Ratingagenturen: Alles nur Gefälligkeitsgutachten?


In dieser Serie an Blogpostings sollen verbreitete Mythen und Argumente gegen Ratingagenturen kurz beleuchtet und erklärt werden. Vorsicht: Es geht nicht darum Ratingagenturen gut zu finden, sondern um den Nachweis dass eine Reform/Abschaffung der Ratingagenturen nicht die Krise lösen kann. (Die zitierten Texte stammen aus dem Text „Downgrade!!! Macht und Ohnmacht der Rating-Agenturen“ von Ingo Stützle. )

Die Kritik:

[Es] wird kritisiert, dass Rating-Agenturen Gefälligkeitsgutachten erstellen, da seit den 1970er Jahren nicht mehr die Investoren für eine Prüfung bezahlen, d.h. diejenigen die ihr Geld profitabel anlegen wollen, sondern diejenigen, die die Wertpapiere ausgeben, d.h. verkaufen wollen. Ratings würden somit zu bezahlten Gefälligkeiten, Korruption hätte System.

Die Antwort:

Richtig ist, dass ohne die Rating-Agenturen die strukturierten Finanzprodukte, d.h. die mit Immobilienkrediten unterlegten Wertpapiere, die u.a. zur Krise 2008ff. führten, nicht derart zum Kassenschlager geworden wären. Die Banken vertrauten den Ratings, und durch gute Noten, die die Agenturen diesen Wertpapieren gaben, konnten sich die Anleger in Sicherheit wiegen. Dennoch ist die Kritik, die Agenturen würden nur Gefälligkeitsgutachten abliefern, völlig überzogen – schließlich gibt es auch die Investoren, die ihr Kapital rentabel und sicher anlegen wollen. Rating-Agenturen können also keine unglaubwürdigen oder realitätsfernen Gutachten produzieren, sonst machen sie sich unglaubwürdig und damit überflüssig. Hätte die Finanzkrise 2008ff. tatsächlich bewiesen, dass Rating-Agenturen nur Gefälligkeitsgutachten erstellen, so wäre das Vertrauen der Märkte in das Urteil der Agenturen zerbrochen. Dem ist jedoch nicht so.

Für die Staatsanleihen greift die Kritik, die Agenturen würden gegen Bezahlung gefällige Ratings abgeben, überhaupt nicht, da die Staaten nicht für die Ratings bezahlen. Deshalb werden diese Benotungen auch als «unsolicited rating», d.h. unaufgefordert oder unerbetene Ratings bezeichnet. Dazu gehören die Bewertungen von Anleihen aller wichtigen Industrienationen und vor allem die Staatsanleihen der USA, Frankreichs, Deutschlands aber auch Japans. Staatsanleihen stellen eine Art Standbein der Finanzmärkte dar, ein sicherer Hafen in krisenhaften Zeiten.6 Je sicherer eine Staatsanleihe ist, desto relevanter ist sie für eine langfristige Anlageper­pektive.

Staatsanleihen kleinerer Staaten sind demgegenüber für die Finanzmärkte und als Anlageform unbedeutend. Deshalb müssen diese Staaten auch für Ratings bezahlen. Ohne Rating bekommen sie keinen Kredit auf den Finanzmärkten. Die
Kritik, Rating-Agenturen würden Gefälligkeitsgutachten produzieren, zieht bei Staatsanleihen somit überhaupt nicht. Und vor allem bei der Herabstufung der Bonität von Staaten wie Griechenland gerieten die Rating-Agenturen in Verruf.

Wer mehr über Ratingagenturen, z.b. über deren Geschichte, wissen will: Der Artikel von Ingo Stützle steht als PDF zur Verfügung.

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