Archiv für Michael Hörl

Warum wir eine neue Wirtschaftsethik brauchen…

Posted in politik with tags , , , , , , on November 14, 2011 by stefon

„Warum wir eine neue Wirtschaftsethik brauchen“, so lautet der Titel einer Veranstaltung des katholischen Bildungswerk Salzburg. Genauer geht es darum

Wirtschaftsethik fragt danach, ob die aktuellen Wirtschaftsprozesse gut sind, wie sie sind, oder was daran anders werden soll. An Diskussionen über Wirtschaftsethik beteiligen sich nur wenige Bürgerinnen und Bürger. Das ist schlecht für die demokratiepolitische Notwendigkeit, gerade auch Fragen des Wirtschaftens durch lebendige – eben auch zivilgesellschaftliche – Verständigungsprozesse zu begleiten, zu entscheiden und damit auch zu legitimieren. Dabei geht es um Fragen wie: Unter welchen Arbeits- und Einkommensbedingungen wird was produziert bzw. an Dienstleistungen bereit gestellt? Wie finanzieren sich Wirtschaftskreisläufe und welchen Einfluss hat das auf die Vermögens- und Einkommensverteilung? Welche Leistungen werden vorausgesetzt, aber nicht anerkannt? Welchen ,,Erklärungswert“ haben die herrschenden ökonomischen Theorien?

Spannend ist jedoch die Auswahl der GesprächspartnerInnen für die Diskussion. Einerseits Mag. Irene Schulte, Geschäftsführerin der Industriellenvereinigung Salzburg. Andererseits MMag. Michael Hörl, Wirtschaftspublizist.

Während bei Irene Schulte klar ist, welche Position vertreten werden, ist das bei einem Wirtschaftspublizisten nicht ganz so sicher. Jedoch: Michael Hörl steht der Industriellenvereinigung nahe und sieht die Verantwortung für die Finanzkrise bei den „Kleinen“. (Siehe auch mein Beitrag über eine Veranstaltung mit ihm und der Industriellenvereinigung Salzburg: Die Gier der kleinen Leute).

Das katholische Bildungswerk stellt sich also die Frage, warum sich wenige BürgerInnen an der Diskussion über Wirtschaftsethik beteiligen. Und lädt zugleich zwei massive VertreterInnen der Wirtschaft ein. Anstatt also sich GesprächpartnerInnen in der politischen Szene Salzburg zu holen und kontrovers zu diskutieren, wird wieder Propaganda über das Gute des UnternehmerInnentums verbreitet. Gut gemacht katholisches Bildungswerk!

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Michael Hörls Verschleierung der Tatsachen

Posted in antikapitalismus, kapitalismus kritik, politik with tags , , , , , , on Oktober 11, 2011 by stefon

Im derStandard vom 10. Oktober findet sich ein Kommentar von Michael Hörl. Dieser wettert (wie bereits berichtet) über die Gier der kleinen Leuten.

Anbei meine Replik, welche ich als Leserbrief an info@derStandard.at gesendet habe.

Zuallererst möchte ich Michael Hörl in einem Punkt zustimmen: Die „kleinen“  Leute haben natürlich am System teilgenommen, welches jetzt so sehr zu wanken scheint. Ihr Geld liegt z.b. veranlagt in Hedgefonds. Jedoch liegt deren Geld dort, um ihre Rente zu sichern. Nicht um einen Profit zu erwirtschaften. Für  Hörl ist dieses Verhalten der „Kleinen“ Gier.
Doch ist es Gier Geld bei der Bank mit 3% Zinsens zu veranlagen? Liegt die  Grenze bei 2% oder doch bei 5%? Wer profitiert von den Einlagen der „Kleinen“  und wer versucht über Werbung diese Einlagen zu bekommen? Es sind natürlich  Banken die wie jedes Unternehmen versuchen ihre Profite zu steigern.

Es zeigt sich also: Am System nehmen die Kleinen wie die Grossen teil.  Einflüssmöglichkeiten in diesem System haben jedoch nur die Grossen.

Ein Grossteil der Kritik Hörls dreht sich um die Schulden der Staaten. Und  wenn er vom unablässigen Aufnehmen von Krediten der Staaten redet, muss ihm  recht gegeben werden.
Seine Kritik wird populistisch, wenn er den Hauptzweck der Schulden in der  Zahlung von Wahlversprechen sieht.  Was Hörl verschweigt ist dies: Staaten nehmen Schulden auf um wettbewerbsfähig zu bleiben. Mit den Schulden werden Autobahnen gebaut, die Eisenbahn finanziert, FHs und Unis erhalten usw  usf. Würde eine Staat keine Schulden aufnehmen und diese Investition nicht  aufnehmen, würde er im Staatenwettbewerb zurückfallen und Wachstumseinbussen hinnehmen.

Hörl ist gegen „Wachstum auf Pump“. Seine Kritik liest sich wie ein Pladoyer auf das Null-Wachstum. Was er unter dem Tisch fallen lässt sind die Folgen  schwachen Wachstums: Hohe Arbeitslosigkeit, geringere Steuereinnahmen, …

Es zeigt sich eben: Kapitalismus ist kein System bei dem an einem Zahnrad  gedreht werden kann und alles ist in Butter. Das System ist voller  Widersprüche und gezwungenermassen krisenhaft.

Zu guter Letzt sei noch auf den Hinweis Hörls, dass die Menschen über ihre  Verhältnisse gelebt haben, einzugehen.  Während in Jahren des wirtschaftlichen Aufschwungs, der (nur moderat)  gestiegene Wohlstand der Kleinen als Zeichen für die positiven Eigenschaften  des Kapitalismus verkündet wird, sieht das in Krisenzeiten ganz anders aus.  Nun wird den Kleinen mitgeteilt: Ihr habt über Eure Verhältnisse gelebt.

Hörls Beitrag zur Diskussion über die Krise, ist als Verschleieerung der tatsächlichen Verhältnisse zu sehen.

Die Finanzkrise und die Gier der kleinen Leute

Posted in aktivismus, antikapitalismus, politik with tags , , , , , , , on September 21, 2011 by stefon

… so lautete der Titel einer Diskussionsveranstaltung der Industriellenvereinigung Salzburg, stattgefunden am 20.9.2011.

Diskussionsveranstaltung und Buchpräsentation mit MMag. Michael Hörl

Die Finanzkrise und die Gier der kleinen Leute [Taschenbuch]

Aus Neugierde über die Menschen die solch eine Veranstaltung besuchen und den Inhalt bzw. dem Ton der Diskussion, beschloss der Autor dieses Textes dort aufzutauchen. Der Hinweis auf „geschlossene Veranstaltung“ auf deren Terminkalender liess nichts gutes erwarten. Bewaffnet mit einem der wenigen vorhandenen Hemden machte er sich trotzdem auf dem Weg zum Umspannwerk Salzburg-Aigen.

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