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Warum ich mich nicht für Österreich schäme…

Posted in politik with tags , , , , , on Oktober 3, 2012 by stefon

Wer meinen Blog gelegentlich liest oder mich persönlich kennt, der oder die wird sich sicher denken: „Der wird sich oft für Österreich schämen müssen“.

Grund scheint es ja genug zu geben: Die Zustimmung eines großen Bevölkerungsteil zur FPÖ, das Umgehen des Staates mit politischen AktivistInnen (siehe TierschützerInnen), Treffen von Nazis in Österreich und fehlender Widerstand dagegen (siehe Ulrichsbergtreffen), usw usf.

Doch (Überaschung!) schäme ich mich nicht für Österreich. Bin ich der Meinung dass die guten Seiten Österreichs die schlechten überwiegen? Nein. Bin ich etwa der Meinung dass diese oben genannten schlechten Dinge vielleicht gar nicht so schlecht sind? Auch das ist nicht der Grund. Oder kann ich etwa dem Staat auf dessen Gebiet ich geboren bin einfach nicht böse sein, meine Vaterlandsliebe überwältigt mich also? Das ganz sicher nicht.

Kurz gesagt: Schämen kann ich mich ja nur für Dinge, die ich mir freiwillig ausgesucht habe. Die Zugehörigkeit zu Österreich – Österreicher zu sein – entsteht aus einem Zwangsverhältnis. Es entsteht aus einer Gewalt die mir angetan wird. Warum das so ist, werde ich jetzt kurz argumentativ darlegen. (Wer Gegenargumente findet: Gerne als Kommentar, aber eben auch als Argument, welches auf meine Argumente eingeht)

In welchem Staat ein Mensch geboren wird, das kann sich keineR aussuchen. Letzlich ist es Zufall ob ich in Österreich, Schweden, Argentinen oder in Südafrika auf die Welt komme. Eines ist jedoch überall gleich: Durch diese Zufälligkeit werde ich einem Staat zugewiesen. Sprich: Ich erhalte gewisse Rechte die mir ein Staat als Inländer zubilligt und auch eine Menge von Pflichten die er mir aufbürdet.

Daran zeigt sich also schon mal: Von Freiwilligkeit kann hier nicht gesprochen werden. Weder werde ich bei der Geburt gefragt ob ich Österreicher werden will (was ich als Baby wohl auch nicht verstehen würde), noch wird mir mit 18 die Möglichkeit geboten zu entscheiden: Wähle ich Österreich als „meinen“ Staat oder gefällt mir die U.S.A. vielleicht doch besser.

Eine Staatenzugehörigkeit ist auch etwas anderes als die Mitgliedschaft bei zb der katholischen Kirche. Ich werde zwar auch als Kind ungefragt getauft, aber als Erwachsener ist es mir (GOTT sei gedankt *g*) möglich den Verein zu verlassen. Das lässt ein Staat nicht einfach zu. Da muss ich schon vorher die Zusicherung eines anderen Staates haben, mich als Inländer einzustufen. Diese Zusicherung liegt aber auch nicht in meiner Entscheidung.

Wie mensch es dreht und wendet: ÖsterreicherIn zu sein hat nichts mit Kultur zu tun, es hat auch nichts mit Freiwilligkeit oder Liebe zum Land zu tun. Die Zugehörigkeit ergibt sich durch das Gewaltmonopol des österreichischen Staates. Was ich mit allen anderen ÖsterreicherInnen gemein habe: Den Pass, also die Zugehörigkeit, sonst mal aufs erste gar nichts.

So beantwortet sich auch die Frage von oben: Schämen kann ich mich doch nur für etwas, an dem ich freiwillig teilhabe.

Scham ist ein Gefühl der Verlegenheit oder der Bloßstellung, das durch Verletzung der Intimsphäre auftreten kann oder auf dem Bewusstsein beruhen kann, durch unehrenhafteunanständige oder erfolglose Handlungen sozialen Erwartungen oder Normen nicht entsprochen zu haben.
[wikipedia]

Wenn in Österreich Nazis im Parlament akzeptiert werden, rassistische PolizistInnen prügeln, … dann ist das nichts wofür ICH mich schämen muss. Denn Österreicher bin ich nur durch Zwang.

Umgekehrt natürlich ebenfalls: Auf Österreich stolz sein wegen den Skisporterfolgen, der tollen Wirtschaft oder auch dem sogenannten sozialen Frieden würde mir nicht einfallen. Denn an diesen sogenannten Erfolgen habe ich keinen Anteil – sie werden mir von aussen zugerechnet, weil ich als Österreicher gesehen werden.

Gewinner der Europa Meisterschaften 2012 ist…

Posted in medien, politik with tags , , , , on Juni 15, 2012 by stefon

… jeder Staat, dessen Bevölkerung voller Nationalstolz und Wetteifern für die eigene Mannschaft ein „Wir“ Gefühl erschafft und jegliche Interessensunterschiede in der Bevölkerung der Nation unterordnet.

Denn wie setzt sich dieses „Wir“ zusammen? Aus Menschen einer „Kultur“, einer „Sprachgemeinschaft“, einem historisch gewachsenen „Volk“? Die Frage lässt sich leicht beantworten: Das „Wir“ besteht aus Menschen gleicher Staatszugehörigkeit, also Menschen, welche bei der Geburt ein Pass vom gleichen Staat zugewiesen wurde.

Diese Zugehörigkeit erfolgt nicht freiwillig. Kein Mensch wird bei der Geburt danach gefragt ob er oder sie Teil des österreichischen Volks werden will. Auch kann mensch bei Nichtgefallen des „eigenen“ Staates nicht einfach ausreisen und sich einen neuen „Heimat“staat suchen. Und ganz ohne Staatszugehörigkeit zu leben, hat existenzbedrohende Folgen. Es zeigt sich: Die Zugehörigkeit wird durch Gewalt hergestellt (gefragt wird keineR) und die Abgabe der Zugehörigkeit führt zu massiven negativen Folgen.

Doch beziehen sich die meisten Menschen in einem Staat positiv auf ihn. Hegen, wenn schon keine nationalistischen, dann schon patriotische Gefühle. In jeder Zeitung wird davon gesprochen dass „wir sparen müssen“, dass „unsere SkispringerInnen gewonnen“ haben usw usf. Auch durch Geschichtsunterricht und Kultur wird eine Gemeinschaft die über den Zwang der Zugehörigkeit hinausgeht konstruiert. Und so hat eine EM eben auch das Ziel und den Zweck ein „Wir“ Gefühl zu schaffen.

Warum den ganzen Zirkus? Wer sich einem nationalen „Wir“ zugehörig fühlt, übersieht auch die konkreten Interessensunterschiede in einem Staat. Da werden dann osteuropäische Lohnabhängige zur Konkurrenz und die österreichischen Firmen müssen geschützt werden. Dabei ist doch auch klar: Eine Person die vom Lohn abhängig ist, teilt viel mehr materielle Interessen und deren Lebensrealität hat mit Lohnabhängigen auf der ganzen Welt   viel mehr gemein als mit Menschen, welche ohne Lohn überleben können. Sprich: Sich nicht für Lohn verkaufen müssen, da sie entweder gut geerbt haben oder FirmenbesitzerIn (also KapitalistIn) sind.

Daher: Fussball EM, WM, usw usf ist scheisse, nicht weil Fussball scheisse ist (da ist Geschmackssache), sondern weil Nationalstolz und Zugehörigkeit zu einem Staat zelebriert und gefeiert wird.

Wie sehr die EM auf Menschen wirkt, zeigt sich exemplarisch am Musiker Jan Delay, der sich klar politisch links verortet, laut eigenen Angaben „so seine Probleme mit der deutschen Fahne hat“, aber der auch klar sagt: „ABER HEUTE UND DIE NÄCHSTEN 3 WOCHEN NICHT!!!
..let`s go!!!!“.

Eine kleiner Erinnerung an ihn: