Mit Chancengleichheit zum schönen Leben? Leider nicht.


Aus den Spielregeln von „Mensch ärgere dich nicht!“ :
Bist du über 50 Jahre alt, so musst du einmal aussetzen“ …. Fehlt dir ein Bildungsabschluss, so drehe eine Extrarunde. …. Besitzt du keinen österreichischen Pass, so fahre 5 Felder zurück. … Bist du eine Frau, darfst du maximal 5 Felder fahren... „

 Was würdet ihr zu den Regeln so eines Brettspieles sagen? Wahrscheinlich: „Unfair, ungerecht und diskriminierend.“ Warum sollten Menschen aus ärmeren Familien benachteiligt werden? Warum sollte es eine ältere Person schwerer haben als eine jüngere? Nicht zuletzt: Warum gibt es einen „Österreicher*innen“-Bonus?

Nein, so ein Brettspiel würde wohl keine*r gerne spielen. Und deshalb sehen die Spielregeln auch meist ganz anders aus: Alle haben die gleichen Chancen. Aber klar ist: Es gibt Verlierer*innen und Sieger*innen. Daran ändert auch die Chancengleichheit in den Regeln wenig. Die Konsequenzen einer Niederlage bei „Mensch ärgere dich nicht“ sind jedoch nicht sehr gravierend.

Das Erwerbsleben ist kein Spiel…

Anders sieht es jedoch in vielen Bereichen unseres Lebens aus: Nicht nur im Erwerbsleben, aber dort besonders, werden viele aufgrund ihres Geschlechts, ihrer sexuellen Orientierung, ihres Alters, Herkunft und Hautfarbe, ihres Bildungsmilieus und so weiter und so fort diskriminiert. Egal, ob nun Frauen für die gleiche Arbeit weniger Lohn bekommen oder Menschen mit nicht „typisch-österreichischen“ Nachnamen gar nicht erst zu Bewerbungsgesprächen eingeladen werden.

Wer diskriminiert wird, hat es schwerer als andere. Das soll auch gar nicht bestritten werden. Doch wie sähe das Erwerbsleben nun aus, gäbe es all diese Diskriminierungen nicht? Festzuhalten ist: Im Erwerbsleben wie bei „Mensch ärgere dich nicht“ gibt es gezwungenermaßen Verlierer*innen. Eine Niederlage in einem Brettspiel mag für das Leben eines Menschen wenig Konsequenzen haben, das schlechte Abschneiden im Erwerbsleben jedoch hat schwerwiegende Folgen. Arbeitslosigkeit oder geringer Lohn und hohe physische und psychische Arbeitsbelastung führt zu Armut, Krankheit und erwiesenermaßen zum früheren Tod.

Diskriminierungen schaffen nicht die üblen Lebensumstände…

So unangenehm Diskriminierungen im Erwerbsleben auch sind: Sie sind bestimmt nicht der Grund dafür, dass es Verlierer*innen in unserer Gesellschaft gibt.

Auch wenn es „gerecht“ und „fair“ zugeht, gibt es Verlierer*innen: Bewerben sich auf einen Arbeitsplatz fünf Menschen, so werden vier davon leer ausgehen. Es gibt also eine*n Sieger*in und vier Verlierer*innen.

Wenn ein Unternehmen Arbeitsplätze abbaut, dann konkurrieren die Lohnabhängigen gegeneinander: Keine*r will den Job verlieren – alle versuchen gut dazustehen. Auch hier ist es klar: Es gibt Gewinner*innen und Verlierer*innen, irgendwer wird entlassen.

Über die Situation von Frauen in dieser Gesellschaft ist einiges gesagt, wenn man sich ansieht wie viele Frauen in Vorständen von Unternehmen zu finden sind. Sie sind dort fast nicht vertreten. Sollte es daher ein politisches Ziel sein, mehr Frauen in Unternehmensvorstände zu bringen? Was ändert das an den Lebensumständen von Teilzeit- und Niedriglohnarbeiterinnen? Eine zusätzliche Frau im Unternehmensvorstand, macht das Leben von hundert anderen Arbeitnehmerinnen nicht besser.

In diesen und vielen weiteren Beispielen zeigt sich: Verlierer*innen entstehen in diesem System nicht durch Diskriminierung. Das alles passiert auch ganz ohne Rassismus, Sexismus oder Homophobie.

… dafür ist die herrschende Wirtschaftsweise verantwortlich!

Wer sich daran stört, dass es Arbeitslose gibt, dass es Menschen – so genannte „Working Poors“ – gibt, welche trotz arbeiten nicht genug Geld zum Leben verdienen. Wer sich daran stört, dass Unternehmen die billigsten und fleißigsten Arbeiter*innen einstellen und andere entlassen und dadurch Konkurrenz unter diesen schaffen, der*die muss sich von dieser herrschenden kapitalistischen Wirtschaftsweise verabschieden.

Wer sich wiederum eine Wirtschaft wünscht, in der es um das Versorgen von Menschen geht, in der das Produzieren von Waren und Dienstleistungen zum Wohl der Menschen passiert und in der gemeinsam und nicht gegeneinander gewirtschaftet wird, sollte sich für eine Wirtschaftsweise einsetzen, die nicht auf den Profit von Unternehmen basiert.

Denn klar ist: Eine marktwirtschaftliche Wirtschaftsweise, in der der Lohn notwendigerweise nur als Abzug des Profits von Unternehmen auftritt, produziert zwangsweise Arbeitslose, niedrigen Lohn, Armut und menschenunwürdige Arbeitsbedingungen. Eine Politik, die sich für Chancengleichheit einsetzt, aber diese Wirtschaftsweise gutheißt, kann all diese gesellschaftlichen Übel nicht aus der Welt schaffen.

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2 Antworten to “Mit Chancengleichheit zum schönen Leben? Leider nicht.”

  1. Helmi Says:

    hej, das war ein gutes Aufwachen heute! Danke dir für deine Gedanken! Ich weiß, du willst was Inhaltliches hören, Kritik, etc. 😉 Aber nächstes Mal wieder persönlich,… jetzt freue ich mich einfach, dass du drüber schreibst – und so 🙂 dass es diesen blog gibt…

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