Archive for the antikapitalismus Category

Gedanken zur JBZ Montagsrunde „Aufbruch zur Demokratie“

Posted in aktivismus, antikapitalismus, kapitalismus kritik, politik, review with tags , , , on April 24, 2017 by stefon

In regelmäßigen Abständen finden in der Robert Jungk Bibliothek für Zukunftsfragen Diskussionsrunden mit unterschiedlichsten Themen statt. Diesen Montag (24. April 2017) wurde Tamara Ehs zum Thema Aufbruch zur Demokratie – Konkrete Utopien einer demokratischen Gesellschaft eingeladen. Ich möchte kurz die These der Vortragenenden skizzieren und aufzeigen was mensch daran kritisieren könnte.

Konstatiert wurde eine Politikverdrossenheit. Es wurde hingewiesen auf sinkende Wahlbeteiligungen, auf das geringe Vertrauen der Bevölkerung in Politiker*innen usw usf. Festgehalten wurde auch: Die Politikverdrossenheit kommt nicht von irgendwoher – die soziale Situation vieler hat sich seit Jahren verschlechtert und die Zukunft sieht nicht rosiger aus.

Montagsrunde #95

Montagsrunde #95

Daraufhin wurden Formen direkter Demokratie beschrieben. Da ging es um Bürger*innenpartizipation bei Budgets, um Bürger*innenversammlungen zur Entscheidung über gesellschaftspolitische Fragen (wie Abtreibung oder Homosexuellenehe) oder auch um mögliche Formen der Partizipation bei Verfassungsfragen.

Ziel all dieser neuen Formen der Partizipation: Bürger*innen sollen sich wieder wahrgenommen fühlen, sollen ihre Meinung artikulieren können – kurz: Das Gefühl der Ohnmächtigkeit überwinden. Sich wieder als Teil dieser Gesellschaft empfinden.

Dabei ist es ja so: Die sozialen Notlagen der Leute, werden durch diese Art der Partizipation gar nicht behoben. Ob nun mit den 15% des Budgets, über die Bürger*innen entscheiden dürfen, Radwege gebaut oder bessere Straßenbeleuchtung gekauft wird – das ändert nichts an der Armut der Menschen. Ein Staat mag auch mal die Entscheidung über gesellschaftspolitische Themen aus der Hand geben, aber die Entscheidung ob ein Handelsabkommen abgesegnet wird oder wie die konkrete Außenpolitik aussehen soll, diese Themen gibt er nicht aus der Hand. Die Erkenntnis, als Lohnabhängiger in dieser Gesellschaft ohnmächtig zu sein, ein reines Anhängsel anderer Interessen zu sein, das sollte nichts negatives sein. Ganz im Gegenteil: Der Ausgangspunkt sich zu fragen, warum das so ist.

Die vorgeschlagenen Utopien von Partizipation sollen aber etwas ganz anderes bewirken: Menschen, die in diesem System unzufrieden sind befrieden. Warum? Damit nicht Le Pen, Hofer oder Trump an die Macht kommen. Sie sollen also ihre sozialen Nöte weiterhin ertragen mit dem Bewusstsein: Ein paar Sachen kann ich immerhin entscheiden.

Wäre es da nicht besser gemeinsam zu klären, warum Mieten hoch sind? Warum die Löhne immer niedrig sind? Warum Lohnarbeit stressig ist und nie gemütlicher wird? Kurz: Gemeinsam zu diskutieren und zu versuchen die Gründe für all die Missstände zu erkennen – und diese Missstände zu beheben.

Die Marktwirtschaft: Eine Konkurrenz die keine sein müsste?

Posted in antikapitalismus, kapitalismus kritik, medien with tags , , , , , , , on April 17, 2017 by stefon

In einem Kommentar auf heise online mit dem Titel Offene Standards gegen das Chat-Monopol wird die Frage gestellt, ob es für Unternehmen überhaupt sinnvoll ist, durch inkompatible Chatstandards ein Monopol erreichen zu wollen.

Konkurrenz ist gut für den Nutzer. Doch aktuell streiten sich Anbieter von Chat-Plattformen vor allem um das nächste Monopol. Dabei würden auch sie langfristig von einer Einigung auf einen offenen Standard profitieren, meint Moritz Förster.

Die Beobachtung, die in diesem Kommentar beschrieben wird, trifft auf jeden Fall zu.

In den letzten Jahren erschienen gefühlt monatlich neue Dienste, die alle eine noch bessere Kommunikation versprechen. Und das gilt nicht nur für an Endnutzer gerichtete Messenger. Gerade im Bereich der Unternehmenssoftware integrieren immer mehr Anbieter ihre eigene Chat-Software.

Wer kennt sie nicht? Whatsapp, Telegram, Facebook Messenger, Wire, Signal, … Im Unternehmensbereich stehen Microsoft Teams, Slack oder auch Atlassian Hipchat zur Verfügung. Was auffällt: Wer das eine Chatprogramm A nutzt, kann nicht mit Nutzer*innen von Chatprogramm B kommunizieren, usw usf. Um einen möglichst großen Nutzen für die Benutzer*innen der Programme scheint es also nicht zu gehen. Das erkennt auch der Autor des Kommentars.

Stattdessen haben die Anbieter etwas anderes im Sinn: Anwender können nur selten Nachrichten mit Nutzern anderer Dienste austauschen. Lieber sollen sie im eigenen Netz eingesperrt bleiben. […] Entsprechend konkurrieren die Anbieter nur mit einem Ziel – hin zum Monopol.

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Segen und Fluch der Digitalisierung in der Arbeitswelt?

Posted in antikapitalismus, kapitalismus kritik, politik with tags , , , , , , on März 20, 2017 by stefon

Digitalisierung in der Arbeitswelt: Über die sogenannten schönen Seiten dieser Entwicklung (weniger anstrengende Arbeit, höhere Produktivität, usw.) freuen sich viele. Doch die Schattenseite – der Verlust von Arbeitsplätzen – wird auch oft gesehen. Wie falsch der Blick von „Fluch und Segen“ der Digitalisierung ist, zeigt der Blogpost Schon wieder eine „industrielle Revolution“ – und die Frage „Was wird aus unserer Arbeit?“.

Es ist eine bodenlose Dummheit, den Wegfall von Arbeitsplätzen als ungewollte Nebenwirkung oder „Schattenseite“ der anrollenden Automatisierungswelle zu besprechen. Diese Welle rollt eben nicht einfach so, sie wird von Unternehmern ins Rollen gebracht, nicht um „Arbeit“ zu ersparen, sondern um ihre Arbeitskosten zu verringern.

Der lesenswerte Artikel endet mit dem Fazit.

Im Zeitalter der Digitalisierung und bei der ‚Revolution‘, die nunmehr für die industrielle Produktion in Angriff genommen wird, gilt – Zukunftstechnologie hin und Revolution her – was im Kapitalismus seit jeher gilt: Verbesserung der Produktivität, also das Ersetzen notwendiger Arbeit durch maschinelle Funktion, sorgt bei denen, denen noch oder neu Arbeit gegeben wird, für gesteigerte Ausbeutung und Verarmung. Noch mehr von Letzterem stellt sich bei denen ein, die keine Arbeit mehr haben. Das ist die völlig absurde, aber kapitalismustypische Folge der Errungenschaft, dass für die Produktion von immer mehr Gütern immer weniger Arbeitsmühe und Arbeitszeit erforderlich ist.

Die Argumentation für dieses Fazit findet sich im Artikel. Wer Widersprüche hat kann diese als Kommentar auf diesem oder im Originalen Blogpost hinzufügen.

 

Das Pinguin Prinzip – Wie Veränderung zum Erfolg führt?

Posted in antikapitalismus, politik, review with tags , , , , on März 9, 2017 by stefon

Der Eisberg schmilzt. Die Pinguinkolonie ist in Gefahr. Doch zunächst will keiner die schlimme Botschaft hören, dass sich die Lebensbedingungen ändern werden. Doch schließlich muss man sich dem Problem stellen und entschlossen handeln. Diese Parabel aus dem Tierreich hat die Kraft, uns die Augen zu öffnen. Und nicht nur dies: Das Pinguin-Prinzip vermittelt Strategien für Erfolg im Berufs- und Alltagsleben. Die Pinguine machen uns vor, wie wir in prekärer Lage Mut zu Neuem fassen, schwierige Situationen meistern und auf unkonventionellen Wegen unsere Ziele erreichen können.

So liest sich der Klappentext des Buches Das Pinguin Prinzip – Wie Veränderung zum Erfolg führt. Das (aus dem Englischen übersetzte) Buch wendet sich laut eigenen Angaben an „Firmenchefs oder Schüler“, denn „jeder kann von dieser Geschichte etwas lernen“. Und lernen kann mensch von diesem (kurzen und knackigen) Buch dann tatsächlich ein wenig.

The Penguin Principle

The Penguin Principle

Bei der Lektüre wird schnell klar, dass es um Veränderungen in Organisationen (hauptsächlich Unternehmen) geht. Das zeigt sich auch an den lobenden Worten über das Buch auf der deutschsprachigen Homepage.

»Eine wunderbare Fabel über uns selbst, unser Umfeld und unsere Neigung, Kollegen anstelle von Problemen zu besiegen. Ein eiskalter Aufruf an uns alle, der Notwendigkeit der stetigen Veränderung als ›Why-Notter‹ statt als ›Yes-Butter‹ zu begegnen. Eine Fabel, weit davon entfernt, trivial zu sein.« [Geschäftsführer]

»Nachdem ich das Buch gelesen und mit einigen Leuten im Betrieb erörtert habe, sind wir an etlichen Fronten rasch vorangekommen. Wir handeln jetzt entschlossen und setzen um, anstatt noch länger zu analysieren, zu organisieren und so weiter. Uns hat es viel gebracht.« [CEO]

Klar ist natürlich: Veränderungen sind oftmals wichtig, in menschlichen Beziehungen wie auch in der Gesellschaft. So sind auch einige Hinweise des Buches richtig: Veränderungen machen Menschen auch mal Angst; ihnen muss klar werden, warum es Veränderung braucht usw usf.

Dieses Buch ist jedoch speziell für Veränderungen in Organisationen geschrieben. Für Organisationen wie Unternehmen oder Behörden. Veränderungen in solchen Organisationen sind dann eben etwas ganz anderes als „ein bröckelnder Eisberg der uns alle angeht“. Solche Organisationen sind darauf bedacht mit wenig Geld viel zu erreichen. Sie wollen mit möglichst wenig Menschen möglichst viel umsetzen. Warum? Für ein Unternehmen ist der Erfolg eines: Gewinn machen. Und klar ist: Jeder Lohn ist ein Abzug vom Gewinn. Also sollen diejenigen, welche Lohn bekommen, auch ordentlich Leistung bringen um den Reichtum des Unternehmens zu mehren. Bei Behörden geht es zwar nicht um Gewinn, aber auch dort sollen möglichst Kosten eingespart werden (siehe New Public Management).  Weiterlesen

Suffragette – Mit Wahlrecht zum schönen Leben?

Posted in antikapitalismus, politik, rassismus, sexismus, soziales with tags , , , , on August 20, 2016 by stefon

Vor nicht langer Zeit habe ich mir den Film Suffragette – Taten statt Worte angesehen.

Suffragette – Taten statt Worte (Originaltitel: Suffragette) ist ein britisches Drama der Regisseurin Sarah Gavron aus dem Jahr 2015. Der Film Suffragette thematisiert die Anfänge der Frauenbewegung in Großbritannien. [wikipedia]

Suffragette Filmplakat

Kurz zusammengefasst dreht sich der Film um eine (erfundene) Arbeiterin, welche mehr oder weniger zufällig in die politische Bewegung der Suffragetten gerät. In dem Zuge wird im Film dargestellt, wie der Kampf der Suffragetten gegen den repressiven englischen Staat verlief. Kritik gibt es an dieser Umsetzung an dem Fehlen jeglicher nicht-weißen Personen. Das Tragen von T-Shirts mit der Aufschrift I’d rather be a rebel than a slave wurde auch in dem Kontext kritisiert. Im Abspann dokumentiert der Film zu welchen Zeitpunkten welche Länder das Frauenwahlrecht eingeführt hatten – die U.S.A. wurde dort mit dem Jahr 1920 erwähnt. Pikant: Erst 1963 war es schwarzen Personen in den U.S.A. erlaubt zu wählen.

In diesem Blogartikel soll es jedoch um eine andere Kritik gehen. Dazu kurz eine detailliertere Beschreibung des Anfangs des Films: Es wird eine Wäscherei gezeigt, die harten Arbeitsbedingungen werden dokumentiert, sexuelle Übergriffe aufgezeigt und der niedrige Lohn, den Frauen für die Arbeit dort erhielten, erwähnt. All diese Bedingungen werden von einer Hauptfigur in einem mündlichen Bericht an einen Politiker übermittelt und so auch die Motivation für das Frauenwahlrecht dargelegt: Frauen müssen unter harten Bedingungen für wenig Lohn und zusätzlich sexuellen Übergriffen arbeiten – sie können diese Verhältnisse aber nicht ändern, sie besitzen ja kein Stimmrecht.

So nachvollziehbar diese Vorstellung – wer in der Demokratie eine Stimme hat, dem*r geht es besser – für politische Aktivistinnen in der Suffragettenbewegung gewesen sein mag, so falsch ist diese aber auch. Dies ist besonders den Filmemacherinnen vorzuwerfen. Denn diese leben in einer Welt mit einer Vielzahl von Ländern, welche das Frauenwahlrecht besitzen. In den allermeisten dieser Länder gibt es aber weiterhin diese dargestellten Arbeitsbedingungen, weiterhin Lohn, der fürs Überleben kaum reicht und zusätzlich Übergriffigkeiten. Weiterlesen

Lesetips zum Thema #brexit

Posted in antikapitalismus, kapitalismus kritik, politik with tags , , , , , , , , , on Juli 16, 2016 by stefon

#brexit

Über den #brexit wurde schon viel gesagt und Ihr habt bestimmt schon viel darüber gelesen: Wie schlimm der stärker werdende Nationalismus ist. Wie gut es ist, dass die Bevölkerung wieder mehr Kontrolle über ihr Land hat. Viele Argumente und Meinungen, welche die Brit*innen als undankbares selbstsüchtiges Volk sehen, viele Argumente und Meinungen, welche die Brit*innen als nun unabhängiges und freieres Volk sehen. Kurz gesagt: Positionen die pro #brexit und solche die contra #brexit sind.

Was aber all diese Positionen gemeinsam haben ist die Überlegungen, ob eine*r jetzt FÜR oder GEGEN den #brexit sein soll. Ob es Sinn macht sich diese Frage zu stellen, diese Überlegung wird selten gemacht.

In den folgenden drei Empfehlungen für (kurze) Texte zum Thema #brexit, sollen Argumente dafür fallen, dass die Positionierung für/gegen #brexit keine vernünftige und erstrebenswerte ist. Weiterlesen

Wahlen in Spanien: Außer Spesen nichts gewesen?

Posted in antikapitalismus, politik with tags , , , , , on Juli 9, 2016 by stefon

Die Neuwahl in Spanien wurde vor ein paar Tagen geschlagen und es sieht aus wie zuvor: Koalitionen lassen auf sich warten. Ein Blogposting auf „Der ganz normale Wahnsinn“ mit dem Titel „Die Ermächtigung der Herrschaft haut nicht mehr so richtig hin“ sieht sich die Sache etwas genauer an:

Die gesamte spanische Staatsräson ist im Zuge der Finanzkrise flöten gegangen. Die „Marca España“ zieht nicht mehr, die Verschuldung der öffentlichen Hand wächst ständig, der Staatshaushalt funktioniert nur aufgrund des Anleihen-Aufkaufprogramms der EZB und es ist – wie schon in Griechenland – ein Zeichen von gröberen Problemen, wenn der Tourismus als Rettungsanker bejubelt und steigende Nächtigungszahlen gemeldet werden, denen jedoch keineswegs steigende Einkünfte entsprechen.

Fazit dieser Analyse

Das alles zeigt nämlich, daß Wahlen ein bloßes Prozedere zur Ermächtigung der Herrschaft sind, deren Prinzipien jedoch nicht über Wahlen zustandekommen, sondern ihnen vorausgesetzt sein müssen. Wenn es da hapert, verkommt der Wahlzirkus zu einer bloßen kostspieligen Farce.
Die Kapitalakkumulation kommt nicht mehr wirklich voran und daher verunmöglicht sich ihre Förderung durch die gewählten Vertreter eines Staates.
Es ist allerdings eine undankbare Aufgabe für eine Regierung, sich zumKonkursverwalter einer Nationalökonomie degradieren zu lassen – wie es die Regierungen von Griechenland und Portugal bereits praktizieren (müssen).
Damit kann man im Wahlkampf keinen Blumentopf gewinnen und keine Regierung hinkriegen.