Archiv für Leitl

Auch ohne Krise: Kapitalismus ist scheise

Posted in antikapitalismus, politik, soziales with tags , , , , , , , , , on Juni 10, 2011 by stefon

Die Krise scheint überwunden. DerStandard berichtete schon am 1 April (kein Scherz!): Wirtschaft wächst kräftig

Wären da nicht die faulen GriechInnen, die mehr Urlaub haben und früher in Rente gehen, also weniger arbeiten als wir fleissigen ÖsterreicherInnen und Deutschen. Oder wie Merkel meinte

Es geht nicht nur darum, dass wir keine Schulden machen, sondern dann geht’s auch darum, dass in Ländern wie Griechenland, Portugal, Spanien und anderen man nicht früher in Rente gehen kann als in Deutschland, sondern sich alle gleich anstrengen

Ein kleines Detail gehört jedoch erwähnt: Die „faulen“ SüdeurpäerInnen arbeiten länger und mehr als die KollegInnen im Norden!

Denn schon vor den Reformen in Griechenland ging man dort mit 62 Jahren in die Rente, nur im öffentlichen Dienst lag der Durchschnitt bei 58. Daher stammt die Mär von der griechischen Frührente. Nun geht man in Griechenland durchschnittlich etwa zur gleichen Zeit (mit 61,4 Jahren) in die Rente wie in Deutschland (61,7), aber deutlich später als in Frankreich (59,3).

Nach einer Studie der OECD arbeitet man in Deutschland im Durchschnitt am Tag 7 Stunden und 25 Minuten. Die Franzosen arbeiten eine Minute mehr und Spanier kommen auf fast 8 Stunden, wobei sie mit unbezahlter Arbeit noch deutlich über den Durchschnitt liegen. Sieht man sich die durchschnittlich gearbeiteten Stunden eines Beschäftigten pro Jahr an, dann müssen wohl die Deutschen demnächst deutlich länger arbeiten. Denn es sind gerade 1.389.7 Stunden. Dagegen arbeitet ein Grieche im Durchschnitt 2.119.3 Stunden, also reichlich mehr. Und das gilt auch für Portugal (1.719) oder Spanien (1.653.8).

Es kann wohl ohne grosse Gewissensbisse gesagt werden: Merkel hat da wohl so ein kleines bisschen geflunkert. Ziel: Die Lohnabhängigen in Deutschland gegen Lohnabhängige im Süden aufzuhetzen.

Nachdem wir nun wissen, dass wir nicht fleissiger sind als die ArbeiterInnen im Süden, sollte uns dieses hier nicht wundern

Auf die Forderung der Gewerkschaft der Privatangestellten nach sechs Wochen Urlaub für alle folgte eine prompte Absage der Wirtschaftskammer. Schon jetzt liege Österreich in Sachen Urlaubstage im europäischen Spitzenfeld, sagte Wirtschaftskammer-Präsident Christoph Leitl (ÖVP).

Das ist im Gegensatz zu Merkel ja schon ein Fortschritt. Es wird uns klar gemacht: Wir müssen mehr arbeiten, damit wir im VERGLEICH zu anderen besser dastehen. Da könnte mensch ja fast meinen, dass sich da die Interesse von Lohnabhängigen in Griechenland mit denen in Österreich mehr gleichen, als die Interessen von Lohnabhängigen in Österreich und österreichischen Firmen…

So ganz glücklich scheinen die ÖsterreicherInnen über die Lohnarbeit nicht zu sein.

Mehrheit der Österreicher im Job frustriert
Nur jeder Fünfte kann sich verwirklichen – Frauen stärker betroffen

Auch wenn allen klar zu sein scheint, Lohnarbeit MUSS sein, SPASS haben die wenigsten daran. Was fehlt: Der Wunsch, die Einsicht das es auch ohne geht. Die Einsicht, dass es anders gehen könnte.  Mit einem System dass auf Bedürfnissbefriedigung ausgelegt ist und nicht auf die Maximierung von Profit auf der Basis von verpflichtender Lohnarbeit.

Achja, zum Schluss möchte ich den Titel des derStandard Artikels (Wirtschaft wächst kräftig) vom Anfang des Blogpostings vervollständigen.

Realeinkommen sinkt, Wirtschaft wächst kräftig
Hohe Inflation und Steuererhöhungen nagen an den Nettoeinkommen der Österreicher. Sie sinken heuer um 0,6 Prozent