Wir sind alle Dalai Lama


Nicht mehr lange ist es hin und der Dalai Lama beehrt uns mit seiner Anwesenheit. Konkret: am 21. Mai in Salzburg. Wir sind alle Dalai Lama, das könnte mensch glauben. Denn egal ob ich einE GrünwählerIn bin: „Ich habe Respekt vor dem Dalai Lama weil er sich für Menschenrechte einsetzt und sich gewaltlos gegen ein totalitäres Regime wehrt“ oder ob ich einE strammeR RechteR (FPÖ’lerIn) bin: „Der Dalai Lama kämpft für das Selbstbestimmungsrecht der Völker. Ein Vorbild für Südtirol.“ Natürlich gibt es auch eine sehr grosse Fangemeinde der esoterisch oder spirituell angehauchten Menschen, welche von seiner Philosophie beeindruckt sind. Und auch wenn mich der ganze beschriebene Käse nicht interessiert: Gegen den Dalai Lama kann mensch doch nichts haben oder?

Doch es gibt auch eine andere Sicht auf den „menschenfreundlichen“ Exregierungschef von Tibet. Ein Text der jungen Linken gibt hier eine gute Einführung

Der Dalai Lama ist für die interessierte Öffentlichkeit der Gütigste unter den religiösen Oberhäuptern und eine Ausnahmeerscheinung unter den VolksvertreterInnen. Gängige Meinung ist auch, dass China die TibeterInnen unterdrückt und dringend dazu gebracht werden muss, sein Militär aus der gebeutelten Region abzuziehen. China sollte vom Rest der Welt deutlich gemacht werden, dass es mit seiner brutalen Machtpolitik nicht weiterkommt
[…]
Uns stellt sich die Sache anders dar. Keine Sorge, wir haben nicht vor, dem Treiben von (chinesischen) SoldatInnen höhere Weihen zu verleihen. Ganz im Gegenteil: Wir haben ein echtes Problem damit, wenn Leute zu irgendetwas gezwungen werden. Und das kommt in Tibet dauernd vor: Leute müssen sich anderen Leuten dienstbar machen. Diebstahl wird bestraft – ganz unabhängig von den Bedürfnissen. Aber das hat nicht erst die chinesische Herrschaft eingeführt. TibeterInnen sind damit lauter Zwängen ausgesetzt, die in Chile, in Deutschland und im Rest der Welt nicht viel anders aussehen.

Was in Tibet aber dazukommt, sind ein paar besondere Zumutungen: Die Menschen werden benachteiligt, wenn sie nicht gut hochchinesisch sprechen, sie dürfen weder Bilder des Dalai Lamas noch Gebetswimpel aufhängen, sich nicht allzu offenkundig politisch äußern und vieles andere auch nicht.

Tibet-UnterstützerInnen kritisieren allerdings nur selten die konkreten schlechten Bedingungen, unter denen die meisten TibeterInnen nach, aber auch vor der chinesischen Invasion in Tibet zu leiden hatten und haben. Das einzige, was ihnen einfällt, sind alle Beschränkungen in Bezug auf das Tibetisch-Sein. Das finden wir falsch und widerlich obendrein.

Wer Tibet und Dalai Lama für unterstützenswert findet, aber die eigenen Argumente und Positionen auf den Prüfstand legen will, sollte sich den Text durchlesen. Und wer sowieso schon immer etwas Bauchweh hatte beim Hochleben lassen, der oder die sollte natürlich ebenfalls die Zeit dafür finden.

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