Warum Gewerkschaften notwendig sind und warum ich für eine Gesellschaft ohne sie kämpfe


Der ÖGB will eine gerechte Arbeitswelt mit guten Arbeitsbedingungen und fairen Einkommen[…] Der ÖGB will, dass in einem sozialen Staat und in einem gemeinsamen Europa der Mensch im Vordergrund steht.

So klingt ein Teil der Forderungen des Österreichisches Gewerkschaftsbunds. Wer im Arbeitsleben steht, noch viel mehr aktive GewerkschafterInnen und BetriebsrätInnen wissen genau: diese „gerechte“ Arbeitswelt mit „guten“ Arbeitsbedingungen und „fairen“ Einkommen stellt sich nicht von selbst her. Ganz im Gegenteil sammeln Menschen die in Gewerkschaften und Betriebsrat aktiv sind, ständig Erfahrungen damit, wie die Interessen der ArbeitnehmerInnen geschädigt werden.

Sei es der geringe Lohn, der „trotz“ Gewinnsteigerungen des Unternehmens nicht höher wird, sei es der Arbeitsplatzverlust aufgrund Rationalisierungen. Seien es die schlechten Arbeitsbedingungen, welche die Gesundheit der ArbeiterInnen beeinträchtigen oder gar Gesetzesbrüche der Unternehmen. All diese Vorgänge passieren ständig und immerzu. Als Einzelperson ist diesen Schädigungen nicht viel entgegenzusetzen – daher gibt es die Gewerkschaften und deswegen haben sie sich gegründet. Um gemeinsam Druck ausüben und eigene Interessen durchsetzen zu können.

Diese Gründe legen den Gedanken nahe: Gewerkschaften sind eine feine Sache. Dabei könnte die Notwendigkeit von Gewerkschaften stutzig machen. Was für eine Gesellschaft ist dies, in der diejenigen, welche die Dienstleistungen und Güter herstellen, welche die Menschen brauchen, nicht diejenigen sind, die davon profitieren? Die Existenz von Gewerkschaften beweist, dass ohne den Zusammenschluss der Lohnabhängigen, ohne deren Drohung die Arbeit niederzulegen (Streik und ähnliches), die Lohnabhängigen noch schlechter dastehen würden. Warum ist das jedoch so, dass gerade diejenigen die Reichtum schaffen, nicht reich werden?

Diese Frage lässt sich leicht erklären: In dieser Gesellschaft werden von Unternehmen Dienstleistungen erbracht und Güter hergestellt. Diese Unternehmen stellen diese Dienstleistungen und Güter jedoch nur dann her, wenn diese für das Unternehmen einen Profit abwerfen. Das bedeutet: Wenn der Vorschuss an Geld nach dem Verkauf mehr Geld erbringt. Klar ist dabei auch: Je mehr Geld aus dem Vorschuss erwirtschaftet wird, umso besser, umso erfolgreicher ist das Unternehmen.

Wie berechnet sich nun dieser Profit? Vom im Verkauf erlösten Geld, müssen natürlich die Kosten abgezogen werden. Mieten, Zinszahlungen, neue Maschinen, Ressourcen usw. stellen also einen Abzug von Profit dar. Umso sparsamer, umso effizienter das Unternehmen bei diesen Ausgaben umgeht, umso mehr Profit ist möglich. Eine weitere Ausgabe hierbei stellen die Löhne dar. Auch hier: Je niedriger die Löhne, umso mehr Profit ist möglich. Das Unternehmen hat also jedes Interesse daran, dass möglich viel und lang für wenig Geld gearbeitet wird. Für die Lohnabhängigen sieht das etwas anders: Die wollen natürlich möglichst viel Geld für wenig und auch angenehme Arbeit bekommen. Ein Interessenswiderspruch, der sich nicht auflösen lässt. Was sollte auch ein „gerechter“ Lohn zwischen diesen Interessen sein?

Gewerkschaften verschließen sich im Allgemeinen dieser Analyse. Gesucht wird nach „Kompromissen“, nach „fairen“ Lösungen und „tragbaren“ Verhandlungsergebnissen. Dabei ist eines klar: Sie haben immer die schlechteren Karten. Den ohne Unternehmen, keine Arbeitsplätze. Und auf diese Arbeitsplätze kommt es den Gewerkschaften an, etwas sozialeres kennen sie nicht. „Sozial ist, was Arbeit schafft“ – dafür werden auch Lohnsenkungen in Kauf genommen um Arbeitsplätzeverlust zu verhindern.

Wäre es also nicht besser, statt einen ewigen Kampf zu führen, der auf Seiten der Lohnabhängigen nie zu gewinnen ist (siehe auch die Reichtumsverteilung dieser Welt), den Menschen zu erklären, woher ihre materiellen Nöte kommen? Um danach gemeinsam an das Werk zu gehen, eine Gesellschaft aufzubauen, die sich um die die Bedürfnisse der Menschen und nicht um den Profit von Unternehmen dreht. All dies sind jedoch beileibe keine neuen Gedanken.

Gewerkschaften tun gute Dienste als Sammelpunkte des Widerstands gegen die Gewalttaten des Kapitals. […] Sie verfehlen ihren Zweck gänzlich, sobald sie sich darauf beschränken, einen Kleinkrieg gegen die Wirkungen des bestehenden Systems zu führen, statt gleichzeitig zu versuchen, es zu ändern, statt ihre organisierten Kräfte zu gebrauchen als einen Hebel zur schließlichen Befreiung der Arbeiterklasse, das heißt zu endgültigen Abschaffung des Lohnsystems.
(Karl Marx, Lohn, Preis und Profit, MEW 16, 152.)

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: