Trotz Digitalisierung mehr Arbeitsbelastung?


Digitalisierung: Ein Megatrend der auf uns zukommt, unaufhaltsam und alles verändernd. Nun stellt sich für alle die Frage: Wie damit umgehen? Im privaten wie – natürlich – auch im beruflichen. So oder so ähnlich lesen sich Texte und Berichte wenn es um das Thema Digitalisierung geht. Auch ein heise online Artikel mit dem Titel DGB-Umfrage: Digitalisierung sorgt für mehr Arbeitsbelastung und Kontrolle nimmt sich dem Thema „Herausforderung Digitalisierung“ an. Gleich zu Anfang wird auch klar gemacht, was die Digitalisierung eigentlich leisten und sein sollte.

Eigentlich soll die Digitalisierung für mehr Flexibilität sorgen und Arbeitnehmer auch entlasten. In der Realität bedeutet sie aber für Beschäftigte mehr Belastung, mehr Hetze und mehr Multitasking. Das geht aus einer repräsentativen Umfrage hervor.

Warum sollte die Digitalisierung eigentlich so etwas wie mehr Flexibilität und Entlastung für Arbeitnehmer*innen leisten? Auf seinen Gedanken kommt mensch nur, wenn dieser Prozess als Teil des natürlichen Fortschritts der Gesellschaft gesehen wird. Technischer Fortschritt: Das soll ein Prozess sein, der das Leben für Menschen angenehmer und lebenswerter macht. Wer diese technischen Fortschritte entwickelt und wer sie zu welchen Zwecken einsetzt, diese Frage wird nicht gestellt. Dabei stellt sich gerade bei der Beantwortung dieser Frage heraus, dass es falsch ist sich darüber zu wundern, dass Digitalisierung gar nicht zu einem schöneren Arbeiten führt.

Wo findet denn die Entwicklung von technologischen Fortschritt statt? Einerseits in staatlichen Institutionen namens Universität, Fachhochschule usw usf. Der Staat investiert hier nicht nur Geld für Ausbildung von Arbeitskräften, sondern nimmt auch eine Menge von Ressourcen in die Hand um Grundlagen- und andere Forschung zu unterstützen. Ziel dabei ist die Stärkung der nationalen Wirtschaft in der internationalen Konkurrenz. Das sehen nicht nur einzelne Parteien so, das ist durchgesetzter Konsens jeder Partei. Staatliche Forschung macht nur Sinn im Kontext von Standortkonkurrenz.

Der Staat nimmt hier viel Geld in die Hand und das ist in mehrfacher Hinsicht sinnvoll: Jeder Euro, der hier investiert wird, ist eine Investition in die österreichische Wirtschaft, in Wachstum und Beschäftigung.
(Interview mit SPÖ Infrastrukturminister Klug)

Österreich liegt laut Vertretern der ÖVP sowohl bei den Ausgaben für Forschung und Entwicklung als auch bei der Forschungsquote auf hohem Niveau. Dennoch rutscht die Republik in punkto Innovation im internationalen Vergleich zurück und muss wieder an Tempo gewinnen, heißt es aus der Partei: Start-ups seien dafür ein wichtiger Faktor
(trend.at : Wirtschaftsstandort: ÖVP will auf Start-ups und Innovationen setzen)

Die Regierung muss klare mittel- und langfristige Ziele und Handlungsstrategien festlegen und vor allem auch umsetzen. Kanzler Kern und Vizekanzler Mitterlehner müssen Forschung und Innovation zur Chefsache mit oberster Priorität erklären und konsequent Maßnahmen setzen, damit das Ziel Innovation Leader erreicht wird. Nur so bleibt Österreich als Wissens- und Wirtschaftsstandort langfristig stark und zukunftsfähig.“
(Presseaussendung des grünen Klubs im Parlament)

Wir hätten mehr Mittel zur Verfügung für Wissenschaft, Forschung und Entwicklung. Hier sind Investitionen notwendig, damit sich nicht nur die Headquarters bei uns befinden, sondern dass auch bei uns weiterhin produziert wird, damit hunderttausende Arbeitsplätze gesichert werden.“
(orf.at : FPÖ ruft Kampf gegen De-Industrialisierung aus)

Warum Unternehmen Interesse an Digitalisierung haben, liegt an einer einfachen Rechnung. Unternehmen konkurrieren um Marktanteile, um die Kaufkraft die in dieser Gesellschaft existiert. Ein wichtiges Instrument in dieser Konkurrenz ist das Senken von Preise (der Waren oder Dienstleistungen). Wie kann so eine Senkung des Preises erreicht werden? Die Lohnkosten werden in den Blick genommen. Denn klar ist: Jeder Betrag der für die gekaufte Arbeit ausgegeben werden muss, ist ein Abzug vom Profit. Kann mit weniger Belegschaft gleich viel Ware oder Dienstleistung hergestellt werden, so wächst der Profit oder es lässt sich der Preis senken. Und das ist genau der Grund, warum Unternehmen so scharf auf Digitalisierung sind. Im Zuge dessen können Arbeitsschritte vereinfacht, automatisiert, ausgelagert etc werden. Im Blick ist dabei jedoch nie die Entlastung der Arbeitnehmer*innen, sondern immer die Möglichkeit mit gleicher Belegschaft mehr oder mit weniger Belegschaft gleich viel herzustellen.

Wer sich daran stört, dass technologischer Fortschritt in dieser Gesellschaft nie zu einem schönen Leben führt, sondern immer nur eine neue Runde der Konkurrenz der Unternehmen einläutet, unter der mal wieder diejenigen leiden, die für den Reichtum anderer arbeiten müssen, der sollte sich diese sogenannte soziale Marktwirtschaft – den Kapitalismus – genauer ansehen. Denn solange die Wirtschaft dieser Gesellschaft den Zweck hat, den Reichtum von Unternehmen zu vermehren, kann und wird es nie über die Bedürfnisbefriedigung der Menschen gehen. An der Tagesordnung steht dann nämlich der Kampf der Interessen gegeneinander (Unternehmen gegen Unternehmen, Unternehmen gegen Arbeitnehmer*innen, Arbeitnehmer*innen gegen Unternehmen, usw usf).

P..S: Wer sich diese Wirtschaft genauer ansehen will, dem seien einerseits die Gruppen gegen Kapital und Nation empfohlen, Ein Blick die politische Zeitschrift Gegenstandpunkt kann auch nicht schaden. Nicht zuletzt: Wer in Salzburg wohnt und Interessen an politischer Diskussion und Agitation hat, sollte sich die Basisgruppe Gesellschaftskritik Salzburg genauer ansehen.

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