Archive for the sexismus Category

Suffragette – Mit Wahlrecht zum schönen Leben?

Posted in antikapitalismus, politik, rassismus, sexismus, soziales with tags , , , , on August 20, 2016 by stefon

Vor nicht langer Zeit habe ich mir den Film Suffragette – Taten statt Worte angesehen.

Suffragette – Taten statt Worte (Originaltitel: Suffragette) ist ein britisches Drama der Regisseurin Sarah Gavron aus dem Jahr 2015. Der Film Suffragette thematisiert die Anfänge der Frauenbewegung in Großbritannien. [wikipedia]

Suffragette Filmplakat

Kurz zusammengefasst dreht sich der Film um eine (erfundene) Arbeiterin, welche mehr oder weniger zufällig in die politische Bewegung der Suffragetten gerät. In dem Zuge wird im Film dargestellt, wie der Kampf der Suffragetten gegen den repressiven englischen Staat verlief. Kritik gibt es an dieser Umsetzung an dem Fehlen jeglicher nicht-weißen Personen. Das Tragen von T-Shirts mit der Aufschrift I’d rather be a rebel than a slave wurde auch in dem Kontext kritisiert. Im Abspann dokumentiert der Film zu welchen Zeitpunkten welche Länder das Frauenwahlrecht eingeführt hatten – die U.S.A. wurde dort mit dem Jahr 1920 erwähnt. Pikant: Erst 1963 war es schwarzen Personen in den U.S.A. erlaubt zu wählen.

In diesem Blogartikel soll es jedoch um eine andere Kritik gehen. Dazu kurz eine detailliertere Beschreibung des Anfangs des Films: Es wird eine Wäscherei gezeigt, die harten Arbeitsbedingungen werden dokumentiert, sexuelle Übergriffe aufgezeigt und der niedrige Lohn, den Frauen für die Arbeit dort erhielten, erwähnt. All diese Bedingungen werden von einer Hauptfigur in einem mündlichen Bericht an einen Politiker übermittelt und so auch die Motivation für das Frauenwahlrecht dargelegt: Frauen müssen unter harten Bedingungen für wenig Lohn und zusätzlich sexuellen Übergriffen arbeiten – sie können diese Verhältnisse aber nicht ändern, sie besitzen ja kein Stimmrecht.

So nachvollziehbar diese Vorstellung – wer in der Demokratie eine Stimme hat, dem*r geht es besser – für politische Aktivistinnen in der Suffragettenbewegung gewesen sein mag, so falsch ist diese aber auch. Dies ist besonders den Filmemacherinnen vorzuwerfen. Denn diese leben in einer Welt mit einer Vielzahl von Ländern, welche das Frauenwahlrecht besitzen. In den allermeisten dieser Länder gibt es aber weiterhin diese dargestellten Arbeitsbedingungen, weiterhin Lohn, der fürs Überleben kaum reicht und zusätzlich Übergriffigkeiten. Weiterlesen

Sexismus? Sowas gibt’s ja schon lang nicht mehr…

Posted in feminismus, frauen, sexismus, Uncategorized with tags , , , on Februar 7, 2016 by stefon

So oder so ähnlich lauten verbreitete Meinungen. Es ist aber weiterhin in unserer Gesellschaft verbreitet gewisse Eigenschaften Frauen* und andere wiederum Männern* zuzuweisen. Zwei aktuelle Werbungen sollen das kurz anschaulich zeigen.

Der eine TV-Spot stammt von der Möbelfirma Kika.

Für viele Männer ist Weihnachten ein Riesenprojekt

Männer sind für das technische zuständig. Sie installieren Lichter, sie sind die Handwerker.

Für uns Frauen ist es die Zeit die Wohnung zu schmücken, der Duft von Lebkuchen, glückliche Kinderaugen und das Festessen mit den Liebsten.

Frauen sind also mehr für das emotionale zuständig. Sie kochen und umhegen.

Es zeigt sich klar bei diesem Werbespot: Klischees werden reproduziert. Den Geschlechtern werden ganz spezifische („viele Männer„, „wir Frauen„) Eigenschaften zugewiesen.

Weiters geht’s mit dem Werbespot von Wick DuoGrippal.

Dabei wird gesagt: „Mütter melden sich nicht krank, sie nehmen Wick Duogrippal„. Vollkommen klar wird davon ausgegangen: Kindererziehung ist Frauensache. Das offensichtliche Problem: „Wenn frau Erziehungspflichten hat und diese aufgrund Krankheit schwer nachgehen kann, dann wird’s kritisch“ – dieses Problem wird naturalisiert („so ist das halt eben„) und individualisiert („damit muss jede einzelne zurechtkommen„). Also auch hier: Richtig übles Zeug.

(* Mal ganz abgesehen davon, dass die klare geschlechtliche Trennung zwischen Mann und Frau auch fragwürdig ist.)

Mit Chancengleichheit zum schönen Leben? Leider nicht.

Posted in antikapitalismus, feminismus, politik, rassismus, sexismus, soziales with tags , , , , , on Juli 5, 2015 by stefon

Aus den Spielregeln von „Mensch ärgere dich nicht!“ :
Bist du über 50 Jahre alt, so musst du einmal aussetzen“ …. Fehlt dir ein Bildungsabschluss, so drehe eine Extrarunde. …. Besitzt du keinen österreichischen Pass, so fahre 5 Felder zurück. … Bist du eine Frau, darfst du maximal 5 Felder fahren... „

 Was würdet ihr zu den Regeln so eines Brettspieles sagen? Wahrscheinlich: „Unfair, ungerecht und diskriminierend.“ Warum sollten Menschen aus ärmeren Familien benachteiligt werden? Warum sollte es eine ältere Person schwerer haben als eine jüngere? Nicht zuletzt: Warum gibt es einen „Österreicher*innen“-Bonus?

Nein, so ein Brettspiel würde wohl keine*r gerne spielen. Und deshalb sehen die Spielregeln auch meist ganz anders aus: Alle haben die gleichen Chancen. Aber klar ist: Es gibt Verlierer*innen und Sieger*innen. Daran ändert auch die Chancengleichheit in den Regeln wenig. Die Konsequenzen einer Niederlage bei „Mensch ärgere dich nicht“ sind jedoch nicht sehr gravierend. Weiterlesen

Nie wieder Küchentisch!

Posted in aktivismus, feminismus, frauen, politik, sexismus with tags , , , , , , on November 15, 2012 by stefon

Aufruf zur Kundgebung gegen die Lichterkette der fundamentalistischen AbtreibungsgegnerInnen am 8. Dez. 2012

Für den 8. Dezember 2012 planen die KlerikalfaschistInnen(1) und FeministinnenhasserInnen von Jugend für das Leben, Human Life International (HLI) und Co. ihre traditionelle Lichterkette vor dem Landeskrankenhaus Salzburg. Unter dem Vorwand ,,abgetriebener Kinder“ zu gedenken, versuchen sie, Frauen*, die über ihren eigenen Körper bestimmen wollen, als Mörderinnen abzustempeln. Sie sollen dabei nicht ungestört sein – wir rufen zur Gegenkundgebung auf.

Kein Gott, kein Staat, kein Patriarchat!
Pro-Choice-Kundgebung:
Wo: Landeskrankenhaus/Müllner Seite
Wann: 8. Dezember 2012, 15:45 Uhr

Mehr Infos und einen längeren Infotext findet ihr auf der Website des Infoladens.

If you cut off my Reproductive Choice... I'll Cut Yours Off

If you cut off my Reproductive Choice… I’ll Cut Yours Off

Alltagssexismus, heute: watzmann

Posted in feminismus, frauen, sexismus with tags , , , , , on Juni 19, 2011 by stefon

Würde mensch jede Werbung, die sich der erniedrigenden und sexualisierten Darstellung von Frauen bedient, anprangern, würde nicht mehr viel Zeit für anderes bleiben. Daher beschränke ich mich hier auf Vorfälle von Salzburger Firmen. Heute darf ich die cultbar/lounge/garde watzmann vorstellen.

watzmann Werbeplakat

watzmann Werbeplakat

Unkreativerweise bedient sich die Bar in ihrem Plakat den Blickfang von dünnen und genormten Frauenkörpern. Dabei wird im Namen der Veranstaltung „Private Summer Parts“ direkt auf die Geschlechsteile von Frauen verwiesen (private parts).

Wäre auf dem Plakat auch ein Mann in engen Shorts und genormten Körper, könnte mensch der Firma „nur“ unkreative Werbung und unsensiblen Umgang mit Körpernormen vorwerfen. So wird wie üblich die Frau sexualisiert und als Objekt darstellt.

Update:
Wer sich beim watzmann beschweren will: Die Email Adresse newsletter@watzup.at und es gibt auch ne Facebook Fan Page

Die natürliche Passivität der Frauen

Posted in feminismus, frauen, medien, sexismus with tags , , , on Juni 5, 2011 by stefon

Nicht erst seit kurzen werden Verhaltensweisen die sich durch Sozialisation und Erziehung ergeben, auf biologische Ursprünge zurückgeführt. Das Verhalten von Mann und Frau ist dabei eines der Klassiker. Können Frauen nicht einparken, können Männer nicht multi-tasken, können Frauen emotionaler agieren, sind Männer in Bezug auf Orientierung um längen voraus. Diese Reihe könnte quasi endlos fortgeführt werden.

Da hilft es auch nichts, dass die Unterschiede zwischen den (sozial konstruierten) Gruppen Mann/Frau kleiner sind als die individuellen Unterschiede in den Gruppe selbst. Sprich: Unterschiede zwischen Männern sind grösser als der durchschnittliche Unterschied zwischen Mann und Frau.

Interessanterweise scheint auch das „Fakt“ der heimischen Frau und des jagenden Mannes bei den Vorfahren der Menschen nicht ganz so klar und auf der Hand zu liegen.

Bei den frühen Vorfahren des Menschen waren die Frauen die Abenteurer (sic!) und zogen hinaus in die Welt, während die Männer eher häuslich waren und ihr Leben in unmittelbarer Umgebung ihres Geburtsorts verbrachten.
(Quelle: dieStandard.at)

Dabei ist die Frage, inwiefern sich aus beispielsweise Zähnen solches Verhalten ablesen lässt legitim. Umgekehrt folgert aber bei solcher Kritik auch: Die wandernden Männer und die am Feuer wartenden Frauen lassen sich durch solche Forschung genauso gut/schlecht argumentieren.

Alltagssexismus, heute: Stadtbus und Egger-Lienz Heimfest

Posted in feminismus, frauen, sexismus with tags , , , , , , on März 10, 2011 by stefon

Eigentlich wollte ich ja in meinem letzten Posting über den Weltfrauentag bereits zwei graphische Beispiele von Sexismus zeigen, jedoch wäre das Posting dann doch arg lang geworden.

Mein erstes „Fundstück“ stellt ein Plakatsujet für das Studifest im Egger-Lienz Heim in Salzburg dar.

Plakat für Egger-Lienz HeimfestBegründung für den Vorwurf des Sexismus:

  • Wir leben in einer Welt in der Frauen in Werbung und Film zumeist als Sexobjekte dargestellt werden. Ein Sujet für ein Studifest. welches einen Hintern zeigt der begrapscht wird, weckt Assoziationen mit sexueller Belästigung von Frauen. Das Sujet stellt diese Belästigung jedoch nicht in negativer Form dar, sondern in positiver, da ja mit dem Sujekt beworben wird
  • Selbst wenn es umgekehrt, also eine Frauenhand auf Männerhintern darstellen würde, wäre es ein Fall von Sexismus. Da sexuelle Handlungen an einer anderen Person nur mit Konsens erfolgen sollten
  • Durch das nichtzeigen des Gesichtes wird dem ganzen noch eine Anonymität vermittelt, die ja genau bei Festen vorhanden ist. Und oft zu begrapschen führt

Bedanken kann mensch sich für das Sujet auf der Facebook Seite des Egger-Lienz Heimfestes oder per Mail: office@egger-lienzheim.at. Bedauerlich auch, dass gerade der Verband sozialistischer Studierender (VSSTÖ)  Salzburg mit den FestbetreiberInnen kooperiert. Feedback kann ihnen auch per Mail: salzburg@vsstoe oder auf deren Facebook Seite gegeben werden.

Das nächste Fundstück wurde bei einer Bushaltestelle des Stadtbuses Salzburg gefunden. Aufgehängt wurde es aufgrund des Aussetzen des Busverkehrs aufgrund des Faschingsdienstages.

Aushang Stadtbus Salzburg

Begründung für den Vorwurf des Sexismus:

  • Klischee von „schwacher“ Frau und den sie „tröstenden, starken“ Mann wird gezeigt und verstärkt
  • Während die angebildete Frau emotional agiert, wird der Mann rational dargestellt (er weist darauf hin: der Bus kommt ja bald wieder)

Wo kann mensch sich über das Motiv aufregen: kundenservice@salzburg-ag.at

Wer Anfragen an die angegebenen Stellen schickt: Bitte deren Rückmeldung in einem Kommentar hier vermerken! Danke

Weltfrauentag – Wirklich notwendig?

Posted in feminismus, frauen, medien, politik, sexismus with tags , , , , , , on März 8, 2011 by stefon

Am heutigen 8. März jährt sich zum 100 Mal der Weltfrauentag. Dieser Tag wurde aufgrund fehlender Rechte von Frauen vor 100 Jahren begründet und wird seitdem begangen. Auch dieses Jahr gibt es eine Reihe von Veranstaltungen, Demos usw.. Manche mögen sich dabei fragen: Ist dieser Tag notwendig?

Letzendlich wurde doch die Hauptforderung der FeministInnen erfüllt: Auch Frauen dürfen wählen. Dabei darf aber eines nicht aus dem Auge verloren werden, das ist beleibe nicht das einzige was FeministInnen zu erreichen versuchten und versuchen.

Auch nachdem Frauen wählen durften, war es ihnen nicht erlaubt ohne der Erlaubnis von Männern zu arbeiten, Abtreibung wurde in jedem Fall hart bestraft und den Strafdelikt „Vergewaltigung in einer Beziehung“ gibt es auch noch nicht SO lange. Es zeigt sich: Frauenrechte bedeuten mehr als Wahlrecht. Und je nach Strömung des Feminismus (den davon gibt es viele) sind noch unterschiedlich viele Dinge zu erreichen.

Eien kurze Liste zeigt was nach 100 Jahren Weltfrauentag und feministschen Kampf immer noch nicht erreicht wurde

  • Frauen sind in hohen politischen Ämtern und Unternehmenspositionen nur marginal vertreten
  • Frauen werden in Werbung und Film weiterhin grossteils nur als Sexobjekte und schmückendes Beiwerk verwendet
  • In Österreich gibt es gerade erst 2 Rektorinnen (von 21 RektorInnen-Posten)
  • Frauen sind von Gewalt überproportional betroffen
  • Frauen verdienen in Österreich im Schnitt 20% weniger als Männer

Während alleine das als Grund zählen dürfte wütend zu werden, ist die Betrachtung des Weltfrauentages in den Medien mehr als beschämend. Salzburger Nachrichten, DerStandard und diePresse waren sich nicht zu schade anti-feministische, unsachliche und erz reaktionäre Artikel zu bringen. Ein Auszug?

Die ebenfalls ständig kolportierten höheren Einkommen von Männern sind Folge von Überstunden, von Karriere-Ehrgeiz und der Tatsache, dass Frauen Ausbildung und Job weniger nach Verdienstchance als nach der Freude am Beruf aussuchen. Was nachvollziehbar ist, aber nicht bejammert werden sollte
[Salzburger Nachrichten vom 3.3.2011 – Andreas Unterberger]

Alle Frauen haben also weniger Lust auf Karriere, Männer sind die harten die Karriere über das eigene Wohl stellen? Grob stereotyp und wirft gesellschaftliche Probleme auf die einzelne Person zurück.

Die feministische Doktrin von der Unterdrückung des weiblichen Geschlechts lässt sich schon seit längerem nicht mehr belegen. Frauen gelten im Gegenteil heute als die eigentlichen Gewinnerinnen der Modernisierung; ihr Aufstieg im Laufe der vergangenen dreißig Jahre ist eklatant: Sie machen die besseren Schulabschlüsse, studieren häufiger, dominieren ganze Fachbereiche wie inzwischen auch Medizin und Jura und stellen die Mehrheit der kompetenten Berufsanfänger.
[derStandard vom 7.3.2011 – Walter Hollstein]

Walte Hollstein will uns im derStandard weissmachen dass Frauen beruflich erfolgreicher sind. Er sollte sich eher fragen warum zwar, wie er richtig anmerkt, in vielen Studienrichtungen mehr Frauen als Männer studieren, aber auch in diesen Fächern Professorinnen wesentlich weniger verbreitet sind als Professoren.

Früher haben die männlichen Linken den Arbeitern eingeredet, dass sie unterdrückt sind; heute reden die weiblichen Linken den Müttern und Hausfrauen ein, dass sie unterdrückt sind. Buchstäblich geht es um eine Enthauptung der Familie, sofern nämlich der Vater traditionell als Oberhaupt der Familie verstanden wurde. Aber es geht auch um die Durchsetzung des androgynen Ideals – die Geschlechterrollen sind austauschbar.
[diePresse vom 5.3.2011 – Norbert Bolz]

Der typische Vorwurf der „Gleichmacherei“. Geht es an die Aufhebung von Herrschaftsverhältnissen, scheint es einige Menschen zu geben die sofort diesen Vorwurf aus dem Hut ziehen. Dabei geht es um die individuelle Entscheidung über den eigenen Lebensentwurf. Ob Mann, Frau oder Transgender. Kein Mensch sollte aufgrund der Zuweisung an ein Geschlecht benachteiligt oder am selbstbestimmten Leben gehindert werden!

Mir geht es hier nicht um den Ruf nach Zenszur dieser Artikel aus den Zeitungen. Es geht um die Auswahl und die Entscheidung welche Artikel Platz dort bekommen. Denn über Feminismus und Weltfrauentag kann auch kritisch und reflektiert geschrieben werden, ohne in anti-feministische und erzreaktionäre Muster zu fallen bzw. für solche AutorInnen in der Zeitung Platz zu finden.

Viel besser wäre eine Auseinandersetzung mit dem verschiedenen Strömungen des Feminismus. Den davon gibt es einige: Gleichheits/Differenzfeminismus, Autonomer Feminismus, bürgerlicher Feminismus, radikaler Feminismus, …

Denn eines ist klar: Herrschaftsverhältnisse gibt es zuhauf in unserer Gesellschaft. Und die Kategorie Geschlecht beeinhaltet einige davon!

Ich kann nur empfehlen den 19. März zu nutzen und dem Aufruf des Bündnisses 20.000 Frauen zur Grossdemo in Wien zu folgen!

Rückblick: Niki Lauda und die Homophobie in Österreich

Posted in feminismus, medien, politik, sexismus with tags , , , , , , , , , on Februar 17, 2011 by stefon

Einige werden es mitgekriegt haben, andere viell. nicht. Daher ein kurzer Bericht was es mit Niki Lauda und seiner Schwulenfeindlichkeit auf sich hat.

Nachdem in der Tanzsendung Dancing Stars im ORF angekündigt wurde, dass Alfons Haider dort mit einem Mann tanzen würde, hat Niki Lauda in der Zeitschrift Österreich in einem Interview folgendes von sich gegeben:

… Ich will nicht, dass meine Kinder im ORF sehen, dass ein Mann mit einem Mann tanzt – und dass sie glauben, das nachmachen zu müssen. Seit Jahrhunderten tanzen Männer mit Frauen in unserer Kultur – und das soll man nicht kaputt machen…

…Ich fordere, dass der Herr Generaldirektor Alex Wrabetz, der ja in aufrechter Ehe lebt, diese schwule Tanz-Nummer stoppt – und dass man dem PR-geilen Alfons Haider nicht gestattet, im öffentlich-rechtlichen ORF eine schwule Show abzuziehen. Und ich fordere, dass auch der Stiftungsrat und die Politiker hier ein klares Wort sprechen…

Daraus lässt sich ableiten dass Nikia Lauda Homosexualität als etwas „unnormales“, „ekliges“ sieht. Etwas dass z.b. keinen Kindern gezeigt werden sollte. Klar ist auch: Es geht hier zwar AUCH um Alfons Haider, aber primär um seine sexuelle Neigung!

Nicht genug dass die Zeitschrift Österreich einem grossen Publikum recht unkommentiert die diskriminierenden Aussagen von Lauda zeigt, äussern sich weitere „Prominente“.

Dagmar Koller: Ich find das unappetitlich, er tut uns allen nichts Gutes, auch sich selber nicht. Ich sage das ganz bewusst, obwohl ich die Ikone der Schwulen bin. Auch in ­homosexuellen Kreisen kommt das nicht gut an. Wer soll denn der Mann bei diesem Tanzpaar sein? Oder tanzt Haider mit einem Transvestiten?

Toni Polster: Tanzen ist die ewige Auseinandersetzung der Geschlechter – das war in der Geschichte so und soll auch in Zukunft so bleiben. Wenn ich heutzutage meinen Fernseher aufdrehe, überkommt mich das Gefühl, ich bin abnormal, weil ich heterosexuell bin und nicht schwul.

Alleine an diesen Kommentaren lässt sich erahnen: Es ist in Österreich nicht mal ein Fauxpas sich disriminierend bis verhetzend über Homsexuelle Menschen in der Öffentlichkeit auszulassen.

Wären die Reaktionen der Menschen in Österreich klar gegen die oben aufgeführten Positionen, wäre das ganze noch auszuhalten, dem ist jedoch nicht so. Um die Aussagen von Lauda und Co zu skandalisieren brach ein Shitstorm (viel viel Kritik in kurzer Zeit) über die Facebook Seite von flyniki.com herein.

Bei den folgenden Diskussionen fand sich eine handvoll von sich wiederholenden Argumentationsmustern von AnhängerInnen Laudas die ich hier gerne betrachten möchte.

Meinungsfreiheit Laudas wird eingeschränkt

Durch die viele Kritik an Laudas homophoben Aussagen wurde der Vorwurf der AnhängerInnen laut dass die Meinungsfreiheit von Lauda eingeschränkt werden würde. Auch das Wort Zensur wurde gebracht, oft gemeinsam mit der Forderung die Admin der Facebook Seite sollten doch die Postings der KritikerInnen löschen bzw. diese User sperren.

Von Zensur und dem Entzug der Meinungsfreiheit von Lauda kann natürlich nicht die Rede sein. Er ist ein Prominenter in Österreich, er ist vermögend und er hat Kontakte in Medien und Politik. Am Interview mit der Zeitung Österreich zeigt sich auch: Er kann seine Positionen einem weiten Publikum präsentieren.

Dabei muss es jedoch anderen Menschen, den KritikerInnen erlaubt sein ebenfalls Positionen zu vertreten. Diese können jedoch nicht auf Reichtum und Bekannheit zurückgreifen. Deren Instrument ist nun eben deren Beharrlichkeit, Anzahl und eben die Möglichkeiten des Web 2.0.

Distanz von Homophobie, aber Versuch des Verbannes aus Öffentlichkeit

Natürlich fanden sich sehr viele klar homophobe und zum Teil auch gewaltverherrlichende Kommentare gegenüber Schwulen in der Diskussion. Doch es gab auch Menschen die sich Lauda Meinung anschlossen, die sich von Homophobie distanzierten: „nix gegen Schwule haben, aber…“

Um genau dieses „, aber…“ geht es hier. Meist bedeutete dieses „, aber… “ solange sie keine homosexuellen Menschen in der Öffentlichkeit, im Fernsehen, … sehen müssen. Hier wird also gesagt: Was die Menschen privat machen, tun, ausleben ist deren Sache. Küssen in der Öffentlichkeit, zwei tanzende Männer, … wäre jedoch das aufs Auge drücken der sexuellen Neigung.

Dabei übersehen diese Menschen jedoch dass heterosexuelle Händchen halten, quasi jede Serie, usw usf. Quasi jedes Gespräch und jede Handlung in der Öffentlichkeit heterosexuelle Normen reproduzieren.

Die Wut gegen Sichtbarmachung von homoexuellen Verhalten scheint also die Wut gegen das „Unnormale“ zu sein.

Zusammenfassung

Es zeigt sich ganz klar: Homsexualität wird von vielen nicht als normal wahrgenommen, Medien haben kein Problem damit, sexistische und homosexuellen feindliche Positionen zu verbreiten. Der Kampf gegen Homophobie sollte also weiterhin geführt werden.

Die scheinheilige Allianz verscheuchen: Am 11.12

Posted in aktivismus, frauen, politik, sexismus, termin with tags , , , , , , , , , , , on Dezember 10, 2010 by stefon

Aufruf zur Gegenkundgebung gegen die frauenfeindliche ,,Mahnwache“ der AbtreibungsgegnerInnen um HLI, Jugend für das Leben und Co. am 11. Dezember 2010 um 17 Uhr beim Salzburger Landeskrankenhaus

Details auf der Homepage des Infoladen Salzburg