an diesem Auftrag?

Wen das Thema interessiert, sich damit näher auseinandersetzen will und keine Lust hat auf populistische Antworten: Auftauchen!

Mehr Infos auf der Website der Basisgruppe Gesellschaftskritik

Innocent: Ganz unschuldig

Posted in aktivismus, kapitalismus kritik, soziales with tags , , , , , , , , on Oktober 19, 2011 by stefon

Über die Aktion „Das grosse Stricken“ der Firma innocent in Kooperation mit der Caritas habe ich bereits berichtet. Meine Kritik habe ich auch per Mail an die Firma innocent und an die Caritas kund getan. In diesem Blogposting möchte ich die Antwort der Firma innocent und meine Gegenantwort dokumentieren. Über Kritik/Feedback freue ich mich natürlich.

(Anmerkung: Auch die Caritas hat meine Mail beantwortet, ein Bericht über diese Antwort folgt…)

Schönen Tag!

Danke erstmal für die detailierte E-Mail. Das ist keine  Selbstverständlichkeit.

Meine Bedenken wurden mit der Mail aber nicht ausgeräumt. Das möchte ich mit  dieser Mail argumentieren.

Als Unternehmen möchten wir mit dem Großen Stricken dazu beizutragen, ältere Menschen warm durch den Winter zu bringen. Unsere Partner in Europa, wie die Caritas in Österreich,  finanzieren mit der Spendensumme dreierlei Aktivitäten: warme Kleidung, warme Speisen und zwischenmenschliche Wärme über Besuchsdienste. Ihren Vorwurf, dass wir Frieren von älteren Menschen in Österreich zum Normalzustand verklären, können wir nicht nachvollziehen.

Den Normalzustand stellen sie durch ihren Flyer/Homepage her. Es wird festgehalten
„So haben wir alle gemeinsam geholfen, ältere Menschen in Österreich warm
durch den Winter zu bringen.“ (http://www.innocentdrinks.at/stricken/)

Es fehlt der Hinweis darauf dass es viell. nicht immer so war, dass ältere Menschen in diese Gefahr kamen. Es wird nicht erwähnt dass solche Zustände skandalös und eine Frechheit sind. Und es wird eben NICHT nach der Ursache  dieses Zustandes gefragt.

Insofern wird eben gesagt: „Es frieren Menschen.“  Das ist für mich das Herstellen einer gesellschaftlichen Normalität. Weiterlesen

Michael Hörls Verschleierung der Tatsachen

Posted in antikapitalismus, kapitalismus kritik, politik with tags , , , , , , on Oktober 11, 2011 by stefon

Im derStandard vom 10. Oktober findet sich ein Kommentar von Michael Hörl. Dieser wettert (wie bereits berichtet) über die Gier der kleinen Leuten.

Anbei meine Replik, welche ich als Leserbrief an info@derStandard.at gesendet habe.

Zuallererst möchte ich Michael Hörl in einem Punkt zustimmen: Die „kleinen“  Leute haben natürlich am System teilgenommen, welches jetzt so sehr zu wanken scheint. Ihr Geld liegt z.b. veranlagt in Hedgefonds. Jedoch liegt deren Geld dort, um ihre Rente zu sichern. Nicht um einen Profit zu erwirtschaften. Für  Hörl ist dieses Verhalten der „Kleinen“ Gier.
Doch ist es Gier Geld bei der Bank mit 3% Zinsens zu veranlagen? Liegt die  Grenze bei 2% oder doch bei 5%? Wer profitiert von den Einlagen der „Kleinen“  und wer versucht über Werbung diese Einlagen zu bekommen? Es sind natürlich  Banken die wie jedes Unternehmen versuchen ihre Profite zu steigern.

Es zeigt sich also: Am System nehmen die Kleinen wie die Grossen teil.  Einflüssmöglichkeiten in diesem System haben jedoch nur die Grossen.

Ein Grossteil der Kritik Hörls dreht sich um die Schulden der Staaten. Und  wenn er vom unablässigen Aufnehmen von Krediten der Staaten redet, muss ihm  recht gegeben werden.
Seine Kritik wird populistisch, wenn er den Hauptzweck der Schulden in der  Zahlung von Wahlversprechen sieht.  Was Hörl verschweigt ist dies: Staaten nehmen Schulden auf um wettbewerbsfähig zu bleiben. Mit den Schulden werden Autobahnen gebaut, die Eisenbahn finanziert, FHs und Unis erhalten usw  usf. Würde eine Staat keine Schulden aufnehmen und diese Investition nicht  aufnehmen, würde er im Staatenwettbewerb zurückfallen und Wachstumseinbussen hinnehmen.

Hörl ist gegen „Wachstum auf Pump“. Seine Kritik liest sich wie ein Pladoyer auf das Null-Wachstum. Was er unter dem Tisch fallen lässt sind die Folgen  schwachen Wachstums: Hohe Arbeitslosigkeit, geringere Steuereinnahmen, …

Es zeigt sich eben: Kapitalismus ist kein System bei dem an einem Zahnrad  gedreht werden kann und alles ist in Butter. Das System ist voller  Widersprüche und gezwungenermassen krisenhaft.

Zu guter Letzt sei noch auf den Hinweis Hörls, dass die Menschen über ihre  Verhältnisse gelebt haben, einzugehen.  Während in Jahren des wirtschaftlichen Aufschwungs, der (nur moderat)  gestiegene Wohlstand der Kleinen als Zeichen für die positiven Eigenschaften  des Kapitalismus verkündet wird, sieht das in Krisenzeiten ganz anders aus.  Nun wird den Kleinen mitgeteilt: Ihr habt über Eure Verhältnisse gelebt.

Hörls Beitrag zur Diskussion über die Krise, ist als Verschleieerung der tatsächlichen Verhältnisse zu sehen.

Theorien alternativen Wirtschaftens

Posted in antikapitalismus, kapitalismus kritik, politik with tags , , , , , , on September 26, 2011 by stefon

heisst ein Buch des theorie.org Verlages geschrieben von Gisela Nötz.

Die Einführung liefert eine überschaubare und zugleich fundierte Darstellung exemplarischer Theorien alternativen Wirtschaftens und ihrer Umsetzung in die Praxis. Vorgestellt werden zunächst theoretische Modelle und ihre Protagonisten, von den Frühsozialisten, über die Zeit der beginnenden und fortschreitende Industrialisierung bis heute. Um eine Verständigungsbasis herzustellen, nimmt die Autorin Begriffsserklärungen vor und erklärt Betriebe und Betriebsformen, die Ansätze eines solchen Wirtschaftens verfolgen. Es folgen aktuelle Beispiele aus der Genossenschaftsbewegung, aus der Alternativbewegung der 1970er Jahre, der Kommunebewegung, der Ökonomie des Gemeinwesens, der Tauschökonomie und Umsonstökonomie und der Kommunalen Gemeinschaftsgärten.

Am Ende steht die Frage, wie es angesichts des Siegeszugs der Globalisierung der warentauschenden Gesellschaft und der weltweiten Krise gelingen kann, Theorien für eine andere herrschaftsfreie Welt in weitere Kreise zu tragen. Auch wenn utopisches Denken heute nicht gerade hoch im Kurs steht.

Wer einen Überblick über mögliches wirtschaftliches Handeln im JETZT sucht, ist bei dem Buch gut aufgehoben. Durch konsequentes Angaben von Quellen wird das Weiterlesen einfach gemacht. Obwohl nicht nur die Vorteile der jeweiligen alternativen Wirtschaftsweisen aufgezeigt werden, bleibt die Kritik derselbigen meist recht kurz.

Wer sich eine Analyse über den Sinn bzw. der Effektivität von alternativen Wirtschaftens Gedanken machen will, wird in dem Buch ein paar Ansätze dafür finden, wird aber nicht ganz glücklich damit werden.