Archiv für betteln

Warum ich keine Decken an BettlerInnen verteilt habe und meine Kritik daran

Posted in aktivismus, antikapitalismus, politik, soziales with tags , , on Dezember 29, 2012 by stefon

Gerade in der Winterzeit fallen Bettler und Bettlerinnen auf. Sie knien und warten auf Spenden der PassantInnen. Ein unangenehmer Anblick? Natürlich. Aber natürlich nicht weil es faule Menschen sind oder Personen die „uns“ nur ausnutzen wollen, sondern weil sie ein sichtbares Zeichen dafür sind, dass Armut existiert.

Sich mit dem Thema Bettelei auseinanderzusetzen, ist also sinnvoll und notwendig. Es stellt sich natürlich immer die Frage wie damit umgegangen wird und was für Schlüsse aus der Existenz von BettlerInnen gezogen wird. So einen Versuch hat die ÖH Salzburg gestartet und berichtet davon auf ihrer Homepage. (Zitate ohne Angabe sind aus diesem ÖH Artikel).

An diesem verschneiten und kalten Dezembervormittag sind wir zu viert unterwegs, im Schlepptau ein(en) Radanhänger, in dem sich Decken und Mäntel türmen und ein Transportwagen, vollgepackt mit Schals, Tüchern, Handschuhen und Hauben. Allmählich füllt sich die Stadt mit Touristen, die langsamen Schrittes über den verlassenen Christkindlmarkt von einem Stand zum Nächsten schlendern. Zwei Wochen zuvor hatten wir zum Spenden aufgerufen: nicht mehr gebrauchte Mäntel, Decken und andere wärmende Kleidung sollten für Bettler und Bettlerinnen, die uns tagtäglich auf Salzburgs Straßen in der Innenstadt begegnen, gesammelt werden. Dank des großen Engagements und der Hilfsbereitschaft vieler Studierenden stapelten sich schon innerhalb weniger Tage brauchbare Kleidungsstücke im ÖH Frei:raum.

Es ging also darum Kleidung zu sammeln und an die BettlerInnen abzugeben. Die Existenz von Organisationen wie z.B. die Caritas ist den AktivistInnen bewusst (siehe Facebook Diskussion), jedoch ging es den AktivistInnen darum die BettlerInnen persönlich kennenzulernen. Warum sollte mensch nun eine Kritik an so einer Aktion formulieren, in der doch BettlerInnen mit wärmender Kleidung versorgt werden? Weiterlesen

Von Ungarn und Österreich #bettelei #hetze

Posted in politik, rassismus, soziales with tags , , , , , , , , on April 28, 2011 by stefon

Bei Nachrichten über Ungarn wird meist von der neuen Verfassung und der Medienzensur geschrieben. Weniger oft wird über die Behandlung der Roma in diesem Land berichtet.

Am Rande eines Bürgerkrieges: Roma in Ungarn werden ,,evakuiert“. Weil die Staatsmacht in Ungarn nicht in der Lage oder Willens ist, die Einwohner vor Übergriffen rechtsextremistischer Paramilitärs zu schützen, hat das Rote Kreuz Frauen und Kinder aus der Gefahrenzone evakuiert. Die Regierung spricht von ,,Osterurlaub“. Der Staat bleibt so untätig wie zuvor, versucht lediglich die ,,Kontrahenten“ zu trennen. Inzwischen organisieren sich auch die Roma.
[Quelle: d|rom|a: Staat kapituliert vor Neonazis]

Da fragt sich mensch natürlich: Wie kann es soweit kommen? Eine Minderheit die so drangsaliert, bedroht, verachtet und ausgeschlossen wird. Vielleicht hilft uns da ein Artikel der Salzburger Nachrichten vom 21.April mit dem Titel: Festspielzeit auch für Bettlerbanden.

Auf Streife mit zwei Zivilbeamten in der Salzburger Innenstadt. Taschendiebe, Bettler, Betrüger: drei Festnahmen.

Ohne mit der Wimper zu zucken, werden sofort BettlerInnen, TaschendiebInnen und BetrügerInnen in einen Topf geworfen. So wird der Kriminalisierung von Bettelei Vorschub geleistet.

Es ist Osterfestspielzeit. Für Taschendiebe, Kreditkartenbetrüger und organisierte Bettlerbanden ebenso eine Festspielzeit. Wären da nicht engagierte Kriminalbeamte, die ein besonderes Auge haben.

Auch hier: Die Vermengung von Bettelei und Kriminalität. Und natürlich: Engagierte PolizistInnen die sich für Ordnung und Recht einsetzen. Im besten journalistischen Stil begleitet die SN dabei die Zivilstreife und betrachtet deren Alltag aus einer äusserst „objektiven“ Sicht.

Sie beobachten zwei südländisch wirkende Männer, die offenbar von einem Bandenchef Instruktionen bekommen. Dann lungern die Männer im Park neben der juridischen Fakultät herum. Sie fühlen sich offenbar beobachtet.

Ich will mal nicht so sein und über die Diskussion hinwegsehen, ob es möglich ist mit blossen Auge die StaatsbürgerInnenschaft von Menschen zu erkennen. Die Worte „Bandenchef“ und „lungern“ zeigen jedoch klar welche Position der Journalist vertritt.

Jetzt wird Verstärkung gerufen. Zwei Beamte in Uniform sichern die beiden Zivilbeamten. Alle acht Personen werden überprüft. ,,Die Frau ist ausgeschrieben zum Haftantritt, ebenso ein weiterer Slowake. In der Gruppe ist auch noch ein Ungar, der sich offenbar mit einem gefälschten Ausweis ausgewiesen hat“, erklärt Gauglhofer. Minuten später fährt ein Polizeibus vor, die drei Festgenommenen steigen bereitwillig ein.

Spätestens jetzt wäre doch der Zeitpunkt gekommen, die Betroffenen, die der Kriminalität und des Gesetzesbruches beschuldigten Menschen nach ihrer Warte, ihrer Position zu befrage. Fehlanzeige. Für die Salzburger Nachrichten scheint es so etwas wie Unschuldsvermutung und neutrale Berichterstattung nicht zu geben. Was die Polizei sagt, das gilt eben.

Die junge Eisverkäuferin am Salzachkai verfolgt scheinbar ungerührt das Geschehen. ,,Aber ehrlich gesagt, manchmal habe ich schon Angst, weil solche komischen Leute hier immer mehr werden.“

Schön wäre es wenn die Eisverkäuferin mit „komische Menschen“ die Polizei meint. Die Obrigkeit die sich an der Bettelei stösst und friedliche Menschen kriminalisiert. Aber nein, „komisch“ sind Menschen die am Strassenrand knien und betteln.

Wer jetzt noch nicht genug hat von der Behandlung sozial Benachteiligter Menschen, der wird belohnt. DerStandard.at berichtet:

In einem beliebten Bierlokal im Wiener Alten AKH dürfen sich Gäste nicht aussuchen, wen sie auf ein Getränk einladen

Darf man sich in der ,,Stiegl-Ambulanz“ nicht aussuchen, wem man ein Getränk spendiert? Nein, erklärt Hans-Peter Fasching, Serviceleiter des Lokals: ,,Man kann sicher nicht irgendeinen Sandler einladen.“ Warum? ,,Dazu gebe ich keinen Kommentar ab“, meint Fasching. Nur so viel: ,,Ich bin sicher nicht auf der linken Grün-Seite daheim.“

„Sandler“, „Zigeuner“, … sind Menschen zweiter Klasse. Nicht nur haben sie kein Recht auf die Unschuldsvermutung und objektiver Berichterstattung. Nein, sie dürfen in manchen(?) Lokalen nicht einmal auf ein Bier eingeladen werden.

Wenn Menschen so behandelt werden, in den Medien Hetze betrieben wird und sich kein Widerstand rührt – dann wird Vorarbeit geleistet, für die Vorgänge die heute in Ungarn und vielleicht morgen/übermorgen/heute(?) in Österreich passieren.

Bettelverbot vor oder für Banken?

Posted in soziales with tags , , , , , , , , on April 2, 2010 by stefon

Heute früh wurde mir mal wieder ein österreichisches Schmankerl geboten. Ich stand auf dem Vorplatz des Salzburger Bahnhofes. Kurz bevor eine Gruppe von (vermutlich) RumänInnen an mir vorbeigingen, drehte einer davon um und wandte sich an mich. In der Hand ein laminiertes Blatt Papier. Ich wusste schon um was es ging und griff in meine Geldtasche um einen Euro hervorzuziehen.

Bevor ich jedoch dazukam, stürmte aus der BAWAG Bankfiliale, die sich direkt hinter mir befand ein Mann. Das erste was er von sich gab „Es gibt ein Bettelverbot vor Banken!“.  Ich gebe zu, davon hatte ich in dem Moment das erste mal gehört. Also war das einzige was ich von mir gab „Nagut, dann gehen wir halt 5 Meter weg.“

Diese Aussage hat den (vermutlich) Bankangestellten doch etwas irritiert. „Hilfsbereit“ informierte er mich über die Existenz von rumänischen Bettelbanden. Auf meine Antwort, dass ich das wüsste und dass diese Menschen sicher auch keine grosse Freude daran hätten betteln zu müssen, kam mein allerliebster Spruch zurück: „Sie Gutmensch“. Mit einer wütenden Handbewegung meinerseits endete das „Gespräch“ mit dem Bankangestellten, der sich wieder in seine Filiale zurückzog.

Ein paar Überlegungen zu diesem Vorfall.
Natürlich gibt es Probleme mit Bettelbanden. Die Frage ist wer von den Bettelnden das Geld bekommt, wofür es verwendet wird und so weiter. Es lässt sich auch trefflich darüber debattieren ob es Sinn macht Kleingeld herzugeben.

Aber am meisten macht mich die Reaktion des Bankangestellten wütend. Ein „fleissiger tüchtiger“ Mann der in einer respektierten Firma arbeitet und nach sozial schwächeren tritt. Mussten wir nicht gerade eine Bankenkrise durchstehen, in deren Milliarden Euro für die Rettung der Banken ausgegeben werden mussten? Sich als Bankangestellter in so einer Situation als moralisch hochwertiger zu sehen ist schon eine Leistung…

Und daher habe ich dazu jetzt zwei Fragen an euch!

  • Wisst ihr ob es ein Gesetz gibt, welches Betteln vor Banken verbietet?
  • Und wäre es nicht längst an der Zeit ein Bettelverbot für Banken zu beschliessen?

Würde mich sehr über Meinungen und Anregungen freuen…