Keine Hommage an die höheren Werte


Ehrlichkeit, Rücksichtnahme, Bescheidenheit und manch andere Werte sollten in dieser Gesellschaft vorherrschen. Egal ob im Zwischenmenschlichen in Familie oder auch am Arbeitsplatz. Doch oft scheinen diese Werte nichts zu gelten. Es wird gelogen, Rücksichten werden nicht genommen und Gier ist überall zu finden. So ist es auch kein Wunder dass vieles in dieser Gesellschaft falsch läuft. Die Mieten steigen, die Arbeitslosigkeit nicht sinkt, die PolitikerInnen nicht das Einhalten was sie versprechen. Also ist geboten diesen hohen Werten zum Durchbruch zu verhelfen. Jeder kleine Schritt, jede ehrliche, rücksichtsvolle Handlung im alltäglichen Leben trägt ein kleines Stückchen dazu bei, die Gesellschaft ein wenig besser zu machen….

So argumentierten manche/viele.  Ich möchte hier ein paar Argumente dazu liefern, warum es nicht der Mangel an hohen Werten ist, der in dieser Gesellschaft zu so viel schädlichen führt. Ganz im Gegenteil ist es der unbedingte Willen diese höheren Werte im Alltag durchzusetzen, die diese Gesellschaft und ihre unangenehmen Seiten aufrecht erhält.

Zuvor jedoch eine kurze Klarstellung: Ich plädiere nicht für Unehrlichkeit zwischen FreundInnen, nicht für rücksichtsloses Verhalten in der Familie. Ich plädiere (und das ist nun ein kurzer Vorgriff) für einen differenzierten Umgang mit diesen hohen Werten und der Einsicht in deren mangelnde Effektivität im politischen.

Wer für die oben genannten höheren Werte eintritt, will sie im ganzen Leben umgesetzt haben. Und das beinhaltet natürlich auch das Arbeitsleben (welches ja doch einen guten Teil des Lebens einnimmt). Auch dort soll durch ein moralisch einwandfreies Verhalten Harmonie und Freundschaft vorherrschen. Denn klar ist vielen: Konkurrenz, die Unehrlichkeit gegenüber KundInnen und das schlecht behandeln von Lohnabhängigen ist keine Ausnahme. Doch diese negativen Verhaltensweisen sind nicht auf moralisch verkommene Subjekte zurückzuführen, sie entstehen nicht aus „bösen Willen“, sondern schlicht, einfach und schlimm genug aus der Art und Weise wie die Ökonomie, die Art und Weise wie hier gewirtschaftet wird, organisiert ist. Das möchte in an zwei kurzen Beispielen erläutern.

Unehrlichkeit, mangelnde Bescheidenheit und Rücksichtslosigkeit gegenüber den Interessen anderer ist zu verdammen heisst es. Doch genau diese Eigenschaften sind es, die bei schon beim ersten Kontakt eines Jobsuchenden bei einer Firma notwendig sind. Denn: Wenn 10 Menschen einen Job suchen, jedoch nur ein Arbeitsplatz zur Verfügung steht, so ist Konkurrenz zwischen diesen 10 Menschen vorprogrammiert. Wer hier seinen oder ihren Lebenslauf bescheiden formuliert, wer nur die „Skills“ erwähnt die er oder sie wirklich besitzt, dem oder der wird es schlecht ergehen in der Konkurrenz – und einE andereR wird den Job bekommen. So ist es nur notwendig und natürlich sich rücksichtslos gegenüber die Interessen der anderen 9 BewerberInnen zu stellen. Denn klar ist: Es steht viel am Spiel. Schließlich ist Lohn die einzige Art und Weise wie mensch in dieser Gesellschaft an Nahrung, Kleidung, Wohnung und dem ganzen Rest kommt. (Ausgenommen sind natürlich BesitzerInnen eines ausreichenden Vermögens, diese müssen ihre Arbeitskraft nicht verkaufen!).
Wer in so einer Bewerbungssituation die hohen Werte lebt, wird Schwierigkeiten bekommen. Egal ob er oder sie gerne ehrlich wäre – die Konkurrenz unter Lohnabhängigen (und die ist im Kapitalismus nicht weg zubekommen) zwingt zu unehrlichen, unbescheidenen und rücksichtslosen Verhalten.

Ein letztes Beispiel: Habe ich als Lohnabhängiger einen Job gefunden, ist die Verletzung höherer Werte noch lange nicht hinter mich gebracht. Wünschenswert für viele ist ein kollegialer und rücksichtsvoller Umgang mit den anderen Mitarbeitern. Doch siehe da, auch hier schlägt die Art und Weise wie hier gewirtschaftet wird zu. Kommt eine neuer Kollege oder Kollegin in die Firma, dann heißt es erstmal: Unterstützung für die neue Arbeitskraft. Da sieht jede Chefität ein: 100% Effizienz im ersten Monat, das kann nicht gehen. Aber klar ist: Jede Schonfrist hat ein Ende und wer nach einer handvoll Monaten immer noch nicht die gewünschte Effizienz im neuen Job vorweisen kann, hat den Job schneller verloren als er oder sie glaubt. (Warum das so ist, ist klar: Nur lohnende MitarbeiterInnen werden eingestellt. Wer nichts für den Profit eines Unternehmens beitragen kann, hat dort auch nichts zu suchen). Also was tun, wenn die Chefität den alten Mitarbeit zu sich holt und über den neuen Kollegen befragt. Ehrlich sein und sagen: „Der neue Kollege arbeitet immer noch langsam und ineffizient“ oder doch „es läuft alles gut, der Kollege hat sich gut eingelebt“. Wer die Wahrheit spricht, liefert schnell die Argumente für die Kündigung des neuen Mitarbeiters. Wer das nicht tut: Der ist unehrlich und weiters: Die Ineffizienz des neuen Mitarbeiters muss ausgeglichen werden. Mehr Arbeit und Mühen für die „eingesessen“ KollegInnen. Was wäre das richtige Verhalten angesichts höherer Werte? Ehrlichkeit der Firma gegenüber, Rücksichtnahme des neuen Mitarbeiters, …?
Auch hier zeigt: Unkollegialität ergibt sich nicht aus „böses Willen“, sondern schlicht und einfach aus der Konkurrenz im Arbeitsleben.

Wer immer und immer wieder das Fehler der höheren Werte, deren mangelnde Durchsetzung beklagt, übersieht den wichtigsten Punkt: In einer Gesellschaft in welcher der Profit an erste Stelle steht, in welcher ein Mensch nur so viel Wert ist wie er oder sie in einem Unternehmen beitragen kann, in so einer Gesellschaft in der nicht die notwendige und sinnvoll zu erledigende Arbeit zählt, sondern nur die welche profitabel erledigt wird, sind höhere Werte ein Ideal welche nicht umsetzbar sind.

Wer ein Interesse an einem gemeinschaftlichen Zusammenleben hat, bei dem es um Kooperation und dem Wohlergehen aller geht, sollte nicht Ehrlichkeit und Rücksichtnahme predigen, sondern Aufrufen zu einem Kampf für Gesellschaft, welche es nicht notwendig macht gegen andere zu konkurrieren. (Wer Interesse an ein einer Argumentation hat, WARUM die Ökonomie in dieser Gesellschaft zwangsweise zu solch negativen Ergebnissen führt, empfehle ich meine kurze Einführung in die Kapitalismuskritik.)

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6 Antworten to “Keine Hommage an die höheren Werte”

  1. „…(Ausgenommen sind natürlich BesitzerInnen eines ausreichenden Vermögens, diese müssen ihre Arbeitskraft nicht verkaufen!)…“ Wie die nur dazu gekommen sind???

    • Gibt wohl einige Möglichkeiten. Die häufigste: Erbschaft. Andere: Einige Lohnabhängige schaffen es Unternehmen zu gründen und werden dadurch selbst unabhängig von Lohn (wiederum recht selten).

  2. „…Die häufigste: Erbschaft…“ Das ist nicht wahr und doch nur ein altes, linkes Klischee.
    Reine Vermögenserbschaften (etwa ala Gunther Sachs / Bohlen Halbach) sind eine exotische Minderheit.
    Handelt es sich um Unternehmenserbschaften sichert dies meistens auch die Kontinuität der Beschäftigung.

    „…werden dadurch selbst unabhängig von Lohn…“ Erstens ist es mitnichten selten (siehe Statistiken der Selbstständigen) Zweitens: Niemand „hängt vom Lohn ab“, sondern von seiner Produktivität. Wenn Sie Ihren Marx gelesen haben, wissen Sie, dass Arbeit ein handelbares Gut ist.

    Warum strömt denn alles nach Deutschland? Entweder lebt man hier im Durchschnitt vorteilhaft durch seine Arbeit, oder das soziale Netz garantiert einen akzeptablen Minimumstandard. In beiden Fällen, entkräftet dies beide Seiten Ihres Argumentationsspektrums.
    (Übrigens, meine alte Mutter kann von ihrer Rente € 200.- plus Wohnungskosten gut leben. ein HartzIV-ler streicht € 400.- (plus eventuellen Nebenjobs. Für Mallorca und einen Audi reichts nicht – aber dies ist ja auch nicht der Sinn, oder?).

    Ich war Lehrling, Arbeitnehmer, Arbeitgeber (60 Angestellte), 2x Pleite und Selbstständiger – und was sind Ihre Erfahrungen?

    • Also mal vorausgeschickt: Die Kritikpunkte von dir ändern an der Aussage des Textes erst mal gar nix. Wie ein Mensch zu Vermögen gekommen ist und warum es ein anderer Mensch nicht hat, hat keine Auswirkung auf die von mir gebrachten Beispiele. Mehr noch: Auch Menschen mit Vermögen müssen sich der Konkurrenz aussetzen und müssen im Verfolgen ihrer materiellen Interessen andere Leute schädigen. (Beispiele dafür habe ich nicht gebracht, weil die allermeisten Leute in Staaten wie Österreich und Deutschland eben NICHT UnternehmerInnen sind).

      Trotzdem ein paar Anmerkungen zu deiner Kritik:
      Reine Vermögenserbschaften (etwa ala Gunther Sachs / Bohlen Halbach) sind eine exotische Minderheit.
      Handelt es sich um Unternehmenserbschaften sichert dies meistens auch die Kontinuität der Beschäftigung.

      Dir fällt aber auf, dass die Vermögensverteilung in Ö, D und allen anderen kapitalistischen Ländern ganz ganz ähnlich ist. Nämlich: 10% der Leute besitzen 90% des Vermögens. Diese Vermögenden haben es sicher nicht von Tellerwäscher dort hin gebracht. Zusätzlich: Warum die Anmerkrung zum Thema „Kontinuität“? Das ist eine Rechtfertigung und keine Analyse der Situation.

      Erstens ist es mitnichten selten (siehe Statistiken der Selbstständigen)
      Was ist damit gemeint? Die Steigerung der Anzahl von Menschen die selbstständig sind? Naja, wenn das Leute sind die per Werkvertrag in Lagern arbeiten dürfen oder ProgrammiererInnen sind, welche ohne festen Arbeitsvertrag bei einem Unternehmen schuften dürfen, sind diese RECHTLICH nicht lohnabhängig. Stimmt. Aber natürlich in ihrerer ökonomischen Funktion. Den Kapital haben sie selbst nicht und sie SIND abhängig davon dass ein Unternehmen sie benutzt.

      Zweitens: Niemand “hängt vom Lohn ab”, sondern von seiner Produktivität. Wenn Sie Ihren Marx gelesen haben, wissen Sie, dass Arbeit ein handelbares Gut ist.
      Name dropping ist eine schlechte Art zu diskutieren. Wenn dann Argumente ausführen.

      Warum strömt denn alles nach Deutschland? Entweder lebt man hier im Durchschnitt vorteilhaft durch seine Arbeit, oder das soziale Netz garantiert einen akzeptablen Minimumstandard. In beiden Fällen, entkräftet dies beide Seiten Ihres Argumentationsspektrums.
      Wie oben erwähnt: Was das auch nur einen HAUCH mit dem von mir beschriebenen Thema zu tun hat, ist mir schleierhaft.

      Ich war Lehrling, Arbeitnehmer, Arbeitgeber (60 Angestellte), 2x Pleite und Selbstständiger – und was sind Ihre Erfahrungen?
      Und weil ich noch nie am Hungertod genagt habe, kann ich natürlich nicht wissen dass das was negatives ist oder? Das ist kein Argument was sie da bringen. Mensch kann die ökonomischen Regeln die für ein Unternehmen, Lohnabhängige, Arbeitslose, … existieren auch ergründen ohne selbst teil der Gruppe zu sein.

  3. „…Was das auch nur einen HAUCH mit dem von mir beschriebenen Thema zu tun hat…“ Anscheinend alles. Denn die gesamte wirre pseudo-moralische Leier Ihres Artikels steht doch nur auf Ihrem sozialistischen Klassenk(r)ampf und Neid.
    Ich kommntierte deshalb ja auch nur diese Ihrer Aussagen:
    “…(Ausgenommen sind natürlich BesitzerInnen eines ausreichenden Vermögens, diese müssen ihre Arbeitskraft nicht verkaufen!)…”
    Als Moderator Ihres Blog hätte eine kurze Feststellung dazu genügt.
    Dass Sie dennoch so langatmig darauf eingehen beweist, dass meine Annahme ins Schwarze getroffen hat.
    Ihre Gegenargumente klingen hohl und ausgeleiert. Sie verteidigen nur ideologische Positionen auf Teufel-komm-raus und lenken ab; ohne reale Vorschläge bereit zu haben – ich meine anders als „den Reichen wegnehmen und überall dort den Staat eingreifen zu lassen eingreifen wo jemand über den kleinsten gemeinsamen Nenner hinauskommt. Gudrun Ensslin hat es am besten formuliert:
    „…diese bürgerliche Schizophrenie, dauernd zu tun was man nicht meint, geht so weit, dass man eine demokratische Gesellschaft will und gleichzeitig an einer faschistischen zimmert.“

    Noch etwas: Sie können Jahre hinter einem Flugsimulator verbringen; wenn Sie das erste mal ohne Fluglehrer in eine Maschine steigen garantiere ich Ihnen eine Bruchlandung!

    • Gut, nachdem sie anstatt auf Argumente nur ihren Hass auf Links absondern hier die Warnung: Wenn das weitergeht werden weitere Kommentare ihrerseits gelöscht.

      Zum Thema Fluglehrer: Ich will ja auch kein Unternehmer werden. Stimmt, nur weil ich verstehe warum es Konkurrenz und Ausbeutung gibt im Kapitalismus, bin ich nicht automatisch ein erfolgreicher Ausbeuter. Nochmal: Ist auch nicht mein Ziel. Also unsinniges Argument.

      Zum Thema Staat:
      ich meine anders als “den Reichen wegnehmen und überall dort den Staat eingreifen zu lassen eingreifen wo jemand über den kleinsten gemeinsamen Nenner hinauskommt
      Das zeigt dass sie die Texte die ich schreibe nicht lesen, sondern nur auf „links“ scannen und dann wie wild rechte Hetze abliefern. Wäre es anders, hätten sie erkannt dass ich mit solcher sozialdemokratischer Umverteilungsargumentation gar nichts am Hut habe und ich die Rolle des Staates ganz anders sehe und einen ganz anderen Umgang mit ihm fordere.

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