Archiv für greenwashing

Das große Frieren

Posted in antikapitalismus, soziales with tags , , , , , , , , on Oktober 5, 2011 by stefon

Das Interesse von Firmen, sozial und ökologisch verantwortlich zu wirken, ist keine Neuigkeit mehr. Eine Form dieses sich „verantwortlich zeigen“ in einer äusserst zynischen Art und Weise möchte ich hier dokumentieren.

Die Firma innocent, Produzentin von Smoothies, startet auch dieses Jahr wieder die Aktion „Das große Stricken„.

Wie versprochen, wird „Das Große Stricken“ auch dieses Jahr wieder in Österreich durchgeführt. Das hat einen einfachen Grund: Letztes Jahr waren wir vom österreichischen Engagement hin und weg, denn tausende Menschen haben landauf und landab insgesamt 55.734 Wollmützchen gestrickt und eingeschickt.

Das große Stricken

Das große Stricken

So haben wir alle gemeinsam geholfen, ältere Menschen in Österreich warm durch den Winter zu bringen.

….

Für jeden innocent Smoothie, der mit Mützchen verkauft wird, gehen 30 Cent an die Caritas, die damit in Österreich ältere Menschen warm durch den Winter bringt. Damit tust Du mit jeder angeschlagenen Masche etwas Gutes.

Was hiermit schon implizit gesagt wird: Österreich ist ein Land in dem ältere Menschen frieren müssen. Kritik an diesem Zustand wird aber nicht geübt. Warum das in Österreich, einem der „reichsten“ Ländern der Welt so sein „muss“ wird auch nicht erwähnt. Vielmehr wird mit dem legeren Reden über das große Frieren älterer Menschen in Österreich ein Normalzustand geschaffen. Dem Zustand wird das Skandalöse genommen. Das Frieren ist einfach Teil des alltäglichen Normalzustands. Genauso wie es „eben“ hungernde Menschen in Afrika gibt, frieren „halt“ Menschen in Österreich.

Damit es aber zumindest einige ältere Menschen gibt, die nicht frieren müssen, und sozialen Menschen warm ums Herz werden kann, kann jeder und jede die Caritas mit 30 Cent unterstützen. Bei einem Kauf einer innocent Flasche um 1,80 €. Und vorherigen Stricken einer Wollmütze. Über den Widersinn soviel Aufwand zu treiben, anstatt der Caritas direkt 1 Euro zu spenden, damit auch noch Aufwand und Geld zu sparen, will ich gar nicht mal reden.

Und das schlimmste dabei: Durch die Zusammenarbeit mit der Caritas wird diese Aktion auch legitimiert. Bekommt einen Stempel des „sinnvollen“.

Wer drei Mützchen gestrickt hat und einen Smoothie gekauft hat, sich zurücklehnt und weiss: Ich habe mich gesellschaftlich verantwortlich verhalten – Wer sich so verhält wird nicht an den gesellschaftlichen Verhältnissen rütteln die zu frierenden Menschen führen. Politische Interventionen wird mit solchen Aktionen die Spitze genommen.

Und damit es nicht vergessen wird: Interessant auch, dass „Stricken“ für die Firma innocent wohl eine reine „Frauensache“ zu sein scheint.

Stricken: Natürlich Frauensache

Stricken: Natürlich Frauensache

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Greenwashing

Posted in medien, umwelt with tags , , , , , , , , on August 19, 2009 by stefon

Greenwashing oder Greenwash (englisch wörtlich grün waschen, in Anspielung auf grün als Symbol für Natur und Umweltschutz und Waschen im Sinne von Geldwäsche oder sich reinwaschen, bzw. als Analogiebildung zu whitewash, englisch für schönfärben) ist eine kritische Bezeichnung für PR-Methoden, die darauf zielen, einem Unternehmen in der Öffentlichkeit ein umweltfreundliches und verantwortungsvolles Image zu verleihen (Deutsch etwa: „sich ein grünes Mäntelchen umhängen“).

Hierbei werden die Techniken der Öffentlichkeitsarbeit, der Rhetorik und der Manipulation benutzt, um einer Firmengeschichte oder den aktuellen Unternehmensaktivitäten eine weiße Weste zu verpassen. So behaupten die Unternehmen unter anderem, die Ausrottung der Armut und des Welthungers voranzutreiben, ihre Produkte fair zu handeln oder auf ökologisch verträgliche Weise herzustellen. [wikipedia]

Beispiele für Greenwashing gibt es einige. Ob es Millionenspenden von Shell an notleidende AfrikanerInnen sind (die erst durch die von Shell mitverursachten ökologische Katastrophen notleidend wurden) oder eben der aktuelle Werbespot der RWE ist. Dieser Werbespot will uns sagen: RWE steht für Saubere & Grüne Energie.

Hier die Richtigstellung:

Anteil der erneuerbaren Energie bei RWE: Gerade mal 2%!