Und wenn er doch nicht ganz unrecht hat der Hr. Schelling?


Ob er nun der Meinung ist, dass das Arbeitlosengeld zu hoch ist oder er dafür sorgen will dass Arbeitslose weniger Jobs ablehnen dürfen – eines ist Finanzminister Schelling sicher: Aufmerksamkeit in den Medien und zustimmende aber auch ablehnende Meinungen in den sozialen Medien.  Anhand einer dieser, in dem Falle ablehnenden, Meinungen, kann gezeigt werden, wie sinnvoll es ist, sich moralisch über Schellings Forderungen zu empören.

SPÖ-Politikerin Tanja Wehsely kritisiert Schelling auf Facebook folgendermassen:

Unfassbare aber durchschaubare Neiddebatte von Oben! Schelling, der Weingutbesitzer, weiss warum es schiefläuft: zu hohes Arbietslosengeld…nicht die Löhne etwa sind zu niedrig! Menschen brauchen ein Einkommen zum Auskommen!!! BM Hundstorfer warnt schon seit einiger Zeit, dass die ÖVP diesen Angriff startet! Wir werden ihn abwehren!

Screenshot Tanja Wehsely

Screenshot Tanja Wehsely

Für diesen Blogpost sei mal davon abgesehen, dass gerade SPÖ-Politiker_innen sich nicht über Sozialabbau oder menschenfeindliche Gesetzgebung beschweren sollten. Sie machen ja seit Jahren dabei mit. Vielmehr soll die Frage gestellt werden, ob die Kritik von Fr. Wehsely wirklich zutrifft.

Sie behauptet: Die Löhne sind zu niedrig, nicht das Arbeitslosengeld zu hoch. Sie fordert von dieser Wirtschaftsweise ein, dass ein Einkommen zum Auskommen reichen soll.

Aber ist es denn nun so, dass Arbeitsplätze geschaffen werden, damit Menschen einen Lohn bekommen? Es ist ja genau anders rum: Unternehmen sehen eine Möglichkeit Geld zu verdienen, Profit zu machen, und stellen deshalb Menschen ein, damit sie für sie arbeiten. Diesen Menschen wird dann Lohn gezahlt. Was hier schon klar ist: Je höher der Lohn, desto niedriger der Profit.

Wird das Arbeitslosengeld also gekürzt oder die Arbeitslosen mehr und mehr zur Arbeit gezwungen (siehe Hartz Gesetze in Deutschland), so werden auch die Löhne sinken – und Unternehmen stellen potentiell auch mehr Menschen ein, weil sich etwas, dass sich vorher nicht gelohnt hat, durch den neuen niedrigen Lohn eben für das Unternehmen doch profitabel wird.

Es geht hier auch nicht darum Schelling zu loben. Es geht darum festzustellen: Eine moralische Empörung über solche Aussagen und die schlichte Forderung an den Staat, dass ein Einkommen ein Auskommen bieten sollte, ist ein Fehler. Denn in dieser Wirtschaftsweise orientiert sich der Lohn eben nicht nach dem was notwendig ist zum leben. Es ist genau umgekehrt: Die Lebensumstände der Menschen richten sich nach deren Einkommen. Ein Recht auf gutes Leben existiert in der sozialen Marktwirtschaft bzw. Kapitalismus einfach nicht.

Viel mehr als der reflexhafte Ausruf „Mit uns sicher nicht“ wäre der Versuch notwendig sich erklären zu versuchen, warum es denn in dieser Wirtschaft so zugeht. Warum Unternehmen gezwungen sind Profit zu machen und warum sie dabei zwangsweise die Bedürfnisse von Mensch und Natur ignorieren bzw. schädigen. Als Unterstützung dieser Gedanken kann ich das (gratis runterladbare) Buch „Die Misere hat System: Kapitalismus“ empfehlen.

 

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2 Antworten to “Und wenn er doch nicht ganz unrecht hat der Hr. Schelling?”

  1. Dank technischer Rationalisierung werden selbst bei sinkenden Löhnen die Unternehmen keine zusätzlichen Kostenfaktoren in Form von MitarbieterInnen anstellen Herr Genosse. Und wenn dem Kapital alles gehört dann braucht es die restlichen 95% selbst als KonsumentInnen nicht mehr. Ihr lebt leider noch im vorletzten Jahrhundert. Empfehle Ilija Torjanow: Der überflüssige Mensch …

    • Ich glaube da liegt ein Missverständnis vor. Nirgendwo beziehe ich mich positiv auf das Schaffen von Arbeitsplätzen. Nirgendwo in dem Blogposting fordere ich dass Unternehmen mehr Menschen einstellen sollten.

      Ich kritisiere vielmehr die Vorstellung, dass es ein RECHT auf Auskommen in dieser Gesellschaft gibt. Dass es sowas wie GERECHTEN Lohn gibt.
      Das sollte nicht gleichgesetzt werden mit „Dann ist ja eh alles egal“. Sondern mit: „Dann muss halt eine ganz andere Art zu wirtschaften her“.

      Und das konservative wie Schelling schon mal recht haben können mit der Aussage, dass es für Österreich besser sein kann, wenn die Löhne und/oder das Arbeitslosengeld gesenkt wird. Das kann ja ökonomisch ohne Probleme argumentiert werden. Aber anstatt da moralisch aufzuschreien „das darf man ja nicht“, sollte mensch sich doch eher fragen: Wenn DAS etwas positives für Österreich ist, dann habe ich vielleicht ganz andere Interessen als eine starkes und konkurrenzfähiges Österreich.

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