Suffragette – Mit Wahlrecht zum schönen Leben?


Vor nicht langer Zeit habe ich mir den Film Suffragette – Taten statt Worte angesehen.

Suffragette – Taten statt Worte (Originaltitel: Suffragette) ist ein britisches Drama der Regisseurin Sarah Gavron aus dem Jahr 2015. Der Film Suffragette thematisiert die Anfänge der Frauenbewegung in Großbritannien. [wikipedia]

Suffragette Filmplakat

Kurz zusammengefasst dreht sich der Film um eine (erfundene) Arbeiterin, welche mehr oder weniger zufällig in die politische Bewegung der Suffragetten gerät. In dem Zuge wird im Film dargestellt, wie der Kampf der Suffragetten gegen den repressiven englischen Staat verlief. Kritik gibt es an dieser Umsetzung an dem Fehlen jeglicher nicht-weißen Personen. Das Tragen von T-Shirts mit der Aufschrift I’d rather be a rebel than a slave wurde auch in dem Kontext kritisiert. Im Abspann dokumentiert der Film zu welchen Zeitpunkten welche Länder das Frauenwahlrecht eingeführt hatten – die U.S.A. wurde dort mit dem Jahr 1920 erwähnt. Pikant: Erst 1963 war es schwarzen Personen in den U.S.A. erlaubt zu wählen.

In diesem Blogartikel soll es jedoch um eine andere Kritik gehen. Dazu kurz eine detailliertere Beschreibung des Anfangs des Films: Es wird eine Wäscherei gezeigt, die harten Arbeitsbedingungen werden dokumentiert, sexuelle Übergriffe aufgezeigt und der niedrige Lohn, den Frauen für die Arbeit dort erhielten, erwähnt. All diese Bedingungen werden von einer Hauptfigur in einem mündlichen Bericht an einen Politiker übermittelt und so auch die Motivation für das Frauenwahlrecht dargelegt: Frauen müssen unter harten Bedingungen für wenig Lohn und zusätzlich sexuellen Übergriffen arbeiten – sie können diese Verhältnisse aber nicht ändern, sie besitzen ja kein Stimmrecht.

So nachvollziehbar diese Vorstellung – wer in der Demokratie eine Stimme hat, dem*r geht es besser – für politische Aktivistinnen in der Suffragettenbewegung gewesen sein mag, so falsch ist diese aber auch. Dies ist besonders den Filmemacherinnen vorzuwerfen. Denn diese leben in einer Welt mit einer Vielzahl von Ländern, welche das Frauenwahlrecht besitzen. In den allermeisten dieser Länder gibt es aber weiterhin diese dargestellten Arbeitsbedingungen, weiterhin Lohn, der fürs Überleben kaum reicht und zusätzlich Übergriffigkeiten.

Das Frauenwahlrecht wurde in Bangladesch 1972 eingeführt. Müssen seitdem Frauen in Bangladesch nicht mehr für jeden Lohn und unter katastrophalsten Arbeitsbedingungen ihr Geld verdienen? Doch, das müssen sie.

Beim Gebäudeeinsturz in Sabhar […] Bangladesch am 24. April 2013 wurden 1127 Menschen getötet und 2438 verletzt. […] Am Vortag, dem 23. April, waren in dem Gebäude Risse festgestellt worden. Deshalb verbot die Polizei den Zutritt.[1] Dennoch waren mehr als 3.000 Menschen im Gebäude, größtenteils Textilarbeiterinnen, als das Gebäude um 9.00 Uhr kollabierte. Die Angestellten waren von den Fabrikbetreibern gezwungen worden, ihre Arbeit aufzunehmen. [wikipedia]

Die Löhne, die in der Textilbranche gezahlt werden, reichen häufig nicht aus, um Miete, Essen, den Schulbesuch der Kinder oder eine ärztliche Versorgung der Arbeiterinnen und Arbeiter zu sichern. […]
Viele Näherinnen und Näher arbeiten in solchen Situationen nicht nur 10 bis 12, sondern bis zu 16 Stunden am Tag. Trotz gesetzlicher Regelungen ist es in Spitzenzeiten üblich, dass an allen sieben Wochentagen gearbeitet wird. Krankheits- oder Urlaubsgeld gibt es nicht. […]
In vielen Textilfabriken werden Maßnahmen zum Arbeits- und Gesundheitsschutz vernachlässigt. Bei der Verarbeitung von Stoffen werden zum Beispiel Chemikalien unsachgemäß eingesetzt, so dass schwere Krankheiten ausgelöst werden können. […] Trotz der Gefahren werden die Angestellten oft weder ausreichend im Umgang mit gefährlichen Substanzen geschult, noch steht ihnen entsprechende Schutzkleidung zur Verfügung. [Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung]

Ähnliche Verhältnisse gibt es in allen Ländern dieser Erde, welche sich nicht gerade in dem erlauchten Kreis der G-8 befinden. Aber auch dort im Land der Freiheit und der Demokratie – den USA – scheint das allgemeine Wahlrecht nichts gegen schlimmste Arbeitsbedingungen zu helfen.

Das wohl drastischste Ergebnis der Untersuchungen, die Oxfam Amerika von 2013 bis 2016 führte: Einer „überwältigenden Mehrheit“ der etwa 250.000 Arbeiter werde systematisch der Gang auf die Toilette verweigert. „Sie geben dir keine Pause“, sagte eine Mitarbeiterin des Konzerns Tyson Foods aus Arkansas. […] Vor allem Frauen trifft die Situation hart: Wegen Menstruationsblutungen, Schwangerschaften und einer höheren Anfälligkeit für Infektionen sind Toilettenpausen für Frauen besonders wichtig – doch laut dem Oxfam-Bericht werde nicht einmal für schwangere Frauen eine Ausnahme gemacht. [The Huffington Post]

Woran liegt es denn nun, dass so etwas möglich ist, können doch Frauen in Bangladesch und den U.S.A. ihre Stimme abgeben? Wie kommt es dazu, dass solche Arbeitsbedingungen keine Ausnahme, sondern die Regel sind? Liegt es – wie im Film Suffragette angedeutet – an Diskriminierung? An fehlender Gleichheit und weniger Mitspracherecht?

Nein, genau diese Gleichheit – kein Mensch darf diskriminiert werden – hat Anteil an diesen Vorkommnissen. Denn umgekehrt bedeutet das Verbot von Diskriminierung folgendes: Alles was der Staat erlaubt, ist erlaubt. Das Entlassen von Arbeiterinnnen, das Zahlen von niedrigen Lohn, jeder Versuch die Arbeitsplätze billig zu halten (und so die Arbeit gefährlich und beschwerlich zu machen) ist erlaubt und vom Staat gebilligt. Es sollen ja „Arbeitsplätze geschaffen werden“ oder ehrlicherweise: die nationale Wirtschaft soll wachsen. Davon hängt jeder Staat ab. An Failed-States und an den sogenannten europäischen Pleitestaaten wie Griechenland und Spanien ist zu sehen, was das Schicksal eines nicht erfolgreichen Staates ist.

Kurz gesagt: Diese Wirtschaftsweise – der Kapitalismus – ist im Kern das Bestreben der Unternehmen aus Geld mehr Geld zu machen. Das Profitstreben – welches jede Partei in jedem Staat fördert oder fördern will – ist der Grund für all oben genanntes Übel. Dagegen hilft kein Stimmrecht und da hilft es auch nicht alle 4 Jahre Regierungen auszutauschen. Dagegen hilft nur eines: Sich den Kapitalismus erklären, ihn kritisieren und gemeinsam mit anderen Menschen gegen ihn vorzugehen!

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