Vertrauen wir unseren deutschen Eltern…


Eltern haben unser Bestes im Sinn, auch wenn sie gerade streng zu uns sind. Eltern haben unser Vertrauen verdient, auch wenn uns ihre Führungsrolle kränkt. 

Wenn es nach Eric Frey und Hans Rauscher geht, trifft das besonders dann zu, wenn der Vater/die Mutter „Deutschland“ heisst.

Eltern sind mit dem Problem gut vertraut: Wenn Kinder aus eigenem Verschulden in Schwierigkeiten geraten, soll man schimpfen oder helfen? Wohl stehen Eltern bei echten Gefahren ihren Sprösslingen bei, aber meist wollen sie auch, dass diese etwas daraus lernen und sich nicht daran gewöhnen, dass andere ihnen aus der Patsche helfen.

Es ist dieses Dilemma, das den monatelangen Schlingerkurs der deutsche Regierung in der Eurokrise erklärt. Angela Merkel spielt die strenge Mutti, die ihren ungehorsamen Kindern in Südeuropa endlich gutes Benehmen beibringen will. [derStandard.at: Die Zeit der Predigten ist vorbei]

So klingt Eric Frey. Zwei Tage später hat Hans Rauscher im Einserkastl mit dem Titel „Deutschland vertrauen“ folgendes zu sagen

Aber in der jetzigen Regierung, in der politischen Klasse als Ganzes, auch in der öffentlichen Debatte: Vernunft, maßvolle Zurückhaltung, Verantwortungsbewusstsein überwiegt bei weitem. Wer führt, muss sich durchsetzen. Aber Machtmissbrauch und Herrschaftsstreben muss man nicht befürchten. Das Deutschland von heute hat sich Vertrauen erarbeitet. [derStandard.at : Deutschland vertrauen]

Hier wird das Bild vermittelt: Deutschland als Wirtschaftsmotor der EU hat das Gemeinwohl im Sinn. Auch wenn „Nachsitzen“, „etwas sparen“, usw usf etwas unangenehm sein mag, es ist doch nur damit es uns bald wieder besser geht. Tough Love quasi.

Wer so argumentiert, so schreibt und berichtet, der oder die lässt folgendes gleich aussen vor: Die Staaten (egal ob Deutschland, Frankreich oder Griechenland) stehen zueinander in Konkurrenz. Wer mehr exportiert, bekommt mehr Devisen. Wer eine stärkere Wirtschaft hat, der hat mehr zu sagen.

Beispiel gefällig?

In den letzten Tagen wurden Pressemeldungen veröffentlicht, die aufzeigen, dass Deutschland und Frankreich mit den Hilfsgeldern an Griechenland jedoch nicht nur ihre eigenen Banken retteten. Sie nutzten diese Kredite auch als Druckmittel, um groß angelegte Waffengeschäfte einzufädeln. Während Merkel und Sarkozy auf offener Bühne um die „richtige“ Griechenland-Politik stritten und der griechischen Bevölkerung einen Sozialkahlschlag verordneten, arbeiteten sie hinter den Kulissen daran, die Interessen ihrer jeweiligen Rüstungsindustrie zu befriedigen. Laut Pressemeldungen waren die Rüstungsdeals eine der informellen Bedingungen, auf deren Grundlage die EU und der IWF die Kredite an Griechenland gewährten. [Deutschland und Frankreich nutzen Griechenland-Kredite für große Waffengeschäfte]

Oder auch hier

Weltweit liefern deutsche Firmen Spionage-Software – auch an Diktaturen. In Ägypten setzten Sicherheitskräfte des Mubarak-Regimes Spähprogramme „made in Germany“ ein, um Oppositionelle zu überwachen. Kein Einzelfall; das belegen Dokumente, die im Internet auch über WikiLeaks abrufbar sind. Und die Bundesregierung fördert solche Exporte auch mit Kreditgarantien, den sogenannten Hermes-Bürgschaften. [Deutsche Spionage-Software für Diktatoren]

In der Konkurrenz geht es nicht um das „Beste für alle“, sondern schlicht und ergreifend um Machtgewinn bzw. Absicherung!

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