Wachstum ohne Ende – das Problem unserer Zeit?


Letztens durfte ich an einer privaten Diskussion zum Thema Wachsum teilnehmen. Die Gedanken und Argumente die dabei vorkamen, will ich in diesem Blogposting zusammenfassen.

Ausgangspunkt ist die These: Wachstum (in dieser Gesellschaft und wahrscheinlich auch generell) ist etwas problematisches. Das scheint auch auf der Hand zu liegen: Die Menschheit verfügt nicht über 4,6 oder 150 Erden sondern über genau eine. Augescheinlich ist dadurch auch: Resourcen sind begrenzt. Wer sich dem bewusst ist und auf die Welt einen Blick wirft dem oder die könnte nun schon der Gedanke kommen: Das Wachstum ist schuld an soviel Zerstörung der Umwelt. Wer sich so etwas denkt, kommt dann auch ganz schnell auf eine Lösung: Unternehmen, die produzieren ja materielle Güter, sollten aufhören zu wachsen. Zu diesem Gedankengang gibt es einiges zu sagen.

Sicher ist es so: Es gibt keine 42 Erden sondern nur eine, aber ist das der Grund für die Umweltzerstörung überall? Am Beispiel Nahrungsmittelproduktion ist bemerkbar, dass an diesem Argument etwas nicht stimmt. Denn es wird mehr Nahrung produziert als weltweit benötigt wird (warum trotzdem Menschen hungern, soll an anderer Stelle diskutiert werden) und es ist noch Luft nach oben. Obwohl also nicht die Grenzen der Erde erreicht sind, verursacht die Nahrungsmittelproduktion massiv Schäden an Tier- und Pflanzenwelt.

Was würde es nun bringen, würden Unternehmen nicht mehr wachsen? Zuerst sollte geklärt werden, was mit Unternehmenswachstum gemeint ist. Unternehmenswachstum lässt sich an einem ständigen Steigen des Profits ablesen. Also: Entweder kann das Unternehmen mehr Produkte verkaufen oder es kann Produkte billiger loswerden und dadurch mehr Geld einstreichen. Was würde denn nun passieren, wenn Unternehmen nicht mehr wachsen dürften?

Ein Unternehmen produziert ein gewisses Gut, sagen wir Fahrräder. Was passiert nun, wenn der technologische Fortschritt es ermöglich mit weniger Aufwand mehr Fahrräder zu produzieren? Sollten mehr Fahrräder verkauft werden? Darf nicht passieren: Da die Unternehmen nicht wachsen dürfen. Oder sollten also nun Angestellte entlassen werden, da diese nun nicht mehr vonnöten sind? Und leider ist es in dieser Gesellschaft nicht so, dass weniger Arbeit für die Menschen etwas gutes verheissen würde. Nein, Arbeitslosigkeit ist für viele Menschen etwas sehr schädliches.

Was wäre nun mit einem Unternehmen, welches veraltete Maschinerie verwendet. Neue Maschinen gäbe es, die wären aber nur für ein größeres Unternehmen leistbar. Soll das Unternehmen nun auf die neuen, umweltschonenderen, Maschinen verzichten oder das Unternehmenswachstum nutzen um doch an die Maschinen zu kommen?

In diesen zwei Beispielen war von einem noch nicht einmal die Rede: Von der Konkurrenz der Unternehmen untereinander. Was passiert hier wenn ein Unternehmen effektiver wird? Also in weniger Zeit mehr produziert, vielleicht sogar umweltfreundlicher. Entweder entlässt das Unternehmen eigene Angestellte oder es übernimmt Marktanteile der anderen Unternehmen und setzt diese wiederum unter Druck.

Klar ist bei alledem: Unternehmen, welche Defizit machen, gehen unter. Denn ohne Geld läuft nichts in dieser Gesellschaft. Ohne Geld können Angestellte nicht eingestellt, Machinen nicht gewartet und ersetzt und Resourcen nicht gekauft werden.

Einen wichtigen Akteur in der ganzen Sache sollte mensch dann auch nicht unter den Tisch fallen lassen: Den Staat. Wie finanziert sich denn dieser? Er finanziert sich über Steuern bei Unternehmen und Angestellten und über Kredite am Finanzmarkt. Wachsen keine Unternehmen, werden Angestellte entlassen, so sinken auch die Steuereinnahmen. Sind die Unternehmen welche sich im Staatsgebiet befinden, nicht mehr konkurrenzfähig, so wird der Finanzmarkt negativ reagieren und entweder nur mehr teuer oder gar kein Geld mehr zur Verfügung stellen. Wie sich all dies auf einen Staat (und dessen Bevölkerung!) auswirkt, kann gut an Griechenland und anderen „schwächelnden“ Staaten beobachtet werden.

Fazit:

  • Selbst die hypothetischen Überlegungen und Beispiele darüber was passieren würde, würden Unternehmen nicht mehr wachsen, zeigen, dass ein Stop des Wachstums nicht zum Wohl von Menschen und Umwelt beiträgt.
  • Wer sich diese Welt und ihre Wirtschaftsweise ansieht, sollte auch einsehen dass eine solche Forderung nicht umsetzbar ist (siehe beispielsweise Überlegung zum Staat). Die ökonomischen Regeln der sogenannten sozialen Marktwirtschaft lassen sich nicht nach beliebigen biegen, verformen oder austauschen.

Das ganze soll jedoch nicht zu einem depremierten und hilflosen Schulterzucken führen. Mensch sollte sich bewusst machen, dass einer Wirtschaftsweise (= Kapitalismus), der alles an der Vermehrung von Geld und nichts an der Erhaltung der Umwelt und den Bedürfnissen der Umwelt liegt, sich nicht durch Reformen verbessern lässt. Zusätzliche Fesseln (die es in Form von Umwelt- und Arbeitsrecht ja bereits gibt) ändern nichts daran, dass im Kapitalismus nur produziert wird, was auch Geld einbringt. Also notwendigerweise schädlich für Natur und Mensch. Notwendig ist eine Wechsel der Wirtschaftsweise hin zu einem Wirtschaft, welche auf die Bedürfnisse von Mensch und Umwelt ausgerichtet ist.

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