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Wirtschaftskammer: Nur wer hungert ist arm!

Posted in antikapitalismus, politik with tags , , , , , on November 24, 2012 by stefon

Armut. Was ist das? Wer nichts zu essen hat, wer kein Dach über den Kopf hat, wer also seine Grundbedürfnisse nicht befriedigen kann. Soweit, so klar. Aber hängt es nicht auch ab von der Gesellschaft in der mensch lebt, ob eine Person als arm bezeichnet werden kann?

Ein kurzes Beispiel: Eine Person die nur zwei Paar Hosen und keinen Kühlschrank besitzt, so eine Person muss ja wohl arm sein. Falsch: Ohne zu wissen in welcher Gesellschaft die Person lebt, ist das nicht zu beurteilen. Haben nämlich andere gar keine Hosen und nicht nur keinen Kühlschrank, sondern nicht mal eine feste Bleibe, so ist die Person im Vergleich zu den anderen „wohlhabend.“ Das kurze Beispiel zeigt, dass Armut nicht individuell, sondern immer im Kontext der Gesellschaft und der dort vorhandenen Reichtümer zu betrachten ist.

Rolf Gleißner, stellvertretender Leiter der Abteilung für Sozialpolitik und Gesundheit in der Wirtschaftskammer, sieht das anders. In einem Leserbrief an den derStandard kommt beispielsweise dieser Satz vor

In Österreich können sich 76 Prozent der Armutsgefährdeten ein eigenes Auto leisten

Er kritisiert in seinem Text die statistische Methode mit der Armut definiert wird

Und als armutsgefährdet gilt, wer weniger als 60 Prozent des Medianeinkommen bezieht. Die slowakische Familie mit einem Monatseinkommen von 1000 Euro ist nicht “ armutsgefährdet“, weil sie über dem niedrigen Medianeinkommen in der Slowakei liegt. Die österreichische Familie mit einem Monatseinkommen von 2000 Euro ist „armutsgefährdet“, weil sie unter dem heimischen Durchschnitt liegt.

Seine Aussage: Diese Art Armut zu definieren ist falsch. Denn Menschen die in Österreich laut dieser Statistik arm sind, hungern ja nicht unbedingt.

Armut ist aber eben ein Vergleich des eigenen materiellen Reichtums mit dem der in Gesellschaft vorhandenen. Wenn 10 Menschen existieren, welche 100 Autos besitzen. Eine Person davon aber nur ein Auto besitzt, ist diese Person im Vergleich mit den anderen Menschen arm.

Aber wie sieht es in Österreich denn wirklich aus? Gibt es die Situation dass die Mehrzahl der Menschen sehr wenig und ein kleiner Teil der Gesellschaft sehr sehr viel hat?

Eine Studie aus dem Jahr 2006 über die Einkommensverteilung in Österreich zeigt

  • die 20% ärmsten der ArbeitnehmerInnen verdienen 2% des Lohns
  • die 20% reichsten ArbeitnehmerInnen verdienen 45% des Lohns

Das sieht nun nicht gerade nach einer „gerechte Verteilung“ aus. Aber halt, bevor auf besserverdienende und ManagerInnen geschimpft wird, muss eines gesagt werden: In dieser Statistik tauchen natürlich nur jene auf, welche einen Lohn beziehen. Wer genug Geld hat und nicht arbeiten braucht, bekommt auch keinen Lohn. Also ist es viel vernünftiger  die Vermögensverteilung anzusehen.

Ein Bericht des Sozialministeriums vom November 2012 teilt uns mit

  • die 5% vermögendsten ÖsterreicherInnen besitzen 45% des Vermögens
  • die ärmsten 50% besitzen 4% des Vermögens

Das zeigt klar: An einem „reichen“ Land wie Österreich sind nur die 5% reichsten ÖsterreicherInnen reich. Und das sind diejenigen, die ihr Leben nicht als Lohnabhängige bestreiten müssen.

Hinweis: Diese Vermögensverteilung ist jedem kapitalistischen Land charakteristisch und im Kapitalismus auch nicht zu lösen. Denn gibt es keine große Menge an Menschen, die sich nur mit Lohn über Wasser halten können, kann sich keine Gesellschaft basierend auf Lohnarbeit (sprich Kapitalismus) entwickeln.

Umverteilung falsch gedacht

Posted in antikapitalismus, kapitalismus kritik, politik, soziales with tags , , , , , , , , , on Juni 1, 2011 by stefon

ichbinsofrei.net nimmt einen DerStandard Artikel Österreich bei Millionärs­dichte an fünfter Stelle zum Anlass um die Debatten über Umverteilung etwas zu beleuchten.

Wenn von Umverteilung gesprochen wird, dann wird sehr oft von der Umverteilung zwischen Einkommen gesprochen.

Conclusio

Neben der Mehrwertsteuer ist die Lohnsteuer der größte Einnahmenposten der Republik. Die Umverteilung findet also zwischen den Lohnabhängigen statt, während die Vermögenden mit der extrem niedrigen Besteuerung unbehelligt bleiben. Kein Wunder, dass es in Österreich so viele Superreiche gibt und gleichzeitig so viele Working poor.

Meine Empfehlung: Das Blog-Posting ganz lesen

Sozialbericht 2009 – 2010: Vermögensverteilung

Posted in politik, soziales with tags , , , , , , on Dezember 15, 2010 by stefon

Der Sozialbericht 2009 – 2010 des Sozialministeriums ist nun verfügbar

An die große Glocke hängt die Regierung die Sache nicht. Ohne Präsentation veröffentlicht das Sozialministerium am Mittwoch den neuen Sozialbericht – und damit Daten, die vor dem Beschluss des Sparbudgets für missliebige Stimmung sorgen könnten.
….
Nur zwei Prozent der Sparbücher weisen laut Bankenstatistik Einlagen über 50.000 Euro auf. Auf diese Minigruppe entfällt ein ganzes Drittel der Spareinlagen von 159 Milliarden.
[derStandard.at]

Lesen wir mal was da zum Beispiel steht (Seite 17)

Die Top-10% halten 37% (hochgerechnet 170 Mrd. EUR) an den gesamten Immobilienwerten in Hauptwohnsitzen und 85% (hochgerechnet 370 Mrd. EUR) des gesamten weiteren Immobilienvermögens.

Nun das sieht ja nicht gerade nach einer gleichmässigen Verteilung von Reichtum aus. Doch, keine Angst, der Bericht hat weiters zu sagen

Die wenigen für Österreich derzeit verfügbaren Vermögensverteilungsdaten (Geld- und Immobilienvermögen) entsprechen internationalen Vergleichsdaten. So besitzen etwa in Deutschland die obersten 5% der Vermögenden einen Anteil amgesamten Nettovermögen von 46% – die obersten 1% sogar über 23%. Und die EZB kommt auf Basis anderer Datenquellen zu einer ähnlichen Anteilseinschätzung des Immobilienvermögens am gesamten Vermögen wie die OeNB.

Da haben wir noch einmal Glück gehabt: Nicht nur in Österreich verfügt eine Minderheit über eine Mehrheit des Reichtums. Auch in anderen Ländern sieht es ähnlich aus.

Diese kurzen Sätze zeigen klar das Perfide des Sparbudgets. Nicht die Vermögenden 10% die über den Grossteil des Reichtums verfügen werden ausgenommen: Es sind die sozial Schwachen!

Den Bericht gibt es hier zum Download und selber Schmökern: Sozialbericht 2009/2010
Wer was interessantes finden: Gerne kommentieren!