Entsolidarität und Hetze: DerStandard vorne mit dabei…


Über die Kommentare von Hans Rauscher im derStandard habe ich schon öfters gewettert. Heute ist es wieder Zeit. Denn im derStandard ist nach der Griechenland Wahl klar angesagt: Ja nicht zulassen dass sich ÖsterreicherInnen mit GriechInnen solidarisieren.

Gleich 3 mal durfte sich Rauscher in der letzten Woche auf der Seite 1 des derStandards über die Dummheit, der Verschlagenheit und Faulheit der GriechInnen beschweren.

Wenn die traditionellen Parteien ihren Kredit verspielt haben, dann kommen die extremistischen Gruppen. Manchmal von der extremen Linken, , im heutigen Europa eher von der extremen Rechten.
[… ]
Es seien Protestwähler, versichert man uns beschwichtigend, und sie meinten es gar nicht so. Das wird schon stimmen, zumindest für die Mehrzahl der Extrem-Wähler. Man sollte trotzdem meinen, dass sie in der Lage wären, zu erkennen, dass diese Parteien nichts besser, sondern alles schlechter machen würden.

Quelle: derStandard.at : Frustwählen

Ein Klassiker bei Rauscher: Wer sich (in seinen Augen) von der politischen Mitte verabschiedet ist „extrem“. Und „extreme“ Parteien sind alle gleich. Egal ob sie wie die FaschistInnen in Griechenland alle MigrantInnen aus dem Land werfen wollen (im besten Falle) oder ob sie wie die (sogenannte) radikale Linkspartei aus dem EURO austreten wollen. Ganz objektiv: Diese Parteien scheint ausser der Zuweisung „extrem“ nichts zu verbinden. Und doch werden sie gemeinsam genannt und die GriechInnen gescholten, dass sie gewählt wurden. Nicht weil Rauscher der Meinung ist dass der Austritt aus dem EURO schlecht wäre oder er Rassismus für ablehnungswürdig hält. Nein – die Inhalte werden bei ihm nicht besprochen. Es reicht die Zuweisung „extrem“. Und ganz am Schluss ist natürlich auch bei Rauscher klar: Demokratie schön und gut, aber klar ist auch, wenn die Menschen das „Falsche“ wählen, dann haben sie unrecht.

In Griechenland funktionieren die staatlichen Grundstrukturen irgendwie noch, wenn auch die sozialen Leistungen und der (überdimensionierte) Staatsapparat zurückgekürzt werden. Hellas ist aber wohl als Failing State einzuordnen, ein Land auf dem Weg in die Unregierbarkeit und Auflösung der Strukturen.
[…]
Die Griechen haben ihr Land am Wahlsonntag ein Stück weiter auf diesem Weg befördert, indem sie linksradikale und neonazistische Parteien stärkten. Aber Umkehr ist immer möglich. Die kommunistischen Staaten Mittel- und Osteuropas waren vor 20 Jahren praktisch Failed States: politisch und ökonomisch. Heute sind Polen, Tschechien, die Slowakei und Slowenien ziemliche Erfolgsgeschichten.

Quelle: derStandard.at : Failing State

Auch hier wieder: Griechenland hatte scheinbar einen zu großen Staatsapparat. So erklärt sich Rauscher die Welt. Dass es in einer kapitalistischen Weltwirtschaft in der Staaten um Erfolg konkurrieren VerliererInnen geben muss, dass erwähnt er natürlich nicht. Natürlich wird weiter gegen linke Parteien gehetzt: Ob links oder rechts. Ob für Sozialleistungen oder gegen MigrantInnen. Von den Inhalten will Rauscher nicht sprechen.

Wie sehr es ihm um das Wohl von Menschen geht, ist auch schnell ersichtlich. Bezeichnet er doch Polen, Tschechien, usw. als Erfolgsmodelle. Mögen sie auch im Vergleich zu anderen Ländern wirtschaftlich Erfolge feiern, den Menschen in diesen Ländern geht es nicht gut.

Alexis Tsipras macht sich keine Sorgen. Der jugendliche Führer des „Bündnisses der radikalen Linken“ (Syriza), das es bei den Wahlen in Griechenland mit 16,8 Prozent zur zweitstärksten Partei gebracht hat, will die Sparauflagen der EU sofort abschütteln, hat aber keine Angst vor den Folgen.
[…]
Das ist die klassische Mentalität „anderer Leute Geld“. Sie ist nicht nur auf Griechenland beschränkt und nicht unbedingt nur linkspopulistisch – auch die Rechtspopulisten sind gerne bereit, mit dem Geld anderer Leute die eigene Anhängerschaft oder „den kleinen Mann“ oder überhaupt „das Volk“ zu alimentieren.
[…]
Es ist aber genauso richtig, dass ein sehr beträchtlicher Teil der „normalen“ Griechen einen Wohlstand auf Kredit lebte.
[…]
Herrschaften wie Tsipras wollen das seelenruhig so weiter betreiben – mit dem Geld anderer Leute aus der EU. Und die Griechen haben sie gewählt.

Quelle: derStandard.at : Anderer Leute Geld

Auch hier will Rauscher den Menschen wieder in Erinnerung rufen: „Die GriechInnen sind und waren schon immer selbst schuld an ihrer Situation. Habt kein Mitleid, seht sie als Schmarotzer an, die unser Geld verprassen.“ Kleine Details entgehen Rauscher dabei wie immer natürlich. Beispielsweise: Das Geld das Griechenland aus den Rettungstöpfen der EU bekommt, geht sofort wieder zurück nach Mitteleuropa. Nämlich als Schuldenrückzahlung Griechenlands an deutsche, französische, spanische, .. Banken. Im Klartext: Wieder ein Rettungspaket für Banken, diesmal aber geschickter verpackt.

Von „Fehlern“ oder „Ungenauigkeiten“ bei der Recherche kann bei Rauscher nicht die Rede sein. Er und derStandard betreiben ganz klar Hetze und setzen sich ein für eine Entsolidarisierung.

P.S.: Wie zynisch die Welt ist, geht aus dem Artikel mit dem Titel „STANDARD-Chefredakteurin Föderl-Schmid erhält Vorhofer-Preis 2012“. Warum hat sie diesen gekriegt?

Föderl-Schmid setze sich in ihrer journalistischen Tätigkeit „in besonderer und vielfältiger Weise für eine offene demokratische Gesellschaft ein“.
[…]
Föderl-Schmid „ist unbeirrbar in ihrer kritischen Haltung gegenüber Mächtigen“, heißt es in der Jury-Begründung weiter.

Mensch sollte meinen, dass eine  Chefredakteurin etwas mit der Blattlinie zu tun hat, scheint nicht so zu sein…

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