Die schöne Welt des Konsums: Geplante Obsoleszenz – Erfindung oder normale Unternehmenspraxis?


In der Welt des Konsums geht es bunt zu. Jedes Jahr neue Fernseher, neue Smartphones, Ikea-Möbel usw usf. Wer sich in den Supermärkten und Einkaufszentren umsieht, könnte fast in den Glauben verfallen, dass für die Bedürfnisse der Menschen produziert wird. Das kleine Wörtchen “fast” deutet es an, in diesem Blog(posting) soll behauptet werden: In dieser Gesellschaft wird nicht für die Bedürfnisse der Menschen produziert, nein, die Bedürfnisse der Menschen werden genutzt um aus Geld mehr Geld zu machen. Und dieser Unterschied, Produktion für den Profit oder für die Bedürfnisse der Menschen, hat in der Praxis gravierende Folgen. Wer sich intensiver mit dem Thema Konsum und dessen Rolle in dieser Wirtschaftsweise auseinandersetzen will, dem*der kann ein Text der Basisgruppe Gesellschaftskritik Salzburg [geskrit] empfohlen werden.

Der Drucker, der trotz halbvoller Tintenpatrone streikt, die Festplatte, welche eine Woche nach Ablauf der Garantie den Geist aufgibt oder auch der Akku im Handy, der nach zwei Jahren keine handvoll Stunden mehr durchhält. Wer kennt sie nicht diese Geschichten oder hat ähnliches nicht schon erlebt. Was einige als Pech bezeichnen, interpretieren andere als geplante Obsoleszenz.

Der Begriff geplante Obsoleszenz bezeichnet eine vom Hersteller nicht publizierte, aber geplante absichtliche Verringerung der Lebensdauer von Produkten.

Ein Artikel auf Heise.de setzt sich mit dem Thema auseinander.

Tröpfchenzähler in Druckern und billige Elkos in Fernsehern sind keine Beispiele für betrügerische Sollbruchstellen, sagen Forscher des Öko-Instituts. Doch ihre Studie trifft auch auf Kritik.

Es wird eine Studie des Öko-Instituts näher beleuchtet, deren Industriefreundlichkeit kritisiert und mit einer anderen Studie der Arbeiterkammer Wien gekontert. Ein interessantes Zitat des Ökonoms, welcher die AK Studie verfasst hat:

Das Problem liegt im Wechselspiel zwischen Industrie und Verbrauchern. Käufer sind oft misstrauisch hinsichtlich der Lebensdauer von Produkten, zum Beispiel weil sie von den Herstellern kaum Informationen darüber bekommen oder in der Vergangenheit schlechte Erfahrungen gemacht haben. Deshalb ist die Bereitschaft gering, mehr für ein langlebiges Produkt auszugeben. Die geringe Nachfrage nach langlebigen Produkten bestärkt wiederum die Meinung der Produzenten, dass Konsumenten immer nur das Neueste verlangen. Das Ergebnis ist eine Abwärtsspirale der Erwartungen.

Der Kern der Aussage dieses Absatzes ist ganz einfach: Natürlich wollen Konsument*innen ein Produkt kaufen, welches lange hält und viel kann. Umgekehrt die Unternehmen, die wollen natürlich Waren verkaufen die billig zu produzieren sind. Ob in diesem Widerspruch Unternehmen dann „nur“ in Kauf nehmen, dass billige Komponenten schneller kaputt gehen oder sie sogar damit rechnen, lässt sich im Allgemeinen nicht beantworten und im Speziellen wohl auch nur schwer nachweisen.

Doch was für einen Schluss zieht der industriekritische Ökonom der AK Wien?

Ohne regulatorische Eingriffe wird es nicht gehen. Wirksam wären Minimal-Anforderungen an die Lebensdauer. Das geht besonders bei Produkten, deren Verschleiß nur wenig vom Nutzungsverhalten abhängt und wo die Zyklen des technischen Fortschritts relativ lang sind, also zum Beispiel bei Haushaltsgeräten. Bei anderen Produkten müsste man die Hersteller zumindest zur Angabe der Lebensdauer verpflichten.

Anstatt einzusehen, dass es in dieser Wirtschaftsweise eben nicht um die Bedürfnisse der Menschen geht – also um die Produktion von Gütern die lange halten und nützlich sind, wird der Staat um Hilfe angerufen den Widerspruch zwischen Konsument*innen und Unternehmen mit Gesetzen zu regeln. Wer aber einerseits sich eine „sinnvollere“ und „ökologische“ Wirtschaft wünscht, die Widersprüche die in dieser Gesellschaft vorhanden sind aber nicht anerkennen will, der*die wird sich nach jeder Gesetzesänderung verwundert die Augen reiben: Der Grund der Unternehmen sich so zu verhalten ist nicht aus der Welt, der Zwang des Profitmachens existiert weiterhin und daher werden diese Geschäftspraktiken weiterhin zu beobachten sein.

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