Paulo Coelho’s Weihnachtsgrüsse an die Armen: Seid dankbar für das was ihr habt!


Weihnachten ist ja eine Zeit der Besinnung und der moralischen Geschichten. Auch Paulo Coelho, der bekannte brasilianische Schriftsteller, hat für diesen Zweck ein kleines Geschichtche (Seite 40)   geschrieben. Um diese seine Geschichte soll es hier kurz gehen.

Der Inhalt ist schnell erklärt: Engel werden zu Weihnachten auf die Erde geschickt, um zu überprüfen, ob dort alles bereit ist für das Fest. Paulo Coelho beschreibt den Erdenbesuch zweier Engel, eines jüngeren und eines alten erfahrenen Engels. Das Pärchen besucht eine reiche Familie. Diese besitzt zwar eine große Villa und erkennt die Engel, lässt sie jedoch nur im stickigen und heißen Keller übernachten. Der ältere Engel bemerkt einen Riss in der Kellerwand und repariert ihn.

Weiter geht es auf der Reise und als nächstes besuchen die zwei Engel eine kleine Hütte am Land. Dort wird ihnen von einer armen Familie geöffnet. Die Familienmitglieder, die zwar nicht erkennen, dass Engel vor ihnen stehen, versorgen diese trotzdem so gut es geht – dürfen z.B. in ihrem Bett schlafen. Am nächsten Morgen liegt die Kuh, die ihr einziger Besitz und Lebensunterhalt, tot am Feld.

Der Ärger des jüngeren Engels muss raus

»Ich kann nicht begreifen, wie du dich verhalten hast! Der erste Mann hatte alles, was er brauchte, und dennoch hast du ihm geholfen. Und bei diesen armen Leuten, die uns so freundlich aufgenommen haben, hast du nichts unternommen, um ihr Leid zu lindern!«

Wer kann solche Gefühle nicht nachvollziehen? Reicht doch ein kurzer Blick auf diese Welt um zu sehen, dass reich und arm in dieser Welt existieren. Trotz übervollen Supermärkten, müssen Menschen betteln. Trotz Superreichen, gibt es Menschen, welche sich ihre Medikamente nicht leisten können. Warum hat sich der ältere Engel also so verhalten?

»Die Dinge sind nicht immer, wie sie scheinen“, sagte der ältere Engel. »Als wir in diesem schrecklichen Keller waren, bemerkte ich, dass auf der anderen Seite der Wand viel Gold lag, die ein früherer Hauseigentümer dort versteckt hatte. Und ich beschloß, es wieder zu verbergen, weil der jetzige Herr des Hauses nicht bereit war, denen zu helfen, die es brauchten.

Gestern Nacht, während wir im Bett der jungen Eheleute schliefen, bemerkte ich plötzlich, dass noch ein dritter Gast dazugekommen war: der Todesengel. Er war auf die Erde geschickt worden, um das Kind zu holen. Aber da ich ihn seit vielen Jahren kenne, ist es mir gelungen, ihn davon zu überzeugen, statt dem Kind der Kuh das Leben zu nehmen.

Die Botschaft an die Habenichtse und all die Menschen, denen die Armut auf dieser Welt stinkt, ist kurz und bündig: Es ist schon alles so, wie es sich gehört. Nach dem Motto: „Der Mensch denkt, Gott lenkt“ plädiert Coelho also für ein bescheidenes akzeptieren der Lebensverhältnisse, die einem zugewiesen werden. Die Frage nach dem Ursprung von Armut wird nicht einmal gestellt. Für Paulo Coelho existiert Armut als etwas natürlich, gottgegebenes.

Noch zynischer wird diese Geschichte, wenn mensch weiß, wie sie zustande gekommen ist. Paulo Coelho hat diese Geschichte dem Verband für Strassenzeitungen gespendet. Also gerade Organisationen, die zu einem großen Teil aus Menschen mit bescheidenen Mitteln bestehen. Ich lasse den Autor zu Wort kommen

Mit meinem Artikel ‚Die Dinge sind nicht immer, wie sie scheinen‘ möchte ich Menschen dazu bewegen, nachzudenken, bevor sie ein Urteil über andere fällen, denn die Dinge sind oft anders als es den Anschein hat. Ich habe […] diese Weihnachtsgeschichte gestiftet, weil ich der Überzeugung bin, dass die Menschen einander unterstützen sollten, und dass wir insbesondere denen helfen sollten, die weniger begünstigt sind als wir selbst.

Wer also, wahrscheinlich wie von Gott gewünscht, doch ein wenig mehr Geld in den Taschen hat als andere, soll doch bitte bitte etwas davon abgeben. Denn, wie wir gelernt haben: Das nebeneinander von arm und reich ist nicht zu verhindern.

Update: Der alte Link zur Geschichte auf megaphon.at funktioniert leider nicht mehr. Wurde ersetzt durch einen Link auf die Strassenzeitung bodo (Seite 40).

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2 Antworten to “Paulo Coelho’s Weihnachtsgrüsse an die Armen: Seid dankbar für das was ihr habt!”

  1. Im Artikel steht nicht, warum du die Botschaft schlecht findest. Den ganzen Text schließt du mit der Aussage, dass es eben arm und reich unveränderlich gibt, ab. Da ist noch herauszulesen ob diese Aussage von dir kommt oder von Coelho, bzw was du davon hälst.

    Außerdem funktioniert der link auf die Geschichte nicht.

    • Danke erstmal für den Hinweis wegen dem kapputen Link. Da scheint die Megaphon Website was geändert zu haben, im Google Cache ist zu sehen, wie die Seite noch vor kurzem war:
      http://webcache.googleusercontent.com/search?q=cache:LLhvvNBQ26wJ:www.megaphon.at/de/strassenmagazin/archiv/megaphon_2012/Dezember_2012/341/+&cd=1&hl=de&ct=clnk&gl=us
      Werde schauen, dass ich eine andere Quelle finde.

      Im Artikel steht nicht, warum du die Botschaft schlecht findest.

      Das verstehe ich nicht ganz. Das spreche ich doch klar aus: Ich kritisiere seine Botschaft, insofern, als diese doch aussagt, dass mensch zu akzeptieren hat, wie es ist.

      Den ganzen Text schließt du mit der Aussage, dass es eben arm und reich unveränderlich gibt, ab. Da ist noch herauszulesen ob diese Aussage von dir kommt oder von Coelho, bzw was du davon hälst.

      Nunja, meine Behauptung ist, dass das Coelhos Position ist und dass sich das aus seinem Text rauslesen lässt. Meine Position dazu ist, dass arm und reicht eben nicht natürlich ist, sondern etwas ist, dass gesellschaftlich hersgestellt ist und sehr viel mit der Art und Weise wie im Kapitalismus gewirtschaftet wird, zu tun hat.

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