Archive for the review Category

Rich Dad Poor Dad (#2): Mit der Macht der Gedanken reich werden

Posted in antikapitalismus, review with tags , , , , , on Dezember 16, 2018 by stefon

Rich Dad Poor Dad: Ein Sohn hat einen reichen und einen armen Vater. Durch diese Erfahrung lernt er warum viel Menschen arm und ein paar wenig reich werden. Doch nicht genug: Er zeigt auf wie jede*r selbst reich werden kann!

mehr in der Klappentext Kritik

In der Einführung des Buches stellt Robert nochmal die Basis seines Wissens dar: Durch die Besonderheit zweier Väter (einer reich, der andere arm)  kann er sich kompetent zum Thema Geld und Wirtschaft äußern. Wissen, Gedanken und Einstellungen spielen für ihn eine große Rolle. Robert schreibt dazu:

Einer der Gründe, warum die Reichen immer reicher, die Armen immer ärmer werden […] liegt darin, dass der Umgang mit Geld zu Hause und nicht in der Schule unterrichtet wird. […] Was aber können arme Eltern ihren Kindern über Geld beibringen?

Es stimmt, wer nicht weiß wie diese Wirtschaft funktioniert, hat wenig Chancen sich durchzusetzen. Doch in seinem Zitat steckt mehr, nämlich auch das Umgekehrte: Wer sich mit Geld auskennt, der ist auch scheinbar automatisch erfolgreich!

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Rich Dad Poor Dad: Ein Klappentextmärchen

Posted in antikapitalismus, review with tags , , on November 16, 2018 by stefon

Warum bleiben die Reichen reich und die Armen arm? Weil die Reichen ihren Kindern beibringen, wie sie mit Geld umgehen müssen, und die anderen nicht!

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So beginnt der Klappentext des Buches „Rich Dad Poor Dad: Was die Reichen ihren Kindern über Geld beibringen“. Die Handlung ist schnell erklärt: Als Kind lernt der Autor Robert T. Kiyosaki beim reichen Vater eines Freundes alles über Geld und wie es vermehrt werden kann. In diesem Buch vergleicht er seinen echten Vater – den „Poor Dad“ – mit seinem zweiten „Vater“ – dem „Rich Dad“.

Der Klappentext lautet weiter:

Nachdem er [Robert T. Kiyosaki] die Ratschläge des Ersteren [Rich Dad] beherzigt hatte, konnte er sich mit 47 Jahren zur Ruhe setzen. Er hatte gelernt, Geld für sich arbeiten zu lassen, statt andersherum. In Rich Dad Poor Dad teilt er sein Wissen und zeigt, wie jeder erfolgreich sein kann.

Ohne das Buch gelesen zu haben (es gibt übrigens das Hörbuch auf Spotify!) lässt sich etwas über den Klappentext sagen. Er stellt nämlich eine interessante Behauptung auf: Jede*r kann erfolgreich sein. Ob sich der Erfolg einstellt oder nicht liegt alleine am eigenen Charakter.

Was im ersten Moment als simple Werbung für das Buch verstanden werden kann, ist doch etwas mehr. Denn dieser Blick auf Erfolg und Nichterfolg –  „wer sich bemüht, kann es zu etwas bringen“ und umgekehrt „wer arm ist, hat sich nicht angestrengt“ – ist in dieser Gesellschaft weit verbreitet.

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Real Life „Orange is the new Black“

Posted in politik, rassismus, review, soziales with tags , , , on September 12, 2018 by stefon

Einige von Euch kennen sicher die Netflix Serie Orange Is the New Black (unter Kenner*innen bekannt als OITNB). Um was gehts bei dieser Serie? Um das Leben von Gefangenen in Frauengefängnissen in den U.S.A.. Obwohl die Serie einiges an Humor enthält, konfrontiert sie Seher*innen mit dem Lebensalltag von Häftlingen, welcher von Sexismus, Gewalt und Rassismus nur so strotzt.

Viel weniger Menschen werden jedoch wissen, dass in den U.S. amerikanischen Gefängnissen Widerstand gegen diese Bedingungen existiert. Vor einigen Wochen ist ein 19 tägiger US-weiter Streik von Häftlingen zu Ende gegangen.

Prisoners across the country are set to launch a nationwide strike today to demand improved living conditions, greater access to resources and the “end of modern day slavery.” Prisoners in at least 17 states are expected to participate in the coordinated sit-ins, hunger strikes, work stoppages and commissary boycotts from today until September 9—the 47th anniversary of the Attica prison uprising. For more, we speak with Amani Sawari, a prison strike organizer working on behalf of Jailhouse Lawyers Speak, a network of prisoners who are helping organize the nationwide strike. We also speak with Cole Dorsey, a formerly incarcerated member of the IWW’s Incarcerated Workers Organizing Committee who is helping coordinate with prisoners on the prison strike. (Democracy Now – Auch mit Video mit den Forderungen der Häftlingen)

Auch der Guardian berichtet darüber. In diesem Streik fällt auch oft das Wort Attica. Gemeint ist dabei ein Gefängnis in Attica im Bundesstaat New York. In diesem kamen im Jahr 1971 nach einem Gefängnisaufstand 32 Inhaftierte und 11 Angestellte ums Leben. Alle bis auf einen Wärter wurden durch Kugeln von Staatsbeamten bei der Rückeroberung getötet. Kurz nach dem Niederschlagen des Aufstands wurde aber behauptet: Die Geiseln wurden von den Häftlingen getötet, Häftlinge hätten vergewaltigt und kastriert. Alles stellte sich als Lügen des Staates heraus. Häftlinge wurden nach der Rückeroberung gefoltert, erschossen und noch Tage danach geschlagen und gequält.

Wer sich für die Geschichte dieses Gefangenenaufstands interessiert, wer es nicht glauben kann, dass ein Staat Jahrzehnte lang vertuscht und alles versucht hat den Häftlingen den Tod der Geiseln in die Schuhe zu schieben, den sei das Buch Blood in the Water: The Attica Prison Uprising of 1971 and Its Legacy ans Herz gelegt. Es dokumentiert den Aufstand, die Vorgänge davor und danach und wie der Staat mit seinem Justizapparat noch Jahrzehnte danach gegen die Häftlinge vorgeht.

Wer sich etwas mit den Haftbedingungen und die Vorgänge von Attica beschäftigt hat, wird auch OITNB mit anderen Augen sehen.

Gedanken zur JBZ Montagsrunde „Aufbruch zur Demokratie“

Posted in aktivismus, antikapitalismus, kapitalismus kritik, politik, review with tags , , , on April 24, 2017 by stefon

In regelmäßigen Abständen finden in der Robert Jungk Bibliothek für Zukunftsfragen Diskussionsrunden mit unterschiedlichsten Themen statt. Diesen Montag (24. April 2017) wurde Tamara Ehs zum Thema Aufbruch zur Demokratie – Konkrete Utopien einer demokratischen Gesellschaft eingeladen. Ich möchte kurz die These der Vortragenenden skizzieren und aufzeigen was mensch daran kritisieren könnte.

Konstatiert wurde eine Politikverdrossenheit. Es wurde hingewiesen auf sinkende Wahlbeteiligungen, auf das geringe Vertrauen der Bevölkerung in Politiker*innen usw usf. Festgehalten wurde auch: Die Politikverdrossenheit kommt nicht von irgendwoher – die soziale Situation vieler hat sich seit Jahren verschlechtert und die Zukunft sieht nicht rosiger aus.

Montagsrunde #95

Montagsrunde #95

Daraufhin wurden Formen direkter Demokratie beschrieben. Da ging es um Bürger*innenpartizipation bei Budgets, um Bürger*innenversammlungen zur Entscheidung über gesellschaftspolitische Fragen (wie Abtreibung oder Homosexuellenehe) oder auch um mögliche Formen der Partizipation bei Verfassungsfragen.

Ziel all dieser neuen Formen der Partizipation: Bürger*innen sollen sich wieder wahrgenommen fühlen, sollen ihre Meinung artikulieren können – kurz: Das Gefühl der Ohnmächtigkeit überwinden. Sich wieder als Teil dieser Gesellschaft empfinden.

Dabei ist es ja so: Die sozialen Notlagen der Leute, werden durch diese Art der Partizipation gar nicht behoben. Ob nun mit den 15% des Budgets, über die Bürger*innen entscheiden dürfen, Radwege gebaut oder bessere Straßenbeleuchtung gekauft wird – das ändert nichts an der Armut der Menschen. Ein Staat mag auch mal die Entscheidung über gesellschaftspolitische Themen aus der Hand geben, aber die Entscheidung ob ein Handelsabkommen abgesegnet wird oder wie die konkrete Außenpolitik aussehen soll, diese Themen gibt er nicht aus der Hand. Die Erkenntnis, als Lohnabhängiger in dieser Gesellschaft ohnmächtig zu sein, ein reines Anhängsel anderer Interessen zu sein, das sollte nichts negatives sein. Ganz im Gegenteil: Der Ausgangspunkt sich zu fragen, warum das so ist.

Die vorgeschlagenen Utopien von Partizipation sollen aber etwas ganz anderes bewirken: Menschen, die in diesem System unzufrieden sind befrieden. Warum? Damit nicht Le Pen, Hofer oder Trump an die Macht kommen. Sie sollen also ihre sozialen Nöte weiterhin ertragen mit dem Bewusstsein: Ein paar Sachen kann ich immerhin entscheiden.

Wäre es da nicht besser gemeinsam zu klären, warum Mieten hoch sind? Warum die Löhne immer niedrig sind? Warum Lohnarbeit stressig ist und nie gemütlicher wird? Kurz: Gemeinsam zu diskutieren und zu versuchen die Gründe für all die Missstände zu erkennen – und diese Missstände zu beheben.

Das Pinguin Prinzip – Wie Veränderung zum Erfolg führt?

Posted in antikapitalismus, politik, review with tags , , , , on März 9, 2017 by stefon

Der Eisberg schmilzt. Die Pinguinkolonie ist in Gefahr. Doch zunächst will keiner die schlimme Botschaft hören, dass sich die Lebensbedingungen ändern werden. Doch schließlich muss man sich dem Problem stellen und entschlossen handeln. Diese Parabel aus dem Tierreich hat die Kraft, uns die Augen zu öffnen. Und nicht nur dies: Das Pinguin-Prinzip vermittelt Strategien für Erfolg im Berufs- und Alltagsleben. Die Pinguine machen uns vor, wie wir in prekärer Lage Mut zu Neuem fassen, schwierige Situationen meistern und auf unkonventionellen Wegen unsere Ziele erreichen können.

So liest sich der Klappentext des Buches Das Pinguin Prinzip – Wie Veränderung zum Erfolg führt. Das (aus dem Englischen übersetzte) Buch wendet sich laut eigenen Angaben an „Firmenchefs oder Schüler“, denn „jeder kann von dieser Geschichte etwas lernen“. Und lernen kann mensch von diesem (kurzen und knackigen) Buch dann tatsächlich ein wenig.

The Penguin Principle

The Penguin Principle

Bei der Lektüre wird schnell klar, dass es um Veränderungen in Organisationen (hauptsächlich Unternehmen) geht. Das zeigt sich auch an den lobenden Worten über das Buch auf der deutschsprachigen Homepage.

»Eine wunderbare Fabel über uns selbst, unser Umfeld und unsere Neigung, Kollegen anstelle von Problemen zu besiegen. Ein eiskalter Aufruf an uns alle, der Notwendigkeit der stetigen Veränderung als ›Why-Notter‹ statt als ›Yes-Butter‹ zu begegnen. Eine Fabel, weit davon entfernt, trivial zu sein.« [Geschäftsführer]

»Nachdem ich das Buch gelesen und mit einigen Leuten im Betrieb erörtert habe, sind wir an etlichen Fronten rasch vorangekommen. Wir handeln jetzt entschlossen und setzen um, anstatt noch länger zu analysieren, zu organisieren und so weiter. Uns hat es viel gebracht.« [CEO]

Klar ist natürlich: Veränderungen sind oftmals wichtig, in menschlichen Beziehungen wie auch in der Gesellschaft. So sind auch einige Hinweise des Buches richtig: Veränderungen machen Menschen auch mal Angst; ihnen muss klar werden, warum es Veränderung braucht usw usf.

Dieses Buch ist jedoch speziell für Veränderungen in Organisationen geschrieben. Für Organisationen wie Unternehmen oder Behörden. Veränderungen in solchen Organisationen sind dann eben etwas ganz anderes als „ein bröckelnder Eisberg der uns alle angeht“. Solche Organisationen sind darauf bedacht mit wenig Geld viel zu erreichen. Sie wollen mit möglichst wenig Menschen möglichst viel umsetzen. Warum? Für ein Unternehmen ist der Erfolg eines: Gewinn machen. Und klar ist: Jeder Lohn ist ein Abzug vom Gewinn. Also sollen diejenigen, welche Lohn bekommen, auch ordentlich Leistung bringen um den Reichtum des Unternehmens zu mehren. Bei Behörden geht es zwar nicht um Gewinn, aber auch dort sollen möglichst Kosten eingespart werden (siehe New Public Management).  Weiterlesen

In der Reihe „Das war schon immer so“: Homosexualität

Posted in politik, review with tags , , , , , on November 1, 2013 by stefon

Wird über Sexualität gesprochen, dann wird wird von DER Sexualität gesprochen. Egal ob es um Hetero-, Bi- oder Homosexualität geht, wird menschliche sexuelle Lust in ein Korsett gepresst. In ein Korsett von sexueller Identität, welches sich nach dem Ziel der sexuellen Gelüste richtig. Anders gesagt: Wer als Mann auf Frauen steht, der ist hetero, wer als Frau auf Männer steht ebenfalls. Frau steht auf Frau: Homo, das gleiche bei Männern. Und natürlich: Es gibt da noch die kleinere Kategorie der Bisexuellen.

BuchcoverWer so über Sexualität spricht, spricht über eines ganz sicher nicht: Wie sich Sexualität geschichtlich verändert hat. Anhand des (empfehlenswerten) Buches „Love Stories – Sex between Men before Homosexuality“ von Jonathan Ned Katz ist dies gut zu sehen. Beschrieben wird die Lebenssituation von „Männer liebenden Männern“ des neunzehnten Jahrhunderts in den USA. Spannend dabei: Geistige Liebe, also Liebe und Zuneigung ohne Sex. Das gemeinsame Schlafen in einem Bett, das Küssen und Händchen halten zwischen Männern, wurde als normal angesehen. Diese Aktivitäten wurden mit Sexualität nicht in Verbindung gebracht. Das Buch zeichnet die Entwicklung hin zu einer „homosexuellen Identität“ nach. Dabei ist schön zu sehen: So etwas wie DIE Sexualität, ganz ohne historischen Kontext ist nicht zu haben. „Normalen“ Sex, „normale“ Liebesbeziehungen gibt es nicht. Nicht in der Vergangenheit und auch nicht im Jetzt.

Wer sich weiter für das Thema interessiert, der oder dem kann ich auch das Buch „Die Vertreibung aus dem Serail: Europa und die Heteronormalisierung der islamischen Welt“ empfehlen. Auch dort geht es um die Herausbildung sexueller Identitäten, jedoch in der islamischen Welt.

Rosa Luxemburg und die Kunst der Politik

Posted in review with tags , , , , on Dezember 30, 2010 by stefon

Vor ein paar Wochen habe ich das Buch „Rosa Luxemburg und die Kunst der Politik“ von Frigga Haug fertig gelesen, heute raffe ich mich endlich auf (ganz wenig) darüber zu schreiben.

Das Buch ist in mehrere (inhaltlich unterschiedliche) Kapitel unterteilt. Dabei war für mich das Kapitel „Revolutionäre Realpolitik“ das spannendste.

In diesem geht es um den Umgang mit Widersprüchen zwischen den Zielen/der Utopie die erreicht werden will und der Tagespolitik. Es dreht sich alles darum, wie die politischen Aktionen im jetzt, ausgerichtet werden auf das Fernziel das erreicht werden soll. Sehr lesenswert: Schliesslich sollte es bei politischen Aktivismus nicht um beliebiges rundumschlagen, sondern um das Erreichen eines Zieles gehen.

In den anderen Kapitel geht es um die Fragen wie: Setzt sich Rosa Luxemburg angemessen mit der Situation von Frauen auseinander, die wissenschaftliche Methodik von Luxemburg, Spannungsverhältnis von Theorie und Empirie, Luxemburg und Gramsci gemeinsam denken und ein Diskurs über die Positionen von Hannah Arendt über Luxemburg.

Insgesamt ist das Buch sicher nicht geeignet für EinsteigerInnen in linke Theorie/Marxismus oder Menschen die einfach mehr über Rosa Luxemburg wissen wollen. Dafür ist dann doch etwas viel Hintergrundwissen notwendig um die Diskussionen richtig zu verstehen.

Das Kapitel zum Thema revolutionäre Realpolitik ist aber jedem und jeder zu empfehlen!