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ÖVP Salzburg: Keine glaubwürdige Distanz zur NS Zeit

Posted in politik with tags , , , , , , on März 2, 2011 by stefon

DerStandard.at vom 28.2.2011 (ÖVP-Sekretär würdigt prominenten Altnazi)

… „Ein aufrechter und gerader Mensch“ sei der im November 2010 verstorbene, hoch dekorierte deutsche Kampfflieger Herrmann gewesen, würdigt Huber den NS-Piloten. Huber beschreibt auch dessen Lebensweg nach 1945: Er habe Rechtswissenschaften studiert und danach als Anwalt gearbeitet.
Was Huber nicht geschrieben hatte: Herrmann war überzeugter Nationalsozialist und auch nach 1945 Teil der Naziszene. So hatte er beispielsweise den Holocaust-Leugner David Irving vertreten. …

Dieser Huber ist Büroleiter von Salzburger VP-Stadtvize  Harald Preuner. Natürlich: Solche Menschen wie Huber können sich einschleichen. Ich würde aber behaupten, dass so eine Position eines Menschen zum Nationalsozialismus doch auffallen sollte.

Aber gut: Das ganze ist geschehen. Wie reagiert die ÖVP Salzburg bzw. Harald Preuner

Nachdem der Artikel über die Kameradschaftszirkel hinaus bekannt geworden war und sich auch das Dokumentationsarchiv des Österreichischen Widerstandes (DÖW) für die Causa zu interessieren begann, ist man von Seiten der VP um Schadensbegrenzung bemüht: Huber werde in der nächsten Ausgabe der Kameradschaftspostille „eine entsprechende Klarstellung“ sowie „eine Expertise des DÖW“ veröffentlichen, teilt das Büro von Landesparteiobmann Wilfried Haslauer auf Anfrage des Standard mit.

Sprich: Es gibt keine Konsequenzen. Da äussert sich ein Mitarbeiter der ÖVP mehr als nur ein wenig positiv über einen Nazi und es geschieht NICHTS.

Die Herrmann-Würdigung war freilich nicht der erste einschlägige „Ausflug“ des VP-Sekretärs: 2001 geriet er in die Schlagzeilen als er sich bei einem Vortrag des rechtsextremen, revisionistischen russischen Historikers Viktor Suworow auch körperlich gegen protestierende Uni-Angehörige stellte. Huber trat in Bundesheeruniform auf. Es folgten ein Disziplinar- und ein Strafverfahren.

Es zeigt sich wie immer in Österreich: Die NS Zeit ist nicht aufgearbeitet und selbst mit Sympathien zum NS Regime kann mensch Karriere machen. Schaden tut das offensichtlich nicht.

Auf Bernhard Jenny’s Weblog findet sich zum Thema auch ein spannendes Posting.

 

Jetzt aber wirklich: Nie wieder Ulrichsberg

Posted in aktivismus, medien, politik with tags , , , , , , , , , , , on September 20, 2010 by stefon

Das seit 1958 auf dem Ulrichsberg in Kärnten stattfindenden Treffen zum Gedanken „aller“ Opfer des 2. Weltkrieges, findet nie wieder statt. Jedoch: Das Treffen mit der fehlenden Abgrenzung von SS Soldaten und dem Gedankengut des Nationalsozialismus wurde nur auf einen anderen Ort verschoben. Ab jetzt findet das Ganze jährlich beim Herzogstuhl (ebenfalls Kärnten) statt.

Der Bericht von ORF Kärnten zu diesem Treffen muss hier jedoch kommentiert werden.

Polizisten gegen 30 Demonstranten
Auch der Hubschrauber war den ganzen Vormittag über im Einsatz. Die Polizisten mussten auch eine Demonstration mit rund 30 Leuten auf und neben der Klagenfurter Schnellstraße auflösen. Teilweise waren die linken Demonstranten vermummt. Erst als ihnen mit Strafen gedroht worden, ist haben sie ihre Gesichter gezeigt.

Warum dieser Hubschrauber notwendig war, wird nicht erwähnt. Der Eindruck den dieser Absatz hinterlässt: Hier fanden sich gewaltbereite Chaoten ein um eine legitime Veranstaltung zu stören. Nicht erwähnt  wird, dass die Demonstration legal angemeldet wurde und von den DemonstrantInnen selbst aufgelöst wurde (um die Mittagszeit). Streitigkeiten gab es zwischen Polizei und DemonstrantInnen um den Ort der Demo.

Beim Thema Vermmumung verwechselt der ORF Kärnten auch Ursache und Wirkung. Wenn Polizei bei Demonstrationen massiv fotografiert und filmt, dann ist es auch das Recht der Menschen sich diesem Verlust der Anonymität zu entziehen. Ziel der Behörden ist natürlich, dass diese Wahrung der Anonymität sich in sinkenden TeilnehmerInnenzahlen bei Demos äussert. „Die linken Demonstranten“ üben hier aber zivilen Ungehorsam und widersetzten sich (eine gewisse Zeit lang) dem Vermummungsgesetz. Warum das Recht auf Anonymität im Web von vielen verteidigt wird, im Falle einer Demonstration jedoch als Zeichen von Gewaltbereitschaft interpretiert wird, liegt wohl an der Art und Weise wie Medien darüber berichten.

Zukunft wurde gestaltet
Das Ulrichsbergtreffen sei eine Gedenkfeier, die nichts anderes im Sinn habe als das Gedenken aufrecht zu erhalten. „Wir wollen jenen Männer und Frauen gedenken, die nur eines im Sinn hatte – unsere Heimat zu verteidigen und damit unsere Zukunft zu gestalten“, hielt LH-Stv. Uwe Scheuch (FPK) fest.
ÖVP Klubobmann Stefan Tauschitz sagte, der Tod müsse uns Mahnung sein. Er übte auch Kritik an Verteidigungsminister Darabos, der dem Bundesheer eine Teilnahme am Ulrichsbergtreffen untersagt hatte, weil es für ihn am rechten Rand angesiedelt sei.

Anstatt das Treffen kritisch zu betrachten, wird dem Ulrichsbergtreffen die Fähigkeit zugesprochen, die Zukunft zu gestalten. Interessant für ein Treffen, dass von einem Verein organisiert wird, der sich nicht von Kameraden der SS distanziert und auch nichts anstössiges an der Teilnahme führender Grössen der Neonazi Szene findet.

Die rechte Gesinnung des Treffens wird auch durch die Aussage von Uwe Scheuch untermauert, der weiter munter die Opferthese vertritt. Nicht die Soldaten der Wehrmacht und die Anhörigen der SS waren Opfer. Die von diesen Organisationen getöteten und oft auch gequälten Menschen sind die Opfer! Österreich wurde nicht mit massiver Waffengewalt zum deutschen Reich gezwungen. Es hat sich in der großen Mehrheit freudig angeschlossen.

Ein paar positive Dinge gibt es jedoch auch zu berichten:

Vor 20 Jahren waren noch noch zehn Mal so viele gekommen. Soldaten, die bei Kriegsende 20 waren und heute noch leben, sind mittlerweile 85 Jahre alt. Das Treffen war seit seiner Gründung im Jahr 1959 umstritten.

Die Treffen werden immer kleiner. Trotz des überwiegend positiven Tons des Artikels, berichtet der ORF am Ende doch noch über Gründe dieses Treffen abzulehnen

In die Schlagzeilen geraten ist der Ulrichsberg im Jahr 1995, als Jörg Haider im Vorfeld des Treffens in einem Krumpendorfer Gasthaus eine Ansprache vor ehemaligen Mitgliedern der Waffen-SS hielt.

Eine Rede, in der er sein Publikum als Vorbild bezeichnete. Als anständige Menschen mit Charakter, die auch bei größtem Gegenwind zu ihrer Überzeugung stünden und ihrer Überzeugung bis heute treu geblieben seien. Die Waffen-SS war vom Nürnberger Gerichtshof als Teil der SS zu einer verbrecherischen Organisation erklärt worden.

Im letzten Jahr wurde das Treffen abgesagt, weil es im Vorfeld einen politischen Wirbel gegeben hatte. Ausgerechnet das Jubiläum zum 50. Treffen ist ausgefallen. Verteildigungsminister Darabos hat dem Bundesheer die Mitwirkung verboten, weil der damalige Obmann der Ulrichsberg-Gemeinschaft im internet Nazi-Devotionalien feil geboten hatte. Als Festredner sind diesmal Rudolf Gallob und Ex-Minister Herbert Haupt vorgesehen.

DerStandard.at berichtet auch über das Treffen

Die Creme der deutschen und österreichischen Neonazi-Szene war diesmal ausgeblieben. Auch die Teilnehmerzahl beim umstrittenen Kärntner Ulrichsberg-Treffen ehemaliger Kriegsveteranen war mit geschätzten rund 400 so gering wie noch nie. Dennoch fanden sich auch heuer wieder Rechtsextreme ein. Diese reisten unter anderem aus Deutschland, Italien, Flandern, Estland und Frankreich an. Auch einzelne Vertreter der Kameradschaft IV der Waffen-SS waren wieder mit dabei. Die Feier selbst wurde diesmal nicht wie bisher auf dem Ulrichsberg abgehalten, sondern auf dem Herzogstuhl, auf dem einst die Kärntner Herzöge proklamiert wurden. Dem Bundesheer hatte Verteidigungsminister Norbert Darabos die Teilnahme wegen mangelnder Abgrenzung zu NS-Gedankengut (im Vorjahr war ja ein Ulrichsberg-Funktionär, der mit NS-Devotionalien handelte, aufgeflogen) untersagt.

Der Standard ist wesentlich kritischer. Spannend (und auch Schade): Die Gegendemo wird im Standard nicht erwähnt.

Am 9.-10. Oktober gibt es die nächste Möglichkeit sich gegen den herrschenden rassistischen und rechten Konsens in Kärnten aufzulehnen.

Am 10. Oktober 2010 jährt sich zum 90. mal die Kärntner Volksabstimmung über den Verbleib Südkärntens bei Deutsch-Österreich. Zu diesem Anlass lädt die Kärntner Landesregierung, wie schon im Jahr 2000, zu einem Festumzug ein, der vom ORF live übertragen wird.
Unter dem Motto ,,Kärnten – Gestern – Heute – Morgen“ sollen weiters Ausstellungen gezeigt und Sonderbriefmarken gedruckt werden sowie Veranstaltungen wie die ,,Fahnenaktion – Jedem Kärntner Haushalt eine Kärntnerfahne“ und Schulwettbewerbe zum Thema stattfinden.

Mehr Infos gibts auf no10oktober.

Widerstand im Fekterland

Posted in aktivismus, politik, rassismus with tags , , , , , , , , , , on März 23, 2010 by stefon

Mitte Jänner besuchte unsere allseits beliebte ÖVP Innenministerin das Wirtschaftsförderungsinstitut (WIFI) Salzburg. Dieser Besuch lief für sie jedoch anders als erwartet ab. Ca. 25 AktivistInnen fanden sich ein um Innenministerin Fekter mit Plakaten und Sprüchen willkommen zu heissen. Im zivilen Ungehorsam wurde dabei auch die Tür zum Veranstaltungsraum des WIFI’s blockiert.

Ziel der Aktion: Auf die restriktive und rassistische Migrations- und Asylpolitik hinzweisen

Beim Eintreffen der Polizei zogen sich die AktivstInnen friedlich aus dem WIFI zurück. Als Abschluss wurden aus den Reihen der AktivistInnen zwei Schweizer Krache auf den leeren Vorplatz des WIFI’s geworfen. Dies wurde von der Polizei als Vorwand genommen zwei der AktivistInnen von hinten zu packen, mit Handschellen zu versehen und für 3 Tage in Untersuchungshaft zu stecken.

Anklagepunkt: Widerstands gegen die Staatsgewalt und der schweren Körperverletzung

Wie ernst Innenministerin Fekter ihre eigenen Gesetze nimmt ist leicht zu sehen. Nur 9 Tage nach dem Vorfall und vor dem Prozess gegen die zwei Aktivisten ehrte sie die beteiligten Polizisten

Im zweiten Fall ehrte Dr. Maria Fekter Polizisten, die am 14. Jänner 2010 im Wifi-Salzburg Ausschreitungen verhindert hatten. Aktivisten hatten in einer Störaktion versucht, Besucher einer Veranstaltung des Wirtschaftsbundes und der Innenministerin am Zutritt zu einem Vortragssaal zu hindern. Nach Verlassen des Gebäudes warf einer der Demonstranten Schweizer Kracher in die Menge. Als ihn ein Polizist zur Rede stellte, griff einer der Aktivisten den Beamten von hinten an. Es kam zu einem Handgemenge. Zwei Personen wurden festgenommen, ein Polizist verletzt. [bmi.gv.at]

Von Unschuldsvermutung ist hier keine Rede. Diese scheint für AktivistInnen gegen Rassismus und Hetze für Fekter nicht vorgesehen zu sein!

Warum es wichtig ist, auf die Strasse zu gehen, hat Bernhard Jenny auf seinem Blog sehr gut beschrieben

„widerstand im fekterland“ fordert umkehr

zwei junge menschen, die wegen ihres protestes heute vor gericht stehen werden –
nicht unbedingt grund genug, um auf die strasse zu gehen

mehr als 10 weitere aktivistInnen, die wegen ihres protestes verwaltungsstrafen erhalten –
nicht unbedingt grund genug, um auf die strasse zu gehen

[…]

das sind die gründe, warum ich hier auf der strasse stehe

dass innenministerin fekter asylwerberInnen
inhaftieren will
und sie damit von anfang an wie schwerverbrecher
behandelt
dass sie menschenrechte offensichtlich nur für
wenige menschen
aber niemals für alle gelten lassen will

[…] [bernhard jennys blog]

Mehr Infos zu der Thematik gibt es auf widerstand-im-fekterland.at

Update: