Gegen ein Europa der Konzerne, für ein Europa der Klein- und Mittelunternehmen?


Wer links und alternativ ist und etwas auf sich hält, der kennt es. Das Unternehmen namens GEA, welches die bekannten Waldviertler Schuhe produziert. Ich habe sie bereits mal erwähnt (2008, lange ists her) und in einem Blogposting für einen ethischen und nachhaltigen Konsum geworben. Wer wissen will, warum ich von dieser Art des politischen Aktivismus nichts mehr halte, kann sich dieses spannende Video ansehen.

Einige von euch kennen vielleicht auch das regelmässig erscheinende Magazin brennstoff von GEA.  In diesem wird viel philosophiert, kritisiert und bedauert. In der Ausgabe Nr. 39 / Jänner 2015 lässt sich dort ein interessantes Editorial vom Herausgeber des brennstoffs und Besitzer von GEA Heini Staudinger (bekannt durch seinen Auseinandersetzungen mit der Finanzmarktaufsicht FMA) finden.

Der Vorreiter für eine gerechte Gesellschaft und intakte Umwelt teilt uns mit wie er wirtschaftet.

Meine Lebensraumpflege heißt: mich zu bemühen, gute Arbeit zu leisten, ordentliche Schuhe zu machen, wohlige Matratzen zu erzeugen …, zu versuchen, ein guter Arbeitgeber zu sein, die Vitalität in unserem Ort zu fördern, Freundschaften zu pflegen und, und, und … diese Aufgaben stehen in meiner Dringlichkeitsliste an erster Stelle.

Ganz locker blickt er darüber hinweg, dass er Ziele aufzählt, die sich selbst widersprechen. Konkret: Ordentliche Schuhe zu machen und ein guter Arbeitsgeber zu sein, widerspricht klar dem Ziel „gute Arbeit“ zu leisten. Denn was soll denn „gute Arbeit leisten“ für einen Unternehmer bedeuten. In erster Linie wohl: Das Unternehmen erhalten. Etwas weniger unschuldig und konkreter ausformuliert: Das Unternehmen muss einen Profit abwerfen. Denn es ist ja auch klar: Ein Unternehmen, welches keinen Gewinn sondern Verlust macht, kann keine Rechnungen bezahlen. Da ist dann auch mal schnell Schluss mit der schönen Produktion von Schuhen und Matratzen.

Inwiefern ist nun also die Aufgabe Unternehmenserhalt ein Widerspruch zu ordentlichen Schuhen und dem Ziel ein guter Arbeitgeber zu sein. Ganz einfach: In dieser kapitalistischen Wirtschaft ist jede Ausgabe eines Unternehmens ein Abzug vom Profit. Wer ordentliche Schuhe produzieren will, also teure Materialien einkauft und diese peinlichst genau und ordentlich verarbeitet, der nimmt einiges an Geld in die Hand. Wer ein „guter Arbeitgeber“ sein will, der muss wohl Löhne über den Mindeststandard zahlen, sichere und saubere Arbeitsplätze zur Verfügung stellen und entlässt nicht bei jeder Wirtschaftsflaute ArbeitnehmerInnen. All diese beschriebenen Dinge kosten Geld, sind also ein Abzug vom Profit und gefährden den Unternehmenserhalt.

An zweiter Stelle will ich für faire Rahmenbedingungen kämpfen, z.B. für Arbeit. Europa hat 25 Millionen Arbeitslose. Die Jugendarbeitslosenquote in Griechenland und Spanien ist höher als 50 %. Und trotzdem wird in Europa nichts höher besteuert als Arbeit. Dieser Schwachsinn vertreibt die Arbeit. Allein, wenn wir die Schuhe, die wir in Europa »verbrauchen«, in Europa fertigen würden, würde dies mehr als 2 Millionen Menschen wieder Arbeit geben … Textilien, Spielzeug, Sportartikel, Handys, Laptops, LED-Lampen, Fahrräder und, und, und … Arbeit gibt’s genug.

An diesem Zitat zeigt sich deutlich wo der Irrtum Staudingers liegt. Er sieht den Zweck der kapitalistischen Wirtschaftsweise in der Produktion von nützlichen Dinge (Schuhe, Spielzeug, Fahrräder, …) und kann einfach nicht einsehen warum denn „wir“ nun nicht das produzieren was „wir“ brauchen. Dabei ist der Zweck der Produktion im Kapitalismus immer die Vermehrung von Geld. Wenn ein Unternehmen durch die Produktion von LED-Lampen nicht aus Geld (Vorschuss) mehr Geld macht (Profit), dann werden auch keine LED-Lampen produziert.

Die Steuern die Staudinger so beklagt, welche die Kosten der Arbeit für die Unternehmen in die Höhe treiben, sind aus der Sicht eines Unternehmens auch gar nichts anderes als die Kosten die für einen „guten Arbeitsplatz“ oder „ordentliche Schuhe“ anfallen. Kosten, welche den Profit verringern. Ob sich nun die Produktion einer Ware aufgrund von hohen Steuern oder teuren Sozialstandards nicht rentiert: Das Ergebnis ist dasselbe, es wird dann eben nichts produziert.

Doch es wird noch besser: Nicht das Elend der Menschen ist ein Argument gegen die „verwerfliche“ Entwicklung die Staudinger beschreibt.

Wir müssen die Rahmenbedingungen ändern, bevor die Not der Arbeitslosen die Wut zum Kochen bringt. Denn die, die nichts zu verlieren haben, können zu einer großen Gefahr in Europa werden.

Nein, es treibt ihn die Angst davor, dass sich die Leute nicht mehr mit den Brotkrumen zufrieden geben, die für sie abfallen. Es geht ihm um den „sozialen Frieden“, den „Zusammenhalt in der Gesellschaft“. Kurz: Der normale kapitalistische Gang der Gesellschaft soll nicht gestört werden.

Drittens finde ich es unerträglich, dass die Konzerne, die die Kleinen kaputtmachen, Milliardengewinne nicht oder kaum versteuern müssen, während aus den Kleinen der letzte Steuergroschen herausgepresst wird, obwohl die Kleinen, die KMUs, die wichtigsten Arbeitgeber Europas sind. Wir brauchen an der Spitze Europas Menschen, die keine Lakaien der Konzerne sind, sondern solche, die für die Gerechtigkeit brennen. Denn es gibt keinen besseren Weg zum Frieden als die Gerechtigkeit.

So ist dann natürlich auch klar: Gerechtigkeit gibts nur dann, wenn Klein- und Mittelbetriebe besser gestellt werden. Wenn deren unternehmerische Tätigkeit unterstützt wird. Der Staat ihnen also beim Profit machen unter die Arme greift. Und dann, ja wenn das passiert, dann kann es vielleicht auch passieren dass ein paar ordentliche Schuhe oder „sichere“ Arbeitsplätze abfallen.

P.S.: Die Vorstellung, dass es in kleinen und mittleren Betrieben „fairer“ zugeht als in Konzernen, ist natürlich auch eine Illusion.

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