Archiv für neoliberalismus

DerStandard: Die Kluft zwischen Realität und Ideologie

Posted in antikapitalismus, medien, politik, soziales with tags , , , , , , on März 31, 2011 by stefon

Eric Frey, Kolumnist bei derStandard, fällt alle paar Tage durch äusserst neoliberal argumentierte und der Realität wenig entsprechende Kommentare auf. Doch heute hat er sich auf der Kommentarseite des derStandards selbst übertroffen.

Der Titel seines Kommentares: UN-Bericht über Entwicklung – Die große Kluft schrumpft

Die Meldung kommt alle Jahre wieder und scheint all jene zu bestätigen, die die Globalisierung als Katastrophe für die Armen der Welt sehen: Ein Uno-Bericht bestätigt, dass die Schere zwischen armen und reichen Ländern weiter auseinandergeht.

Zuerst wird das offensichtliche, dass sich nicht leugnen lässt bestätigt. Es geht weiter mit

Diese Rechnung stimmt, wenn jedes Land – egal, ob groß oder klein – als Einheit genommen wird. Sie ist aber irreführend, wenn es um die Ungleichheit zwischen den Menschen geht. Die beiden bevölkerungsreichsten Länder, China und Indien, wachsen nämlich viel schneller als die Industriestaaten; jedes Jahr entkommen dort Millionen der Armut und steigen in die Mittelschicht auf. Dadurch schrumpft insgesamt die Einkommenskluft auf der Erde.

Hier verfällt Eric Frey dem üblichen Irrtum, Wachstum von Staaten mit materieller Besserstellung von Menschen in diesem Staat zu verwechseln. Das Wachstum wird mittels BIP (Brutto Inlands Produkt) angegeben. WIE dieser Reichtum in diesem Land verteilt ist, darüber sagt das BIP gar nichts aus. Und die Reichtumsverteilung sieht in jedem Land schlecht aus (Bsp. Österreich: Die Top 10% der Bevölkerung besitzen einen Grossteil des Reichtums).

Dennoch hat der Uno-Bericht seine Berechtigung. Er zeigt, dass die ärmsten Länder, vor allem in Afrika, seit 1970 stark zurückgefallen sind – nicht wegen der Globalisierung, sondern weil sie anders als Asien und Lateinamerika von der globalisierten Wirtschaft links liegen gelassen wurden. Allerdings ist auch dieses Bild nicht vollständig. Denn der jüngste Anstieg der Rohstoffpreise stärkt das Wachstum in vielen afrikanischen Staaten.

Eric Frey geht also davon aus, dass die erhöhten Resourcenpreise für die Menschen in vielen afrikanischen Staaten verbesserte Lebensbedingungen bringen würden. Dabei sieht die Sache ganz anders aus: Durch steigende Lebensmittelpreise wird es für viele Menschen zunehmend schwierig sich das tägliche Überleben zu sichern. (siehe: Weltbank warnt: Nahrungsmittelpreise explodieren). Weiters scheint Eric Frey davon auszugehen, dass ResourcenproduzentInnen aus Afrika auf gleicher Augenhöhe zu denen der wirtschaftlich dominanten Staaten stehen. Was zusätzlich an der Realität vorbei geht.

Damit sich dieser Boom in einer nachhaltigen Entwicklung niederschlägt, müssten die betroffenen Länder allerdings viel härter gegen Korruption und Misswirtschaft vorgehen. Das ist die wichtigste Botschaft des Uno-Berichtes – und eine, die sich besonders schwer umsetzen lässt.

Da können wir ja beruhigt aufatmen. Die verhungenden Menschen, die repressiven Regimes, … sind alles keine Folgen von der Schuldenlast der sogenannten Entwicklungsländern, der Unterstützung von repressiven Regimes durch die EU, ausbeuterische Geschäftspraktikanten grosser Konzerne, grundlegender Übel unseres derzeitigen Wirschaftssystems, …
Nein, es ist die Unfähigkeit der AfrikanerInnen. Beruhigend, wir können uns mit guten Gewissen zurücklehnen und weiter konsumieren, produzieren und alle 5 Jahre ein Kreuzchen abgeben.

Lesetip #3

Posted in kapitalismus kritik, soziales with tags , , , , , , on Dezember 28, 2008 by stefon

Krankheitsbekämpfung und Persönlichkeitsformung
Interview mit Charlotte Jurk über Antidepressiva und Neoliberalismus
Depression ist eine Krankheit, die von den dunklen Seiten einer krisengeschüttelten Konkurrenzgesellschaft zeugt: Einsamkeit, Lethargie und Angstzuständen. Für die Pharmaunternehmen stellt sie einen riesigen Markt dar. Ein Effekt, den Charlotte Jurkin ihrem Buch „Der niedergeschlagene Mensch. Depression – Geschichte und gesellschaftliche Bedeutung einer Diagnose“ untersucht hat.

n den USA wurde Prozac ganz offensiv als ,,Glücksdroge“ auf den Markt geworfen. 1990 – das neoliberale Programm hat seinen Siegeszug angetreten – schreibt der amerikanische Psychiater Peter Kramer ein Buch über Prozac: Jetzt endlich sei es möglich, die eigene Persönlichkeit zu formen. Wozu noch Depression? In Momenten der Schwäche oder der Krise führt diese Pille dazu, dass man sich wieder hineinstürzen kann in Genuss und Konkurrenzkampf.