Archive for the review Category

Gleichheit ist kein guter Einwand gegen den Kapitalismus!

Posted in antikapitalismus, politik, review with tags , , , , , on Juni 16, 2019 by stefon

Im Rahmen des offenen Lesekreis des Aufbruch Salzburgs zum Thema Kapitalismus vs. Klima wurde der Text Gleichheit ist Grün und Rot (ein Artikel von Andreas Exner in der Zeitschrift Luxemburg) diskutiert.

In diesem Text wird folgende These aufgestellt:

Eine ökologische Wende zum Vorteil aller gibt es nur mit sozialer Gleichheit. Wachstum des Kapitals kann nicht ökologisch kompatibel sein, weil es mit steigendem Ressourcendurchsatz einhergeht.

Im folgenden will ich Exners Argumente für diese These betrachten und kritisieren.

Soziale Gleichheit […] ist der wichtigste Faktor für Gesundheit und Wohlbefinden in den reichen Industrieländern.

Oder anders ausgedrückt: Materielle Ungleichheit schadet Menschen. Aber ist das so? Wenn ich mir zu wenig Nahrung oder nur schlechte Unterkünfte leisten kann, dann wird das sicher negativ für Gesundheit und Wohlbefinden sein. Und das sogar, wenn das alle Menschen in meiner Gesellschaft betrifft, also keine soziale Ungleichheit besteht. Genauso ist anzunehmen, dass wenn ich mehr als genug zu essen, ein schönes Haus am See und sonst auch genug Zeit habe meine Interessen und Hobbys auszuleben, es mich nicht stören wird, wenn andere Menschen vielleicht mehr Autos oder ein Haus mit mehr oder größeren Zimmern besitzen. Soziale Ungleichheit führt also auch nicht automatisch zu negativen Effekten.

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Rich Dad Poor Dad (#3): Mit Ellbogenmentalität gegen die Schubsereien des Lebens

Posted in kapitalismus kritik, review with tags , , , , on Januar 2, 2019 by stefon

Rich Dad Poor Dad: Ein Sohn hat einen reichen und einen armen Vater. Durch diese Erfahrung lernt er warum viel Menschen arm und ein paar wenig reich werden. Doch nicht genug: Er zeigt auf wie jede*r selbst reich werden kann!

mehr in der Klappentext Kritik und in meiner Blogpostreihe zu diesem Buch

Im 1. Kapitel des Buches „Lektion Eins: Die Reichen arbeiten nicht fürs Geld“ erzählt uns Robert wie er zu seinem reichen Vater kommt und über die ersten Lektionen, die er bei ihm erhält.

Zuerst lässt ihn sein reicher Vater für sehr wenig Geld in einem seiner Läden arbeiten. Damit lernt Robert seine erste Lektion: Für wenig Geld arbeiten, das ist hart und nichts Erstrebenswertes. Doch sein reicher Vater will ihm dabei noch mehr beigebracht haben: Schuld an dieser Lage ist nicht er – der Arbeitgeber – sondern Robert selbst. Denn dieser hat sich – wie die allermeisten Menschen – aufgrund seiner Emotionen – Gier und Angst – in ein Hamsterrad namens Lohnarbeit begeben.

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Rich Dad Poor Dad (#2): Mit der Macht der Gedanken reich werden

Posted in antikapitalismus, review with tags , , , , , on Dezember 16, 2018 by stefon

Rich Dad Poor Dad: Ein Sohn hat einen reichen und einen armen Vater. Durch diese Erfahrung lernt er warum viel Menschen arm und ein paar wenig reich werden. Doch nicht genug: Er zeigt auf wie jede*r selbst reich werden kann!

mehr in der Klappentext Kritik

In der Einführung des Buches stellt Robert nochmal die Basis seines Wissens dar: Durch die Besonderheit zweier Väter (einer reich, der andere arm)  kann er sich kompetent zum Thema Geld und Wirtschaft äußern. Wissen, Gedanken und Einstellungen spielen für ihn eine große Rolle. Robert schreibt dazu:

Einer der Gründe, warum die Reichen immer reicher, die Armen immer ärmer werden […] liegt darin, dass der Umgang mit Geld zu Hause und nicht in der Schule unterrichtet wird. […] Was aber können arme Eltern ihren Kindern über Geld beibringen?

Es stimmt, wer nicht weiß wie diese Wirtschaft funktioniert, hat wenig Chancen sich durchzusetzen. Doch in seinem Zitat steckt mehr, nämlich auch das Umgekehrte: Wer sich mit Geld auskennt, der ist auch scheinbar automatisch erfolgreich!

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Rich Dad Poor Dad: Ein Klappentextmärchen

Posted in antikapitalismus, review with tags , , on November 16, 2018 by stefon

Warum bleiben die Reichen reich und die Armen arm? Weil die Reichen ihren Kindern beibringen, wie sie mit Geld umgehen müssen, und die anderen nicht!

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So beginnt der Klappentext des Buches „Rich Dad Poor Dad: Was die Reichen ihren Kindern über Geld beibringen“. Die Handlung ist schnell erklärt: Als Kind lernt der Autor Robert T. Kiyosaki beim reichen Vater eines Freundes alles über Geld und wie es vermehrt werden kann. In diesem Buch vergleicht er seinen echten Vater – den „Poor Dad“ – mit seinem zweiten „Vater“ – dem „Rich Dad“.

Der Klappentext lautet weiter:

Nachdem er [Robert T. Kiyosaki] die Ratschläge des Ersteren [Rich Dad] beherzigt hatte, konnte er sich mit 47 Jahren zur Ruhe setzen. Er hatte gelernt, Geld für sich arbeiten zu lassen, statt andersherum. In Rich Dad Poor Dad teilt er sein Wissen und zeigt, wie jeder erfolgreich sein kann.

Ohne das Buch gelesen zu haben (es gibt übrigens das Hörbuch auf Spotify!) lässt sich etwas über den Klappentext sagen. Er stellt nämlich eine interessante Behauptung auf: Jede*r kann erfolgreich sein. Ob sich der Erfolg einstellt oder nicht liegt alleine am eigenen Charakter.

Was im ersten Moment als simple Werbung für das Buch verstanden werden kann, ist doch etwas mehr. Denn dieser Blick auf Erfolg und Nichterfolg –  „wer sich bemüht, kann es zu etwas bringen“ und umgekehrt „wer arm ist, hat sich nicht angestrengt“ – ist in dieser Gesellschaft weit verbreitet.

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Real Life „Orange is the new Black“

Posted in politik, rassismus, review, soziales with tags , , , on September 12, 2018 by stefon

Einige von Euch kennen sicher die Netflix Serie Orange Is the New Black (unter Kenner*innen bekannt als OITNB). Um was gehts bei dieser Serie? Um das Leben von Gefangenen in Frauengefängnissen in den U.S.A.. Obwohl die Serie einiges an Humor enthält, konfrontiert sie Seher*innen mit dem Lebensalltag von Häftlingen, welcher von Sexismus, Gewalt und Rassismus nur so strotzt.

Viel weniger Menschen werden jedoch wissen, dass in den U.S. amerikanischen Gefängnissen Widerstand gegen diese Bedingungen existiert. Vor einigen Wochen ist ein 19 tägiger US-weiter Streik von Häftlingen zu Ende gegangen.

Prisoners across the country are set to launch a nationwide strike today to demand improved living conditions, greater access to resources and the “end of modern day slavery.” Prisoners in at least 17 states are expected to participate in the coordinated sit-ins, hunger strikes, work stoppages and commissary boycotts from today until September 9—the 47th anniversary of the Attica prison uprising. For more, we speak with Amani Sawari, a prison strike organizer working on behalf of Jailhouse Lawyers Speak, a network of prisoners who are helping organize the nationwide strike. We also speak with Cole Dorsey, a formerly incarcerated member of the IWW’s Incarcerated Workers Organizing Committee who is helping coordinate with prisoners on the prison strike. (Democracy Now – Auch mit Video mit den Forderungen der Häftlingen)

Auch der Guardian berichtet darüber. In diesem Streik fällt auch oft das Wort Attica. Gemeint ist dabei ein Gefängnis in Attica im Bundesstaat New York. In diesem kamen im Jahr 1971 nach einem Gefängnisaufstand 32 Inhaftierte und 11 Angestellte ums Leben. Alle bis auf einen Wärter wurden durch Kugeln von Staatsbeamten bei der Rückeroberung getötet. Kurz nach dem Niederschlagen des Aufstands wurde aber behauptet: Die Geiseln wurden von den Häftlingen getötet, Häftlinge hätten vergewaltigt und kastriert. Alles stellte sich als Lügen des Staates heraus. Häftlinge wurden nach der Rückeroberung gefoltert, erschossen und noch Tage danach geschlagen und gequält.

Wer sich für die Geschichte dieses Gefangenenaufstands interessiert, wer es nicht glauben kann, dass ein Staat Jahrzehnte lang vertuscht und alles versucht hat den Häftlingen den Tod der Geiseln in die Schuhe zu schieben, den sei das Buch Blood in the Water: The Attica Prison Uprising of 1971 and Its Legacy ans Herz gelegt. Es dokumentiert den Aufstand, die Vorgänge davor und danach und wie der Staat mit seinem Justizapparat noch Jahrzehnte danach gegen die Häftlinge vorgeht.

Wer sich etwas mit den Haftbedingungen und die Vorgänge von Attica beschäftigt hat, wird auch OITNB mit anderen Augen sehen.

Gedanken zur JBZ Montagsrunde „Aufbruch zur Demokratie“

Posted in aktivismus, antikapitalismus, kapitalismus kritik, politik, review with tags , , , on April 24, 2017 by stefon

In regelmäßigen Abständen finden in der Robert Jungk Bibliothek für Zukunftsfragen Diskussionsrunden mit unterschiedlichsten Themen statt. Diesen Montag (24. April 2017) wurde Tamara Ehs zum Thema Aufbruch zur Demokratie – Konkrete Utopien einer demokratischen Gesellschaft eingeladen. Ich möchte kurz die These der Vortragenenden skizzieren und aufzeigen was mensch daran kritisieren könnte.

Konstatiert wurde eine Politikverdrossenheit. Es wurde hingewiesen auf sinkende Wahlbeteiligungen, auf das geringe Vertrauen der Bevölkerung in Politiker*innen usw usf. Festgehalten wurde auch: Die Politikverdrossenheit kommt nicht von irgendwoher – die soziale Situation vieler hat sich seit Jahren verschlechtert und die Zukunft sieht nicht rosiger aus.

Montagsrunde #95

Montagsrunde #95

Daraufhin wurden Formen direkter Demokratie beschrieben. Da ging es um Bürger*innenpartizipation bei Budgets, um Bürger*innenversammlungen zur Entscheidung über gesellschaftspolitische Fragen (wie Abtreibung oder Homosexuellenehe) oder auch um mögliche Formen der Partizipation bei Verfassungsfragen.

Ziel all dieser neuen Formen der Partizipation: Bürger*innen sollen sich wieder wahrgenommen fühlen, sollen ihre Meinung artikulieren können – kurz: Das Gefühl der Ohnmächtigkeit überwinden. Sich wieder als Teil dieser Gesellschaft empfinden.

Dabei ist es ja so: Die sozialen Notlagen der Leute, werden durch diese Art der Partizipation gar nicht behoben. Ob nun mit den 15% des Budgets, über die Bürger*innen entscheiden dürfen, Radwege gebaut oder bessere Straßenbeleuchtung gekauft wird – das ändert nichts an der Armut der Menschen. Ein Staat mag auch mal die Entscheidung über gesellschaftspolitische Themen aus der Hand geben, aber die Entscheidung ob ein Handelsabkommen abgesegnet wird oder wie die konkrete Außenpolitik aussehen soll, diese Themen gibt er nicht aus der Hand. Die Erkenntnis, als Lohnabhängiger in dieser Gesellschaft ohnmächtig zu sein, ein reines Anhängsel anderer Interessen zu sein, das sollte nichts negatives sein. Ganz im Gegenteil: Der Ausgangspunkt sich zu fragen, warum das so ist.

Die vorgeschlagenen Utopien von Partizipation sollen aber etwas ganz anderes bewirken: Menschen, die in diesem System unzufrieden sind befrieden. Warum? Damit nicht Le Pen, Hofer oder Trump an die Macht kommen. Sie sollen also ihre sozialen Nöte weiterhin ertragen mit dem Bewusstsein: Ein paar Sachen kann ich immerhin entscheiden.

Wäre es da nicht besser gemeinsam zu klären, warum Mieten hoch sind? Warum die Löhne immer niedrig sind? Warum Lohnarbeit stressig ist und nie gemütlicher wird? Kurz: Gemeinsam zu diskutieren und zu versuchen die Gründe für all die Missstände zu erkennen – und diese Missstände zu beheben.

Das Pinguin Prinzip – Wie Veränderung zum Erfolg führt?

Posted in antikapitalismus, politik, review with tags , , , , on März 9, 2017 by stefon

Der Eisberg schmilzt. Die Pinguinkolonie ist in Gefahr. Doch zunächst will keiner die schlimme Botschaft hören, dass sich die Lebensbedingungen ändern werden. Doch schließlich muss man sich dem Problem stellen und entschlossen handeln. Diese Parabel aus dem Tierreich hat die Kraft, uns die Augen zu öffnen. Und nicht nur dies: Das Pinguin-Prinzip vermittelt Strategien für Erfolg im Berufs- und Alltagsleben. Die Pinguine machen uns vor, wie wir in prekärer Lage Mut zu Neuem fassen, schwierige Situationen meistern und auf unkonventionellen Wegen unsere Ziele erreichen können.

So liest sich der Klappentext des Buches Das Pinguin Prinzip – Wie Veränderung zum Erfolg führt. Das (aus dem Englischen übersetzte) Buch wendet sich laut eigenen Angaben an „Firmenchefs oder Schüler“, denn „jeder kann von dieser Geschichte etwas lernen“. Und lernen kann mensch von diesem (kurzen und knackigen) Buch dann tatsächlich ein wenig.

The Penguin Principle

The Penguin Principle

Bei der Lektüre wird schnell klar, dass es um Veränderungen in Organisationen (hauptsächlich Unternehmen) geht. Das zeigt sich auch an den lobenden Worten über das Buch auf der deutschsprachigen Homepage.

»Eine wunderbare Fabel über uns selbst, unser Umfeld und unsere Neigung, Kollegen anstelle von Problemen zu besiegen. Ein eiskalter Aufruf an uns alle, der Notwendigkeit der stetigen Veränderung als ›Why-Notter‹ statt als ›Yes-Butter‹ zu begegnen. Eine Fabel, weit davon entfernt, trivial zu sein.« [Geschäftsführer]

»Nachdem ich das Buch gelesen und mit einigen Leuten im Betrieb erörtert habe, sind wir an etlichen Fronten rasch vorangekommen. Wir handeln jetzt entschlossen und setzen um, anstatt noch länger zu analysieren, zu organisieren und so weiter. Uns hat es viel gebracht.« [CEO]

Klar ist natürlich: Veränderungen sind oftmals wichtig, in menschlichen Beziehungen wie auch in der Gesellschaft. So sind auch einige Hinweise des Buches richtig: Veränderungen machen Menschen auch mal Angst; ihnen muss klar werden, warum es Veränderung braucht usw usf.

Dieses Buch ist jedoch speziell für Veränderungen in Organisationen geschrieben. Für Organisationen wie Unternehmen oder Behörden. Veränderungen in solchen Organisationen sind dann eben etwas ganz anderes als „ein bröckelnder Eisberg der uns alle angeht“. Solche Organisationen sind darauf bedacht mit wenig Geld viel zu erreichen. Sie wollen mit möglichst wenig Menschen möglichst viel umsetzen. Warum? Für ein Unternehmen ist der Erfolg eines: Gewinn machen. Und klar ist: Jeder Lohn ist ein Abzug vom Gewinn. Also sollen diejenigen, welche Lohn bekommen, auch ordentlich Leistung bringen um den Reichtum des Unternehmens zu mehren. Bei Behörden geht es zwar nicht um Gewinn, aber auch dort sollen möglichst Kosten eingespart werden (siehe New Public Management).  Weiterlesen