Leben wir auf Kosten der dritten Welt?


Diese Frage treibt sich nicht erst seit gestern in den Köpfen vieler Menschen rum. Doch seitdem das Thema Asyl und Flüchtlinge wieder hochkocht, ist das Thema auch wieder aktueller. Auf Facebook beispielsweise, wurde dieses Bild geteilt.

Gysi über dritte Welt und unsere Verantwortung

Gysi über dritte Welt und unsere Verantwortung

Wir leben auf Kosten der dritten Welt und wundern uns, wenn das Elend anklopft. – Gregor Gysi

Eines kann nicht bestritten werden: Viele Menschen flüchten aufgrund kriegerischer Auseinandersetzungen und wirtschaftlicher Not aus den Staaten, in denen sie geboren sind und dessen Staatsbürger_innenschaft sie besitzen. Aber sind „wir“ schuld an deren Nöten? Die erste Frage die sich hier stellen sollte ist doch: Wer ist denn hier dieses „wir“?

Es ist genau dieses „wir“, welches in Medien und Politik verwendet wird. „Wir“ sind zu sehr verschuldet, „wir“ sind Papst, „wir“ sind Skiweltmeister_innen oder „wir“ haben gewählt. Kurz und gut: Die Menschen, welche einen gemeinsamen deutschen bzw. österreichischen Pass besitzen. Dieses „wir“ soll nun also schuld sein an den Nöten von Syrier_innen die vor Krieg fliehen oder von Somalier_innen, in deren Land wirtschaftlich alles vernichtet ist.

Nachdem das „wir“ aus Staatsvolk besteht, besteht es aus einer Reihe von ganz unterschiedlichen Gestalten. Darin enthalten sind Bauarbeiter_innen, Manager_innen, Arbeitslose, Softwareentwickler_innen, Unternehmensbesitzer_innen, Politiker_innen usw usf. Also eine ganze Reihe von Menschen die im Alltag ganz unterschiedliche Interessen besitzen.

Die Lohnabhängigen haben ein Interesse an hohen Lohn bei wenig Arbeit. Unternehmer_innen wieder, wissen genau, dass der Lohn ein Abzug vom Profit ist, sie freuen sich also, wenn der Lohn niedrig bleibt und der Profit steigt. Politiker_innen wiederum sorgen sich um „das große Ganze“, also dem Erfolg der Nation. Dieser Erfolg der Nation wiederum, ist nun ganz was anderes als das gute Leben für alle.

Es ist also recht leicht zu sehen: Dieses „wir“ vernebelt den Blick. Denn nicht „wir“ beuten die dritte Welt aus. Das Wirtschaftssystem, welches in Österreich und Deutschland Lohnabhängige dazu zwingt für wenig Geld lange zu arbeiten, zerstört die Lebensgrundlage vieler in der sogenannten dritten Welt. Weil sie von ihrem Land vertrieben werden, die Meere leergefischt werden oder auch einfach der Import billiger Waren aus Europa sie arbeitslos macht.

Diese vom Kapitalismus geschädigten Menschen, egal ob in Österreich, Deutschland oder in Somalia und Syrien haben etwas gemeinsam: Sie sind diejenigen, die in einem System von um wirtschaftlichen Erfolg konkurrierenden Staaten den kurzen ziehen. Die Lohnabhängigen die in jedem Staat der Welt den Reichtum produzieren, aber dafür nur Armut ernten. Die Arbeitslosen die nicht mal diese Brotkrumen bekommen und sich stattdessen mit Hartz IV durchschlagen müssen oder gleich gar kein Geld bekommen.

Kurz und bündig: Wer vom „wir“ spricht, der hat den alltäglichen Nationalismus schon gefressen. Wer vom „wir“ spricht, geht von einem Interesse am Wohl der Nation und des Staates aus, den alle Staatsbürger_innen teilen sollten. Dabei sind nicht die Lohnabhängigen schuld an den Fluchtgründen vieler, sondern genau die Poltiker_innen und Unternehmer_innen, die auch hier Menschen ausbeuten.

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