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Innocent: Wieviel Prozent Ihres Einkommens spenden Sie aktuell an gemeinnützige Organisationen und an welche?

Posted in aktivismus, kapitalismus kritik, soziales with tags , , , , , , on Oktober 30, 2011 by stefon

Über meine Kritik an der Aktion „Das grosse Stricken“ habe ich in meinem Blogposting geschrieben. Meine erste Mail an innocent mit meiner Kritik an sie wurde noch recht sachlich (wenn auch inhaltlich dürftig) beantwortet. In der darauffolgenden Mail von innocent zeigt sich jedoch wieviel Interesse die Firma an Kritik hat: Nämlich wie jede Firma, sehr wenig.

Innocents Mail:

Danke für Ihre erneute E-Mail.
Sie bieten in Ihrer E-Mail eine Menge Kritik und Ihre stille Erwartungshaltung ist, dass wir Ihre Meinung annehmen. Das ist nicht unser Verständnis einer Diskussion,  denn Sie gehen ja gar nicht auf unsere Stellungnahme ein, sondern beantworten diese mit eben den gleichen Kritikpunkten wieder.

Lassen Sie mich folgende Fragen stellen:
– Wieviel Prozent Ihres Einkommens spenden Sie aktuell an gemeinnützige Organisationen und an welche?
– Würden Sie – wenn Sie Gehaltseinbußen hinnehmen müssten – weiterhin den gleichen Betrag als Spendenleistung aufbringen?
– Glauben Sie, dass das vorrangige Ziel eines Unternehmens die Sicherung der Geschäftstätigkeit, der Erhalt von Arbeitsplätzen und die Wohlfahrt aller Beteiligten (Produzenten, Handel, Konsumenten) sein sollte?
– Oder haben Unternehmen den Auftrag die Gesellschaft zu (ver-)ändern?
– Sollten Unternehmen gemeinnützige Projekte aufgeben und sich darauf berufen, dass Gemeinnützigkeit Staatsaufgabe ist und diese durch die ohnehin gezahlten Steuern finanziert werden sollte?
– Wie sollte Ihrer Meinung nach ein Unternehmen wie innocent in Österreich agieren?

Gerne können wir diese Themen auch in unserem Salzburger Büro persönlich diskutieren.

Und hier meine Antwort

Schönen Tag!

> Sie bieten in Ihrer E-Mail eine Menge Kritik und Ihre stille  Erwartungshaltung ist, dass wir Ihre Meinung annehmen.

Darf ich fragen woher sie die Vermutung haben, dass ich das annehme?

> Sie gehen ja gar nicht auf unsere Stellungnahme ein, sondern beantworten  diese mit eben den gleichen Kritikpunkten wieder.

Können sie diese Position mit einem Zitat belegen? Es stimmt: Ich lasse von meinen Kritikpunkten nicht ab. Erkläre aber (wie ich finde) doch recht klar warum. Ich würde eher sagen dass SIE nicht auf meine Kritik eingehen.

Ein Beispiel dafür:

Ich schreibe:
„Inwiefern decken sie Misstände auf die zu diesem Zustand führt? Ich bitte da um einen Link. Auf Homepage/Flyer habe ich keinen Text gefunden der das  tut.“

Auf diese Frage bekomme ich von ihnen keine Antwort.

Die Serie von Fragen an mich sind irrelevant. Sie sind eine Firma die in einer Werbekampagne davon reden, dass sie sich sozial und ökologisch engagieren. Und ich kritisiere diese Kampagne mit sachlichen Argumenten.

Meine persönlichen Lebensumstände sind für diese Kritik unwichtig. Ich habe ja auch nicht in einer Werbekampagne Behauptungen aufgestellt oder?

Die Fragen wirken auf mich so, als würden sie die Diskussion abwürgen bzw. sie  auf eine persönliche Ebene zu verlagern versuchen. Dagegen verwehre ich mich!

Zum Thema persönliches Treffen: Daran habe ich wenig Interesse, da ein schriftlicher Austausch leichter zu dokumentieren ist.

Mit der Bitte um Antwort (auch der unbeantworteten Fragen aus meiner letzen
Mail)

Innocent: Ganz unschuldig

Posted in aktivismus, kapitalismus kritik, soziales with tags , , , , , , , , on Oktober 19, 2011 by stefon

Über die Aktion „Das grosse Stricken“ der Firma innocent in Kooperation mit der Caritas habe ich bereits berichtet. Meine Kritik habe ich auch per Mail an die Firma innocent und an die Caritas kund getan. In diesem Blogposting möchte ich die Antwort der Firma innocent und meine Gegenantwort dokumentieren. Über Kritik/Feedback freue ich mich natürlich.

(Anmerkung: Auch die Caritas hat meine Mail beantwortet, ein Bericht über diese Antwort folgt…)

Schönen Tag!

Danke erstmal für die detailierte E-Mail. Das ist keine  Selbstverständlichkeit.

Meine Bedenken wurden mit der Mail aber nicht ausgeräumt. Das möchte ich mit  dieser Mail argumentieren.

Als Unternehmen möchten wir mit dem Großen Stricken dazu beizutragen, ältere Menschen warm durch den Winter zu bringen. Unsere Partner in Europa, wie die Caritas in Österreich,  finanzieren mit der Spendensumme dreierlei Aktivitäten: warme Kleidung, warme Speisen und zwischenmenschliche Wärme über Besuchsdienste. Ihren Vorwurf, dass wir Frieren von älteren Menschen in Österreich zum Normalzustand verklären, können wir nicht nachvollziehen.

Den Normalzustand stellen sie durch ihren Flyer/Homepage her. Es wird festgehalten
„So haben wir alle gemeinsam geholfen, ältere Menschen in Österreich warm
durch den Winter zu bringen.“ (http://www.innocentdrinks.at/stricken/)

Es fehlt der Hinweis darauf dass es viell. nicht immer so war, dass ältere Menschen in diese Gefahr kamen. Es wird nicht erwähnt dass solche Zustände skandalös und eine Frechheit sind. Und es wird eben NICHT nach der Ursache  dieses Zustandes gefragt.

Insofern wird eben gesagt: „Es frieren Menschen.“  Das ist für mich das Herstellen einer gesellschaftlichen Normalität. Weiterlesen

Das große Frieren

Posted in antikapitalismus, soziales with tags , , , , , , , , on Oktober 5, 2011 by stefon

Das Interesse von Firmen, sozial und ökologisch verantwortlich zu wirken, ist keine Neuigkeit mehr. Eine Form dieses sich „verantwortlich zeigen“ in einer äusserst zynischen Art und Weise möchte ich hier dokumentieren.

Die Firma innocent, Produzentin von Smoothies, startet auch dieses Jahr wieder die Aktion „Das große Stricken„.

Wie versprochen, wird „Das Große Stricken“ auch dieses Jahr wieder in Österreich durchgeführt. Das hat einen einfachen Grund: Letztes Jahr waren wir vom österreichischen Engagement hin und weg, denn tausende Menschen haben landauf und landab insgesamt 55.734 Wollmützchen gestrickt und eingeschickt.

Das große Stricken

Das große Stricken

So haben wir alle gemeinsam geholfen, ältere Menschen in Österreich warm durch den Winter zu bringen.

….

Für jeden innocent Smoothie, der mit Mützchen verkauft wird, gehen 30 Cent an die Caritas, die damit in Österreich ältere Menschen warm durch den Winter bringt. Damit tust Du mit jeder angeschlagenen Masche etwas Gutes.

Was hiermit schon implizit gesagt wird: Österreich ist ein Land in dem ältere Menschen frieren müssen. Kritik an diesem Zustand wird aber nicht geübt. Warum das in Österreich, einem der „reichsten“ Ländern der Welt so sein „muss“ wird auch nicht erwähnt. Vielmehr wird mit dem legeren Reden über das große Frieren älterer Menschen in Österreich ein Normalzustand geschaffen. Dem Zustand wird das Skandalöse genommen. Das Frieren ist einfach Teil des alltäglichen Normalzustands. Genauso wie es „eben“ hungernde Menschen in Afrika gibt, frieren „halt“ Menschen in Österreich.

Damit es aber zumindest einige ältere Menschen gibt, die nicht frieren müssen, und sozialen Menschen warm ums Herz werden kann, kann jeder und jede die Caritas mit 30 Cent unterstützen. Bei einem Kauf einer innocent Flasche um 1,80 €. Und vorherigen Stricken einer Wollmütze. Über den Widersinn soviel Aufwand zu treiben, anstatt der Caritas direkt 1 Euro zu spenden, damit auch noch Aufwand und Geld zu sparen, will ich gar nicht mal reden.

Und das schlimmste dabei: Durch die Zusammenarbeit mit der Caritas wird diese Aktion auch legitimiert. Bekommt einen Stempel des „sinnvollen“.

Wer drei Mützchen gestrickt hat und einen Smoothie gekauft hat, sich zurücklehnt und weiss: Ich habe mich gesellschaftlich verantwortlich verhalten – Wer sich so verhält wird nicht an den gesellschaftlichen Verhältnissen rütteln die zu frierenden Menschen führen. Politische Interventionen wird mit solchen Aktionen die Spitze genommen.

Und damit es nicht vergessen wird: Interessant auch, dass „Stricken“ für die Firma innocent wohl eine reine „Frauensache“ zu sein scheint.

Stricken: Natürlich Frauensache

Stricken: Natürlich Frauensache