Das Pinguin Prinzip – Wie Veränderung zum Erfolg führt?


Der Eisberg schmilzt. Die Pinguinkolonie ist in Gefahr. Doch zunächst will keiner die schlimme Botschaft hören, dass sich die Lebensbedingungen ändern werden. Doch schließlich muss man sich dem Problem stellen und entschlossen handeln. Diese Parabel aus dem Tierreich hat die Kraft, uns die Augen zu öffnen. Und nicht nur dies: Das Pinguin-Prinzip vermittelt Strategien für Erfolg im Berufs- und Alltagsleben. Die Pinguine machen uns vor, wie wir in prekärer Lage Mut zu Neuem fassen, schwierige Situationen meistern und auf unkonventionellen Wegen unsere Ziele erreichen können.

So liest sich der Klappentext des Buches Das Pinguin Prinzip – Wie Veränderung zum Erfolg führt. Das (aus dem Englischen übersetzte) Buch wendet sich laut eigenen Angaben an „Firmenchefs oder Schüler“, denn „jeder kann von dieser Geschichte etwas lernen“. Und lernen kann mensch von diesem (kurzen und knackigen) Buch dann tatsächlich ein wenig.

The Penguin Principle

The Penguin Principle

Bei der Lektüre wird schnell klar, dass es um Veränderungen in Organisationen (hauptsächlich Unternehmen) geht. Das zeigt sich auch an den lobenden Worten über das Buch auf der deutschsprachigen Homepage.

»Eine wunderbare Fabel über uns selbst, unser Umfeld und unsere Neigung, Kollegen anstelle von Problemen zu besiegen. Ein eiskalter Aufruf an uns alle, der Notwendigkeit der stetigen Veränderung als ›Why-Notter‹ statt als ›Yes-Butter‹ zu begegnen. Eine Fabel, weit davon entfernt, trivial zu sein.« [Geschäftsführer]

»Nachdem ich das Buch gelesen und mit einigen Leuten im Betrieb erörtert habe, sind wir an etlichen Fronten rasch vorangekommen. Wir handeln jetzt entschlossen und setzen um, anstatt noch länger zu analysieren, zu organisieren und so weiter. Uns hat es viel gebracht.« [CEO]

Klar ist natürlich: Veränderungen sind oftmals wichtig, in menschlichen Beziehungen wie auch in der Gesellschaft. So sind auch einige Hinweise des Buches richtig: Veränderungen machen Menschen auch mal Angst; ihnen muss klar werden, warum es Veränderung braucht usw usf.

Dieses Buch ist jedoch speziell für Veränderungen in Organisationen geschrieben. Für Organisationen wie Unternehmen oder Behörden. Veränderungen in solchen Organisationen sind dann eben etwas ganz anderes als „ein bröckelnder Eisberg der uns alle angeht“. Solche Organisationen sind darauf bedacht mit wenig Geld viel zu erreichen. Sie wollen mit möglichst wenig Menschen möglichst viel umsetzen. Warum? Für ein Unternehmen ist der Erfolg eines: Gewinn machen. Und klar ist: Jeder Lohn ist ein Abzug vom Gewinn. Also sollen diejenigen, welche Lohn bekommen, auch ordentlich Leistung bringen um den Reichtum des Unternehmens zu mehren. Bei Behörden geht es zwar nicht um Gewinn, aber auch dort sollen möglichst Kosten eingespart werden (siehe New Public Management). 

Es ist bei Unternehmen also ganz und gar nicht so, dass alle dasselbe Interesse haben. Während der im Buch erwähnte bröckelnde Eisberg für das Unternehmen eine organisierte Arbeiter*innenschaft sein kann, welche bessere Arbeitsbedingungen und bessere Löhne durchzusetzen versucht, so kann er für Lohnabhängige die Abwanderung des Unternehmens oder eine Umstrukturierung sein.

Im Buch ist klar: Alle haben das gleiche Interesse. Denjenigen, welche gegen die Entscheidung der Chefitäten (Chefpinguin) wettern, muss der Einfluss entzogen werden. Alle müssen auf eine Vision eingeschworen werden. Allen muss klar gemacht werden: Wir alle ziehen an einem Strang. So soll im Unternehmen und in einer Behörde Veränderung durchgepeitscht werden. Und das Ende des Buchs zeigt mehr: Nicht nur eine Veränderung soll bewirkt werden, die Menschen sollen dazu gebracht werden, dass sie ständigen Veränderungen gegenüber offen sind. Kurz: Flexibel für jede Entscheidung von oben.

Jetzt mögen sich manche denken: Wenn ein Unternehmen keine Veränderungen einleitet, könnte es bankrott gehen und Lohn gäbe es für keine*n mehr. Das stimmt! Es zeigt sich: Diejenigen, die in Unternehmen arbeiten, sind abhängig vom Unternehmen. Denn in dieser Gesellschaft braucht mensch entweder sehr viel Eigentum (Unternehmen, Kapital, …) oder eben: Lohn. Doch während ein Unternehmen, welches den Bach hinuntergeht, für Lohnabhängige den Arbeitsplatzverlust bedeutet, ist der Erfolg eines Unternehmens noch lange nichts Gutes für sie.

Einerseits kann schon der Abbau dieser Arbeitsplätze genau der Grund für den Erfolg des Unternehmens sein: Es hat geschafft mit weniger Menschen (also weniger Lohnausgaben), das gleiche zu produzieren. Aktuelles Beispiel: Nestlé.

Das Aus für den Standort Linz hat Nestle am Dienstag bekanntgegeben. 2018 soll die letzte Produktionsstätte in Österreich geschlossen werden. 127 Beschäftigte verlieren ihren Arbeitsplatz. [orf.at]

Wie wenig die Gewerkschaften von dem Widerspruch zwischen Unternehmen und Lohnabhängigen wissen wollen, lässt sich aus diesem Zitat aus dem Artikel sehen:

Nestle hat im Jahr 2016 einen Reingewinn von 8,9 Milliarden Franken erwirtschaftet und angekündigt die Dividende für Aktionäre zu erhöhen. Anscheinend erwirtschaftet Nestle seine Profite auf dem Rücken der ArbeitnehmerInnen und entzieht sich einer gesamtgesellschaftlichen Verantwortung“, so der PRO-GE-Branchensekretär Gerhard Riess in einer OTS-Aussendung.

Gesagt werden soll: „Wie gemein: Nestlé entlässt Mitarbeiter*innen OBWOHL es soviel Gewinn macht“. Die Wahrheit sieht eben anders aus: Unternehmen machen Gewinn, WEIL sie ständig versuchen effizienter zu werden. Soll heißen: Möglichst viele Menschen zu entlassen und dabei gleich viel zu produzieren/zu erreichen.

Und so kommt das Buch wieder ins Spiel: Mit diesem Buch sollen einerseits Führungskräften Wege aufgezeigt werden, wie Lohnabhängige für Veränderungen – die gar nicht in deren Interesse sein müssen – motiviert werden können. Aber auch den einfachen Mitarbeiter*innen kann das Buch in die Hand gedrückt werden. Soll es denen doch zeigen: „Nur gemeinsam geht’s voran.“ Womit es jedoch voran gehen soll, das verrät das Buch natürlich nicht.

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