In der Reihe „Das war schon immer so“: Homosexualität


Wird über Sexualität gesprochen, dann wird wird von DER Sexualität gesprochen. Egal ob es um Hetero-, Bi- oder Homosexualität geht, wird menschliche sexuelle Lust in ein Korsett gepresst. In ein Korsett von sexueller Identität, welches sich nach dem Ziel der sexuellen Gelüste richtig. Anders gesagt: Wer als Mann auf Frauen steht, der ist hetero, wer als Frau auf Männer steht ebenfalls. Frau steht auf Frau: Homo, das gleiche bei Männern. Und natürlich: Es gibt da noch die kleinere Kategorie der Bisexuellen.

BuchcoverWer so über Sexualität spricht, spricht über eines ganz sicher nicht: Wie sich Sexualität geschichtlich verändert hat. Anhand des (empfehlenswerten) Buches „Love Stories – Sex between Men before Homosexuality“ von Jonathan Ned Katz ist dies gut zu sehen. Beschrieben wird die Lebenssituation von „Männer liebenden Männern“ des neunzehnten Jahrhunderts in den USA. Spannend dabei: Geistige Liebe, also Liebe und Zuneigung ohne Sex. Das gemeinsame Schlafen in einem Bett, das Küssen und Händchen halten zwischen Männern, wurde als normal angesehen. Diese Aktivitäten wurden mit Sexualität nicht in Verbindung gebracht. Das Buch zeichnet die Entwicklung hin zu einer „homosexuellen Identität“ nach. Dabei ist schön zu sehen: So etwas wie DIE Sexualität, ganz ohne historischen Kontext ist nicht zu haben. „Normalen“ Sex, „normale“ Liebesbeziehungen gibt es nicht. Nicht in der Vergangenheit und auch nicht im Jetzt.

Wer sich weiter für das Thema interessiert, der oder dem kann ich auch das Buch „Die Vertreibung aus dem Serail: Europa und die Heteronormalisierung der islamischen Welt“ empfehlen. Auch dort geht es um die Herausbildung sexueller Identitäten, jedoch in der islamischen Welt.

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4 Antworten to “In der Reihe „Das war schon immer so“: Homosexualität”

  1. Dass man von DER Sexualität spricht hat einen guten Grund, nämlich dass das Wort die Gemeinsamkeit aller Sexualitäten, also aller Praktiken, die Menschen geschlechtliche Lust bringen, bezeichnet. Ich sehe da kein Problem. Man redet doch auch allgemein von Pizza, obwohl man sie in endlosen Variationen belegen kann. Dass es das Wort früher so nicht gab, darüber kann ich nur spekulieren. Kann sein, dass es ein bisschen egaler war als heute, zur bürgerlichen Gesellschaft gehört ja explizit die Familie mit Mann und Frau als Reproduktionsgemeinschaft, kann aber auch sein, dass man lieber gar nicht darüber geredet hat.

    • Dass man von DER Sexualität spricht hat einen guten Grund, nämlich dass das Wort die Gemeinsamkeit aller Sexualitäten, also aller Praktiken, die Menschen geschlechtliche Lust bringen, bezeichnet.
      Was ich mit „DER“ Sexualität ausdrücken wollte war: Eine ahistorische Form von Sexualität: Etwas dass im Kern immer gegeben war und ist. (Sprich: Heterosexualität und halt entweder erlaubte oder verbotene Homosexualität).
      Und das Argument wäre: Alleine das Konzept Homo vs- Heterosexualität ist schon ein historisches Phänomen.

      • Also du willst sagen: Leute, die von Sexualität allgemein reden tun so als wäre Homo- vs. Heterosexualität schon immer so eine Dichotomie gewesen? Weil gut, das mag jetzt Wortklauberei sein, aber auch im Mittelalter kann man ja von der Sexualität allgemein geben, damals war sie halt der Erscheinung nach was anderes, aber nicht dem Wesen nach *hegelmodeoff*
        Wenn du sagst: aber Leute, das war nicht immer so, willst du das was Leute heute sagen ja zurückweisen. Du beweist halt, dass es nicht Natur ist (dann wäre es ja früher auch so gewesen). Stmmt ja auch. Ich fände es aber interessant zu erklären, wieso das heute so eine Abgegrenztheit hat, ist also wieso Heten, Bisexuelle wie Schwule sich meist sehr deutlich als solche identifizieren und kaum jemand einfach sagt: ich schau mal, was sich so ergibt.

        • Also du willst sagen: Leute, die von Sexualität allgemein reden tun so als wäre Homo- vs. Heterosexualität schon immer so eine Dichotomie gewesen? Weil gut, das mag jetzt Wortklauberei sein, aber auch im Mittelalter kann man ja von der Sexualität allgemein geben, damals war sie halt der Erscheinung nach was anderes, aber nicht dem Wesen nach *hegelmodeoff*

          Naja das Argument ist eben: Klar, Leute hatten Sex. Aber es war vom Wesen her anders. Weil die Leute zb Liebe als rein geistige Sache gesehen haben und Sex als rein körperliche Sache. Und Sex zu nicht reproduzierenden Zwecken amoralisch war. usw usf.

          Ich fände es aber interessant zu erklären, wieso das heute so eine Abgegrenztheit hat, ist also wieso Heten, Bisexuelle wie Schwule sich meist sehr deutlich als solche identifizieren und kaum jemand einfach sagt: ich schau mal, was sich so ergibt.
          Das ist nicht der Fokus der Bücher. ABER: Es gibt bei beiden Büchern Indizien warum das so sein könnte (wenn ich mich recht erinnere: „Vertreibung aus dem Serail“ mehr). Ein Punkte wäre da: Sexuelle Aktivitäten zwischen Männern war Repressalien ausgesetzt. Insofern waren Menschen die Lust auf solchen Sex hatten nicht nur aufgrund dieser Lust in einer ähnlichen Situation, sondern aufgrund der Repressalien haben sie sehr sehr viele Interessen geteilt. Und das hat sich dann möglicherweise im Zuge des „sich wehrens“ zu einer Identität entwickelt.

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